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Der Bikertreff-Forumstreffen-Blog

Treffen und gemeinsame Ausfahrten des Bikertreff-Forum

02.06.2013 17:51    |    Lewellyn    |    Kommentare (44)

Tja, als ich dieser Tour den Namen "Die harte Tour" gab, bezog ich das lediglich auf die Länge der Tour. Das dieser Frühling sich alle Mühe gab, dem Namen der Tour gerecht zu werden, war irgendwie nicht geplant. Aber der Reihe nach...

 

Mittwoch, 09.00 Uhr: Der Himmel ist trüb, der Regen der Nacht hatte sich nach Süden verzogen. Ein Blick aufs Wetterradar verriet mir, das Camion-Rebel (fortan CR) und Hubi das ganze Wasser sozusagen direkt ins Gesicht bekommen würden, während es für unsere Strecke eigentlich ganz gut aussah.

 

Nach einer letzten Luftdruckprüfung verließen Wolfi und Ich gegen 09.20 Uhr die heimatlichen Gefilde. Mutig wie wir waren, nahmen wir die kürzere Route über die A45 durchs Sauerland. Das sich durchgehend nieselig neblig bei etwa 3 Grad als wenig Moppedfreundlich entpuppte. Nun ja, dachte ich mir, wenigstens wird's nicht mehr kälter. Dachte ich. Ein erster Tankstop war noch ungemütlich. Danach, mit erreichen der Frankfurter Ebene kam sogar mal kurz die Sonne raus. Keine Staus, alles lief flüssig und wir waren pünktlichst um 12.30 Uhr am verabredeten Treffpunkt mit Sinan, dessen Anreise aus dem Kölner Raum ähnlich flüssig verlief. 50km vor dem Hotel bekamen wir aber dann doch noch einen massiven Schauer ab.

 

Planmäßig erreichten wir gegen 15.30 Uhr Ötlingen. CR und Hubi waren kurz vorher angekommen und bestätigten meine Vermutung, dass sie das Regengebiet tatsächlich 4 Stunden lang direkt in die Fr... durchfahren mussten. Hubis Laune tendierte gegen Null. Eine Aprilia Tuono ist halt wetterschutztechnisch nicht so der Hit. Aber das musste Hubi noch häufiger feststellen. Der "Ochse" ist eine urige Gaststätte mit einer tollen Terrasse mit Blick über Weinberge und Basel, was aber angesichts der Temperaturen und des Wetters selbst in Moppedklamotten zu ungemütlich war.

 

Donnerstag: Nettes Frühstück morgens mit gutem Service, die Sonne schien auch und verhieß eine Entschädigung für den ersten Tag. Angesichts der anstehenden, 460km langen Landstrassenetappe fuhren wir gegen 08.00 Uhr pünktlich los. Direkt nach Frankreich rüber erreichten wir nach kurzer Zeit die ersten Kurven. Strassen trockneten aber nur zögerlich. Nach dem Wechsel ins Schweizer Jura wurden die Strassen auch trockener, ein paar schöne Kurvenstrecken lagen auf der Route. Das Damoklesschwert der Schweizer Bussgelder drosselte aber den Spass ein bischen. Schön ist das nicht, immer penibel aufs Tempo achten zu müssen. Gegen 11.00 Uhr machten wir in einem kleinen Schweizer Ort Kaffeepause. Angesichts der strahlenden Sonne konnten wir sogar schön draußen sitzen. Die Laune aller hob sich sichtlich. Hubi hatte auch an diesem Tag Geburtstag.

 

Beim Durchfahren von La Chaux-de-Fonds, was sich als ausgewachsene Stadt entpuppte, touchierte CR beim Stopandgo Wolfis Koffer mit seinem, kam aus dem Gleichgewicht und legte ein Pirouette auf seinem Seitenkoffer hin, nachdem er vor Schreck die Kupplung kommen ließ und das Gas ungewollt aufriss. Außer ein paar Kratzern ging das aber sehr glimpflich ab.

 

Nach diesem Event und der schönen Kaffeepause erkannte ich, das wir dem Zeitplan deutlich hinterherhingen. Es war schon nach 12 und wir hatten noch nicht mal 1/3 der Strecke. Also strich ich für die nächsten 2 Stunden die Raucherpausen und wir fuhren bis zum geplanten Mittagessen- und Tankort Saint Claude durch. Kurz vor Schluss gabs dann kurventechnisch schon mal eine Vorgeschmack auf die kommenden Kurven. Sehr schöne Strecke. Gab zwar hinterher Gemecker, aber das ist halt das Los des Tourguides. Nachher mussten mir auch alle recht geben, dass die Entscheidung richtig war.

 

Gegen 15.00 Uhr war dann auch die Pause und das Tanken zu Ende. Ein Blick aufs Regenradar verhieß nichts Gutes. Wir würden nass werden. 190km standen noch auf dem Navi. Nach etwa 40km setzte dann auch der Regen ein, der entgegen meiner Schätzung laut Regenradar auch nicht mehr aufhörte. Er ging nur auf den hohen Etappen in Schneeregen über. Regen auf der Autobahn ist ätzend. Regen auf unbekannten Strecken in den Bergen ist megaätzend. Der Fahrschnitt sinkt dramatisch. Das Ganze noch garniert mit Temperaturen zwischen 2 und 6 Grad, da sinkt der Fahrspass noch deutlich unter die Temperaturgrenze.

 

Bei einem kurzen Halt unter dem Dach einer stillgelegten Tankstelle wrang Hubi seine neuen Winterhandschuhe aus, aus denen das Wasser in erstaunlicher Menge herauslief und steckte seine blaugefrorenen Hände in die Ersatzhandschuhe (Sommer/Racing). Da ich noch mein Paar alte Gummiüberzieher dabei hatte und sowohl über dichte Handschuhe, Windschutz durch die Spiegel, als auch eine Griffheizung verfügte, brauchte ich die nicht und gab sie Hubi. Zum ersten Mal lief meine Griffheizung längere Zeit auf Stufe 2, die normalerweise die Hände kocht. Aber, es muss wohl nur kalt und feucht genug sein.

 

Hubi meinte dann auch, nachdem wir gegen kurz vor 20 Uhr im Schneeregen das Hotel in Rencurel erreichten, das wäre die härteste Tour seines Lebens gewesen. Auf einer Tuono war sie das bestimmt. Auf meiner Telefonzelle gings. Ich bin immer wieder sehr angetan davon, wie einfach und komfortabel mich die RT auch unter widrigsten Bedingungen durch die Kurven dieser Welt trägt.

 

Abends gabs dann auch noch einen Geburtstagskuchen für Hubi, der diesen Geburtstag nach eigener Aussage niemals vergessen wird.

 

Freitag: Wir sind mit Titus und seiner Truppe in Clelles verabredet. Um 11 Uhr. Das Wetter sieht nicht sehr freundlich aus und kalt ists auch. Ich streiche die Kurvenetappen aus der Tour und verlege den Abfahrtszeitpunkt von 09.00 auf 09.45. Leicht nieselig fahren wir in die Regenklamotten gehüllt los. Schon nach 10km stehen wir vor der Vollsperrung der Bourneschlucht. Das ist jetzt doof, weil es keinerlei zeitlich akzeptable Alternativroute gibt. Die Umleitung führt über den höchsten Pass des Vercors, angesichts der Temperaturen keine Alternative.

 

Also Umplanen und quasi von hinten über den Col de Menee zum Treffpunkt. Wir werden zwar 1 Stunde zu spät kommen, aber wir fahren ihnen entgegen und wenn sie die geplante Route fahren, müssten wir sie treffen. Zunächst müssen wir dafür aber über den Col de Roussette. Der Niesel ging in Regen über und mit jedem Höhenmeter wurde es kälter. Oben fuhren wir dann im Schneetreiben über den Pass, dessen eigentliche Passhöhe ein Tunnel ist (im Tunnel gings, dafür war Eis drin). Auf der Südseite erkannte ich durchs Schneetreiben Die, die Hauptstadt der Region, und da schien es heller zu sein.

 

Nachdem wir zunächst mit dem bisher uns unbekanntem Phänomen der Schneeansammlung auf dem Visier konfrontiert wurden, wurde es dann mit jedem Höhenmeter wärmer, der Schnee ging rasch in Regen über und hörte noch vor Erreichen von Die ganz auf.

Dort kam sogar die Sonne durch. Der Plan, über den Col de Menee Titus entgegen zu fahren, scheiterte an dem Schild „FERME!“. Pass war gesperrt. Das Treffen würde also wohl nicht zustande kommen. Ich entschied dann erstmal, das wir zum geplanten Mittagessenort „Le Clapse“ fahren, dort einen Cafe trinken und dann mal gucken. Die Sonne schien, es war nur sehr windig. Da die Tourplanung sowieso für die Tonne war, fuhren wir anschließend eine kleine Tour von Le Clapse aus über 4 Pässe aus meinem Gedächtnis. War auch schön. Und vor allem sonnig und trocken.

 

Gegen kurz nach 14.00 Uhr trafen wir wieder in Le Clapse ein, wo wir nicht nur mit Titus Truppe eigentlich Mittagessen wollten, sondern wo auch der TDIBIKER dazustossen wollte. Aber auch ihm hatte das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und es kam nicht dazu. Das Bistro hatte mangels Gäste mittlerweile geschlossen.

 

Wir wechselten also in den nahegelegenen Ort, wo wir windgeschützt und bei strahlender Sonne auch nix zu essen bekamen, da es nach 14.00 Uhr war. Da kennen die Franzosen nix. Da sitzen die Wirtsleute selber beim Essen und daher gibt’s nur Cafe. Sobald aufgegessen ist. Immerhin hatte das dann wirklich schon einen südfranzösischen Moment. Wärme, Sonne, guter Milchkaffee.

Der Rückweg gestaltete sich trocken und nach Erreichen des Hotels entschieden Daniel und ich nochmal die spektakuläre Anfahrt zum Hotel vom Vortag zu fahren, die wir im strömenden Regen am Tag zuvor nicht würdigen konnten. Ein donnernder Wasserfall direkt neben der Strasse und spektakuläre Klippen mit fantastischer Aussicht waren den Abstecher wirklich wert.

 

Samstag: 09.00 Uhr. 5cm Neuschnee. Die geplante Vercorstour, ein echtes Highlight der gesamten Tour, fällt nicht ins Wasser, sondern in den Schnee. Gegen Mittag ist der Schnee weitgehend weggetaut. Dafür regnets. Mal mehr, mal weniger, mal nicht. Poolbilliard vertreibt die Zeit. Teile der Truppe sind schon mittags beim Rotwein. Daniel und ich geben die Hoffnung nicht auf, dass es gegen Nachmittag besser werden könnte. Gegen 16.00 Uhr erst zeigt sich eine größere Lücke. Wir beide schwingen uns auf die Moppeds und fahren zumindest zur Route de Combe de Laval. Das klappt auch auf halbwegs trockenen Strassen. Dort oben sehen wir bei dem fantastischen Weitblick übers Rhonetal den nächsten Schauer kommen. Also wieder runter ins Tal und auf den letzten Kilometern vor der nächsten Tanke erwischt es uns schon. Nachdem wir dann den Schauer unter dem Tankstellendach abgewartet haben, fuhren wir wieder ind Hotel zurück, welches wir pünktlich vor dem nächsten Schneeregenschauer erreichten. Damit war der Samstag tourtechnisch mit 78km abgehakt.

 

Sonntag: Transfertour ins nächste Hotel. Mit 360km nicht besonders kurz, darin aber 30km Abstecher nach Notre Dame de la Salette. Zunächst feuchtkalt und auf dem Pass runter nach Grenoble auch noch mit ein bischen Schneeregen garniert, wird das Wetter mit jedem Kilometer südlich zusehends besser. Notre Dame de la Salette ist auch für Nichtgläubige unbedingt einen Abstecher wert, da die Strasse da hoch von feinster Kurven- und Asphaltqualität ist und es einfach ein besonderer Ort ist.

Die weitere Anfahrt über den Lac de Serre Poncon und die Clue der Barles war sehens- und fahrenswert.

Abends erreichten wir dann müde aber zufrieden bei gutem Wetter Beauvezer und bezogen unsere neuen Zimmer.

 

Montag: Wetterbericht verheißt strahlende Sonne von morgen bis abends. Ich entscheide, das wir das gute Wetter für eine „Erholungstour“ nutzen und den Grand Canyon du Verdon umrunden. Mit 262km die kürzeste Tour (planmäßig). Und tatsächlich wird es ein traumhaft schöner Tag mit ebenso spektakulären Ausblicken wie Kurven. Endlich hab ich mal wieder Zeit, die Südstrecke des Verdon zu fahren. Endlose Kurven und spektakuläre Schluchtenblicke. Würde man an jedem Aussichtspunkt halten, benötigte man bestimmt 2 Tage für die Tour. Die reine Runde um den Canyon ist 108km lang. Und das quasi Geradenfrei.

 

Dienstag: Der morgendliche Blick aufs Wetter verheißt nur begrenzt gutes. Da es zur Küste hin besser werden soll, fahren wir also die Tour zum Mittelmeer. Die Entscheidung war wettermäßig richtig, aber schön war ist anders. Cote d´Azur ohne Sonne verliert auch viel an Attraktivität. Zumindest trocken sind wir bis Castellane unterwegs. Dort entscheiden Wolfi und CR, direkt zum Hotel zu fahren. Bei mir steht noch planmäßig der Col du Defend auf dem Plan, der ist eher etwas abseits gelegen und entpuppt sich als grossteils üble Huckelstrecke. Leider war über diesen Pass nix im internet an Iinfos zu bekommen, so dass ich keine Ahnung hatte, was uns erwartet. Hubis Laune ist schon finsterer als der Himmel. Der dann auf den letzten 15km die Schleusen öffnet und echte Wassermassen auf uns los läßt. Um dem ganzen dann die Krone aufzusetzen, laufen wir auf eine Schafherde auf. Von hinten. Kein Durchkommen, Starkregen von oben, schmierige Schafscheiße von unten. Ein perfekter Tourabschluss.

Hubis Gesichtssausdruck beim Abendessen war noch finsterer als das Wetter. Die anderen Truppen im Hotel bestätigten zumindest meine Entscheidung, zur Küste zu fahren. Die waren fast nur im Regem unterwegs.

 

Mittwoch: Hubis skeptischer Blick auf meine Beteuerungen, es würde sonnig werden, wurde von der über der Berg kommenden Sonne bei blauestem Himmel weggebrannt. Col de Turini stand eigentlich auf dem Programm. Aber irgendwie sind das neue Navi Zumo350LM und ich noch nicht auf einer Wellenlänge. Jedenfalls fiel der Teil mit dem Col de Turini weg. Machte aber nichts. Ein eigentlich als Nebenziel geplanter Ort wurde zum absoluten Highlight. Madonna d´Utelle. Ein unbedingtes Muss als Ziel in den Seealpen, bei Bikern noch ziemlich unbekannt. Ein unglaublicher 360 Grad Ausblick auf die Seealpen, Hochalpen und das Mittelmeer mit Cannes und Nizza. Vorher fuhren wir noch durch die Daluis- und Cianschlucht, von welcher der Col de la Sinne abzweigt, der seinerseits mit einem spektakulärem Panorama glänzen kann. Dafür aber wahrscheinlich zu den am wenigsten befahrenen Pässen der Seealpen gehört, weil er in der Garmindatenbasis als teilgeschottert aufgeführt ist, was aber nicht stimmt. Und auch in der Cianschlucht nicht wirklich ausgeschildert ist.

 

Leider nutzte die von Hubi für die Madonna angezündete Kerze zumindest für die Aprilia nix. Der Starter verweigerte ab dort den Dienst. Einen 1000er-V2 in so einem leichten Motorrad anzuschieben, ist verdammt nicht einfach. Nach einmal Anschieben nach Tankstopp (Zweitschlüssel mitnehmen, schreib ich immer wieder, aber nicht jeder macht es, gell Hubi?), fuhren wir über den letzten Pass zum Hotel, als uns auf der Passhöhe ein regelrechter Schneesturm überraschte, so dass wir für die restlichen 20km doch noch die Regenkombis rausholen mussten. Nachdem wir eine Stunde zuvor bei 25 Grad und strahlender Sonne unterwegs waren, war es dort nur noch knapp über Null.

 

Donnerstag: Hubi hat über Nacht entschieden, die Tour abzubrechen und nach Hause zu fahren. Ohne Reparatur. CR konnte ihn dann auch nicht alleine fahren lassen, denn zu zweit anschieben ist schon schwer, alleine eigentlich unmöglich. Die beiden sind dann Donnerstag morgen die knapp 900km nach Hause gefahren und es hat leidlich funktioniert. Sie sind jedenfalls angekommen.

 

So waren wir also nur noch zu viert. Der Col de Turini war immer noch offen auf meiner Liste, von daher fuhren wir die Alternativtour dafür, die ich noch mit hatte. Die Seealpen sind wirklich unglaublich kurvig. Leider auch sehr zersiedelt im südlichen Teil. Wir fuhrendann den Col de Turini von Süden her, da ist er eher unspektakulär. Oben war eigentlich Mittagessen geplant, aber das Wetter hatte sich ziemlich zugezogen, dunkle Wolken quollen ringsum und kalt war es auch. Also fuhren wir weiter die Nordrampe, die wirklich sehr sehr kurvig ist und schön zu fahren. Aber runter ist halt nicht ganz so schön wie hoch.

Auf dem nächsten Pass, dem Col de St. Martin gab es oben auf 1500m ein Skigebiet mit auch jetzt offener Restauration und die Sonne schien auch gerade. Also machten wir dort Mittagessen. Allerdings war die Sonne schon nach dem Hinsetzen weg. Wenigstens war es windgeschützt beim draußen sitzen. Das dicke Ende kam dann beim Losfahren. Wolfis Hinterreifen war bar jeden Luftdrucks oberhalb des atmosphärischen. Eine Holzschraube hatte es sich im Mantel bequem gemacht.

 

Als vorbereiteter Tourguide fuhr ich seit Jahren eine Dose Reifenpilot für Motorräder durch die Gegend. Jetzt sollte ihre Stunde kommen. Sollte. Leider entpuppte sich die Dose ausreichend für einen halben Vorderreifen aber niemals, auch nicht im Ansatz nicht für einen 160er Hinterreifen.

 

Also doch den ADAC anrufen. Der vermittelte dann nach einigen Schwierigkeiten („Sie stehen aber schon etwas abgelegen…“) einen Einsatz eines in der relativen Nähe ansässigen Pannendienstes. Sollte 1,5 Stunden dauern. Das wäre fix. Vor Jahren haben wir schon mal 4 Stunden gewartet. Aber das war auch Sonntags. Da Wolfi mit Cafe und einem warmen Plätzchen versorgt war und es eh unklar war, was weiter passiert (Repversuch oder Aufladen), kamen wir dann nach einiger Zeit überein, das der Rest zum Hotel zurückfährt, da egal, was gemacht wird, wir eh nicht helfen können. Navi hatte Wolfi, so dass er auf jeden Fall zum Hotel zurückfinden konnte und eigentlich war es auch nach dem Pass eigentlich nur noch Hauptstrassen zurück. Für die, die sich auskennen: Runter ins Val de Tinee (wo es auch zum Bonnette hochgeht) Richtung Nizza, dann rechts an der Var entlang Richtung Entrevaux/Digne.

 

Der Pannendienst kam auch unerwartet schnell, pumpte den HR mit 2 Dosen Reifenpilot voll und Wolfgang konnte uns folgen. Leider versuchte sein Navi, warum auch immer, ihn über irgendwelche Ziegenpfade zu führen. Nach telefonischer Einweisung war er aber auf dem richtigen Weg. Auf den letzten Kilometern zum Hotel kreuzte noch ein kleines Reh seinen Weg, das Bremsmanöver und die anschließende Kollision mit dem Seitenspiegel der K100 überstanden K und Reh nur leicht lädiert.

Das Reh entschwand und den Spiegel konnte man mit etwas Tape fixieren. Leider zeigte auch Wolfis rechter Simmerring Konditionsschwäche und pumpte schon länger fleißig Gabelöl von innen nach außen.

 

Freitag: Transfertag wieder zurück nach Rencurel. Die geplante Route musste ich wieder adhoc umplanen, da der erste Col, der Col de Corobin, ebenfalls gesperrt war. Wolfi trennte sich wieder von uns, da wir noch einen weiteren Pass auf dem Plan hatten und der für seine nun unterdämpfte Gabel nicht so gut gewesen wäre. Treffpunkt war die Domaine de Fombeton, wo wir uns dann wieder trafen und von Maitre Moritz aufs herzlichste begrüßt wurden (ich war schon 5 mal da). Selbst der Kaffee war spendiert. Danach fuhr Wolfgang auf direktem Weg ins Hotel, während Daniel, Sinan und ich noch zwei Pässe zusätzlich einschoben, darunter endlich den Col de Grimone, der eigentlich jedes mal auf der „zu fahren“ Liste stand, aber nie rein passte. Und er entpuppte sich als wirklich netter Pass mit schöner Schlucht. Nix spektakuläres (für die Ecke), aber sehr nett. Dafür gab auf dem Weg dahin richtig schönen Sturm in den Tälern, dass man das Mopped kaum auf der Spur halten konnte.

Je näher wir ans Hotel kamen, desto nasser wurden die Strassen und das Le Marronier empfing uns wieder mit Regen.

 

Samstag: Wetterbericht und Wolkenradar zeigte die Rückroute weitgehend regenfrei. Allein am Le Marronier nieselte es. Und diesig war es auch. Nach dem losfahren mussten wir über den naheliegenden Pass und auf dem Weg dahin verschluckte uns die Wolkendecke. Wie bereits im Sauwetterthread geschildert, Nebel mit Sichtweite 2m. Grob geschätzt. Die Ränder der 1,5 Spuren breiten Strasse waren teilweise nicht zu sehen. Sie hatte auch weder Mittelstreifen noch Randmarkierung. Instrumentenfahrt nach Navi. Scheibe, Brille, Visier alles vollkommen beschlagen. Ich fuhr dann mit Visier hoch und Brille runter. Daniel meinte noch zu mir über Interkom, dass ich zu weit links fahren würde (es gab sporadischen Gegenverkehr, den man vieleicht 20m vorher erkennen konnte). Bevor ich ihm Antworten konnte, dass ich nicht der Meinung bin, weil ich den linken Straßenrand erahnen konnte, war der Parkstreifen, den er irrtümlich für die Strasse gehalten hatte, zu Ende und er befand sich "Offroad". Gottseidank kam er ohne Sturz wieder auf den Asphalt. Auf einem Pass im Hochgebirge ist das Verlassen der Fahrbahn meist eher nicht gut.

 

Aber der Hammer kam wenig später. Diese undurchsichtige Nebelsuppe befand sich auch im folgenden, unbeleuchteten Tunnel. Fahrlicht sah man nix, war zu funzelig. Fernlicht gab eine gelbweisse Wand. Der Tunnel war einspurig mit Ausweichbuchten und sogar mit Kurve. Echter Blindflug in dunkler Höhle. Nach etlichen Höhenmetern kamen wir endlich unter die Wolkenhöhe und man konnte wieder was sehen.

 

Die von mir geplante Route führte uns auf geradester Linie nach Norden, die ersten 120km Überland. Dadurch umgingen wir 3 Mautstationen und sparten etwa 50km Strecke. Schneller war es wahrscheinlich nicht, aber billiger. Nach dem Erreichen der Autobahn fing meine Elfe plötzlich an rumzuzicken. Das Fahren glich mehr und mehr einem Rodeoritt. Als würde jemand am Killschalter rumspielen, brach die Leistung im Sekundentakt ein und wieder an. Ich bekam dann raus, dass sie am besten unter Last lief, beim Gas wegnehmen am schlimmsten ruckelte. Nun kann man in Frankreich nicht ständig Vollgas fahren, aber wir waren dann sehr zügig und ich sehr ruckelnd unterwegs.

 

Nach der Tankpause lief sie erst besser, dann kam das Ruckeln wieder. Na toll. 700km ruckeln, dachte ich so. Bei Dijon verabschiedete Daniel sich Richtung Karlsruhe, wir (ich) ruckelten weiter Richtung Luxemburg. An der Mautstelle bei Nancy standen wir dann in der Schlange und die RT wurde richtig warm. Bis die Lüfter anliefen. Nach der Mautstelle war das Ruckeln deutlich weniger geworden und ich hatte rausbekommen, das ich das Restruckeln auch durch Kupplungziehen und einige Sekunden Leerlauf wieder besänftigen konnte.

 

Für sachdienliche Hinweise auf mögliche Ursachen bin ich sehr dankbar.

 

38km vor der Heimat sorgte der schlagartige Druckverlust meines Hinterreifens bei 150 auf der linken Spur noch für einen unplanmäßigen Stop. Der ADAC war schnell da und so endete die Reise leider auf dem ADAC-Transporter.

 

Wie ich immer sage:

Bei einer guten Motorradtour kommen alle gesund wieder. Bei einer excellenten Motorradtour kann man die Motorräder hinterher weiterverwenden. Dieses war eher eine gute Tour. :D

 

Mein Dank an alle Teilnehmer, für die diese Tour sicherlich auch unvergesslich bleiben wird.

 

Bis zum nächsten Mal…:cool:

 

 

Nachtrag: Videos

 

Col de la Sinne Teil 1: http://youtu.be/eXiW7wQv2QE

Col de la Sinne Teil 2: http://youtu.be/RsRSes1Hyfc

Col de Rousset: http://youtu.be/fHQXv6fMV6U


06.06.2013 21:30    |    Mercy19

ok, ich werde es mir mal anschauen.

 

Cool, dann ab zu Moritz.. ;)


06.06.2013 21:49    |    camion-rebel

Hubert hat sich gerade gemeldet und sagt das an seiner Tuono ein Relais kaputt war. Muss bestellt werden und dann springt sie wieder an:).

 

Auf Moritz freue ich mich heute schon:cool:. Hat mir damals gut gefallen in Fombeton:).


16.06.2013 12:01    |    littlevampire

So, nach dem ich jetzt den Bericht auch endlich mal gelesen hab...:rolleyes: ich häng halt´n bissel hinter her...;) sehr schön, abenteuerlich und echt spannend mit einem Augenzwinkern, von allem was dabei :D Danke Lew :)


28.06.2013 09:59    |    TDIBIKER

So, jetzt ist wieder Tour der France. Normalerweise guck' ich die ganz gern, aber in diesem

Jahr hab' ich fast keine Lust mehr, bei den ganzen Doping-Skandalen. Aber zumindest die Bergetappen

sind doch immer wieder Klasse, von den Landschaften, aber besonders auch vom fahrerischen Können

der beteiligten Fahrrad- und Moppedfahrer. Wenn man jeden Tag tagelang fährt, erreicht man ein Niveau,

von dem Gelegenheitsfahrer nur träumen können. Kenne die Route noch nicht. Highlights sind immer Galibier, Tourmalet, Col d'Aubisque...

 

Wird bestimmt aiuch eine harte Tour...


28.06.2013 11:20    |    Lewellyn

Diese Jahr fahren die ja gar nicht durch die Alpen. Korsika ersetzt die. Dafür kommen sie fast bei Dir vorbei. Albi ist ein Etappenziel.

 

Ich guck das auch nur, damit ich mal die Cols von oben sehen kann. ;)


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