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15.03.2010 22:01    |    der_Derk    |    Kommentare (18)

Stylus zum Herausziehen
Stylus zum Herausziehen

Wir schreiben das Jahr 1997. Nokia hat gerade das "Matrix-Handy" 8110 herausgebracht, der Communicator soll noch 3 Jahre auf sich warten lassen. Bei Siemens bekommt man entweder den Kochlöffel S6, oder aber das S10 mit Dreifarb-Display. Ericsson hat noch nichts mit Sony am Hut, und auf dem GF768 musste - und konnte - man mit einem einzeiligen Display leben. Alcatel war bis dahin bestenfalls durch die superbillig-Serie One Touch Easy bekannt geworden, bringt aber jetzt das One Touch Com auf den Markt. Alternativ kann man es auch bei Sharp in Form des baugleichen MC-G1 bestellen.

 

 

Damit konnte man bereits 10 Jahre bevor Apples iPhone das Licht der Welt erblickte ein Touchscreen-Handy sein Eigen nennen. Der Preis war leider nicht mehr zu recherchieren, aber billig wird der Spaß nicht gewesen sein - unter Anderem, weil es auch durch das eingebaute 9600Bd-Modem schon damals Emails abrufen konnte. Ich habe mir das Gerät erst 2001 als Backup zugelegt, nachdem das damals neue Sony J5 eine nervige Ausfallhäufigkeit an den Tag legte, inklusive längerer Einschick- und Bearbeitungsdauer. Über den analogen Einwahlpunkt der Hochschule (längst abgeschaltet...) ließen sich Emails darüber dann zum sündhaft teuren Minutenpreis der XTRA-Card abrufen und/oder verschicken.

 

Vorgestern habe ich dieses "zierliche" Gerät nach längerer Ruhepause aus dem Schrank geholt und mal wieder in den funktionsfähigen Zustand versetzt. Der Akku war selbstverständlich erwartungsgemäß restlos platt, und ist in dieser Form auch nicht mehr zu bekommen (NiCD-Zellen - es existiert auch die Funktion "Akku entladen", falls sich noch jemand an den Memory-Effekt erinnert ;)). Also, vorsichtig das Akkugehäuse auftrennen, die alten Zellen 'raus, neue Zellen 'rein. Ist zwar eine Sonderbauform mit rechteckigem Querschnitt, aber Reichelt führt sie noch. Dann noch mit dem gefühlt kiloschweren Steckernetzteil (auch Schaltnetzteile kamen erst später...) laden, und schon ist der alte Knochen wieder zum Leben erweckt. Die Hintergrundbeleuchtung gibt das charakteristische Fiepen von sich (Der Treiber der Elektroluminiszenzfolie arbeitet im kHz-Bereich), außer der Trägheit des LC-Displays kennt das Com keine weitere Eingabeverzögerung, und es bietet eine fast schon erfrischend übersichtliche Bedienoberfläche und Menustruktur.

 

Heute Abend stelle ich nun fest, dass die Angabe von 60 Stunden Standby ziemlich zutreffend war. Der Akku wird noch einmal geladen bevor der Alcatel-Koffer einstweilen wieder im Schrank verschwindet, und die SIM-Karte findet wieder im Blackberry Platz. Interessant war dieser kurze Ausflug in die gar nicht mal so weit entfernte Vergangenheit des Mobilfunks aber schon, nicht zuletzt durch die Reaktionen der Kollegen. Zum Telefonieren und für SMS reicht es natürlich immer noch voll aus, das Display lässt sich sogar auf Queransicht schalten - wenngleich dies noch manuell erfolgen muss, ein Neigungsschalter ist nicht drin. Auch Kamera, GPS, WLAN, MP3-Klingeltöne und sonstige Spielereien waren noch weit hinter dem technischen Horizont, als das Com gebaut wurde. Dafür genügten 512k Speicher für weitaus mehr Termine, Kontaktadressen und SMS als bei jedem anderen Gerät dieser Ära. Der Erfolg hielt sich in engen Grenzen, bereits 3 Jahre später war es soweit in Vergessenheit geraten, dass man es beim Auktionshaus mit den vier bunten Buchstaben regelrecht nachgeschmissen bekam.

 

Mal schauen, wie weit sich diese neue Rubrik noch ausbauen lässt... ;)


15.03.2010 22:54    |    Race-Winner

Sehr schön, danke für den Bericht!

 

Ich bin auch mal mit dem "Manager-Handy" Nokia 2110 ausgegangen....ausziehbare Antenne...das ist man der Chef. :)


15.03.2010 23:08    |    TROMSOE

echt gut geschrieben der artikel! mach weiter so :)


15.03.2010 23:18    |    Waldorfmicro

Das Nokia 2110 Ist auch noch in meiner Erinnerung. Ein wahnsinnig Robustes Teil ist mir mal vom 3. Stock vom Dach gefallen bis auf eine gesprungene Displayscheibe war noch alles OK. Das Ersatzteil kostete 5 Mark und konnte jeder tauschen der einen Schraubendreher bedienen konnte. Und in der Freisprecheinrichtung mit Außenantenne und 8 Watt Antennenverstärker hatte man selten Empfangsstörungen im Bereich wo seinerzeit das Netz ausgebaut war.


15.03.2010 23:31    |    _RGTech

Für einen wie mich, der ne ganze Kiste voll solcher "Altertümer" besitzt, ein netter Rückblick auf ein Gerät, das ich bis dato nicht mal wahrgenommen hatte :)

Ein wenig erinnert es mich ja an meinen Palm Vx... der jetzt wieder gut eingepackt rumliegt, während ich mit dem T3 unterwegs bin; auch schon vorsintflutlich und kann nicht mal telefonieren, aber die Schrifterkennung passt und ich kann Musik von SD-Karte hören, für lau auch kein schlechtes Angebot :)

 

 

 

Das fetteste mir noch erhaltene Teil nennt sich T-D1 518 (ein Motorola), mit Klappe, Vollformat-SIM-Karte, Ausziehantenne, NiCd-Akkublock, und dank dieser Eigenschaften in keinster Weise mehr alltagstauglich... meine Erfahrung sagt mir, dass man mit allem ab ca. 2000 (z.B. Nokia 5110, Siemens S25 - keine C-Reihe - , Panasonic EB-GD93, ) noch eine halbwegs passable Figur machen kann. Speziell die etwas besondereren Geräte sind von Interesse, nen Communicator oder ein SL45i sah man schon damals nicht oft, auch das 7110 erregt Aufsehen. Sogar die ersten T-Mobile MDAs sind immer noch tauglich, aber natürlich nicht mehr mit einem iPhone vergleichbar :D

 

Ich muss hier aber nochmal ne Lanze für Siemens' S4 und S10 brechen; deren LiIon-Akkus sind derart gut, dass man die nach Aufladung ein Jahr im Schrank liegen lassen kann, ach was zwei, und sie gehen danach immer noch mit Restkapazität an. Ideale Notfallhandys.

Das mach mal mit irgendwas modernerem. Sobald eine Uhr drin ist - halbes Jahr und Exitus :D



15.03.2010 23:32    |    Stevie

Hallo !

Ich habe auch noch ein altes One Touch Com hier liegen. - Wenn ich

mich recht erinnere, haben die Dinger damals 1600 DM gekostet.

Es war wirklich allem anderen um Lichtjahre vorraus, viel weiter

als das I-Pod heute einem 30 Euro Billighandy.

 

Schon erstaunlich, wenn man bedenkt das Alcatel sonst eher

für grottige Handy´s bekannt ist...


15.03.2010 23:37    |    Stewaan

Wow...genialer Artikel, super Thema.

 

Das One Touch Com hatte damals ein Klassenkamerad, damit war er der King auf dem Schulhof. Ich hatte damals ein ausgedientes Phillips Fizz ( mit extra großem Akku aus dem Zubehörhandel, der das recht flache, aber ansonsten riesige Handy doppelt so dick machte) von meinem Vater. Das waren noch Zeiten.


16.03.2010 07:39    |    jackknife

Hehe, mein erstes war ein Motorola D170. Uralt, auch noch Ausziehantenne, als Notfallhandy aber noch praktisch, weils mit 4 Mignon-Zellen läuft :)


16.03.2010 08:24    |    hades86

Ich hätte noch ein Philips Twist zu vergeben, jemand Interesse?


16.03.2010 10:08    |    MT-Christoph

Ich hatte um 2001 ein motorola accompli. das war damals auch echt ne ansage.


16.03.2010 11:06    |    ard_2

Mein alter Herr hatte noch zu seiner Dienstzeit eines der erste (analoge) C-Netz im Auto verbaut.

 

War ein Passat BJ. 88 und das Telefon hatte damals so ca 10'000DM gekostet. Also fast halb so viel wie der Wagen.

 

Die Steuereinheit war auch optional als Mobilteil in der Umhängetasche lieferbar. ca. 20 x 10x 35 cm und 8kg schwer oder so. (Kennt einer den Film the big Lebowski, genau so ein Teil)


16.03.2010 11:24    |    Lord Schelmchen

Mein erstes Handy war 1999 das Siemens C11E, speziell für E-Plus.

 

7 SMS, dann war der Speicher voll.


16.03.2010 11:46    |    der_Derk

Freut mich, wenn der Artikel gefällt :).

 

Der schnellebige Mobilfunkmarkt hat unzweifelbar über die Jahre hinweg schon einiges an "Leichen" produziert, welche bestenfalls als technische Fußnote enden, aber manches taucht auch in neuen Geräten häufig wieder auf - dann meistens als "bahnbrechend" tituliert. Angesichts der aktuellen Fülle an Touchscreen-Geräten auf dem Markt fand' ich das Alcatel jetzt erwähnenswert, weil man an dem Beispiel halt schön sehen kann, wie weit man auch früher schon war. Das Motorola Accompli ist mir bei meiner Gebraucht-Suche damals auch über den Weg gelaufen, aber bis gerade eben hatte ich das auch schon wieder verdrängt... Dennoch, wäre ebenso ein gutes Beispiel gewesen. Nur ich hab's halt nicht ;).

 

Angefangen hatte ich damals mit einem Sharp TQ-G 400. Konnte SMS empfangen, aber keine versenden. Es war schon halbwegs handlich, gleichwohl sehr robust und schwer, da das Gehäuse um einen fetten Aluguss-Rahmen herum gebaut war. Der NiCD-Akku reichte für maximal einen Tag Betrieb und wurde am Modellbau-Lader mittels entsprechender Adapterplatte gefüllt, weil kein Netzteil mehr aufzutreiben war...

 

@_RGTech: Auch eine nette Sammlung, da kann ich nicht mithalten ;).

Muss aber gestehen: Will ich auch eigentlich gar nicht, denn es stapeln sich schon genug Sachen im Keller, die für die meisten wohl in der Rubrik "Elektroschrott" laufen würden. Von ein paar Teilen werde ich mich noch trennen (oder habe es schon getan), andere hingegen sind für einen längeren Aufenthalt gebucht - und werden vielleicht zukünftig noch im Blog bedacht. Bei dem Alcatel bin ich mir jetzt aber noch nicht ganz sicher, in welche Kategorie ich das einordne.

 

Gruß,

 

Derk


17.03.2010 00:38    |    DeinOpa

Ich ba hier auch noch 2 alte "Knüppel" rum liegen:D

 

Siemens E10D leider ohne lade gerät:(

Und noch ein alteres D-netz handy mit Voller SimKarte :D


19.07.2010 20:36    |    B4-Rocker

Hi!

Mein erstes Mobile-Phone war ein Ericsson GH 337 oder so ähnlich, mit Scharnierantenne und satten 12-Stunden Standby!:p

Danach folgten etliche Siemens Geräte!

War eine schöne Zeit ohne diese Rekordveröffentlichungen heutiger Tage!

 

So long! :cool:


31.12.2010 12:26    |    Benjamin2111

B4-Rocker: Du bist/warst nicht zufällig bei einem liechtensteiner Hersteller von Bohrmaschinen und Akkuschraubern geschäftigt? :D

 

Mein Vater hat da genauso angefangen, mit dem alten Ericsson, danach dem Siemens S6 und so weiter. Zudem hatte er schon ganz früh ein D-Netz Autotelefon im Sierra und später Mondeo. Das hat so ungefähr den kompletten Beifahrerfußraum zugebaut, hatte einen besch... Empfang und noch einen Höhrer mit Ringelschnur. :D

 

Mein erstes Handy war 1997 sein abgelegtes Siemens S6. Es war schon ein wenig anstrengend das in der Hosentasche  zu verstaunen. Aber hey, ich war mit 8 Jahren der King in der Schule. :D Danach kam das unzerstörbare Nokia 3310. Das ist mir auch schon während der Fahrt aus dem Autofenster gefallen, aus der 2. Etage das Dach runter gerutscht (mit Looping ab der Dachrinne und Aufschlag auf der Terasse). Einfach wieder zusammenstecken und weiter "simsen".

 

Das wurde von einem Samsung SGH-E620, einem Samsung SGH-D840, einem Nokia N90, einem iPhone 3GS und jetzt dem iPhone 4 abgelöst. Das unproblemtischste Handy war das 3310, das insgesamt beste das iPhone 4. Nur ist da das Glas sehr empfinlich und mir bereits nach zwei Wochen gesprungen. Das D840 lag super in der Hand, sah klasse aus, war aber technisch total unzuverlässig. Schade eigentlich.


11.09.2011 23:14    |    Spunk-Ranger

Hab auch noch so ein Alcatel One Touch com und finde auch bei Reichelt keine Zellen...

 

Benötige da mal dringend Hilfe...


16.09.2011 20:45    |    der_Derk

Hm, Reichelt scheint sie tatsächlich nicht mehr zu haben. Sind sog. prismatische Zellen, Abmessungen 48mm x 17mm x 6mm. Sanyo HF-B1U würde passen, das ist dann zwar die NiMH-Variante, aber die Ladeelektronik sollte damit zurecht kommen. Einziger Nachteil: Preislich liegen die irgendwo bei 10 Euro pro Zelle, und Du brauchst drei Stück, da ist der Restwert des Gerätes also weit überschritten...


25.10.2011 16:44    |    Turnschuhretter

Ich hatte damals das SHARP MC-G1 und das hat 1495DM gekostet, aber das Telefon dürfte ähjnlich viel gekostet haben^^

 

aberjeden fall war man mit dem Ding überall der King^^


Deine Antwort auf "Technik, die kein Schwein mehr kennt: Das Alcatel One Touch Com"

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