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Dekou

09.10.2018 00:15    |    Dekou    |    Kommentare (22)    |   Stichworte: 1.3 Cat, 2 (19E), Golf, VW EA111, VW NZ

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Anfang Februar '18:

 

Unverhofft zugelaufener Neuzugang für zwei Äpfel an Hühnerprodukten:

 

Golf II CL 1.3 Cat mit Vierganggetriebe. Sein einziges Extra: Schiebedach (und rechter Außenspiegel, keine Ahnung, ob der 1991 Serie war). Der Golf (er hört auf den Namen "Rolf") bietet ein mittelprächtiges Gesamtbild und hat momentan starke Start-/Lauf-/Kupplungsprobleme.

 

Der Karosseriezustand:

Auf den ersten Blick zu schön zum Wegwerfen. Tolle Farbe, caprigrün.

Auf den zweiten und dritten Blick leider nicht ganz so schön. Ein paar dämliche Rentnerparkdellen (Vorbesitzerkreation) und ein ebenso öder wie großflächiger Klarlackschaden auf dem Dach trüben das Bild. Der Wagen sieht ferner aus, als wäre er kopfüber durch den Wald gezogen worden; in jedem nur irgendwie zugänglichem Hohlraum ist ein ganzer Komposthaufen.

 

Nach der improvisierten Grundreinigung sieht die Werkstatt aus wie ein Schweinekoben. Sonst ist das Blech überraschend gut, hier und da ein bisschen oberflächlicher Rost; Schweller rechts und Türkante leicht angerostet, weil leicht angeknautscht, Kotflügel links mürbe, leichter Kantenrost an der Spritzwand. Schlechte Nachricht: Die rechte Hintertür, welche sich ebenso wie die linke nicht öffnen lässt, ist gelb und ganz lausig überlackiert worden, der Lack pellt sich langsam wieder.

Schwellerfalze, Scheibenrahmen, Dome, Tankdeckelblech und Heckabschluss sind hingegen in Ordnung. Nur wahnsinnig dreckig ist das alles. Irre. Keine Ahnung, wie die Vorbesitzer das hinbekommen haben. Generell wurde er mal feucht abgestellt und nicht belüftet, darum muffelt er etwas. Antike Kippenstummel im Aschenbecher tun ihr Übriges, also raus damit.

Türdichtungen sind ramponiert, der Himmel mit Reißzwecken (!) festgeklemmt, das Bordwerkzeug fehlt.

 

Beim ersten Startversuch geht gar nichts, nach Fehlersuche und Austausch von Anlasser und Zündmodul läuft er wie ein Sack Bohnen. Probefahrt im Werkstatthof im Schneckentempo mit kaum noch trennender Kupplung und Schaltführung im Nirgendwo. An diversen Dichtungen bläst es raus, insgesamt passt der technische Zustand zum lieblosen Gesamtbild. Der Kompressionstest danach zeigt Druckabfall auf dem 3. Zylinder, weiter Abgas im Kühlwasser und Wasser im Öl. Das wird als erstes in Angriff genommen. Immerhin, die Bremsen sehen auf den ersten Blick ok aus und die Elektrik funktioniert vollständig.

 

Nach dem ersten Vorsatz, den NZ rauszuwerfen und gegen einen RP zu tauschen, beschäftige ich mich beiläufig etwas mit dem EA111 und vernehme Lobeshymnen im Bezug auf Haltbar- und Sparsamkeit. Dadurch werde ich doch neugierig auf den Motor und entscheide mich, ihn erstmal so wie er ist wieder zum Laufen zu bringen, mit möglichst minimalem Aufwand. Neben der durchgeblasenen Kopfdichtung, der Ventildeckel- und den Abgaskrümmerdichtungen würde ich die Kupplung mitsamt Seilzug und diversen Dichtringen tauschen, Zündung einstellen und dann mal sehen, wie er so läuft.

 

 

20. Februar - 10. März:

 

Motor wirkt leider wie Kernschrott. Kopf an den Wasserkanälen und Auflagen der Metalldichtflächen erodiert und korrodiert. Lauffläche von Zylinder 1 hat sich komplett ins Rost-Nirvana verabschiedet, Honschliff nicht mal mehr mit der Lupe und viel Goodwill zu erkennen.

Ratlosigkeit macht sich breit, denn so ungern ich etwas wegwerfe, das man noch reparieren kann, so wirtschaftlich unsinnig ist das bei diesem Exemplar. Erschwerend kommt hinzu, dass das Budget gerade sehr, sehr knapp ist, wodurch ich an Ecken sparen muss, an denen ich ungern spare.

Nach umfangreichem Haareraufen und Ratschlägeeinholen hier im Forum beschließe ich, es dennoch zu tun.

 

An der korrodierten Lauffläche kann ich zwar momentan nichts machen, die wird so gut es geht mit der Drahtbürste wieder "freigeschliffen". Um Pleuellager und Kolbenringe kann ich mich gerade auch nicht kümmern. Die Ölpumpe scheint noch okay zu funktionieren, mit etwas Spiel im Kettentrieb. Immerhin noch keine Metallspäne im Ölsumpf, dafür gefühlt hundertjähriges Schmiermittel. Da alle Papiere fehlen, lässt sich nicht mehr überprüfen, welcher Besitzer zuletzt das Öl gewechselt hat. Der Kopf wird behelfsmäßig überfräst (2/10 zugestellt mit anständigem Ergebnis, aber trotzdem noch erkennbaren Korrosionsstellen), bekommt neue Hydrostößel und eine neue Kopfdichtung, ebenso wie Nockenwellendichtring, Wasser, Öl. Auch Motor und Getriebe glänzen durch ganz besonders hartnäckige Dreckbeschichtung, die ewig braucht, um sich entfernen zu lassen und jetzt noch am Werkstattboden pappt.

 

 

25. März ff.:

 

Kfzteile24 liefert die falsche Zahnriemen-Wasserpumpen-Kombination und ich habe die Nase zu voll von diesem Projekt, als dass ich warten will, bis die Tauschteile wieder da sind. Also wird kurzerhand das alte Material montiert, da der Zahnriemen noch nicht rissig ist und die Pumpenlager kein Spiel haben. Beim Zusammenbau von Motor und Getriebe noch kurz die Kupplung getauscht und alles wieder eingebaut. Beim Ablassen in den Motorraum die Unterdruckstutzen am Luftsammler der Drosselklappe abgerissen, Gebrauchtteil bestellt. Keine Zeit mehr für weitere Arbeiten.

 

 

10. April

 

Das Ergebnis mit neuem Luftsammler ist... durchwachsen. Wagen startet jetzt und läuft, Kompression ist auch wieder ordentlich, nur mißtraue ich dem Messgerät etwas. Kupplung trennt jedenfalls wieder und fahren tut das ganze auch, irgendwie jedenfalls. Die Schaltung ist immer noch nicht eingestellt und statt in den 1. schalte ich bei der Probefahrt immer wieder in den Rückwärtsgang, das passiert mir noch öfters. Den zweiten Gang finde ich nur manchmal.

Bislang kann ich mangels Zulassung nur auf dem Privatgelände um unsere Halle herumgurken, dabei fallen mir die beschissene Bremswirkung (Flüssigkeit tauschen!) und zunehmende Qualmbildung unter der Motorhaube auf. Außerdem zieht er ein Rinnsal hinter sich her. Kurze Fehlersuche ergibt zwei Quellen: Einerseits ist der Kühler undicht, und zwar nicht zu knapp. Zu dumm, dass mir das vorher nicht aufgefallen ist. Andererseits drückt es an der Kopfdichtung schon wieder raus, was dann auf den Abgaskrümmer suppt und den Dampf verursacht.

 

Der Motor läuft trotz neuer Hydros so scheiße, dass ich erst glaube, ich hätte einen Versatz beim Zahnriemen. Ist aber nicht so. Klingt wie ein Diesel, rattert sehr laut, schüttelt sich auch so. Nachdem ich das Nachziehen der Motor- und Getriebelager nachgeholt habe (Vergesslichkeit lässt grüßen) legt sich zumindest das Schütteln etwas. Trotzdem bereitet mir der Motor kein besonders gutes Gefühl in der Magengrube. Die Kopfdichtung muss jedenfalls nochmal runter, ich vermute (bete, hoffe), dass das eiförmige Gummidichtelement herausgebogen wurde und sich unter der Dichtung verklemmt hat bei der Montage, was sowohl Wasserverlust, als auch beschissenen Lauf teilweise erklären könnte.

Mangels internem Drehzahlmesser muss die Leerlaufeinstellung vorerst ausbleiben, lohnt sich aber zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht.

 

 

18. April

 

Gebrauchte Stahlfelgen in 14" mit brauchbaren Allwetterreifen für nur 30€ geschossen. Bei der Montage entdecke ich, dass die Bremsbeläge sehr unterschiedlich abgelaufen und stellenweise an der Verschleißgrenze sind, die Scheiben sehen auf einer Seite aus wie Schallplatten, so riefig sind die. Scheiße. Müssen also auch neu. Trommelbremsen hinten sind dafür noch ok, lassen sich nachstellen, fertig.

Mir hängt der Golf -oder besser gesagt meine Vorbesitzer- granatenmäßig zum Hals heraus.

 

 

07. Oktober

 

Über das vergangene halbe Jahr musste das Projekt "Rolf" auf Eis gelegt werden (ich auch, wegen akuter Dampfblasenbildung im Hirn). Jahrhundertsommer gewinnt gegen ölige Finger und WD40-Duft.

 

Habe jetzt einen Tauschmotor mit reichlich Laufleistung, aber vermutlich in besserem Zustand als mein jetziger in Aussicht. Dazu gibt es ein intaktes und ein teildefektes Fünfganggetriebe (beide 8P), für dessen Schaltung immerhin eine Einstellschablone exisitiert, nach der ich für das Vierganggetriebe immer noch suche. Dazu ein paar schicke Alufelgen, als Sahnehäubchen auf Rolf, der ollen Leberwurst.

Alles zusammen für wenige hundert Euro, das kann ich so gerade riskieren, finde ich.

Material, um den anderen Motor gegebenenfalls direkt zu überholen, ist noch teilweise da. Wenn er beim Probelauf tut, was er soll, kommt er aber erstmal einfach so in die Karre.

Den Gedanken an einen kompletten 3F (mit allen Anbauteilen, Getriebe und Kat) wieder verworfen, weil leider viel zu weit weg und Transport so teuer, dass ich für das Geld wieder alles zum Umrüsten auf RP bekäme. Eine Patt-Situation.

Ich träume von besseren Zeiten und einem Twingo-Faltdach in meinem Golf.

 

 

10. Oktober

 

Wird beim Traum bleiben, habe herausgefunden, dass der originale Schiebedachausschnitt zu breit für das Faltdach ist. Ein Umbau würde genau die zwei Fliegen, die ich mit einer Klappe schlagen will (Klarlackschaden weg, weil Dach weg; Twingo-Faltdach gibt es für ca. 75€, was viel billiger als eine anständige Klarlackreparatur ist) durch fünf andere Fliegen ersetzen.

Man müsste die fehlenden 75mm auf jeder Seite im SD-Ausschnitt aus Blech anfertigen. Das dann ordentlich einpassen und mit der Dachhaut verschweißen. Zuvor auch noch den Schiebedachkäfig herausrupfen, was deutlich mehr Aufwand ist, als nur drei Spriegel entnehmen. Es folgen Lackarbeiten, die ich ja gerade vermeiden will, zusätzlich müsste auch noch der unpassenden Schiebedachhimmel durch einen schiebedachlosen ersetzt werden.

 

Finde es immer wieder erstaunlich, dass die gängigen Selbsthilfebuchreihen den 1.3er Motoren eigene Ausgaben widmen. Anscheinend reicht der gravierende Unterschied zwischen EA111 und EA827 (und was sonst noch so dranhängt) aus, dass sich das nicht in einem Buch abdecken lässt.

Eigentlich spannend, welchen Aufwand VW da betrieben hat, geregelte Ansaugluftvorwärmung, zwei Drosselklappen und Zusatzluftschieber, aufwändige Kurbelgehäuseentlüftung mit Ölabscheider usw. Beim NZ außerdem noch Multi-Point Einspritzung...

 

 

13. Oktober

 

Tauschmotor mit frischer Batterie und Drosselklappe meines NZ versehen, gestartet, läuft gut. Im Laufverhalten des "neuen" Motors scheint sich zu bestätigen, was sich durch die Vorahnung perchlors schon düster abzeichnete: Dieser Motor rappelt trotz deutlich höherer Laufleistung nämlich nur etwa 10 Sekunden, danach sind die Hydrostößel voll Öl und der Lauf beruhigt sich.

 

Habe wahrscheinlich beim Tausch der Kopfdichtung am bisherigen Triebwerk des Golfs die falschen Löcher im Block zum Ausrichten der Dichtung benutzt. Die Dichtung steht auf der einen Seite auch spürbar um ein paar Milimeter hervor. Das eiförmige Gummielement am 1. Zylinder klemmt darum vermutlich schief zwischen Kopf und Block blockiert die Ölsteigleitung. Das würde jedenfalls erklären, warum die brandneuen Hydros rattern wie ein alter Trecker. Die sind halt leer und bleiben es auch. Eventuell klemmt das "Ei" auch noch unter der übrigen Dichtfläche, wodurch diese nicht komplett anliegt. Der Wasseraustritt war ebenfalls wieder am 1. Zylinder, also besteht da wahrscheinlich ein Zusammenhang. Nützt nichts, das sehe ich, sobald dort der Kopf wieder runter kommt.

 

Zum Tauschmotor gab es besagte zwei 8P-Getriebe und vier schöne Kreuzspeichen-Alus.

Und, Trommelwirbel: Als großes Schmankerl eine noch originalverpackte 3F-Nockenwelle (030-AE)! Das freut besonders. Alles zusammen mit tatkräftiger Unterstützung durch den Verkäufer abgeschraubt, rausgeschleift, weggerollt, in den Hänger verladen und heim gezockelt. Manchmal muss man auch Glück haben.

Die Zukunft des Golfs bei mir ist somit jedenfalls erstmal sicher, möglicherweise auch die Hinterhoftuning-Fantasie mit GT-Nocke und Dieseldichtung. Auch ohne Faltdach.

 

 

28. Oktober

 

Vermutlich sind die Radlager am Golf durch, haben jedenfalls aufgebockt deutliches Spiel um die Horizontale. Wenn man dann gegen die Reifen schlägt, bollert es hohl. Beim W124 trat das auf, als die Radlager klinisch tot waren.

Die hinteren Radlager lassen sich zwar nachstellen, würde die aber auch tauschen. Habe noch unbenutzte FAGs aus einer Passat 35i-Reparatur gefunden. Sollten laut Teilenr sogar passen (?).

Die "gemischte Bereifung" hat zwar noch ordentlich Profil, ist aber recht alt. Mal sehen.

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Ergänzung von Dekou am 04.11.2018 16:30

Vier anständige und noch nicht zu alte Marken-Winterreifen mit guten 7mm Profil für 60€ gefunden. Aufziehen wird ein bisschen dauern, da gerade Ansturm beim Reifendienst des Vertrauens ist. Anfang November ist der Sommer nun mal zu Ende.

 

Vorbereitung für den Aus- und Einbau: Waschen. Ein halbes Jahr draußen unterm Vordach sorgt trotz Regenschutz für ordentliche Staubauflage. Ein paar Liter klares Wasser und das Ganze sieht schon erträglicher aus.

Zum Vorschein kommen das schöne Caprigrün und Zeugen der Laternenparker-Vergangenheit des Golfs.

Ergänzung von Dekou am 19.11.2018 22:33

Mit Verzögerungen begonnen. Ein Kran ist beim Ausbau ungemein praktisch. Der "neue" NZ sabbert etwas Öl, es lässt sich nur noch nicht erkennen, ob am Nockenwellenstirnrad, oder an der Kopfdichtung. Überlege, ihn einfach etwas zu säubern und so wieder einzubauen oder ihn auch neu abzudichten. Nach mehrstündigem Drahtbürsteneinsatz erkennt man unter der anfänglichen Schmutzschicht auch wieder ein Getriebe und einen Motor. Kupplung vom "alten" NZ genommen, die ist schließlich neu. Kühler, Getriebehalter und Lichtmaschine schon vormontiert.

Ergänzung von Dekou am 23.11.2018 13:50

Alle polospezifischen Teile am "Neuen" abgebaut und beiseite getan. Der LMM ist z.B. baugleich, allerdings ist das Luftfiltergehäuse ein anderes. Die Motorlager und die entsprechenden Lageraufnahmen vom "Alten" abgebaut und für die Montage vorbereitet.

 

Demontage der Zahnriemenverkleidung am "Neuen" lässt hoffen, dass nur der Nockenwellendichtring den Geist aufgegeben hat. Unten ist der Motor jedenfalls noch trocken. An der Kopfdichtung auch. Beim leeren Durchdrehen ohne Zündkerzen fällt auf, dass der mechanische Widerstand sehr niedrig ist. Kompression haben wir vor Ausbau nicht mehr messen können, der Lauf wirkte aber gut. Bilder des China-Endoskops zeigen gesündere Laufflächen als beim "Alten". Wird ein Überraschungspaket.

 

Aufarbeitung der Bremse zieht sich hin. Pro Seite wird gefühlt ein Kilo Rost und Dreck von Sattel und Radträger geklopft, alle Schrauben sind festgegammelt. Bis alles entrostet, gelöst, zerlegt, gereinigt, neu abgedichtet und mit neuen Belägen und Scheiben versehen ist, geht Zeit ins Land.

 

Lenkmanschetten werden von der aktuellen to-do-Liste gestrichen. Noch sind die originalen, einseitig nicht verstellbaren Spurstangen verbaut, deren Kugelgelenkmanschetten schon rissig sind. Wird dann gemeinsam getauscht, muss aber noch ein paar Wochen so halten.

Ergänzung von Dekou am 24.11.2018 12:50

NW-Dichtring lässt auf sich warten, darum ruhen die Arbeiten am Motor bislang.

Bremsen VA instandgesetzt und wieder montiert. Evtl. sind die Radlager vorne nicht für das Spiel verantwortlich, sondern nur die Traggelenke. Die sind jedenfalls mitgenommen.

Bremsflüssligkeit sollte beim Entlüften mal getauscht werden. Wurde sicher noch nie gemacht.

Was schon mal gemacht wurde: Die Radlager der HA. Und das mies. Sie erinnern an die Gleichlaufgelenke, auf deren Flanschen offensichtlich jemand rumgehämmert hat. Warum, das bleibt ein Rätsel.

 

Negatives:

HA rechts wurde die Fettkappe so dumm eingekloppt, dass sie überhaupt nicht dicht schließt. Prompt haben hier eindringender Dreck und Feuchtigkeit das Radlager verschlissen. Naben haben beidseitig Spiel, rechts läuft sie nicht mehr richtig. Hoffe, die Achsstummel sind noch i.O.

Rechte Buchse an der HA löst sich teilweise bei vorsichtigem Anklopfen.

Am Bodenblech über dem ESD pellt sich der Unterbodenschutz 5-Markstück groß, darunter fühlt es sich rostig an. Aufgrund von akutem Rücken und Kälte muss die optische Überprüfung dieses Aktes noch warten.

 

Positives: Außer einem Riesenberg Dreck kam beim Säubern des Bereichs um den Tankstutzen keine böse Überraschung zum Vorschein. Ebenso wie der Federbeindom ist auch dieses Sorgenkind problemlos.

 

Dieser Golf ist ein buntes Wechselbad aus "verblüffend gut" an den kritischen Stellen (alle Dome, Heckblech, Spritzwand, Scheibenrahmen, Schweller und "erschreckend schlecht" an vielen unwichtigen (unnötige Schrammen und Beulen, verbogener Schweller rechts, kacke überlackierte Hintertür, verbogenes Schließgestänge ringsum, alles versifft, Reißzwecken im Innenhimmel...).

Es bleibt bei gemischten Gefühlen. Aber es wird weitergemacht.

Ergänzung von Dekou am 01.12.2018 14:10

Kupplung aus dem "Alten" und Zahnriemen und Wasserpumpe beim "Neuen" sind die noch so neu, dass sie gemäß der ersten russischen Sparregel direkt drin bleiben dürfen. Motor ist somit wieder einbaufertig. Vor dem Einbau wird noch der Wärmetauscher gemacht und bei der Gelegenheit die nervigen Schaumstoffbrösel der Leitungsummantelungen aus dem Bereich unterm Armaturenbrett rausgepopelt.

 

Manschette am Kreuzgelenk der Lenksäule (lautet nach russischem ETK auf den Namen "Schutzhülle für Gelenkwelle") ist zerfetzt. Beim Versuch, nur die Schraube am Längenausgleich zu lösen und hier die Welle auseinander zu drücken, um die neue Manschette draufzuschieben, gescheitert. Es geht scheinbar nur, wenn die Vorderachse gelöst und ein paar mm abgelassen wird.

 

Die Kurbelgehäuseentlüftung war mit ziemlich viel bröseligem Ölkoks zugesetzt. Da sträuben sich die Haare im Nacken. Das Rohr hinter der Wasserpumpe ist zwischen dem Golf-NZ (einseitig an der WaPu angeflanscht) und dem Polo-NZ (sieht aus wie Presspassung/WaPu und Richtung Thermostat nochmal eine an den Block geschraubte Lasche als Festlager) nicht austauschbar. Da die Leitungsabgänge unterschiedliche Durchmesser haben und vor allem in verschiedene Richtungen zeigen, wird das noch eine spannende Sache beim Einbau.

 

Bei der Suche nach der CAD-Zeichnung des Werkzeugs 3104 (Einstell-Lehre Schaltung 085er Getriebe) darüber gestolpert, dass es das Teil inzwischen für knapp 6€ auf eBay gibt. Also Abkürzung genommen und dort gekauft.

 

Pleuellager werden jetzt nicht angesehen, da Rattenschwanzgefahr. Der lief ordentlich beim Test, also frisches Öl rein, Augen zu und durch. #russianstyle

Ergänzung von Dekou am 03.12.2018 22:55

Lenksäulenmanschette montiert. Nach mehrtägigem Einweichen in Rostlöser gingen die Muttern tatsächlich von den Bolzen des Lenkgetriebes, ohne abzureißen. Manschette bei Montage direkt leicht lädiert, dieses Billigzeug ist genauso schlecht, wie es riecht. Dafür jetzt wieder dicht.

Motor und Getriebe wieder zusammengeschraubt und in den Wagen gehievt.

Gummimetalllager der Hinterachse sind total fertig. Wenn die HA raus kommt, sollte sie direkt entrostet und lackiert werden. Ist bei den Temperaturen aber schwierig. Tankbänder sollten dann auch neu kommen. Hallo Rattenschwanz!

A propos Lack: Bei genauerer Betrachtung ist auch die vordere Beifahrertür überlackiert worden.

Auf der Beifahrerseite waren also beide Türen vorher an einem bananengelben Golf. Wahrscheinlich erst Parkschaden oder Seitenunfall, dann schön umgepritzt und mal nix gesagt.

Merke: Ich brauche eine neue Brille. Dass mir das *zehn Monate* nicht auffällt...

Ergänzung von Dekou am 09.12.2018 00:05

Wärmetauscher gewechselt. Hierbei gesamte Lüftung zerlegt, bröseligen Schaumstoff entfernt, alles gereinigt, mit selbstklebendem Moosgummi (Baustoffbedarf) neu bezogen bzw. abgedichtet. Im gleichen Atemzug das störrische, schlecht entgratete Hartplastikarmaturenbrett (CL...) rauszgezerrt und alle ebenfalls porösen Leitungsummantelungen entfernt. In der Dämmung hinter der Spritzwand hatte sich irgendwann einmal eine Maus häuslich eingerichtet. Mumifizierte Mäusekacke nebst Nussschalen und Kirschkernen waren die Hinterlassenschaften. Nach zwei Tagen nervigem Herumgewürge und diverser, aller Bemühungen zum Trotz abgebrochener Plastikhaltenasen und -laschen alles wieder im Auto. Grundreinigung wäre also auch schon geritzt, zumindest vom vorderen Fahrzeugbereich. Bei den Hintertüren ist bislang immer noch kein Durchkommen.

Ergänzung von Dekou am 10.12.2018 23:14

Etwa eine Stunde mit den Unterdruckleitungen herumgeärgert, bis ich bemerke, dass die verwirrende Situation dadurch zustande gekommen ist, dass ich die Unterdruckschläuche des Ersatzmotors mit in die Kiste gelegt habe. Ordnung ist das halbe Leben, die andere Hälfte hat hoffentlich Internet in der Werkstatt (ich nicht). Nach der am wenigsten unlogischen Möglichkeit gesucht, die Anschlüsse zu verbinden. Einiges Rumprobiere später scheint es die richtige Lösung zu sein.

Das nächste Mal wird eines der Show-Fotos aus den entsprechenden Gruppen groß ausgedruckt mitgenommen.

 

Neuen Kühler eingebaut. Öl war schon seit ein paar Tagen drin, Wasser jetzt auch. Batterie angeklemmt, Schlüssel gedreht - nichts.

Laune leicht angefröstelt, da elektrische Fehlersuche nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Da sich aber tatsächlich einfach nichtsnichts tat, war der Schuldige schnell gefunden. Anlasser im Eifer des Gefechts verkehrt herum angeklemmt, da, wo man mit der Hand so gut hinkommt.

Batterie abklemmen, Anlasser ausbauen, umstecken, wieder einbauen, Batterie wieder angeklemmt. Schlüssel gedreht, orgelt, springt an, läuft. Freude!

 

So weit, so gut. Jetzt noch ein paar Sachen hintüfteln (Kühlereinfassung wiederfinden und einbauen, Grill und Lüftungsverkleidung montieren), Hinterachs- und Radlager tauschen, dann kann losgebrezelt werden. Auch wenn das Ganze Projekt wirtschaftlich keinen Sinn macht, auch wenn es immer wieder frustig war und ist, das ist alles nur Spaßprojekt hier und ich freue mich auf den je nach Attitude als asthmatisch verschrienen oder als Sparbüchse hochgelobten NZ.

Ergänzung von Dekou am 25.12.2018 12:33

Wagen zugelassen, Schaltführung eingestellt. Falscher Schaltfinger dran (vom AKW), funktioniert bei der Testfahrt um die Halle aber trotzdem. Für den 5. Gang muss man den Hebel jetzt leicht herunterdrücken, wie um in die Rückwärts-Gasse zu kommen. Kracht nicht, quietscht nicht, scheint auch nicht rauszuspringen. Alltags- und Autobahntest stehen aber noch aus, denn der bei Testlauf, Aus- und Einbau scheinbar trockene KW-Simmerring pisst jetzt Öl!

Ärgerlich, der wäre leichter zu wechseln gewesen bei ausgebautem Motor. Deswegen bleibt der Golf erst noch Stehzeug, denn die Macht des eigenen Schlagschraubers reicht nicht aus, um die Zentralschraube am Stirnrad zu lösen. Und auch Leihwerkstätten haben Weihnachten, zumindest manchmal.

 

Außerdem gutes gebrauchtes Bilstein B4-Fahrwerk geschossen für kleines Geld. Alle Dämpfer trocken laut Bild. Paket im Weihnachtspostwirrwar verschwunden. Abwarten.

 

 

================

 

Zeitplan elf Tage überschritten. Im Betrieb noch zu machen:

 

1. Trommelbremsen aufarbeiten, Radlager HA tauschen.

2. Bremsen entüften, Bremsflüssigkeit erneuern.

3. Minikat einbauen und eintragen lassen. Neue HU.

4. Innenraum: Hecktüren gängig machen. Sicherheitsgurte kontrollieren.

5. Fahrwerk und Spurstangen tauschen, Traggelenke vermessen.

 

 

Auf der langen Bank:

 

*Domlager vorne und hinten, Radlager VA, Traggelenke.

*Optik der Kunststoffleisten wieder auffrischen (mit Owatrol im nächsten Frühling)

*Dachhimmel ausbauen und Bezug neu verkleben (Würthkleber?). Schönheits-Fummelarbeit. Kommt ganz zum Schluss.

 

--------------

 

Einkaufsliste:

 

 

1. Vorgebördelte Bremsleitungen vorne und hinten

2. Gebr. Antriebswellen mit Gleichlaufgelenken

09.10.2018 07:43    |    PIPD black

Interessantes Projekt.

 

Wie bist du zum Golf gekommen oder warum? Was hast du damit vor?


09.10.2018 08:26    |    Goify

Wäre es nicht sinnvoller, den Golf zu verwerten/schlachten und eine bessere Basis für wenige hundert Euro zu besorgen. Das hört sich irgendwie bei dir mit diesem Golf nicht gerade rosig an.


09.10.2018 09:21    |    PIPD black

Zitat:

eine bessere Basis für wenige hundert Euro

Dürfte schon schwierig werden. Zumal der 1,3er bei ihm wie auch bei mir nicht die 1. Wahl ist. Den 1,6er braucht man gar nicht in Betracht zu ziehen. Und beim 1,8er mit 90 PS wird die Luft schon sehr dünn, was gute und günstige Golf II angeht.


09.10.2018 09:29    |    Goify

Ich habe meinen 1,8er für 300 € verkauft und der war schon ganz ordentlich. Gut, das war 2003. Seit dem meinten einige, der Golf 2 sei Gold wert.


09.10.2018 17:28    |    Dekou

Moin zusammen,

 

@PIPD black: Das Projekt war als Ausgleich für die Kopfarbeit während meiner Thesis gedacht. Hat auch teilweise funktioniert, vom Frust durch mein Cashflow-Problem mal abgesehen. Zugelaufen ist mir der Wagen, weil mein Bruder ihn als Winterauto von einem Freund gekauft hatte, er dann aber eben nicht lief und es auch nicht so aussah, als ließe sich das in einer Woche richten. Ist dann für 150€ bei mir geblieben. Ich will ihn behalten, weil ich ihn fahren will, jetzt im Winter. Ehe einer schreit: Ich sehe schon zu, dass er regelmäßig gewaschen und gepflegt wird. Haben meine Autos bislang auch bei Eis und Schnee mitgemacht. Vielfahrer bin ich sowieso nicht.

 

@Goify: Ja, wirtschaftlich wäre das sinnvoller, ihn zu schlachten. Aber der Spatz in der Hand ist ja mehr wert, als die Taube auf dem Dach. Der Punkt ist: Ich brauche den Golf streng genommen nicht. Ich will ihn aber gerne. Und eigentlich will ich ihn auch mit dem sparsamen 1.3er Motörchen. Würde ich den jetzt schlachten und verscheuern, dann wäre meine Argumentationslage zu Hause schwierig, mir wiederum einen Golf zuzulegen. Zudem die Blechbasis, von Dummheitsrost mal abgesehen, einfach ganz gut ist. Klar wäre es rational betrachtet besser, sich einen zuzulegen, der Wertzuwachs verspricht, und/oder mehr Leistung. Schnellfahren muss ich heute aber nicht unbedingt mehr als nötig und dafür stünden mir andere Autos zur Verfügung. Ich bin eher gespannt auf Minimalverbauchsrekorde mit dem NZ.

 

 

Kleiner Ausblick, was als nächstes kommt: Die ganz große Klammheit hat sich etwas gebessert. Am Wochenender hole ich mir dafür für erweitertes Taschengeld einen anderen NZ inklusive 8P-Getriebe. Dann sehe ich, welchen der Motoren ich jetzt zum Laufen bringe und welcher dann in Ruhe gerichtet wird. Ziel ist jedenfalls, dass der Kübel bis Ende Oktober wieder zugelassen ist, denn mein Benz muss von der Straße.

Näheres hier im Blog, sobald etwas geschieht.


10.10.2018 14:18    |    petzi5596

den 1,3 nz/mpi "digijet" mit 5 gang-getriebe hatte ich selber mal - hat 350tkm ziemlich problemlos gehalten.

gaszug muss man so einstellen, dass beide registerdrosselklappen voll aufmachen, als getriebeöl ein 75W-90 nehmen und vorne dickere bremsscheiben mit dünneren bremsbelägen kombinieren - dann ist er als alltagsauto gut brauchbar.

 

im übrigen gabs diesen 1,3 im polo auch als gt mit 75 ps (fast nur schärfere nockenwelle) und einen g40 mit 110


11.10.2018 10:41    |    Dekou

@petzi5596: Das mit den Bremsen musst du mir nochmal genauer erklären. Die anderen Ausführungen vom EA111 kenne ich, mit der 3F-Version aus dem Polo GT habe ich kurz geliebäugelt. Ist aber eigentlich Unsinn und die Teile werden auch zunehmend teuer. Jedenfalls zu teuer für meinen Golf, denn der soll weiterhin mit möglichst wenig finanziellem Aufwand wieder sicher auf die Straße. Freut mich aber, wenn dein NZ so problemlos war.


11.10.2018 18:51    |    petzi5596

meiner hatte vorne 10mm scheiben drin, die sind ziemlich schnell heiss geworden. hab mir dann die 12mm scheiben eingebaut, da passen allerdings (aussen oder wars innen ?) nur die dünneren oder etwas gebrauchte bremsbeläge rein (fast alle g2 hatten 239mm scheiben in verschieden starken ausführungen drin, da gibts auch verschieden starke bremsbeläge)


14.10.2018 18:24    |    Dekou

@petzi5596: Aha, ok. Ich hab vor ein paar Monaten von Brembo die 10mm-Scheiben mit passenden Belägen und Dichtsätzen bestellt. Die liegen jetzt also schon bereit zum Einbau. Ich fahre normalerweise eher vorausschauend, das sollte schon passen.


15.10.2018 14:57    |    Goify

Beim Golf 2 mit den dünnen Bremsscheiben hilft es, sich zwei Schläuche für die Abluft von Wäschetrocknern zu besorgen und so zu verlegen, dass genügend Kühlluft an die Bremse kommt. Bei mir hat das erstaunlich viel gebracht. Alle meine anderen Autos hatten solche Kanäle ab Werk.


10.12.2018 19:47    |    SteinOnkel

EA111 ist eine tolle Baureihe...

 

im 86c. In einem 2er Golf das allerletzte. Schmeiss raus und bau einen RP ein.


10.12.2018 22:29    |    Dekou

Jaja, neenee. Die Diskussion hatten wir doch schon. ;-)

Der größte Stress in den letzten zwei Monaten war ja weniger durch den Motor verursacht, sondern durch den Zustand eines ungepflegten, 27 Jahre alten Autos allgemein.

...Außerdem ist seit ner Stunde alles wieder zusammengebaut. Läuft. Manchmal jedenfalls.


10.12.2018 22:56    |    SteinOnkel

Womal du ja mit dem NZ jetzt nicht unbedingt das Sahnestueck der EA111 Reihe erwischt hast. Der ist ganz okay, aber fuer ein solches Auto doch viel zu schwach.

 

Aber gut.

 

Zum Thema Bremse: Lass dich nicht von der "GT G40 RAR SELTEN NOS" Fraktion blenden. Die Unterschiede ab 75PS bei dem Thema sind andere RBZ, ein anderer HBZ, dickere Scheiben und der lastabhaengige BDR. Das sind (bis auf den BDR, der mit deiner Chassis eh nicht funktioniert) alles Verschleissteile, die mit anderen Baureihen kompatibel sind und daher massenhaft hergestellt werden. Womal du ja beim G2 eh eine deutlich groessere Auswahl an Bremsen hast.

 

Aber bleib doch bei der 239x10. Reicht doch fuer die Knutschkugel. Mit 54PS wirst du ja jetzt nicht auf der Nordschleife rumgurken.

 

Ich fahre 239X20 ATE Powerdisc und bestelle immer Belaege fuer das G1C. Die haben bisher immer gepasst.


Deine Antwort auf "1991er Golf 1.3 NZ, "Rolf""

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Dekou Dekou


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MB W201 190E 1.8 BJ '91

MB W124 220TE BJ '92

VW Golf II 1.3 Cat BJ '91

 

Persönliches: Brille, Bart.

Freizeit: Blech, Bergsteigen, Bücher.