• Online: 4.528

12.06.2012 16:51    |    SteinOnkel    |    Kommentare (8)

Hallo zusammen,

 

also, es ist nun vollbracht. Das Auto wurde letzten Samstag lackiert.

 

Der schiere Aufwand, den man für so ein Verfahren aufbringen muss, ist wirklich immens. Es ist nicht nur die Vorbereitung der zu lackierende Teile fachlich gesehen schwierig, sondern auch die Organisation des Transports erweist sich als echte Geduldsprobe.

 

Ich besitze ja bekanntlich einen e34 Touring und habe Zugriff auf einen Fiat Doblo und einen Anhänger mit 500kg Nutzlast. So weit die Vorraussetzungen. Was mir fehlte, war ein Anhänger, um die Chassis zu transportieren. Nach einer Stunde telefonieren letzte Woche Dienstag hatte ich dann auch das, was ich wollte: ein Anhänger mit Planenaufbau, Maße 4,1m lang 2,3m breit und 2m hoch. Super.

 

Dann habe ich die Anzahlung bei einer Mietbaren Lackierkabine gemacht und die Herrschaften zusammengetrommelt. Ich hatte einen Fahrer (da ich keinen BE-Führerschein besitze) für den BMW, meinen Lackierer, ein weiterer Freund zum tragen und meine Freudin für seelischen Beistand dabei.

 

Hinzu kam, dass die Anhängelast beim e34 touring mit der 2 Liter Maschine laut Fahrzeugschein nur 1.500kg beträgt, die Nutzlast des Anhängers lag aber laut Aussage des Vermieters bei 2.000kg. Um kein Risiko einzugehen, habe ich einen Auszug aus einem Umrüstkatalog für den BMW besorgt, der die Anhängelast auf 2.000kg erhöht. So weit, so gut.

 

Zeitlich war am Samstag alles auf die Minute genau geplant: 6.00 aufstehen, 6.30 die Leute abholen und so weiter und so fort. Schon bei dem Vermieter des Trailers traf mich dann der Schlag: die Maße des Anhängers waren wirklich immens.

 

Das Aufladen der Chassis verlief problemlos, doch es stellte sich schnell heraus, dass der BMW wirklich zu kämpfen hatte. Auf der Autobahn wurden wir 40 Tonnern überholt und bergauf kam er nicht schneller als 60 km/h vom Fleck.

 

So nahm das Unglück seinen Lauf: ein Spanngurt hatte sich im kleinen Trailer gelöst und die Türen hatten aneinander gescheuert, bis eine umfiel. Dabei hat sie der Motorhaube eine Beule verpasst und der anderen Tür auch. Na super.

 

Was will man machen? Lackiert haben wir trotz alles.

 

Der Durst des BMWs wuchs ins unermessliche: stolze 18 liter Autogas verbrannte er auf 100 km, ich hatte mit maximal 13 gerechnet. In der nähe der Lackierkabine gab es weit und breit keine Autogastankstelle.

 

Da die Kabine im 15 Minuten Takt berechnet wurde und alles andere als billig war ( 60€ pro Stunde), mussten wir schnell arbeiten. Meine Laune verschlechterte sich bei dem ersten Spritzgang deutlich:

 

1. Der Lack war viel zu hell, es war eher ein Lilaton, als blau

2. Die Schleifspuren waren deutlich zu sehen

3. Beim "Vornebeln" ging ein ganzer Liter Lack drauf

4. Die Seitenteile der Chassis hatten Silikonlöcher im Lack

 

Doch meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet: nach dem zweiten Spritzgang war von den oben gennanten Problemen keins mehr vorhanden. Wenigstens das klappte.

 

Dann rührten wir den Klarlack an. Mein Lackierer sagte noch zu mir "Man, ist der dickflüßig, den kann ich super sprühen". Dies stellte sich als Fehleinschätzung heraus: die Beifahrerseite der Chassis bekam einen deutlichen Läufer.

 

Gegen 16.00h wurde ich um eine nicht unerhebliche Summe Bargeld erleichtert und wir packten ein. Sichtbar war nun, dass der Klarlack die Farbe ausmachte: der Farbton steht dem Auto hervorragend. Beim einpacken der Einzelteile wurde auf deutliche Sorgfalt geachtet, doch es kam, wie es kommen musste: die Heckklappe bekam eine Schramme, welche bis auf die Grundierung runterging und eine Tür scheurte schön an der Innenseite den Lack ab. Super.

 

Heute habe ich mich dann an das naß schleifen mit 2.000er Papier gewagt. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach katastrophal: der Lack ist stumpf und hat Schrammen. Außerdem habe ich den Läufer am Seitenteil so lange geschliffen, bis mir an einer Stelle die Grundierung hallo sagte.

 

Die Verblassung des Lackes sei völlig normal, so wie auch die Schleifspuren. Das sollte alles mit der Politur behoben werden, so mein Lackierer und mein Bruder, der seinen Porsche 914 vor zwei Jahren genauso aufwendig restaurierte, wie ich den Derby.

 

Okay.

 

Nun gibt es noch einiges zu tun:

 

1. Das Seitenteil muss neu lackiert werden.

2. Die Tür muss ausgebeult und lackiert werden

3. Die andere Tür wird auf der Innenseite Spotrepair bekommen

4. Die Heckklappe auch.

5. Es muss alles poliert werden

 

Das ist nichts, was nicht schaffbar ist. Mit meinem 90L Kompressor ist das auf jeden Fall zu stemmen und die Mengen an Lack, die ich jetzt beschaffen muss, halten sich in Grenzen.

 

Mir war klar, dass nicht alles auf Anhieb glückt und man beim ersten Mal unmöglich an alles denken kann. Wenn ich bedenke, wie schwer ich mich vor noch 3 Jahren mit den Reperaturen an meinem schwarzen 2f getan habe, wird mir klar, dass ich schon sehr, sehr weit gekommen bin.

 

Es ist auch sicherlich nicht das letzte Auto, welches ich restauriere. Mir schwebt als nächstes Projekt ein Urquattro vor. 2014 werde ich mein Bachelor-Abschluss in Händen halten und mir wurde ein solches Restaurationsprojekt als Geschenk versprochen. Das spielt sich dann aber alles in den USA ab, wo solche Projekte DEUTLICH einfacher durchzuführen sind.

 

Wie geht es nach dem Abschluss des Lackieren und der Nacharbeit des Lackes weiter? Sobald ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, geht es an das große Zusammenbauen. Den Innenraum und die Scheiben, Leuchten, Blinker, Spiegel und so weiter können direkt eingebaut werden, da sie sich in einem tadellosem Zustand befinden. Auch der Motor ist so weit bereit für den Einbau. Es müssen "lediglich" das Fahrwerk noch in einen Neuzustand versetzt werden und jede Menge Neuteile beschaffen werden. Das sind aber alles Arbeiten, die ich hier vor Ort, alleine erledigen kann. Die Hürde ist geschafft; das Gröbste liegt hinter mir.

 

Ich spiele weiterhin mit dem Gedanken, meinen BMW zu verkaufen und mit dem Erlös den Derby zu beenden. Beruflich gesehen habe ich gestern einen großen Erfolg verzeichnen können: ich habe eine Stelle für mein Praxissemester gefunden. So gesehen bin ich dem Zeitplan vorraus. Es juckt mir aber in den Fingern, endlich dieses schöne Auto wieder bewegen zu dürfen.

 

Mit Fotos tue ich mich heute bewusst schwer: das was zu sehen ist, enstpricht nicht dem Endergebnis des Lackes. Nach der Politur erfolgt eine große, textlose Bilderreihe. Dann können sich alle von unserer Arbeit ein anständiges Bild machen.

 

Gruß

Manuel


12.06.2012 16:53    |    Trackback

Kommentiert auf: VW Polo I & II:

 

Ein kleiner Vorgeschmack vom Lackieren

 

[...] Hier nun ein ausführlicher Bericht:

 

http://www.motor-talk.de/.../das-lackieren-t3968197.html

[...]

 

Artikel lesen ...


12.06.2012 19:53    |    DER POLO_NEGER

Da hast du aber noch ne Menge zu tun Manuel:eek:, aber schön dass du es schon soweit geschafft hast, weiterhin viel Glück, und hoffentlich bekommste die Schäden wieder sauber hin:)

 

... aber was machen denn eigentlich die ganzen 2er Gölfe auf dem 3. letzten Bild? Werden die geschlachtet oder restauriert?:)


12.06.2012 21:57    |    onkel-howdy

samma...nix für ungut: aber wen du schleufspuren siehst, wie bist du vorgegangen? schleifen, grundieren, farbe? keinen dickschichtfüller gepritzt und nass geschliffen? dann solltest du normal keine schleifpsuren sehen.


13.06.2012 05:22    |    Pingback

Kommentiert auf: Community Magazin: Das Lackieren | Darlehen Auto...neuesten Online-Nachrichten Auto


13.06.2012 08:32    |    SteinOnkel

Sieht man nach dem 2. Spritzgang nicht mehr, die Schleifspuren. Alles ganz normal.

 

Wir haben 2 Schichten EP-Primerfiller und 2 Schichten normale Grundierung. Die dann mit 400er trocken geschliffen und dann lackiert.


13.06.2012 11:37    |    onkel-howdy

ok 400er is n bissle grob ;) aber wens netmehr so zu sehen ist....

 

es gibt halt spezialisten die das ganze mit 120er schleifen, grundieren und sich dann wundern warum man auch in der 10. lackschicht noch die krater vorhanden sind ;)


16.06.2012 09:31    |    agentstarburst

Moin,

 

wenn man BE hat ist übrigens die Nutzlast des Anhängers egal. Entscheidend ist die tatsächliche Istlast. Ist die <1500kg ist alles tutti. :)

 

Gruß,

Fabian


17.06.2012 12:25    |    kruemeldriver

Dann warte mal ein halbes bis ein Jahr ab....danach haste deine Schleifspuren wieder.:D

 

400er ist einfach zu grob...trocken sowiso.

 

Eine gute Lackierung braucht Zeit und Geduld.

Die Vorarbeiten machen 90% einer guten Lackierung aus. Ist diese nicht Top, wird auch das Ergebnis nicht top sein. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht.

 

Trotzdem wünsch ich dir viel Erfolg und ein Dellenfreie Saison.:)


Deine Antwort auf "Das Lackieren"

Blogautor(en)

SteinOnkel SteinOnkel

Ford