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17.09.2015 19:11    |    SteinOnkel    |    Kommentare (3)

Kalifornien. An der Rennstrecke Thunderhill bedeckt die Asche der Waldbrände den Himmel und macht aus der heißen Luft eine bedrückende, trockene Atmosphäre. Plötzlich heulen hundertneunzig Motoren auf und fügen der Schwüle noch eine akustische Note hinzu. Es ist 10:00 morgens am Samstag, den 12.9. und an dieser Rennstrecke klingt es wie an keiner anderen. Statt der gleichgeschalteteten, monotonen Geräuschkullisse einer Formel 1 Veranstaltung klingt es hier, als ob ein fahrender Schrottplatz hier die Runden macht. Und genau das ist der Fall, abgesehen von der Sicherheitsausrüstung dürfen diese Rennwagen höchstens $500 kosten. Das Event nennt sich 24 Hours of Lemons und nicht nur der Name ist eine Anspielung auf Aspekte des seriösen Motorsports.

 

 

Die technische Untersuchung ergab "müsste passen"

 

Das Auto der Auto Lemons Union ist ein Mazda Miata alias mx-5 aus dem Jahre 1991. Unter vier bis sechs Schichten Lack aus der Spraydose befindet sich ein Reihen Vierzylinder, der 104kW/142PS leistet. Das Fahrzeug ist übersäht mit Kratzern, Beulen und Aufklebern von anderen Schrott-Rennserien. Doch das worauf es ankommt, stimmt. Der Rollkäfig ist fachmännisch verbaut, das Fahrwerk straff. Vor der technischen Untersuchung werden noch geschwind die Räder gewechselt. Es geht eine fast greifbare Elektrizität umher - der Höhepunkt eines Wochenendes, welches sich viele hier Monate vorher im Kalender markiert haben, steht kurz bevor. Bei der Untersuchung werden nicht nur das Auto, sondern auch die Ausrüstung der Fahrer unter die Lupe genommen. So amateurenhaft der Inspektor mit seinem Super-Helden Outfit "Nur ich kann über euch richten" auf den ersten Blick erscheint, so gründlicher verrichtet er seine arbeitet. Die feuerfesten Handschuhe und Anzüge müssen den aktuellsten Sicherheitsstandards entsprechen. Nach erfolgreicher Abnahme bekommen Auto und Helme ein Siegel aufgeklebt. Gut genug.

 

 

Pannen, schwarze Fahnen und Eis am Steuer

 

Nach der ersten halben Stunden kehren Autos im Minutentakt zurück in die Boxengasse. Viele von ihnen haben bereits die ersten Pannen. An diesem Wochenende werden die Fahrzeuge an ihre absoluten Grenzen gebracht und da sie zum Teil in einem miserablen Zustand sind, häufen sich die Defekte. Hier kann alles passieren - von einem abgerissenen Schalldämpfer bis hin zum kapitalen Motorschaden. Die Sachen zu packen und wieder abzureisen geht gegen den Kodex der Veranstaltung. Das Ziel ist es die gesamte Renndauer zu überstehen - egal wie. Auch die Auto Lemons Union wird von Pannen heimgesucht. Gegen 11.30 meldet einer der Fahrer per Funkgerät dem Team, dass das Auto überhitze. Da der Tank bereits nach neunzig Minuten leer ist und somit ein Fahrerwechsel ansteht, befindet sich das Team noch im regulären Takt. Der Fehler ist schnell gefunden und behoben, der Kühlerlüfter auf der Fahrerseite hat seinen Dienst eingestellt. Obwohl es im nahegelegenen Ort Ersatz zu kaufen gäbe, reanimieren die Mechaniker den Lüfter durch einen gezielten Schlag mit Hammer und Meißel. Nach acht Minuten ist das Auto mit einem frischen Piloten wieder auf der Rennstrecke. Die Fahrer tragen spezielle Anzüge, die mit Eiswasser aus dem Kofferraum gespeist werden, denn anders ist es nicht am Steuer auszuhalten. Bei dieser Außentemperatur und der Dauerbelastung der Maschine kann man nicht einmal die Motorhaube ohne Handschuhe zu tragen öffnen.

 

Was dem Team in den nächsten Stunden zu schaffen macht sind weder Pannen noch schlechte Rundenzeiten, sondern schwarze Fahnen wegen Regelverstößen. Neben grob fahrlässigem Defekt und Fahrweise sind dies zum Beispiel das Überholen während die gelbe Fahne oben ist oder das Berühren eines anderen Autos. Beim dritten Verstoß an einem Tag wird das Team bestraft. Dazu kann man sich einen von drei möglichen Nachteilen aussuchen: der Rennwagen verbringt eine Stunde in der stillen Ecke, das Team spendet hundert Dollar für einen guten Zweck oder die Richter lassen sich etwas einfallen. Die dritte Wahl bietet den höchsten Unterhaltungswert. Ein BMW-Fahrer beispielsweise wird auf das Dach seines Autos geschnallt und bekommt ein Megafon in die Hand gedrückt. Sein Team muss nun in Schrittgeschwindigkeit durch die Boxen fahren, während sich der Herr auf dem Dach in voller Montur dafür entschuldigt, ein so miserabler Fahrer zu sein. Ähnlich erging es einem Team, welches das Auto dreimal in nur einer Runde gedreht hat. Sie müssen möglichst oft mit Filzstiften den Spruch "You cannot win if you spin" auf ihren Mazda schreiben.

 

 

Zwischen Stockcar-Rennen und Karnevalsverein

 

Gegen 17.00 Uhr - eine Stunde vor offiziellem Ende des ersten Renntages - meldet ein Fahrer der Auto Lemons Union, dass er nicht mehr aus dem dritten Gang heraus kommt. Das Auto ist schnell in der Boxengasse aufgebockt und eine düstere Diagnose wird von dem Team gestellt. Der interne Schalthebel sei gebrochen. Selbst mit roher Gewalt und wiedermal mit Hammer und Meißel lässt sich das Fünfganggetriebe des Miatas nicht mehr schalten. Im Ersatzteillager befindet sich ein Austauschgetriebe also ist die Entscheidung schnell getroffen: Bier auf, Getriebe raus. Das Team arbeitet zu viert und lässt sich Zeit, da das Rennen an diesem Tag eh gelaufen ist. Trotz Abendessen und Dosenbier dauert die Repartur gerade einmal drei Stunden. Während die Mechaniker arbeiten, fahren einige der anderen Teams in den Boxen umher und verteilen Schnapps. Einige von ihnen sind verkleidet. Als bekanntester Drink der Veranstaltung gilt wohl der Fartini, laut Teamleiter John eine Mischung aus Bremsflüssigkeit, 5W-40 Altöl und Vodka. Auch ihr Porsche 924 hat an diesem Abend ein neues Getriebe verlangt. Im weiteren Verlauf des Abends verwandelt sich die Boxengasse in eine Art Volksfest. Die Fahrer und Mechaniker wandern umher und es gibt Musik, Benzingespräche und aus einem Rennwagen mit Zapfanlage Biergarten Racing frisches Bier.

 

 

Bestzeiten und Räder, die sich selbständig machen

 

Am nächsten Tag wird die Rennstrecke bereits um 9.00 Uhr freigegeben. Das Team der Auto Lemons Union zeigt sich optimistisch; das neu verbaute Getriebe lässt sich laut Aussage der Fahrer hervorragend schalten und die fachmännische Reperatur der Kühlanlage hält die Temperaturen des Motors im grünen Bereich. Nach dem ersten Fahrerwechsel des Tages schlägt der Schlafmangel zu Buche und im Anhänger des Teams werden Schlafsäcke ausgerollt. Doch frei nach dem Motto "Entweder es passiert nichts oder alles auf einmal" weckt der dritte Fahrer die Mannschaft nach einer Stunde mit der schockierenden Nachricht, das Rennen sei gelaufen. Der zweite Fahrer hätte sich mit dem Auto überschlagen. Angespannt wartet das Team auf den Wagen, da der Fahrer nicht mehr über das Radio zu erreichen ist. Doch als dieser aus dem Abschleppwagen springt, grinzt er von Ohr zu Ohr und berichtet fröhlich, dass sich lediglich eines der hinteren Räder bei 120 km/h verabschiedet hat. Sichtlich erleichtert beginnen die Mechaniker im Handumdrehen die hintere Antriebswelle - vier abgerissene Radbolzen - zu wechseln. Eine neue Bremsscheibe wird von einem anderen Team geliehen und binnen fünfundvierzig Minuten verrichtet der Miata wird seine Arbeit auf dem Asphalt. Ironischerweise hat der Pechvogel-Fahrer kurz zuvor seine beste Rundenzeit aufgestellt - 3:35 - ein Wert der sich mit diesem Auto sehen lassen kann. Nach dem Schock verlaufen die letzten neunzig Minuten ohne weitere Zwischenfälle. Die Auto Lemons Union beendet die Veranstaltung auf dem 83. Platz von 190.

 

 

Hier das Video, in dem die Radbolzen reißen:

 

 

Und hier das der besten Rundenzeit:

 

 

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28.06.2015 13:43    |    SteinOnkel    |    Kommentare (138)    |   Stichworte: 2 (86C), Polo, VW

Hier die Fotos :)

 

Was ein toller Samstag!

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04.01.2015 22:41    |    SteinOnkel    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: 87, Derby, VW

Hallo ihr Schrauber,

 

fast ein Jahr ist rum und der Steini hat ungefähr...nichts...geschrieben. Aber dafür sehr viel getan!

 

Ich verfasse mal ein kurzes Update. Der Derby steht kurz vor der ersten Hauptuntersuchung. Am kommenden Freitag schaut ein Kumpel, der GTÜ-Prüfer ist mal drüber. Das Auto steht bei ihm in der H-Konformen, zahmen Variante auf dem Hof, d.h.:

 

- Einfacher Registervergaser

- der originale Guss-Krümmer

- mit nachgerüstetem U-Kat

- vollen Scheiben

- Stahlfelgen

 

Für die Leistung und die Optik sicherlich nicht das Optimum, aber so können wir ihn schonmal durchstempeln. Dann kann ich ihn in Ruhe anmelden und mich um die Einzelabnahmen deutlich bequemer kümmern. Es ist ätzend, für so etwas jedesmal Trailer, Zugmaschine und Fahrer zu organisieren. Einzelabnahme brauchen die Doppel-Gaser, Felgen mit Reifen und die Bremsscheiben.

 

Aus dem Kopf kann ich jetzt nicht alles runterrattern, was ich in den letzten 9 Monaten alles getrieben habe an dem kleinen. Daher die Liste, was noch zu erledigen ist:

 

- Aufpolieren

- Kleinteile für Innenraum kaufen (hier ne Abdeckkappe, da 'nen Plastikteil)

 

Er fährt sich richtig gut :) Es läuft jetzt nichts mehr raus und auch kein Wasser rein, alles funktioniert. Was will man mehr?

 

Gruß

Manuel

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13.04.2014 16:31    |    SteinOnkel    |    Kommentare (3)

Zündung und Ventilspiel sind noch nicht eingestellt.


21.11.2013 16:19    |    SteinOnkel    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: 86C, Derby, VW

Moin Zusammen,

 

man kommt ja wirklich zu nix. Entweder ist man mit dem Schrauben beschäftigt oder mit dem Studieren. Zum Blogartikel schreiben komme ich leider ziemlich selten.

 

Nichtsdestotrotz möchte ich euch hier jetzt den Fortschritt des Sommers etwas näher bringen.

 

Es sind vollständig verbaut:

 

- Fahrwerk mit Brems-Hardware

- der Tank mit Entlüftungsschläuchen (das war eine schwere Geburt!)

- Rückleuchten

- Türen mit Hebeln und Schlössern

- Motor, Getriebe, Antriebsstrang

- Wasserkühler

- Ansaugbrücke und Vergaser

- Krümmer

- Ruckleuchten und Heckklappe (das Schloss einzustellen macht richtig Laune)

- Lenkung

 

Kopfzerbrechen bereitet mir nach wie vor der Handbremshebel und der Gaszug von den Doppelvergasern. Ich bin nicht so der Seilzug-Mensch, ihr merkt das schon. Aber das sind auch alles keine Zaubereien, also werde ich das bestimmt nächsten Frühling hinbekommen.

 

Drückt mir die Daumen, dass er nächsten Sommer wieder fertig ist. Im Mai soll er zumindest fahrbar sein :)

 

Die ersten Kabel und Strippen liegen auch schon im Auto. Kurz bevor ich ins Auslandssemester Ende Juli gestartet bin, hat der Derby mich auch mit den ersten Lebenszeichen verabschiedet. Der Anlasser dreht den Motor sauber durch :)

 

Danach habe ich dann die beiden Autos eingemottet und ihnen schonmal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch gewünscht.

 

Der graue Steili im letzten Bild hat im Juni erst die HU bestanden, damit ich ihn im März nur wieder anmelden muss. Das war auch wieder ein wenig Arbeitszeit, die eigentlich dem Derby gehört hätte.

 

Das dürften auch die ersten Bilder hier von meiner Werkstatt sein. Ich hoffe, sie gefällt. Es sind insgesamt ca. 50qm auf einem Bilderbuch-Bauernhof in Ostwestfalen.

 

So euch dann auch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

 

Gruss

Manuel


05.11.2013 04:04    |    SteinOnkel    |    Kommentare (2)

Testfahrzeug Lincoln Continental/Mark Series Continental 9. Gen 4.6
Leistung 272 PS / 200 Kw
Hubraum 4600
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 270000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 4/2000
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von SteinOnkel 3.5 von 5
weitere Tests zu Lincoln Continental/Mark Series Continental 9. Gen anzeigen Gesamtwertung Lincoln Continental/Mark Series Continental 9. Gen 3.5 von 5
Fahrzeugtest ansehen

25.03.2013 18:53    |    SteinOnkel    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: 86C, Derby, VW

Was ist hier denn los? Nix!?

 

Dabei habe ich eigentlich gar keinen Winterschlaf gehalten. Wie das eben so ist. Es wird kalt und grau draußen, man zieht um, muss arbeiten.

 

Ich will euch verraten, warum sich hier nichts getan hat seit Juni: Ich bin in den letzten 8 Monaten geschlagene 4 mal umgezogen. Wir haben vier Wochen lang eine Wohnung renoviert, in der wir dann ganze acht Wochen gewohnt haben. Ganz toll! Auto schrauben ja, Küche aufbauen nein! Dann noch jeden Tag 10 Stunden im Büro, da bleibt nicht viel Zeit...

 

Achja und Bier trinken muss man ja irgendwann auch noch :) !

 

In den nächsten Tagen folgen hier mal ein paar Zeilen und Bilder, wie der Derby momentan aussieht.

 

Bis dahin

 

Euer Manuel


12.06.2012 16:51    |    SteinOnkel    |    Kommentare (8)

Hallo zusammen,

 

also, es ist nun vollbracht. Das Auto wurde letzten Samstag lackiert.

 

Der schiere Aufwand, den man für so ein Verfahren aufbringen muss, ist wirklich immens. Es ist nicht nur die Vorbereitung der zu lackierende Teile fachlich gesehen schwierig, sondern auch die Organisation des Transports erweist sich als echte Geduldsprobe.

 

Ich besitze ja bekanntlich einen e34 Touring und habe Zugriff auf einen Fiat Doblo und einen Anhänger mit 500kg Nutzlast. So weit die Vorraussetzungen. Was mir fehlte, war ein Anhänger, um die Chassis zu transportieren. Nach einer Stunde telefonieren letzte Woche Dienstag hatte ich dann auch das, was ich wollte: ein Anhänger mit Planenaufbau, Maße 4,1m lang 2,3m breit und 2m hoch. Super.

 

Dann habe ich die Anzahlung bei einer Mietbaren Lackierkabine gemacht und die Herrschaften zusammengetrommelt. Ich hatte einen Fahrer (da ich keinen BE-Führerschein besitze) für den BMW, meinen Lackierer, ein weiterer Freund zum tragen und meine Freudin für seelischen Beistand dabei.

 

Hinzu kam, dass die Anhängelast beim e34 touring mit der 2 Liter Maschine laut Fahrzeugschein nur 1.500kg beträgt, die Nutzlast des Anhängers lag aber laut Aussage des Vermieters bei 2.000kg. Um kein Risiko einzugehen, habe ich einen Auszug aus einem Umrüstkatalog für den BMW besorgt, der die Anhängelast auf 2.000kg erhöht. So weit, so gut.

 

Zeitlich war am Samstag alles auf die Minute genau geplant: 6.00 aufstehen, 6.30 die Leute abholen und so weiter und so fort. Schon bei dem Vermieter des Trailers traf mich dann der Schlag: die Maße des Anhängers waren wirklich immens.

 

Das Aufladen der Chassis verlief problemlos, doch es stellte sich schnell heraus, dass der BMW wirklich zu kämpfen hatte. Auf der Autobahn wurden wir 40 Tonnern überholt und bergauf kam er nicht schneller als 60 km/h vom Fleck.

 

So nahm das Unglück seinen Lauf: ein Spanngurt hatte sich im kleinen Trailer gelöst und die Türen hatten aneinander gescheuert, bis eine umfiel. Dabei hat sie der Motorhaube eine Beule verpasst und der anderen Tür auch. Na super.

 

Was will man machen? Lackiert haben wir trotz alles.

 

Der Durst des BMWs wuchs ins unermessliche: stolze 18 liter Autogas verbrannte er auf 100 km, ich hatte mit maximal 13 gerechnet. In der nähe der Lackierkabine gab es weit und breit keine Autogastankstelle.

 

Da die Kabine im 15 Minuten Takt berechnet wurde und alles andere als billig war ( 60€ pro Stunde), mussten wir schnell arbeiten. Meine Laune verschlechterte sich bei dem ersten Spritzgang deutlich:

 

1. Der Lack war viel zu hell, es war eher ein Lilaton, als blau

2. Die Schleifspuren waren deutlich zu sehen

3. Beim "Vornebeln" ging ein ganzer Liter Lack drauf

4. Die Seitenteile der Chassis hatten Silikonlöcher im Lack

 

Doch meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet: nach dem zweiten Spritzgang war von den oben gennanten Problemen keins mehr vorhanden. Wenigstens das klappte.

 

Dann rührten wir den Klarlack an. Mein Lackierer sagte noch zu mir "Man, ist der dickflüßig, den kann ich super sprühen". Dies stellte sich als Fehleinschätzung heraus: die Beifahrerseite der Chassis bekam einen deutlichen Läufer.

 

Gegen 16.00h wurde ich um eine nicht unerhebliche Summe Bargeld erleichtert und wir packten ein. Sichtbar war nun, dass der Klarlack die Farbe ausmachte: der Farbton steht dem Auto hervorragend. Beim einpacken der Einzelteile wurde auf deutliche Sorgfalt geachtet, doch es kam, wie es kommen musste: die Heckklappe bekam eine Schramme, welche bis auf die Grundierung runterging und eine Tür scheurte schön an der Innenseite den Lack ab. Super.

 

Heute habe ich mich dann an das naß schleifen mit 2.000er Papier gewagt. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach katastrophal: der Lack ist stumpf und hat Schrammen. Außerdem habe ich den Läufer am Seitenteil so lange geschliffen, bis mir an einer Stelle die Grundierung hallo sagte.

 

Die Verblassung des Lackes sei völlig normal, so wie auch die Schleifspuren. Das sollte alles mit der Politur behoben werden, so mein Lackierer und mein Bruder, der seinen Porsche 914 vor zwei Jahren genauso aufwendig restaurierte, wie ich den Derby.

 

Okay.

 

Nun gibt es noch einiges zu tun:

 

1. Das Seitenteil muss neu lackiert werden.

2. Die Tür muss ausgebeult und lackiert werden

3. Die andere Tür wird auf der Innenseite Spotrepair bekommen

4. Die Heckklappe auch.

5. Es muss alles poliert werden

 

Das ist nichts, was nicht schaffbar ist. Mit meinem 90L Kompressor ist das auf jeden Fall zu stemmen und die Mengen an Lack, die ich jetzt beschaffen muss, halten sich in Grenzen.

 

Mir war klar, dass nicht alles auf Anhieb glückt und man beim ersten Mal unmöglich an alles denken kann. Wenn ich bedenke, wie schwer ich mich vor noch 3 Jahren mit den Reperaturen an meinem schwarzen 2f getan habe, wird mir klar, dass ich schon sehr, sehr weit gekommen bin.

 

Es ist auch sicherlich nicht das letzte Auto, welches ich restauriere. Mir schwebt als nächstes Projekt ein Urquattro vor. 2014 werde ich mein Bachelor-Abschluss in Händen halten und mir wurde ein solches Restaurationsprojekt als Geschenk versprochen. Das spielt sich dann aber alles in den USA ab, wo solche Projekte DEUTLICH einfacher durchzuführen sind.

 

Wie geht es nach dem Abschluss des Lackieren und der Nacharbeit des Lackes weiter? Sobald ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, geht es an das große Zusammenbauen. Den Innenraum und die Scheiben, Leuchten, Blinker, Spiegel und so weiter können direkt eingebaut werden, da sie sich in einem tadellosem Zustand befinden. Auch der Motor ist so weit bereit für den Einbau. Es müssen "lediglich" das Fahrwerk noch in einen Neuzustand versetzt werden und jede Menge Neuteile beschaffen werden. Das sind aber alles Arbeiten, die ich hier vor Ort, alleine erledigen kann. Die Hürde ist geschafft; das Gröbste liegt hinter mir.

 

Ich spiele weiterhin mit dem Gedanken, meinen BMW zu verkaufen und mit dem Erlös den Derby zu beenden. Beruflich gesehen habe ich gestern einen großen Erfolg verzeichnen können: ich habe eine Stelle für mein Praxissemester gefunden. So gesehen bin ich dem Zeitplan vorraus. Es juckt mir aber in den Fingern, endlich dieses schöne Auto wieder bewegen zu dürfen.

 

Mit Fotos tue ich mich heute bewusst schwer: das was zu sehen ist, enstpricht nicht dem Endergebnis des Lackes. Nach der Politur erfolgt eine große, textlose Bilderreihe. Dann können sich alle von unserer Arbeit ein anständiges Bild machen.

 

Gruß

Manuel


03.06.2012 21:16    |    SteinOnkel    |    Kommentare (1)

Hallo,

 

nächsten Samstag soll es dann passieren. Der Lack ist hier, der Trailer gemietet und der Termin dick und fett im Kalender angestrichen.

 

Die lezten Vorbereitungen laufen: heute wurden die restlichen Macken, Beulen und Kratzer (wo kommen die eigentlich alle her!?) aus den Türen, Klappen, Haube usw. entfernt. Morgen wird ein letztes mal noch einmal die heute bearbeiteten Flächen nass geschliffen. Anschließend das erste "Vorwaschen" mit Silikonentferner.

 

Am Samstag starten wir gegen 8 uhr. Das einzige was noch fehlt, ist eine anständige Digital Kamera. Meine ist IMMERNOCH verschwunden.

 

Gruß

Manuel


22.05.2012 19:40    |    SteinOnkel    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: 86C, Derby, VW

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Eine sehr, sehr schwierige Entscheidung. Nun ist sie gefallen. Folgende Bedingungen wurden an die Farbe gestellt, sie muss:

 

1. zu den Sitzen (Beiges Kunstleder)

2. zum Teppich (80iger Jahre häßlich Braun)

3. zum Himmel (80iger Jahre häßlich Grau)

4. zu den Felgen

 

passen. UND ganz wichtig: sie soll witzig sein. Nicht zu seriös, etwas "Pop Art". Welche Farben haben denn die Flegen? Keine Ahnung, vielleicht Silber? Und dann der Innenraum, sieht das aus? Metallic oder Uni? Epochenkorrekt? Klarlack?

 

Fragen über Fragen. Am Ende blieben drei in der engeren Auswahl:

 

1. Das Goldmetallic aus den frühen 80igern. Die erste Karosserie hatte diese Farbe (siehe Bilder vom letzten Janr) und ich weiß nur bei dieser Kombination mit Sicherheit, wie es nachher aussieht.

2. Das Marsrot der neuen Karosserie. Bei dieser Farbe weiß ich, wie sie ohne Klarlack auf dem Derby aussieht.

3. Ein schickes Blau

 

Also das Gold fiel raus, weil es mir nicht fetzig genug ist. Das Rot fiel letzendlich raus, weil es beim lackieren blöd ist, wenn man die gleiche Farbe flächendeckend sprühen soll. Es ist nicht restlos alles grundiert und dann kann es schnell passieren, dass ein paar Stellen gar keinen Lack abbekommen. Und das ist Pfusch.

 

So blieb dann noch ein schickes Blau. Leichter gesagt als getan, die Auswahl ist wirklich immens. Ich wollte mich auf jeden Fall im VW Sortiment bedienen.

 

Nun da bleibt einem nichts anderes übrig, als im Straßenverkehr die Augen offen zu halten. Und dann fiel es mir irgendwann auf: das sehr schöne "Summerblue" der 5er Polos.

 

Das soll es werden.

 

Ich hoffe das sieht nachher aus :\

 

Zum TÜV:

 

Argh, diese Motorumbauten. Abgas und Lärmschutz sind die Stichwörter. Abgase fallen raus, dafür ist er zu alt, jedoch heißt das nicht, dass man mit dem Lärmschutz es nicht übertreiben kann.

 

Mir wollte heute jemand allen ernstes erzählen, dass mein Gutachten für den Motor nicht gültig sei, dass es zu alt ist. Aha. Ich brauche ein "QM-Gutachten". Niemand in Wolfsburg wußte was damit gemeint war. Die Alternative war in Hannover oder Essen Leistung-, Fahrgeräusch-, Standgeräusch- und Höchstgeschwindigkeitsmessungen durchzuführen. Kostenpunkt: aufwärts von 500 euro. Ja, ne, ist klar.

 

Alles Blödsinn. Schnell einen Termin in einem anderen Büro gemacht und siehe da: es geht alles. Oder eben auch nicht alles. Folgendes möchte der Herr doch lieber original belassen:

 

Den Krümmer :(

Reifen nicht größer als 175/60 (auf 13 Zoll) :(

keine gekürzten Dämpfer :(

keine gelochten Schieben :(

 

"Mit dem TÜV ist alles doof". Aber egal, da kommt früher oder später ein Fächerkrümmer rein. Nur alles auf einmal, das hat der TÜV nicht zu gerne. Der Amerikaner spricht vom TMI "Too much information". Sei es drum. Dann wird er vorerst 90 PS haben, dann habe ich wenigstens Luft nach oben.

 

Euch eine Rattenscharfe Woche.

 

Übernächstes Wochenende steht das lackieren an. Bin gespannt, wie ein Flitzebogen.


08.05.2012 21:51    |    SteinOnkel    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: 86C, Derby, VW

Kurz ein paar Bilder, was ich heute so erledigt habe.

 

Der Rumpf ist nun so weit fertig. Paar kleine Stellen.

 

Lack: Hammerite Heizkörperlack, geiles Zeug.


05.05.2012 21:04    |    SteinOnkel    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: 86C, Derby, VW

Endlich hat das Warten ein Ende und es geht hier wieder mit dem Restaurieren des Derbys weiter.

 

Wie man sieht, ist die Werkstatt vollständig eingerichtet. Die Idee mit dem Schreibtischstuhl war gut, die mit den Spanngurten besser und die mit einer Kombination aus beidem einfach unschlagbar.

 

Mittlerweile ist der kleine 1.3er GK so zerlegt, dass ich ihn per Hand bewegen kann.

 

Wo soll ich anfangen?

 

Wie man sieht habe ich ihn einmal komplett auseinander genommen, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Der Verkäufer meinte zwar, den Motor hätte man mal neu aufgebaut, aber das bezweifel ich. Ich habe heute den ganzen Nachmittag damit verbracht, irgendwelche 30 Jahre alten Simmerringe zu entfernen. Von wegen neu aufgebaut. Und ob es tatsächlich eine Schrick-Nocke ist, das bezweifel ich. Sieht schwer nach Originalteil aus, aber man weiß ja nie. Irgendwann kommt da eine scharfe Nocke rein, aber erstmal muss er so rennen.

 

Die guten Nachrichten trumpfen die schlechten aber. Die Hohnschliffe und Brennräume sehen traumhaft aus. Alles aalglatt, da gibt es nichts zu meckern. Die Kolbenringe sehen gut aus und die Gleitlager der Kurbelwelle zeigen so gut wie keinen Verschleiß.

 

Dann ging es erstmal an die Ölpumpe. Das Ding war so siffig von außen (kein Wunder, 30 Jahre den gleichen Simmerring benutzt), das könnt ihr euch nicht vorstellen. Das Bild zeigt das Ergebnis von 45 Minuten Schrubberei mit Stahlwolle, Silikonentferner und einem Phasenprüfer.

 

Die Ölwanne ist jetzt schön blank, so wie der Ventildeckel auch. Lackiert ist es auch, in schwarz mattem Ofenlack. Sieht an sich ganz pfiffig aus. Leider gab's im Baumarkt keine andere Farbe und es lag mir ehrlich gesagt in den Fingern, mal endlich wieder was fertig zu bringen.

 

Morgen kommt die Karosserie. Da heißt es dann erstmal Lagerschäden beseitigen und noch die ein oder andere Kleinigkeit ausbessern/nachbessern. Paar Beulen hat sie noch, aber nix wildes. Und an einer Stelle, wo wir geschweißt haben, wollte ich nochmal dran. Schön verzinnen diesmal.

 

Nächsten Dienstag darf ich erstmal jede Menge Dichtungen usw. von VW holen und dann wird der Motor nächste Woche wieder zusammengeschraubt. Ich habe mich jetzt doch gegen eine Blocklackierung entschieden. Es ist einfach viel zu viel Aufwand und Zeit, um das vernünftig zu machen. Und der Ofenlack ist nicht wirklich billig.

 

Dienstag und Donnerstag wird der Motor wieder zusammengebaut so weit (ich muss noch den Kopf so weit zerlegen, dass ich an die beiden Simmerringe dran komme. Das kann noch lustig werden).

 

Dann sieht der Plan vor, dass ich mich um die Karosserie kümmere und dann um das Fahrwerk, damit man das Auto vernünftig rangieren kann. Da werde ich schön mit Hammerschlag arbeiten, kommt ja nicht auf die Textur an.

 

Naja und dann? Das große zusammenbauen. Erstmal schauen, dass er diesen Monat lackiert wird.

 

Wenn das Wort mit G nicht wäre, hätte ich den bis ende Juni wieder auf der Straße. Laufen soll er diesen Sommer zumindest für Testzwecke, aber mal schauen.

 

Ich wünsche euch eine rattenscharfe Woche.

 

Euer

Manuel


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