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05.03.2018 13:29    |    cookie.666    |    Kommentare (14)

Der Beruf Autohändler - also den Lebensunterhalt damit bestreiten dass man Autos günstig kauft und teurer verkauft. Okay. Es gibt in dieser Branche sicher auch faire und ehrliche Leute.

Aber einem besonders dreisten Exemplar durfte ich letzten Freitag bei Dresden Automobile 24 begegnen.

 

Die kurze Geschichte dahinter:

Eine Freundin hatte sich im Internet in einen schwarzen Corsa C Fünftürer BJ 2005 verguckt.

Die Anzeige sieht gut aus, der Corsa scheint gut da zu stehen.

Angeblich 58000km.

Angeblich erste Hand.

Angeblich scheckheftgepflegt.

Angeblich technisch in Ordnung.

Für 2800 Euro klingt das ganz brauchbar und preislich okay.

 

Also zur Besichtigung.

 

Der erste Eindruck vom Verkäufer ist schon... na ja...

 

Das Auto lässt auch schnell Zweifel aufkommen. Massiver Rost an den Schwellern der Hintertüren und am Unterboden - die Achsteile sind gar nur noch knusprig braun. Das einzig nicht rostige sind die nagelneuen Federn an der Hinterachse. Die Bremsleitungen sind so rostig, dass an neuen TÜV nicht zu denken ist. Und das alles bei angeblich nicht mal 60000km??? Extrem ungewöhnlich. Erste Zweifel kommen auf.

Also das Scheckheft zur Hand. Und uppssss - das Erste-Hand-Auto hat schon mindestens zwei Vorbesitzer. Und uppsss - das scheckheft gepflegte Auto hat seit 2011 (Auf dem Ölwechselzettel im Motorraum stehen 44000km) keine Stempel mehr.

Und nächstes großes UUUPPPSSS - im Innenraum sind Lenkrad und Bedienknöpfe nicht nur angekrabbelt. Die Gummierung der Knöpfe von Radio und Klimaanlage ist bis auf den Kern runter.

58000km? Sehr unwahrscheinlich! Eher 258000. Wenn das reicht... Der Schalthebel ist dafür nagelneu - also wirklich nagelneu. Tarnung? Dafür ist der Ledersack vom Schalthebel rissig und abgenutzt. Tja...

Wir machen trotzdem eine Probefahrt. Man warnt uns vor. Spurstangenköpfe sind neu gemacht aber Spur noch nicht eingestellt. Okay - halb so wild. Beim Fahren fällt aber noch mehr auf. Die Vorderachse klappert bei Schlaglöchern, es quitscht beim Lenken, Schläge beim schalten, das Rad vorne links hat deutliches Spiel. Sogar der Ölmessstab ist rostig und das Öl wohl tatsächlich über 7 Jahre alt. Die beigelegten Sommerreifen sind abgefahren und die Winterreifen von 2010.

 

Uns reicht es. Zurück zum Händler.

Zum Spaß stellen wir den Verkäufer zur Rede.

Ich zähle ihm die Mängel auf. Er grinst süffisant. Zu den Reifen sagt er das passt schon - ist ja kein Ferrari. Dass die Reifen quasi Glatze haben, interessiert ihn nicht. Ebensowenig die extrem rostigen Bremsleitungen. Erst versucht er stoisch den schlechten Zustand zu leugnen, nach der Aufforderung sich die Leitungen selbst anzuschauen gibt er zu, dass der TÜV so nicht gehen wird. Ein seltsames Geschäftsgebaren.

Er möchte uns dann tatsächlich 100 Euro entgegenkommen.

Ähm - nein - 2700 Euro für diesen fahrenden Schrotthaufen mit mutmaßlich manipuliertem Kilometerstand. Nein danke.

 

Wir gehen.

 

Lustigerweise finden wir keine 500m weiter bei einem anderen Händler einen älteren Corsa mit mehr Kilometern. Ohne Rost. Ohne Abkrabbelspuren. Guter Zustand.

 

Also, ich sags, wie es ist - bei Dresden Automobile 24 wird man uns nicht wieder sehen.

Wir wurden nicht nur belogen (Ja ja, natürlich alles nur Tippfehler und Irrtümer) und mit dummen Sprüchen abgespeist (Klaro, ein Corsa braucht ja kein Profil aufm Reifen), sondern auch der Verdacht des Betrugs könnte einem da in den Sinn kommen.

 

Bin gespannt wie lange dieser Händler noch existiert (es gibt ihn erst ein halbes Jahr). Ich hoffe - im Sinne unerfahrenerer Kunden - jedenfalls mal, nicht mehr lange.

Aber es gibt ja auch ehrliche Menschen, bei denen man Autos kaufen kann.

Hat Dir der Artikel gefallen? 11 von 11 fanden den Artikel lesenswert.

05.03.2018 14:23    |    golffreiburg

Ich wäre hier mal ganz vorsichtig vor solchen Aussagen gerade wegen des Klarnamen des Händlers. Zumal du deine Bewertung nicht einmal mit eigenen Bilder stützt.

05.03.2018 14:44    |    jbrunken

Er hat weder nach 823 BGB Persönlichkeitsrechte verletzt, noch nach 186 StGb üble Nachrede betrieben. Die Beweislast würde bei dem Händler liegen, dass das Auto die Mängel nicht hatte. Also alles i.O.

05.03.2018 15:08    |    Gorgeous188

Wichtig: stand im Tacho "58000" oder "058000"?

Bei "58000" wurde die "1" bzw. die "2" ganz links abgedeckt

Bei "058000" wurde ein anderer Tacho angeheiratet. Das können auch die günstigen OBD Opel Adapter aus China, dann wird aber ein Fehlercode gesetzt. Korrektes Anheiraten kann nur der Opelhändler mit einem Tech2

05.03.2018 15:30    |    Goify

Also wenn ich mir die Anzeige anschaue, hat er seit 2011 (33.000 km) keinen Service mehr bekommen und nicht 44.000 km. Ob das alles stimmt, kann man ganz simpel beim Vorbesitzer erfragen oder man spricht mit der Werkstatt, bei der der Wagen angeblich gewesen sein soll.

06.03.2018 11:34    |    BMWRider

Die übliche Masche: Irgendwann war das Fahrzeug mal erste Hand und sobald ein Eintrag im Scheckheft vorhanden ist, ist es scheckheftgepflegt.

06.03.2018 13:02    |    Goify

Was auch stimmt, da gibt es sehr gepflegte Hefte ganz ohne Fingerabdrücke oder Eselsohren. Ich habe da schon so manches mal dem Verkäufer das fast leere Heft gezeigt und gefragt, was er darunter versteht, wenn der letzte Stempel 8 Jahre alt ist. Da kam dann immer die Ausrede, dass trotzdem alles gemacht worden sei, man nur vergaß, es eintragen zu lassen.

Gerade steht im Nachbarort ein scheckheftgepflegter Scorpio, der seit 15 Jahren nicht mehr zugelassen ist und in der Garage steht. Kam da der Kundendienst zu ihm jährlich nachhause oder fuhr er mit Anhänger zur Werkstatt?

 

Manche Leute verstehen das Wort "scheckheftgepflegt" einfach nicht. Es heißt nicht, dass das Heft vorhanden ist.

07.03.2018 11:30    |    pico24229

Das von dir geschilderte Verhalten des Verkäufers ist, gerade bei dem Preis, sehr unterdurchschnittlich und der Druchschnitt der meisten Gebrauchtwagenhändler ist ja schon nicht soo toll.

Aber Kilometerstand könnte stimmen. Es gibt Autos die fahren in den ersten 3 Jahren über 100.000km pro Jahr und sehen danach aus wie Jahreswagen und es gibt Autos, auch der Ford Fiesta Leasingwagen meiner früheren Abteilung, der sieht nach 40.000km aus wie 240.000km Stadtverkehr mit Hunden im Auto usw..

07.03.2018 11:33    |    Monochromatic

Zitat:

Ich wäre hier mal ganz vorsichtig vor solchen Aussagen gerade wegen des Klarnamen des Händlers.

Sehe ich ähnlich. Ohne Beweise können solche Behauptungen schnell teuer werden. Gerade dann, wenn kein Schaden entstanden ist und es nur darum geht, dem Händler zu schaden.

Der Vorwurf von Lüge und Verdacht des absichtlichen Betrugs hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

07.03.2018 19:19    |    Multimeter77

Alter Hut würde ich sagen. Wenn ich jetzt jedem Autohändler in die Parade fahren würde der versucht hat mich zu betrügen, bräuchte ich auch meinen eigenen Blog.

09.03.2018 14:48    |    Hellhound1979

Zitat:

Was auch stimmt, da gibt es sehr gepflegte Hefte ganz ohne Fingerabdrücke oder Eselsohren.

Ich würde sagen gute Scheckheftpflege, also vielleicht nur ein Verschreiber und es sollte Scheckheft gepflegt heißen... :D

11.03.2018 11:11    |    St. Abilus

Autohändler betrügen nicht, die sind nur sparsam mit der Wahrheit.;):D

16.07.2019 17:55    |    Azwei1987

Also ich persönlich habe immer sehr gute Erfahrungen mit dem oben genannten Händler gehabt. Wenn mal was am Wagen war (was vorkommen kann bei einem 18 Jahre alten Auto) wurde immer eine super Lösung gefunden. Das Preis Leistung Verhältnis war für mich und meiner Familie und Freunden die hier ihr Fahrzeug erworben haben mehr als zufrieden stellen. Aber es gibt auch Kunden die nunmal das haar in der Suppe suchen gleich vom Anfang den Händler verurteilen und das merkt man dann halt.

21.07.2019 23:44    |    Gorgeous188

Verstehe. Du hast dich extra deswegen hier angemeldet, und hast nach fast 1,5 Jahren einen höchst positiven Kommentar zu diesem Autohändler geschrieben. Darf man fragen, wie viele Autos du so in den letzten 5 Jahren dort gekauft hast? Nach deiner Beschreibung müssen das ja mindestens 50 gewesen sein. Schließlich warst ja du, deine Familie und alle Freunde immer mehr als zufrieden, Originalzitat. Und "wenn mal was war wurde immer eine super Lösung gefunden", klar wer kennt sie nicht, die Fähnchenhändler, die ohne mit der Wimper zu zucken sämtliche Reklamationen des Käufers sofort aus Welt schaffen.

22.07.2019 06:45    |    Azwei1987

Richtig ich habe mich deswegen hier angemeldet da ich erst jetzt diesen Beitrag gelesen habe und ich nicht gerecht finde. In den letzten 7 Jahre.... Ja solange kenne ich den Händler habe ich mir drei Autos gekauft und falls du jetzt wieder das haar in der Suppe suchst.. Die Autos habe ich abgeben nicht weil die nicht gingen sondern weil entweder der Zahn der Zeit oder mir ein Unfall passiert war oder sich privat was verändert hat zbsp Kinder. Und da ich Arbeitskollegen den Händler empfohlen habe und die sich tatsächlich eins gekauft haben und Familie auch kann ich das so schreiben sorry das ich nunmal keine negativ erfahrungen gemacht habe.

Deine Antwort auf "Autohändler des Grauens - Dresden Automobile 24"

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