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26.07.2016 12:03    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (38)

Roter Lack. Rot blinkende Warnlampen. Rotbraune Rostpickel. Und rote Augen - weil ich sie mir reiben musste.

Das nicht etwa wegen des traurigen Gesamtzustands des ganz frühen C180 Classic (W203). Sondern wegen des etwas sonderbaren Stoffmusters "York", dass ich nicht ganz so geschmackssicher finde.

 

Wenn Innenraumdesigner sich etwas trauen, dann kann das entweder Kult werden, wie beim legendären "Pascha" von Porsche, dem Schottenkaro vom Golf GTI und anderen extravaganten Designs. Oder es geht dermaßen nach hinten los, dass man sich eben die Augen reiben muss. Wobei sich ausgerechnet Mercedes, eine Institution in nüchternem Design, so einige Schnitzer dahingehend geleistet hat. Immer dann, wenn ganz gezielt ein jüngeres Publikum angesprochen werden sollte, schoss Mercedes früher über das Ziel hinaus. Die "Avantgarde"-Modelle, die den in den 90ern ergrauten Mercedes 190 noch einmal aufpeppen sollten, sind ein gutes Beispiel. Der Azurro mag noch gehen, im Verde flimmert es einem dann schon vor den Augen. Und der Rosso ist schon so grenzdebil, dass man es als magenfester Betrachter schon fast als Kult einsortieren könnte.

 

Daraus gelernt hat Mercedes nicht: Beim Nachfolger W202 sind die "jung" aufgemachten Esprit-Modelle zu Recht in dieser Galerie gelandet. Auch das 1995er Classic-Design ist zumindest gewagt. Das eingangs gerügte "York"-Design war dann der milde Abklang seltsamer Mercdes-Stoffe.

 

Vielleicht lag es am Jahrzehnt: In den 90ern gab es so einige fragwürdige Polster - wie im Renault Clio S, der mit einem ungewöhnlichen Muster peppiger wirken sollte. Na ja, so halbwegs gelungen ist es. Beim Gruselfaktor ganz vorne mit dabei waren aber die Japaner, die eher hilflos versuchten, den europäischen Geschmack zu treffen. Seltsame Wellen im Toyota Carina waren da noch das Harmloseste. Kias Versuch eines abstrakten Kunstwerks im Shuma war da schon mutiger. Das indifferente Design im Familienvan Serena hatte Nissan vielleicht aus praktischen Gründen gewählt, darauf kann man Schmutz und Löcher kaum erkennen.

Mitsubishi ließ sich nicht lumpen und spendierte dem Carisma fast durch die Bank weg schrullige Muster, vielleicht auch, um dem Wagen das sonst völlig abwesende Charisma zu verleihen - neben dem passabel verarbeiteten, aber völlig uninspirierten grauen Hartplasik braucht es ja dazu gewisse Akzente. Hier stellvertretend zwei späte Modelle, ein 1999er Comfort, dessen Sitze aussehen, wie der Teppich im Zimmer eines Jungen im Grundschulalter. Mercedes hätte sich etwas davon abschauen können: SO werden Jüngere für ein Auto begeistert!

Was genau das florale Muster im 2001er-Modell bezwecken soll, kann ich mir schon denken: Das künstliche Plastik braucht organischen Ausgleich..

 

Der König der Geschmacksverirrung ist für mich der Micra K11. Ohne jeden Zweifel! Ich traue mich gar nicht, da lange draufzustarren, nicht dass ich noch epilleptische Anfälle bekomme. Bitte genießt die Bilder daher mit Vorsicht - ich übernehme keine Haftung für gesundheitliche Schäden. Die beiden Fotos sind übrigens nur zwei der vielen gruseligen Muster - ich weiß, dass es noch mehr gab. Alle Bilder stammen aus dem WWW, weshalb ich an dieser Stelle darauf hinweise, dass ich keine Rechte an den Bildern habe und diese in dem Glauben nutze, nicht gegen Copyright verstoßen zu haben.

 

Eine Sonderstellung nimmt der Trabant ein. Produkten aus volkseigener Produktion wird oft totale Geschmacksbefreiung nachgesagt. Zu Unrecht? Meistens. Aus meiner Sicht werden die DDR-Erzeugnisse oft verkannt. Aber zählt das auch für diesen Sitzbezug eines Trabant, denn robust ist er ja? Nun gut, seht euch das Foto eines neu bezogenen Sitzes mit Originalstoff an. Und dann rennt zur Kloschüssel so schnell ihr könnt!

 

Dass auch Ledersitze unkonventionell sein können, bewies Citroen im CX. Das völlig futuristische Gestühl hat was - ich würde es mir als Retro-Wohnzimmermöbel sofort bestellen.

Und schließlich wird manchmal auch ein Design beachtet, weil man sich gerade nicht etwas trauen wollte. Das biedere Audi-Fischgrätenvelours hat, sofern ich das in der Szene richtig beobachte, auch schon einen gewissen Kultfaktor. Ebenfalls eine Erwähnung wert ist das Veloursdesign im Golf IV Comfortline, dessen Design wohl vom Polster der Deutschen Bahn inspiriert wurde, wohingegen das Zackenmuster ganz früher Nullausstatter ebenso wie das Miró-inspirierte Design eines Golf III Joker schon wieder Anwärter auf das Kabinett der Kuriositäten sind. Auch eine Erwähnung wert ist Suzuki, die durch die Palette durch so manche Abscheuligkeit auf die Menschheit losließen. Auch mein eigenes Auto, der Audi 80 B2 Facelift Basis, hatte einen ungewöhnlichen, meist stuhlgangbraunen Bezug aus Material, der stark an Jeansstoff erinnert.

 

Wie seht ihr das? Findet ihr Gefallen an solch schrägen Designs? Habt ihr selbst Vorschläge für die "Galerie des Grauens"?

Dann her damit, denn ich wäre wirklich mal daran interessiert, welche Sitzmuster euch belustigen. :)

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