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21.05.2017 15:05    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (24)    |   Stichworte: Off-Topic

Bitte nicht!Bitte nicht!

Heute gibt es keinen sachlichen Artikel. Dafür hat's mich vorhin zu stark durchgeschüttelt. Was mir heute auf der Straße passierte, habe ich im Grunde schon ewig kommen sehen. Es geht um Kinderfahrradanhänger.

 

Ich möchte sie auch gar nicht gernell verteufeln. Auf für den Straßenverkehr gesperrten Straßen oder wirklich gut ausgebauten Radwegen sind sie der Garant für einen sportlichen Familienausflug. Hochwertigere Modelle sind stabil konstruiert und beleuchtet und bei einem Sturz allemal besser als ein drangefriemelter Kindersitz. Aber für mich haben sie im dichten, hektischen Stadtverkehr und auf Landstraßen nichts, aber auch gar nichts verloren! Schon oft dachte ich mir in einigen Verkehrssituationen mit den Dingern "zum Glück ist da nichts passiert!" oder "das war aber gefährlich!".

 

Heute war es wieder knapp, nur dass ich in der Rolle des beteiligten Autofahrers war. Die Situation: Eine Landstraße außerorts, die jedoch schlecht ausgebaut ist, sodass 50 gilt. Ich gebe es an dieser Stelle auch offen zu: Ich fuhr Tacho 62, denn ich musste zuvor einige Kilometer hinter einem Rentner im Hyundai i10 hinterherfahren, der nicht mal volle 30 fuhr, als die 30er-Zone vorbei war. Das mag kein Rechtfertigungsgrund sein, aber so war es nun mal.

Die Landstraße mündet mit einer ziemlich engen und unübersichtlichen Kurve in eine Brücke, sie hat dort auch einen schmalen Bürgersteig. Da relativ viele Radler hier entlang fahren und ab und an auch mal Fußgänger wider aller Vernunft hier laufen, macht der auf dieser Brücke auch Sinn. Wie jeden Tag passiere ich die Brücke, ich reduziere das Gas auf nahe Null und lasse den Wagen auf ca. Tacho 54 langsamer werden. Wie gesagt, durch das hohe Geländer und die enge Kurve sieht man kaum etwas.

 

Quasi eine Sekunde danach bekomme ich eine Panik, die mich im Straßenverkehr selten ereilt: Auf dem Bürgersteig stehen einige Leute mit ihren Rädern, aber Mutti mit dem Zwei-Kinder-Anhänger steht mitten in der Kurve auf der Straße, vermutlich weil der Bürgersteig zu schmal ist. Sie stehen dort und unterhalten sich kurz.

Mein erster gedanklicher Ausruf galt dem Endprodukt des Stoffwechsels, gleichzeitig riss ich das Steuer nach links ohne zu prüfen, ob Gegenverkehr herrscht. Zum Glück ist es Sonntags und auf dieser Strecke kaum jemand unterwegs, da sie ins Gewerbegebiet führt. Auch auf die Hupe drückte ich instinktiv.

 

Es ging dann relativ gut aus, ich kam locker an dem Hindernis vorbei, weil ich auch die Höchstgeschwindigkeit ungefähr eingehalten habe. Die meisten Autofahrer tun dies hier nicht, oft wird hier 80 gefahren. Hätte ich das getan, dann wären zwei Kinder und wahrscheinlich auch die Mutter tot. Mausetot. Einfach so, unnötig.

 

Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass es ja alles gut ausgegangen war, man muss sich ja nur an die Verkehrsregeln halten und dann sind solche Situtationen halb so wild.

Mir aber reicht es mit diesen Todesfallen. Diese gottverdammten Anhänger haben auf den von Autos befahrenen Straßen nichts verloren. In der 30er-Zone mit Rechts vor Links will ich sie noch gelten lassen, da fährt fast jeder im zweiten, maximal dritten Gang und hält die 30 wegen der hohen Unfallgefahr auch ein. Aber da wo kein Radweg ist, der breit genug ist diese Dinger aufzunehmen, will ich sie nicht sehen. Oder wenn die Straße so schlecht ist, dass die Kinder durchgeschüttelt werden und dieser Anhänger fast umkippt - da frage ich mich ernsthaft ob es einen Mindest-IQ für Eltern braucht. Ganz zu schweigen davon, dass die Kinder so knapp über dem Asphalt im Stadtverkehr die Abgase der Autos direkt ins Gesicht geblasen bekommen. Habe ich so auch schon gesehen: Zwar sind die Auspuffe meist linksgerichtet, doch eine Mutter (dass die sich so nennen darf) überholte einen stehenden Bus damit, gerade als sie am Auspuff vorbeifuhr gab der Busfahrer einen Gasstoß, vermutlich um die Haltestellenbremse zu lösen. Man hat die Wolke gesehen, wie sie den Anhänger eingehüllt hat.

 

Das ganze passierte kurz vor meinem Ziel. Die Gruppe fuhr ausgerechnet an mir vorbei, als ich mein Auto auslud. Der Opa starrte mich an, als würde er mich auf der Stelle auffressen, wenn es sein Gebiss noch erlauben würde. Ja, vielleicht hätte ich nicht hupen brauchen, aber wenn ich das Steuer zu stark verrissen hätte und der Wagen ins Schleudern gekommen wäre? Dann hätte ich sie ohne jede Vorwarnung abgeräumt wie eine Bowlingkugel die Pins.

 

Ich weiß, nicht alle Familien können sich ein Familienauto oder sogar die Fahrkarten für den ÖPNV leisten und das Fahhrad ist die einzige Möglichkeit, gemeinsam mobil zu sein. Ich weiß, ich war zu diesem Kreis jetzt nicht fair. Aber ich möchte nicht, dass mir noch einmal fast das Herz stehenbleibt. Wenn die Kinderanhänger schon nicht verboten sind, benutzt sie bitte so, dass euer Nachwuchs nicht gefährdet wird. Wenn ich beim Ausweichen in die Planke knalle, kann man mein Blech ersetzen. Wenn ich es nicht mehr schaffe, ist das Gitterbett leer.

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