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26.01.2016 19:12    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (24)

Kruegerl sagte mir mal, dass wir hier auch einen Bezug zu Old- und Youngtimern aufrecht erhalten wollen.

Eigentlich hatte ich einen gaaaanz anderen Artikel geplant, doch als ich letztens auf der Suche nach einem potenziellen Ersatz für den Audi gesucht habe, stieß ich auch auf einige Raritäten - zweitürige Limousinen.

Früher waren zwei Türen in der Mittelklasse das Maß der Dinge. Opel Rekord, Ford 17M - fast immer waren sie zweitürig anzutreffen. Selbst die Polizei fuhr früher zweitürige Streifenwagen. Mir scheint, einzig Mercedes bot ab dem Ponton immer nur viertürige Limousinen an.

Warum die Zweitürer bis in die 70er so populär waren, weiß ich nicht. Es kann natürlich auch am niedrigeren Grundpreis gelegen haben, der wichtiger lag, als der höhere Gebrauchswert. Vielleicht lag es auch an der Optik, ein Rekord C mit zwei Türen weniger sieht beispielsweise viel reizvoller aus.

Ohne jetzt die Verkaufszahlen der verschiedenen Varianten gängiger Fahrzeuge zu wälzen würde ich sagen, dass die Viertürer erst ab Anfang bis Mitte der 70er wirklich häufiger verkauft worden. So zumindest mein Eindruck. Im Familienarchiv sieht man dann plötzlich viele viertürige Taunus TC, Opel Rekord D und Peugeot 304.

 

Zehn Jahre später gab es sie schon teilweise fast nicht mehr. Hier mal eine Liste, wann der große Zweitürer aussortiert wurde:

 

Opel Rekord: 1982, entfallen bei Facelift

Opel Ascona: 1988 mit Einstellung, aber bereits zuvor stark eingeschränkte Optionen

Ford Taunus: 1982 mit Einstellung

Ford Granada: 1981

Audi 100: 1982, mit Modellwechsel

Audi 80: 1986, mit Modellwechsel

VW Passat: 1985 mit Facelift, allerdings stets als Schrägheck

 

Importfahrzeuge, wie Mazda 626 oder Datsun Bluebird, wurden oft als "Coupé" vermarktet, entsprachen aber bis mitte der 80er oft ihren viertürigen Pendants, ehe sie entfielen oder eine stärker unterschiedene Karosserie bekamen.

 

in den größeren Fahrzeugen (Beispiel: Audi 100, Ford Granada, Opel Rekord) war bereits zu Beginn der 80er keine Nachfrage mehr vorhanden, zur Mitte des Jahrzehnts auch bei kleineren Mittelklassefahrzeugen nicht mehr.

 

Auch in der Kleinwagen- und Kompaktklasse gab es Stufenheckmodelle, die konservative Kundschaft konnte neben den progressiven Schrägheckmodellen zu Beginn der 70er auch klassische Fahrzeugkarosserien bestellen.

Gerade Opel, als Hut- und Hosenträgermarke verschrien, hatte folgende Fahrzeuge im Programm:

 

Opel Corsa TR: 1982-1987, immer nur zweitürig

Opel Kadett: bis 1962- 1979 Nachdem es beim Kadett D ab 1979 kein Stufenheck mehr gab, wurde sie beim E 1985 wieder eingeführt und heute noch beim Astra J angeboten - allerdings nur viertürig.

 

Ford lancierte für den konservativen Geschmack 1983 den Orion als Escort mit Stufe, allerdings auch nur viertürig. Der kleine Fiesta bekam keinen Stufen-Ableger.

 

VW hatte in der Kleinwagenklasse 1977-1985 den Derby anzubieten, stets auch zweitürig.

Der Jetta hält sich mit diversen Namenswechseln von 1979 bis heute, der Zweitürer wurde erst 1992 (!) mit Umstellung auf den Vento aus dem Programm genommen. Kurz zuvor endete auch bei BMW die Produktion der zweitürigen Limousine, als der E30 auslief. Kein anderes Fahrzeug der Mittelklasse hatte einen höheren Anteil an Zweitürern, was aber auch an der gegenüber den Wettbewerbern deutlich sportlicheren Positionierung und dem ohnehin knappen Raumangebot liegen mag.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Mitte der 80er Schluss mit zweitürigen Stufenhecklimousinen war - und zwar zugleich für die Mittel- und Kompaktklasse.

 

Bei den kleineren Klassen mag es daran liegen, dass der Nutzwert vergleichbarer Schrägheckmodelle größer ist, wenn diese gekauft wurden, waren bei Kompakt- und Kleinwagen darunter trotzdem viele Zweitürer - vielleicht weil dies für reine Stadtfahrzeuge reichte oder aus optischen Gründen.

Auch in der Mittelklasse zeigte sich, dass der Viertürer als Familienfahrzeug deutlich überlegen ist.

 

Warum die Entwicklung aber gerade von den großen Fahrzeugen ausging - so ebbte die Nachfrage bei Audi 100, Granada und Rekord zuerst ab - weiß ich allerdings nicht. Vielleicht, weil die Nachfrage selbst zu ihren besten Zeiten nie stark war und somit schneller den Nullpunkt erreichte.

 

Vielleicht wisst ihr es oder habt eine Vermutung, dass die Ursache eine andere als das Aufkommen der Schrägheckfahrzeuge á la Alfasud, Golf, R5 und Simca 1100 ist? Immer her mit Vorschlägen, denn eine endgültige Antwort wird es wohl nie geben, genausowenig wie es wieder zweitürige Limousinen geben wird - der Markt, der in den 80ern verschwand, ist nicht wiedergekommen. Obwohl heutzutage eigentlich für alles eine Nische zu existieren scheint.

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