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05.06.2016 22:49    |    VincentVEGA_    |    Kommentare (13)

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Werte Leserschaft,

 

in der aktuellen ADAC Motorwelt las ich einen Betrag, der mich sehr erstaunt hat. Es ist ja nun nicht neu, dass die Autohersteller mehr oder weniger versteckt Daten sammeln. Die jüngste Entwicklung um die Telematik-Tarife zeigt auch, wie gläsern die Technik den Autofahrer macht. Gegen die Telematiktarife habe ich allerdings auch nichts, denn jeder kann ja frei entscheiden, ob er sie nutzen will - oder eben nicht. Außerdem verteuert sich angeblich auch bei rasanten Fahrern die Prämie nicht über den "normalen" Betrag. Noch. Denn dass die Entwicklung so kundenfreundlich bleibt, bezweifel ich angesichts des wachsenden Profitdruckes der Versicherungsgesellschaften. Aber es geht mir hier um Fakten, nicht um meine persönlichen Spekulationen. Daher zurück zu dem besagten Artikel.

 

"Die Mercedes B-Klasse etwa überträgt alle zwei Minuten ihre Position inklusive Kilometerstand, Verbrauch, Tankfüllung, Reifendruck, die Füllstände von Kühlmittel, Wischwasser und Bremsflüssigkeit. Renault kann das Nachladen der Batterie im Elektroauto Zoe per Mobilfunk unterbinden. Zum Beispiel, weil die Leasingrate nicht bezahlt wurde."

 

Das wirft mir einige Fragen auf. Wenn man davon ausgeht, dass die Daten gespeichert werden, ist dies ein enormer Aufwand, wenn man bedenkt, wie häufig hier etwas gesendet wird und wie viele B-Klassen mit dem me-connect System herumfahren. Was also wird damit bezweckt?

Nun, zum einen könnten, wie im Artikel beschrieben, Gewährleistungsfälle abgelehnt werden. So etwa bei einem BMW-Fahrer, dessen Verdeck einen Defekt erlitt. Das Steuergerät hätte gespeichert, dass das Verdeck bei einem zu hohen Tempo geöffnet wurde.

Mal angenommen, ich hätte eine B-Klasse und würde diese - anders als der typische Kunde dieses doch eher gesetzten Modelles - permanent von der ersten Sekunde lang unter Volldampf bewegen. Gäbe es innerhalb der Garantiezeit einen Motorschaden, würde man mir diesen wohl nicht übernehmen, da ich den Motor kalt getreten habe.

Wenn meine Aufhängung schadhaft ist, wird man mir wohl einen Strick daraus drehen, dass ich manchmal flott über Schlaglochpisten gefahren bin? Oder ist die aufwendige Abgasreinigung nur deshalb defekt, weil ich innerorts nur Kurzstrecken fahre?

 

Das Fahrprofil und die Fahrweise der Kunden hat der Hersteller natürlich auch aus anderen Gründen gern: Wenn ich weiß, wozu die Zielgruppe bzw. das Groß der Käufer das Produkt am ehesten verwedet, kann ich die Entwicklung dahingehend optimieren.

 

Im Artikel wurde bemängelt, es herrsche die "Friss oder Stirb" - Mentalität. Entweder man erklärt sich mit dem Datengesammel einverstanden, oder man kann die meisten elektronischen Funktionen nicht nutzen. Eine Ausnahme sei Mercedes, wo zumindest die Weitergabe einzelner Datenpakete ohne negative Konsequenzen abgestellt werden kann. Doch da wohl kaum ein B-Klasse-Kunde ein digital native ist und die meisten Käufer somit wahrscheinlich nicht mal wissen, was ihr Fahrzeug so alles macht, ist diese Möglichkeit unter Umständen auch nicht bekannt.

 

Eigentlich ein Unding, doch die Autohersteller sind keine negative Ausnahme. Man denke doch nur an die Berichte über die Spracherkennung bei Haushaltselektronik. Halb so schlimm, sagen die Hersteller. Ein Skandal, sagen die Datenschützer. Was ihr davon haltet, da möchte ich euch nicht hereinreden. Ich heiße es nicht gut, ich will es auch nicht komplett verteufeln. Ich bin in erster Linie auf eure Meinungen gespannt.

 

Eine Umfrage habe ich nicht hinzugefügt, denn das Thema ist so komplex, dass es hier nicht mit Schema-F-Aussagen getan ist.

Fakt ist: Die Technik ist so weit, dass der Mensch schon längst gläsern ist. Die Frage, die sich mir stellt ist die: Wer nutzt dies wie weit aus?

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05.06.2016 23:54    |    PIPD black

MT hat das Thema vor ein paar Tagen auch schon in den News zur Diskussion gestellt:

 

http://www.motor-talk.de/.../...-gehen-an-die-hersteller-t5709798.html


06.06.2016 00:00    |    VincentVEGA_

Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen, war recht lange nicht aktiv auf MT. Danke für den Hinweis.


06.06.2016 00:32    |    Federspanner131

Da hängt die "Fachpresse" mal wieder zeitmäßig weit hinterher. Seit etlichen Jahren gibt es schon Leute die mit diesen Dingen Tests machen und Terence Eden hat seine reverse engineered Variante, des I Remote Interfaces veröffentlicht. Am Ende geht das Thema eh wieder irgendwie unter und den meisten Autokäufern ist ja sowieso egal.


06.06.2016 12:41    |    VincentVEGA_

Heutzutage geht doch alles irgendwann unter. Wer denkt denn vor lauter Flüchtlingskrise noch an Griechenland? :rolleyes:

 

Es kann eigentlich auch den Meisten egal sein. Wenn mir die Werkstatt Kulanz verweigert, weil ich meinen Wagen kalt trete, dann ist das ja an sich nicht mal unberechtigt. Man provoziert so nun mal übermäßigen Verschleiß...

Allerdings frage ich mich sehr, wo die Reise angesichts der allgemeinen Entwicklung noch so hin gehen könnte...


06.06.2016 12:58    |    Ascender

Zitat:

Wer denkt denn vor lauter Flüchtlingskrise noch an Griechenland? :rolleyes:

Wer denkt denn da an die wahren Schuldigen, die Banken, die sich einige Jahre zuvor schon verzockt hatten?

Aber egal...

 

Zitat:

Die Mercedes B-Klasse etwa überträgt alle zwei Minuten ihre Position inklusive Kilometerstand, Verbrauch, Tankfüllung, Reifendruck, die Füllstände von Kühlmittel, Wischwasser und Bremsflüssigkeit.

Wenn ich das richtig verstehe werden diese Daten live (inwiefern?) übertragen? Oder werden die erst bei der Inspektion mit dem Diagnosegerät "ausgelesen"?

Klar, das eine ist eine Absicherung um sich bei Kulanzanträgen zu schützen und Dinge aus technischer Sicht besser nachvollziehen zu können. Nissan hat das etwa bei Einführung des GT-R R-35 ähnlich gemacht. Da wurden die Getriebe zu heiß bei Rennstreckenfahrten. Aufgrund der mitgeloggten GPS-Daten und der Querbeschleunigungssensoren wurden dann die Anträge abgelehnt, mit der Begründung dass Rennstreckenfahrten von der Garantie ausgeschlossen seien. Nissan hat in den Folgejahren jedoch seine Garantiebedingungen und die entsprechenden Getriebe nachgebessert. ;)

 

Das andere ist jedoch: Warum muss eine B-Klasse vor allem auch GPS-Daten mitloggen? Ich nehme auch an weil die Hersteller schon ein Interesse daran haben mit Versicherungen zu kooperieren. Wenn auch nicht gerade im restriktiven Deutschland, dann in anderen Ländern. ;)


06.06.2016 13:04    |    VincentVEGA_

Zitat:

Wer denkt denn da an die wahren Schuldigen, die Banken, die sich einige Jahre zuvor schon verzockt hatten?

Ich wollte die Griechen jetzt nicht diffamieren. Es war vielmehr ein Beispiel, wie noch immer aktuelle und wichtige Themen mangels medialer Aufmerksamkeit sofort in den Hintergrund fallen.

 

Zitat:

Wenn ich das richtig verstehe werden diese Daten live (inwiefern?) übertragen? Oder werden die erst bei der Inspektion mit dem Diagnosegerät "ausgelesen"

Soweit ich weiß werden diese permanent live übertragen.

 

Zitat:

Ich nehme auch an weil die Hersteller schon ein Interesse daran haben mit Versicherungen zu kooperieren

Das tun sie. Als ich mich für einen Renault interessierte, gab es gleich ein Versicherungsangebot der Direct Line hinzu. Das ich sofort im Autohaus hätte "unkompliziert zu meinem Vorteil" hätte abschließen können.

Auch denke ich, dass viele Hersteller vielleicht selbst versichern? War das nicht mal in den USA ein Thema?

Man denke auch an die Suzuki-Werbung, wo beim Neuwagen für Fahranfänger schon die Versicherung mit dabei ist.

Wie ich schon im Beitrag andeutete, die Telematiktarife werden langfristig mit Sicherheit Pflicht. Und dafür braucht man diese immensen Datenmengen.


06.06.2016 13:13    |    Ascender

Entweder sie machen es zur Pflicht, oder aber sie machen einem die regulären Versicherungen so teuer, dass man eigentlich keine andere Wahl hat.


06.06.2016 13:15    |    VincentVEGA_

Was wohl passiert, wenn man wie wir beide eher alte Modelle fährt, die keine Daten übertragen?

 

Im worst case wird den Oldies über horrende Prämien oder strikte Kilometerbegrenzungen der Garaus gemacht...


06.06.2016 13:27    |    Ascender

Oder man bekommt vom Versicherer ein portables Gerät gestellt (GPS und Neigungssensoren).


06.06.2016 14:43    |    Federspanner131

Ab 2018 soll ja bei Neufahrzeugen eCall Pflicht werden und dann ist man ja ab Werk mit im Boot. Zumindest was die technische Ausstattung betrifft.

Das der Schritt, die zwangsweise vorhandenen Komponenten dann auch anderweitig zu nutzen, nahe liegt dürfte wohl klar sein.


06.06.2016 15:19    |    VincentVEGA_

Das Unschöne daran ist: Man wird sich dagegen nicht wehren können...

Das Einzige wäre, man verzichtet auf die Versicherung und damit zwangsweise auch auf's Auto. Aber das macht doch niemand, weil's für die Meisten schlichtweg nicht machbar ist.


06.06.2016 16:04    |    PIPD black

Damit der Hersteller permanent Kontakt, muss der Kunde entweder eine Datenverbindung über den Hersteller mitverkauft bekommen oder selbst abschließen und nutzen.

 

Ich denke, den permanenten Kontakt zum Hersteller kann man unterbinden, wenn man entsprechende Einstellungen vornimmt. Was natürlich nicht dafür schützt, dass sich die Daten beim Service über die Werksonlineanbindung gezogen werden.

 

Das Thema "Blackbox" im Auto gab bzw. gibt es doch schon. Auch entsprechende Versicherungstarife. Ist bei JEDEM Fahrzeug einsetzbar.


07.06.2016 10:27    |    Goify

Das erinnert mich irgendwie an Verkehrsflugzeuge, welche an den Hersteller eine riesige Datenmenge über jeden erfassten Sensor schicken, sodass dort jemand helfend eingreifen kann. Nur ist ein Airbus ein öffentliches Verkehrsmittel und dort ist es ok, wenn jeder Flug erfasst wird. Was will mir der Mercedes-Mitarbeiter sagen, wenn das Wischwasser bald leer wird? Ist ja nicht so, dass eine Absturzgefahr bestehen würde oder eine Panne vorhergesagt werden könnte. Denn das ging auch ohne Datensammlung.

 

Ich sehe das recht skeptisch und habe aus diesem Grund keine SIM-Karte in mein Auto gesteckt, denn sonst wäre Skoda über mein Tun informiert. Reicht schon aus, dass Vodafone weiß, wo ich bin und was ich so sage/schreibe.


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