• Online: 5.147

C30 - Wieso kauft man sowas?

Mein C30, 740 und die britische Motorkultur...

25.07.2009 21:06    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (10)

Hallo Ihr Leser!

 

Der P5B ihrer MajestätDer P5B ihrer MajestätNur wenige Fahrzeuge schaffen es ins königliche Fuhrpark der Familie Windsor. Meistens sind dieses Daimler (kein Mercedes sondern britisch Daimler), Bentley, Rolls Royce oder Jaguar. Doch ein Fahrzeug hat es geschafft und wird noch von der "Themse-Lise" gefahren. Zwar selten, jedoch gerne gefahren, wird der Rover P5.

 

Der Rover P5 sollte den betagten Rover P4 (zwischen 1949 und 1964 gebaut) nach oben hin ergänzen. Dabei setzte man auf eine einfache Formel: luxuriös und finanzierbar. Und mit diesen Grundsätzen gelang es ein wirklich schönes und vor allem zeitlos elegantes Fahrzeug zu einem "Bestseller" zu machen.

 

Nun, in den 50er Jahren, als die Wirtschaft europaweit nach den langen Kriegsjahren brummte und überall ein "Reichtum" sich ausbreitete, wollte sich Rover, noch vor der BL/Leyland/BLMC Ära, eine Scheibe des neuen Reichtums absichern und begann mit der Entwicklung einer stattlichen Limousine. Schon von Beginn an war klar wie dieser neuer Rover aussehen sollte.

 

Ursprünglicher EntwurfUrsprünglicher EntwurfNach wenigen Änderungen (wegen einer einfacheren Produktion) wurde die Karosserie leicht umgestaltet und sah dem Endprodukt nun sehr ähnlich. Bis 1958 passierte am Design kaum bis gar nichts und wurde fast 1:1 übernommen. Man war sich jedoch nicht sicher, wie der neue P5 überhaupt angetrieben werden sollte. Länger überlegte man, ob ein Frontantrieb geeignet sei, ein Heckmotor mit Heckantrieb, DeDion Hinterachse, Transaxlebauweise (Motor vorne, Getriebe hinten) oder gar das Getriebe unter dem Fahrersitz zu platzieren wäre.

 

Letztendlich wurde entschieden, dass man doch lieber konventionell mit Motor + Getriebe vorne, Kraftübertragung hinten die Limousine bewegen wollte. Die nächste Frage war dann aber klar: womit treiben wir den Wagen an? Die Arbeiten an einem V6 aus Aluminium wie auch Gusseisen wurden eingestellt, als man feststellte, dass der Motorlauf zu wünschen übrig ließ.

 

Endgültiges DesignEndgültiges DesignZu allem Übel kam noch hinzu, dass die Geschäftsleitung der Meinung sei, der Wagen wäre etwas zu klein und würde dem P4 zu viel Konkurrenz machen. Es hieß "Wachsen". Fast zeitgleich wie diese Entscheidung gefallen sei, verlängerte man die bisherigen Prototypen. Der Radstand wuchs drastisch. Ursprünglich ca. 103" (ca. 2.6 m) ging es auf ca. 108" und zum Schluss auf die 110.5" (ca. 2.8 m!). Die Breite sollte 70" (1,77 m) nicht überschreiten und so blieb es auch.

 

Diese Größenentscheidung verhalf den Entwicklern zu einer einfachen Entscheidung: eine Starrachse wurde hinten verbaut und die Double Wishbone Aufhängung vorne wurde - wie in den bisherigen Prototypen - übernommen. Motor und Getriebe wurden auf Hilfsrahmen montiert und mit nur 6 Halterungen am Wagen befestigt. Diese Entscheidung sollte die Wartung und Reparatur der P5 erleichtern und wurden zum Erfolg.

 

Motortechnsich entschied man sich den etwas betagten 2.6l Reihen-6-Zylinder etwas aufzubohren und mit 7 Kurbelwellenlager zu versehen. Die nun mit 2,995l Hubraum ausgestattete Maschine leistete ca. 115 ps bei 4500 U/Min und produzierte ca. 222 nm bei 1500 U/min.

 

P5/P5B TreffenP5/P5B TreffenZur Vorstellung 1958 auf der Earls Court Motor Show wurde der P5 von der Fachpresse und den Besuchern bestaunt und bekam sofort den Beinamen "3-Litre" (3-Liter wegen der Motorisierung). Auf der Messe hatte der Wagen jedoch nur 4 Trommelbremsen die mit der Last und dem Gewicht des Wagens nur schwer zurecht kamen. Zur Automobilmesse in London versah man die Vorderachse mit Scheibenbremsen samt Bremsservo. Dieses verlieh dem Wagen eine bessere "Bremsstärke" und stellte die Entwickler zufrieden.

 

Als der Wagen 1961 in die Produktion ging, testete die englische Fachzeitschrift "The Motor" den P5 gründlich und stellte Fest, dass es bis zu 95 mph (ca. 160 km/h) schaffte und den Sprint von 0-60 mph (0-97 km/h) in 17.1 Sekunden absolvierte. Der Verbrauch lag mit 20.5 mpg (13.8 L/100 km) für damalige Verhältnisse noch im Rahmen. Heute wäre das ein No-Go wenn man sich ein Auto aussuchen sollte.

 

Im Laufe der Zeit erfolgten natürlich verschiedene Facelifts und Modernisierungen. Scheinwerfer wurden verbessert, Blinker versetzt und mehr Leistung aus dem 3.0l R6 raus gekitzelt. Es gab jedoch 2 bedeutende Entwicklungen in der Lebenszeit des P5...

 

Die Silhouette des CoupésDie Silhouette des CoupésDer Erste war die Vorstellung des Coupés. Der P5 Coupé ist das ERSTE 4-türige Coupé (diesen Titel hat Mercedes Benz zu Unrecht für den CLS genutzt) der Welt und gilt als Inbegriff des klassischen Rovers. Mit dem um 2,5" (ca. 6cm) tiefergelegten Dach bei gleich bleibende Karosseriegrößen (Länge und Breite) machte dieses Coupé schnell auf sich aufmerksam. Dazu noch oft in Bi-Colour (Haupt- und Kontrastfarbe) anzutreffen mit viel Chromzierrat, ist ein Coupé auch die teurere Variante. Nur 4 sehr komfortable Sitze laden zusammen mit den Unmengen an Leder, Wurzelholz und Wohnzimmerflair zum verweilen ein.

 

Die zweite wichtige Entwicklung, war das Einpflanzen des Rover V8. Durch das Einbauen dieses Aggregates machte man aus dem bequemen P5 einen sportlichen P5B (das B steht für vieles: Buick (der V8 ist eine Buickentwicklung gewesen), B-Serie (2. Serie) oder wie viele Engländer auch sagen: Better ).

 

P5 Coupé von der SchokoladenseiteP5 Coupé von der SchokoladenseiteCa. 160 ps (schnell getunt auf mehr) machten dem Wagen Beine. Eine Automatik machte es möglich die Kraft der Maschine ohne viel zutun unter einem herrlichen Klang der 8 fauchenden Kolben auf die Straßen zu bringen. Der Verbrauch senkte sich und der Fahrspaß wuchs an - natürlich hatte man gerade im Jahr zuvor die allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 70 mph eingeführt (vorher war es wie in Deutschland -> Open End) und dieses ließ den Verbrauch noch weiter senken. Knapp 110 mph (ca. 180 km/h) schnell, erreichte man seine Ziele schneller als jemals zuvor...

 

Insgesamt wurden fast 70.000 (genau 69.141) Einheiten zwischen 1958 und 1973 gebaut.

 

Die Fahrzeuge war so beliebt, dass, wie im Titel schon stehend - Königin Elisabeth ein P5 ihr Eigen nennt. Diesen fährt sie sogar selbst. Eines der wenigen Fahrzeuge (zusammen mit einem Land Rover Defender) die sie privat aus selbst fährt.

 

Die Arden Grüne Rover P5B Limousine mit dem Kennzeichen 'JGY 280' wurde sogar bei Top Gear vorgeführt.

 

Selbst die Regierung (wie im Film genannt) hatte noch lange nach Einstellung der P5 Serie die Fahrzeuge im Fuhrpark und ließ wirklich alle Staatsgäste damit abholen. Erst als Maggie Thatcher durch John Major die Iron Lady ablöste, gelang es Jaguar ihre Fahrzeuge (1990!!!) in die Regierung einzubringen und somit wurden fast 100 Ebony Schwarze P5 ausgemustert bzw. verkauft.

 

Heute sind die P5 unterschätzt auf dem Oldtimermarkt. Gut erhaltene Fahrzeuge gehen für ca. 10.000 EUR über den Tresen, jedoch sind fahrbereite gut erhaltene Modelle für um die 5.000 EUR zu bekommen. Persönlich habe ich sogar noch welche gesehen, die im Topzustand nur ca. 4.000 EUR kosten sollten.

 

Ein solch schönes und einmaliges Auto wie den P5 und insbesondere das Coupé wird man nirgends finden.


22.07.2009 22:49    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: Britisch, Elektrofahrzeug, Englisch, Hybrid

...kann man sie sehen und fast nicht hören.

 

Hallo Ihr Leser!

 

Früh Morgens, wenn die Welt noch ruhig ist, man keine orgelnde Rovers oder Austins hört; Kein Geruch oder Qualm von irgendwelche Dieselfahrzeuge die klare, leicht nebelige Luft trüben während in der Weite die Sonne langsam sichtbar wird; Genau zu dieser Tageszeit, hört man ein leises "Surren" und klimperndes Glas in Kisten/Trägern. Ein stetiges und immer wiederkehrendes Beschleunigen und Bremsen mit kurzen Pausen dazwischen. Genau zu diesem Zeitpunkt sieht man diese Arbeitstiere, die man noch heute täglich (nicht gerade in London) sehen kann... der "Milk Float".

 

Der Standard FloatDer Standard FloatEine genaue Übersetzung gibt es gar nicht. Milchwagen trifft es eigentlich 1:1 jedoch wörtlich übersetzt könnte es ein Floß, ein Festwagen oder noch schöner: eine Flotte sein. :D

 

Egal wie man es übersetzen will, diese Fahrzeuge bestimmen morgens bereits seit mehr als 50 Jahren den Alltag auf den britischen Inseln.

 

Als batteriebetriebene Fahrzeuge eignen sich diese Fahrzeuge für lokale Auslieferungen (bis zu 30 Meilen - ca. 45 km - Reichweite pro Batteriefüllung) und wurden nicht nur von Molkereien verwendet. Komfort ist ein Fremdwort. Um die Fahrzeuge entsprechend besser und mit höherer Reichweite auszustatten, ist keine Heizung anboard. Radio? Nein. Das wäre ja noch zu viel :D, da auch während der Fahrt die Tür(en) meistens offen ist(sind) ist es im Float so warm oder so kalt wie draussen.

 

Altes Modell aus den 1950erAltes Modell aus den 1950er2 große 48 Volt Batterien (4 LKW Batterien) treiben bis zu 2 Motoren an, die eine normale Höchstgeschwindigkeit von bis zu 15 mph (ca. 24 km/h) ermöglichen. Es gibt jedoch umbauten, die 80 mph (130 km/h!) fuhren, um auch Schnellstraßen befahren zu können (z.B. um diese zu überqueren oder kurze Strecken darauf zu fahren). Die meisten noch heute fahrenden haben Chassis, die bis zu 50 Jahre alt sein können. Also statt recht jung auszusehen mit recht moderner Technik ist es, dass es recht jung aussieht, technisch jedoch total veraltet ist (Facelift halt :D).

 

Nun, in einer Bekanntmachung in 1967 wurde erklärt, dass es in Großbritannien MEHR Elektrofahrzeuge auf den öffentlichen Straßen gäbe, als WELTWEIT ZUSAMMENADDIERT. Was man dabei in der Umfrage berücksichtigte ist bis heute noch unklar, jedoch stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass von den vielen E-Fahrzeugen über 90% Floats sind. Was nun im Ausland als E-Fahrzeug angesehen wurde, stand nicht in der damaligen Bekanntmachung.

 

Diese Fahrzeuge erfreuen sich auch bei privat Menschen (wie fast alles in GB :D) großer Beliebtheit. Floats sind steuerfrei sowie MOT (TÜV) frei und können überall auf öffentlichen Straßen. Conguestion Fee frei dürfen die Floats auch London befahren.

 

Nur, seitd größere Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte Frischmilch anbieten, werden immer weniger Bestellungen bei den Dairies (Molkereien) getätigt, weshalb die Floats immer weitere Strecken fahren können. Derzeit werden in Großbritannien mehr als 1.400.000 Haushalte tägliche mit frischem Milch beliefert. Jährlich werden bis zu 500.000.000 Flaschen Milch geliefert - was ja riesige Zahlen sind!

 

Moderner PrototypModerner PrototypUm die Floats für das neue Jahrtausend zu rüsten, baut der Hersteller Bluebird an neue Versionen. Aufgrund der nun eingetretenen Emissionsgrenzen usw. interessieren sich immer mehr und mehr Unternehmen für moderne Versionen mit mehr Reichweite. Im Moment laufen die Arbeiten an Hybrid bzw. Generatoren Floats (wie beim Opel Konzept mit E-Motor und Benzin-/Dieselmotor als Generator), mit höherer Reichweite.

 

Der Milkfloat wird noch lange die Straßen bevölkern und dieses ist auch gut so. Das Tolle an den Floats und den Milkmen: man hat direkt an der Haustür das frischeste Milch überhaupt (ca. 4 Stunden zwischen Melkung und Auslieferung) und das schmeckt man! Genau diesen Service vermisse ich hier in Deutschland! Ich wäre sogar bereit ein Aufschlag dafür zu zahlen !


19.07.2009 21:25    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: British, Diesel, Leyland, London, Routemaster, Stau

Hallo Ihr Leser!

 

Ruhig durch den Rushhour. Wie könnte man das besser, als weit oberhalb des stockenden Verkehrs. Am besten noch ganz Vorne ohne Fahrer in Sicht.

 

So kennen wir ihn, den RoutemasterSo kennen wir ihn, den RoutemasterWer kein Rolls hatte, und sich den Austin FX4 Taxi nicht leisten konnte, hatte die Wahl: entweder Tube fahren oder Routemaster fahren. Mit welch anderem schönen wie auch zeitlosen Fahrzeug wäre dieses möglich, außer mit dem Routemaster - das zweite Wahrzeichen auf 4 (bzw. 6) Räder. ein bemerkenswertes Nutzfahrzeug, welches den damaligen Verkehr zum Teil revolutionierte.

 

Bereits 1954 arbeitete AEC (Associated Equipment Company) an der Entwicklung eines Fahrzeuges, welches fast ausschließlich für London Transport (londoner Verkehrsbetriebe) konzipiert war. Es wurden 4 prototypen hergestellt. Zwei wurden in der Hauptwerkstatt von London Transport in Chiswick gebaut. Diese entstanden in enger Zusammenarbeit mit AEC. Die anderen beiden basierten auf Leyland Fahrgestelle und hatten Karosserien von Weymann aus Addlestone und von Eastern Coach Works aus Lowestoft (meine Heimat am östlichsten Punkt Großbritanniens :D).

 

Vorgänger des RM8Vorgänger des RM8Wir dürfen jetzt nicht vergessen, 1954 war das Design des Routemaster ziemlich futuristisch war. Da die Karosserie aus Aluminium gefertigt war, konnte man mehr Fahrgäste (64) transportieren im Vergleich zu den älteren Modellen (mit 56). Die Karosserie wurde als selbsttragend ausgelegt, welches keinen großartig verstärkten Rahmen mehr erforderte und Motor bzw. andere Aggregate sind auf leichte Hilfsrahmen montiert, die einfach auf dem normalen Rahmen befestigt werden.

 

Zu den Neuheiten, die es in den 50ern sonst nirgends gab, jedoch beim Routemaster zum Standard gehörten, gehörte eine Einzelradaufhängung, eine Servolenkung, eine hydraulische Automatik sowie eine servounterstützte hydraulische Bremsanlage.

 

Nicht nur rot war die Farbe für den RMNicht nur rot war die Farbe für den RMAls Maschine kamen fast ausschließlich Leyland Dieselmotoren zur Verwendung. Mit 9.6 bzw. 9.8l Hubraum und mit Leistungen zwischen 115 und 175 ps bei 1800 U/min, waren diese Busse nicht die langsamsten für die Zeit. Es gab Fahrzeuge, die waren deutlich langsamer!

 

Von der Konstruktion her sind die Fahrzeuge mehr als durchdacht. Aufgrund des doch "verschwenderisch" ausgeführten Motorraumes und der Platzierung von verschiedensten Bauteilen, konnte man die meisten Bauteile tauschen, ohne Andere zu bewegen. Technisch ausgereift waren diese Motoren auch - nur einmal gab es ein Zwischenfall, wo ein Motorraum in Brand stand, und das war aufgrund eines falschen Schwungrades.

 

Insgesamt wurden ab 1958 2876 Fahrzeuge gebaut. Am meisten gebaut wurde die Standard Version mit 27.5' Länge. Davon entstanden mehr als 2100. Am wenigsten wurde eine Version mit Heckmotor und Fronteingang gebaut - nämlich einen :D

 

Konkurrenz Bus FormKonkurrenz Bus FormIm Laufe der Jahre wurden natürlich Modernisierungen durchgeführt. So wurden in den 90er Jahren die 115 ps Leyland Diesel gegen Cummins sowie Iveco Maschine getauscht. Selbst Scania Motoren sollten die Busse für mindestens weitere 10 Jahre am Leben erhalten.

Selbst zu Beginn des neuen Jahrtausendes wollte man die Busse immer noch nicht abschaffen also legte man auch an der Abgaseinstufung wurde ebenfalls Hand an. Ursprünglich Euro 0 (gab ja in den 50er Jahren keine Abgaseinstufungen) gelang es mit den Cummins Maschinen die Busse auf Euro 3 zu bringen. Wieder sollten die Fahrzeuge weitere 10 Jahre halten.

 

Nach fast 50 Jahren Dienstzeit begann man 2005 mit der schrittweisen Ausmusterung der Routemaster. Nicht weil die Fahrzeuge zu teuer geworden waren. Auch nicht weil die Fahrzeuge veraltet waren. Nein, aufgrund der Tatsache, dass man auf der Plattform hinten nicht nur den Elementen gegenüber stand, nein, viel mehr waren es die Unfälle, die vielen Passagieren erfuhren, als sie entweder bei noch fahrendem Bus auf-/absteigen wollten oder während der Fahrt (z.B. bei einer Kurve) dann rausgeschleudert wurden sind.

 

Solidarität zeigenSolidarität zeigenDank der EU wurden auch weitere Bestimmungen GEGEN den Routemaster erlassen, weshalb dieser im Planeinsatz nur noch auf den Touristenlinien zu finden ist sowie auf verschiedene Rallyes und Ausstellungen.

 

Eine goldene Ära und ein Massentransportmittel verschwindet aus den Straßenbildern der größten europäischen Metropole. Eine Sehenswürdigkeit und gleichzeitig ein Symbol der Tradition, des Fortschrittes sowie der Beständigkeit. Stattdessen werden moderne Niederflur Gelenkbusse (Mercedes Citaro) verwendet...

 

Routemaster, please come back!!!


19.07.2009 15:39    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (8)

Hallo Ihr Leser!

 

Lange nichts gehört aber nun geht es weiter.

 

FX3 - der VorgängerFX3 - der Vorgänger Viele Fahrzeuge erarbeiten sich im Laufe eines bestimmten Zeitraumes einen bestimmten Ruf. So gilt der VW Käfer als "Das Automobil", ein Rolls Royce als "Krone der Automobil Kunst" und die meisten Toyotas als "zuverläßig".

 

Wenige Fahrzeuge schaffen es jedoch im öffentlichen Gebrauch sich einen wirklich astreinen Ruf zu erarbeiten und noch viel mehr, wirklich noch weniger werden zum Fahrzeug einer Stadt. Ich rede im Moment vom Austin FX4 (oder FL2) - besser bekannt als Londoner Taxi. Ein Auto mit einer aufwendigen Vorschriftsregelung, welche veraltet jedoch gleichzeitig genial waren (und noch sind). Nun, erstmal zur Entwicklung...

 

Der Vorgänger (der FX3) wurde von 1948 bis 1958 gebaut und galt damals als typischer Taxi in London. Doch nach wenigen Jahren wollte die Vertriebsfirma der Mann and Overton eine Modernisierung des Taxiwesens vorantreiben und ließ von verschiedenen Herstellern Fahrzeuge entwerfen.

 

Darunter war der Austin FX4. Als legitimer Nachfolger des FX3 und bereits nach den PCO Richtlinien erbaut (PCO = Public Carriage Office -> Amt für öffentliche "Kutuschen") hatte Austin einfaches Spiel mit dem unter der Bezeichnung "ADO6" laufenden Projekt. Die Richtlinien sahen verschiedenste Eigenschaften vor, die ein Fahrzeugen erfüllen MUSSTE damit es den Titel eines "Hackney Carriage" erhalten durfte. Darunter fallen einige, wie oben angesprochen, sinnvolle wie auch weniger sinnvolle Punkte:

 

Die Front mit ChromstoßstangenDie Front mit ChromstoßstangenLenkung:

Die Lenkung muss auf der zur Straßenmitte stehenden Seite zu bedienen sein.

Es darf beim Volleinschlagen zu keinerlei Berührung zwischen Reifen und Radkasten kommen.

Die Lenkung muss aus stabilem Material hergestellt sein.

 

Wendekreis:

Der Wendekreis darf sowohl Links wie auch Rechts nicht mehr als 25' (ca. 7.6 m) betragen und muss ein Wenden auf einer Normalen 28' breiten Straße ohne Zurücksetzen ermöglichen.

 

Bremsen:

Die Bremsen müssen auf allen Rädern greifen.

 

Das Heck vom TaxiDas Heck vom TaxiFederung:

Das Fahrzeug muss ausreichend gefedert sein und darf nicht zu starken Wank- oder Rollbewegungen neigen.

Jedes Fahrzeug muss so gebaut werden, dass ein Brechen eines Stabilisators, eines Feders oder ein Durchschlagen eines Dämpfers die Fahrbarkeit des Fahrzeuges nicht behindert und gefährlich macht.

Das Fahrzeug darf vollbeladen (maximale Beladung mit Verteilung auf Sitze und Ladebereich) bei einer Neigung von 40° NICHT umkippen.

 

Treibstoftanks:

Die Tanks müssen unter der Motorhaube platziert und gegen Unfälle geschützt sein. Auslaufender Treibstoff darf sich nicht auf heißen Motorteilen entzünden oder in Zündquellennähe sein.

 

Später FX4 mit schwarzen StoßfängernSpäter FX4 mit schwarzen StoßfängernInnenbeleuchtung:

Die Innenbeleuchtung muss in ausreichender Stärke gegeben sein und muss so konstruiert werden, sodass eine Benutzung und Einschaltung durch Fahrgast wie auch Fahrer gewährt werden kann.

 

Karosserie:

Die Karosserie muss selbsttragender Natur sein und muss eine Fahrgastraum Trennung durch einer Glasscheibe beinhalten.

Das Fahrzeug darf nicht länger als 15' (ca. 4.5 m) und breiter (Spiegel-Spiegel) als 5'9" (1,75 m) sein.

Zwischen Sitzoberfläche und Dach muss mindestens 38' (ca. 98 cm) Platz liegen.

 

Usw. usf. Letztenendes liegen ca. 100-150 verschiedenste Regelungen vor, die wie Ihr lesen könnt zum Teil sinnvoll sind, anders aber natürlich unsinnig sind bzw. an sich logisch sein sollten.

 

Trotz den verschiedenen Bedingungen gelang es Austin ein Fahrzeug zu entwicklen, welches alles das erfüllte und noch mehr bot. So gab es Versionen mit extremer Sicherheitsausstattung (z.B. Kugelsicheres Glass, vom Fahrersitz abschliessbare Türen usw.) oder auch, und dieses ist weniger Bekannt, auch als Private Edition (FL2).

 

Seltene FarbeSeltene FarbeDie Fahrzeuge gingen nach der Prüfung durch die PCO bei Carbodies (ein Karosseriebauer in London) in Produktion und erhielten einen vormontierten Antriebsstrang samt Fahrwerksteile von Austin. Zuerst hatten alle Fahrzeuge einen 2.2l Dieselmotor (Saugdiesel) von Austin mit Borgwarner Automatik. Ab 1961 begann die Produktion mit einem Schaltgetriebe bei gleicher Maschine. Erst 1962 wurde eine Benzinvariante mit ebensfalls 2.2l angeboten. Die Mehrzahl der Fahrzeuge jedoch fuhr mit Automatik und Diesel durch die engen londoner Straßen.

 

Später wurde der Motor gegen eine größere Version mit 2,5l Hubraum ersetzt (immer noch Diesel) und machte sich in der Fahrzeugbezeichnung erkenntlich -> der FX4D war geboren.

 

Im Laufe der vielen erfolgreichen Jahren, fanden viele Änderungen (meist im Verbogenen) statt. So wurden die Stoßfänger, ursprünglich verchromt, gegen Mattschwarze getauscht. Leuchten wurden verkleinert, Vinyldächer kamen und verschwanden. Blinker wanderten vom Dach in die Kotflügel, Lackierungen angeboten und wieder abgeschafft. Und nicht zu vergessen: weitere Motoren verbaut. So kam ein Land Rover Diesel mit 68 ps unter die Haube, da die alte Maschine gegen die Abgaseinstufungen verstießen und somit nicht mehr im öffentlichen Bereich genutzt werden durften.

 

Fairway als WerbeträgerFairway als WerbeträgerEinige Taxiunternehmen ließen sogar die 2.5l Maschinen gegen 3.0l Diesel Motoren von Perkins tauschen, welche den Wagen flott, wenn nicht sogar leicht sportlich erscheinen ließen. Diese Motoren waren jedoch dafür bekannt, dass sie Risse im Fahrgestell erzeugten und im Leerlauf recht laut waren.

 

In den 80ern kam ein Umbruch. Man erkannte, dass Rollstuhlfahrer zu den Kunden zählten und somit mussten die Fahrzeuge besser auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sein. So wurden viele Taxen so umgerüstet, als dass die hintere Tür auf der Beifahrerseite um 180° zu öffnen war und somit ein längeres Überleben der Londoner Taxen ermöglichte.

 

Coleman Umbau - 6-TürerColeman Umbau - 6-TürerEnde der 80er, um genauer zu sein im Februar 1989 brachte nun LTI (Carbodies wurden aufgekauft und als London Taxis International wieder auf den Markt gebracht) den Fairway raus. Ein 2,7l 4-Zylinder Saugdiesel von Nissan mit 85 ps ebnete den Weg für bessere, schnellere und zuverlässigere Dienste - was jedoch nicht beachtet wurde, war dass die verbaute Bremsanlage diese Leistungssteigerung nicht standhielt und so wurden Unfälle alltäglich. Man wollte die bestehenden Trommelbremsen nicht aktualiseren (gegen Scheibenbremsen tauschen) weil dieses zu einer Änderung des Lenkeinschlages führen würde.

 

Aufgrund immer schärfer werdende Abgaseinstufungen, wurden vermehrt Systeme angeboten um die Fahrzeuge den geltenden Abgasbestimmungen anzupassen. Darunter waren Turbo-Umbau-Kits mit Abgasrückführung sowie LPG-Anlagen. Beliebter waren die Turbokits, da man damit natürlich mehr Leistung erhielt.

 

Ein Sonderumbau für Gulbenkian TaxisEin Sonderumbau für Gulbenkian Taxis Wie jedes Produkt, gibt es nur eine begrenzte Haltbarkeit bzw. Produktionsdauer. Im Falle des FX4 von 1958 bis 1997. Heute ist es vom Nachfolger TX1 (von LTI gebaut mit Nissan Turbodiesel Motor) von der Ablösung betroffen. Jedoch, aufgrund der imensen Stückzahlen dieses Fahrzeuges sieht man sie immer noch täglich - und das nicht nur in London.

 

Zwar als London Taxi bekannt, wurden sie in das gesamte Königreich ausgeliefert. Teilweise (aufgrund örtlicher Regelung ähnlich den Umweltzonen in Deutschland) noch mit der ursprünglichen 2.2l Dieselmaschine noch heute in Betrieb.

 

Austin FL2 - privat VersionAustin FL2 - privat Version Ein Kuriosum ist, dass das letzte Modell des FX4, welches am 01. November 1997 vom "Band" rollte, die Fahrgestellnummer "R1 PFX" trägt, was genauer betrachtet: "R.I.P. FX" heißen soll. Dieses Fahrzeug wurde an den Nationalen Motor Musuem nach Beaulieu geliefert und wird dort ausgestellt.

 

Mittlerweile hat sich um die Fahrzeuge ein Kultstatus aufgebaut. Viele haben sich einen ausgemusterten "Cabbie" gekauft und entsprechend den eigenen Wünschen umgebaut. So sind - wie bei vielen englischen Fahrzeugen - V8 Umbauten nichts ungewöhnliches. "Ausgeflippte" Lackierungen in Farben die es bei Austin oder LTI nie gegeben hätte sind Gang und Gäbe. Es gibt sogar offizielle Vereine und Treffen, wo man sich trifft.

 

Selbst auf dem europäischen Kontinent sieht man den FX4 vermehrt fahren. Und genau hier findet auch dieses Beschleunigungs Video auch statt :D

 

(2.7l Nissan Saugdiesel in der Fairway Version von 1990)

 

Der Nachfolger: ein TX1 bzw. TX4Der Nachfolger: ein TX1 bzw. TX4 Eine gloreiche Zeit erfolgreiche Karosseriebaukunst ging mit dem FX4 zu Ende. Dieser Wagen erlebte eine Menge Krisen, war immer Modern und niemals fehl am Platze. Man konnte sich in diesem Wagen sehen lassen, egal ob man wohlhabend war, oder selbst Taxi fuhr. Und nicht immer musste es ein "Black Cab" sein. Rot, Bourdeaux oder Blau waren ebenso üblich, wie weiß und Bicolor. Mit oder ohne Chrom. Vinyl oder keins. Privat oder Gewerblich. Schnell oder Langsam. Dieses Fahrzeug kann man einfach nur sympatisch finden. Und dass die Bevölkerung an diesem Wagen festhalten will, merkt man daran, dass die neuen TX1 und jünger alle in ihren Grundzügen dem FX4 gleichen.


Auszeichnung

Mein Blog hat am 05.08.2009 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Wer hat's verbockt?

der_deppen_daemel der_deppen_daemel

Spritsparender Raser

Volvo

1986 den Fertigungstunnel in Großbritannien verlassen und bereits nach wenigen Wochen mit den ersten Kinderkrankheiten in die Werkstatt berufen, wurde ich 1997 in die Bundesrepublik überführt und bin seitdem im Landkreis Verden angemeldet :D Mit hellem Leder, schon gräulichen Scheinwerfern und ein höher gelegtes Fahrwerk siehe ich nicht gerade aus wie "made in England". Mein Hobby hat 5 Räder (alle 5 sind während des Fahrens in Gebrauch), 4 Töpfe, 3 Pedale, etwas Alu, viel Glas und trägt den skandinavisch angehauchten Namen: Sörtie.

Sörtie (Volvo C30)

Meine aktuellen Autos

Volvo C30 'Sörtie'

Meine Alltagsdame. Täglich und europaweit im Einsatz. Gekauft um Geld zu sparen (was es auch macht :D) und bereits sehr viel erlebt. Sparsam, sicher und einmalig in der Optik.

 

Volvo 740 'Erik'

Mein Projektwagen. Der Wagen steht vor einer vollständigen Restaurierung samt Anpassung an meinem Geschmack (Innenraumfarbe). Alles wird im Rahmen des Möglichen und H-Kennzeichen Gerechten erledigt :) Ein Liebhaberstück soll daraus werden.

Dauerneugierige (79)

Kurzneugierige

  • anonym
  • diemoemis
  • elchqp1
  • clausschr
  • ovl
  • polihoil
  • Cl500baby
  • Niklas26
  • matt109
  • IndigoFlow

4. Geburtstag

Alles Gute zum Geburtstag Sörtie!