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C30 - Wieso kauft man sowas?

Mein C30, 740 und die britische Motorkultur...

21.08.2009 20:13    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (18)

Hallo Ihr Leser!

 

Heute nur ein kurzer Beitrag, ich hoffe ihr verzeiht mir das :)

 

Fahrzeug Plattformen sind ja heute mehr oder weniger üblich. Kaum ein Hersteller arbeitet nicht mehr ohne... So ist beim C30 die Plattform gleich mit dem des Focus II, des Mazda 3, dem Mazda 5, C-Max, usw. Beim Golf gleicht es dem, des A3, des Octavias usw. usf. Wie lange macht man dieses?

 

Nun, bekanntlich war BMC/BLMC/BL doch recht führend, was das Einsparen von unnötige Entwicklungen anging. So verwendete man in fast allen Fahrzeugklassen ein Frontantriebsaggregat mit integriertem Getriebe. Motoren wurden selten selbst entwickelt, man kaufte oft fertige, ungewollte Motoren, die jedoch bereits vollends entwickelt wurden und passte diesen den Bedürfnissen an.

 

Was wenige jedoch wissen, dass man, ohne jetzt das Badge Engineering weiter zu erwähnen, komplette Fahrzeuge auf Plattformen errichtete...

 

Die Ingenieure bei British Leyland entwickelten den ADO17 - auf dem Markt als Austin 1800 zuerst mit dem Plattformgedanken. Ich brauche euch nicht weiter erklären was man als Plattform verwendete, man sieht es eigentlich auf dem ersten Blick, jedoch mache ich es trotzdem...

 

Austin 1800/2200 Austin 1800/2200

 

Vergleicht man die Bilder der Gallerie miteinander, so sieht man immer ein Bereich, welches immer gleich ist:

 

A- bis C-Säule

 

Als Plattform verwendete man die Fahrgastzelle. Egal ob bei Kleinwagen, wie dem genannten Austin 1800 bzw. 2200 (1,8l - 2,2l), welches unter verschiedenste Markennamen (Wolseley, Austin, usw.) vermarktet wurde, bei einem Luxus Fahrzeug, dem Austin 3-Litre, bei einer Schräghecklimousine der Mittelklasse, dem Austin Maxi sowie bei dem in Europa nie erhältlichen Austin X6 bzw. dem Morris X6 (auch als Austin Kimberley/Tasman bekannt), welches nur in Australien gebaut wurde.

 

Unter den genannten Fahrzeugen kann man die Türen beliebig austauschen. Frontscheiben und Seitenscheiben (immer bis zur C-Säule!) sowie Mechanik der Türen (Schlösser, Fensterheber uvm.) untereinander tauschen. Im Laufe der Jahre und Modelle wurden natürlich Designänderungen im Detail vorgenommen. So hat der X6 aufgrund australischer Fußgängerschutzbestimmungen keine "Bügelgriffe" wie die Verwandten aus Großbritannien. Zwischen 1964 und 1975 bestimmten "diese Türen" das Innenraumdesign und die Größe von vielen Fahrzeugen der damaligen Zeit. Um "Haares Breite" sind wir auch Rolls Royce und Bentley mit den Türen entgangen! :D


21.08.2009 20:25    |    Polo6NFDTCiV

Ein Türen- und vorderer Fenstersatz für alle, genial, man muss nur die Schlösser tauschen :D


21.08.2009 20:32    |    der_deppen_daemel

Genau das! Das Marxismus in der Autowelt :D


21.08.2009 20:41    |    Polo6NFDTCiV

Es kann keiner sagen, ich bin besser gestellt, sie haben alle das selbe Buch gelesen :D :D


22.08.2009 02:05    |    threelitre

Der 1800/2200 ein Kleinwagen? Tsk, tsk, tsk....

Je nach Markt waren die Konkurrenten Citroën DS, Opel Rekord/Commodore, Ford P7 oder Consul/Granada. Naja, klein ist halt relativ...

 

Das mit der "Plattform" ist schon richtig beobachtet. Da Issigonis als Ingenieur offensichtlich das "Recyclen" vorhandener Bauteile nicht mochte, hat er für jedes Modell eine klomplett eigene mechanische Basis entwickelt (bzw. entwickeln lassen). Und da ihm das Aussehen nicht so wichtig war, konnte er dann den Forderungen der Buchhalter im Unternehmen nachgeben, wenigstens die Türen weiter zu verwenden. Im Endeffekt gab es so drei technisch komplett verschiedene Autos, die für den Laien fast gleich aussahen und kaum Geld gespart haben.

 

Irgendwie scheint mir der Weg heutzutage doch effizienter zu sein... Aber auch langweiliger :D

 

Gruss,

 

Alexander


22.08.2009 09:52    |    der_deppen_daemel

Naja, von den Motoren und Getrieben her sind sie fast gleich... Natürlich gibt es 6 Zylinder Versioenn (Wolseley Six, Austim Tasman) nur der Großteil ist halt 4 Zylinder. Die, die sich auch am besten verkauft haben, also, der Maxi und der 1800/2200, haben ja so gesehen die gleiche Basis.

 

Einzig der 3-Litre steht etwas "eigen" da mit Heckantrieb und verlängerter Front- und Heckpartie. Man könnte, wenn man es denn wöllte, den 1800/2200 als Grundmodell ansehen. Der Maxi ist dann die Fließheckversion und der X6/Tasman/Kimberley die Stufenheckvariante. :D


23.08.2009 01:02    |    threelitre

Es gab einen/mehrere Vorserien-Maxi mit Stufenheck! Die sollten dann Morris werden... (stattdessen kam der Marina :) )

Auch wenn Maxi und 1800 4 Zylinder sind, so sind die Antriebseinheiten und Bodengruppen in etwa so kompatibel wie die eines Golf mit der des Focus - gleiches Prinzip und das wars. Die Schnittstelle ist der Sechszylinder: Hier kommen tatsächlich Teile des Maxi-Antriebs (Kolben, Pleuel) mit dem ADO17 in Berührung - auf dem Getriebe des 1800...

 

Im Prinzip hat BMC damals das Komplement des heutigen Baukastenmodells verwendet: Bei VAG z.B. versucht man bei Verwendung möglichst vieler gleicher Bauteile optisch sehr verschiedene Autos zu bauen. Bei BMC baute man 3 ganz verschiedene Autos, die durch die Verwendung weniger Bauteile (Türen halt) fast gleich aussehen...

 

Wie sagte schon Obelix vor ca. 2000 Jahren: Die spinnen die Briten

 

Gruss,

Alexander


23.08.2009 03:54    |    checkyChan

Zitat:

 Genau das! Das Marxismus in der Autowelt

Du meinst alle verkauften sich gleich schlecht? :D

 

Ich dachte da eher an Friedrich Gustav August von Hayek. Kosten runter. Qualität rauf. ;)


23.08.2009 12:43    |    der_deppen_daemel

@ Checky

 

Neh, Qualität rauf hieße überhaupt erstmal eine Qualität haben ;)


23.08.2009 14:13    |    Polo6NFDTCiV

Das hat Mercedes ganz anders umgesetzt, erst mal den Verkaufspreis hoch ansetzen, sehen was passiert :D

Das Kippmoment hat man später behoben, das ist nun kippsicher im hohen Smartiepreis enthalten :D

 

Das Briten keine Qualität haben, ist eine Geschichte, die der britischen Streikmentalität zu verdanken ist.

Nicht nur in den 60ern und 70ern kam es dadurch zu heftigen Ersatzteilmangelerscheinungen.

 

Man konnte zwar Garantieansprüche stellen, wie bei jedem anderen Fabrikanten auch, oft gab es allerdings, über Monate keine Teile.

Gelästert wurde, kauf Dir einen 2. dann hast du erstmal was Du brauchst.

 

Das hängt ihnen leider heute noch an. British Elend hat auch daher leider seinen schlechten Ruf mitbekommen.

 

Nach der "Zerschlagung" ist die Teileversorgung wesentlich besser geworden und sie sind wie früher, günstig sondergleichen, welche Autos, ausser den Briten, können zB. für ca. 180 Euro rundum neue Dämpfer bekommen, neue Wapus für ca. 30 Euro erhalten, auch anderes ist selten günstig, davon können andere Hersteller nur träumen...

Lieber für einen neuen Motor der Briten ca. 2400-2800 Euro ausgegeben, der weit über 200000km schafft, als für einen Diesel, für über 10000 Euro von VW, für den T5 der gerade mal die Hälfte erreicht.


23.08.2009 14:29    |    der_deppen_daemel

Naja, eben...

 

Eingutes Beispiel der Qualitätsanmutung von BL ist einer Meiner Lieblinge: der Rover SD1. Manche waren tatsächlich auf einer Seite länger als auf der anderen. Dieses wurde gekonnt kaschiert. Oder es wurden Fahrzeuge ausgeliefert, deren Dellen einfach mit Spachtelmasse zugekleistert wurden gefolgt von einer Schicht Lack. Bei einem Unfall platzten diese natürlich einfach ab...

 

60% der Zeit wurde mit Streiks zugebracht. Warum soll man für weniger als die Kollegen in Schottland arbeiten? Warum soll Longbridge eine kürzere Schicht haben als in Solihull usw. Warum erhalten die bei Jaguar mehr Lohn als die bei Austin!?

 

Die Mentalität war schlicht und ergreifend: "Mir egal was der Wagen hat. Ich fahre eh nicht damit".

 

Nach BL war einiges besser, aber auch vieles schlechter. Man wusste nicht was am nächsten Tag sei. Wir hatten ja vor den Volvos noch nen Rover 827 Sterling. Tolles Auto. Facelift Modell. Innen feinstes Leder. Alles was man sich wünschen kann. Mit einem sparsamen Honda V6 mit 170 ps. Schönes Ding. Leider waren nach einer Weile die Bremsscheiben runter. Wir haben diese natürlich sofort beim Rover Händler bestellt. Erst 3 Monate später hatten wir die in den Händen. Nicht weil der Händler das nicht schaffte, nein, MGRover schaffte es nicht die Teile schnell zu liefern. Das selbe Spiel hatten wir mit einer Antriebswelle (zum Glück sind beide Seiten gleich lang :D). Lieferzeitraum: unbekannt. Wir haben dann einen 2. Rover 827 (si) gekauft und den ausgeschlachtet. Das war billiger und letztenendes fuhr das Auto 2 Tage später wieder...

 

Aber die Motoren sind gut und haltbar. Wenn ich da so an den schönen SD1 mit dem "leckeren" 3,5l V8 mich erinnere... Unser SD1 hatte irgendwas von um die 300t MEILEN auf der Uhr als meine Eltern den weiterverkauft haben. Erste Maschine. Erstes Getriebe. Zweiten Türen vorne :D


23.08.2009 14:42    |    Polo6NFDTCiV

Karosse unterschiedlich lang? :eek:

Das machte Renault anders, im R16, R4, R6 und anderen waren es die Radstände :D

Die Drehstäbe lagen voreinander :D


23.08.2009 14:53    |    der_deppen_daemel

Ja, das mit Renault kenn ich nur wie gesagt, BL machte eben eine Seite länger als das andere...


23.08.2009 15:00    |    Polo6NFDTCiV

Wie gross war denn der Längenunterschied, was wollte man denn darunter tarnen ?


23.08.2009 15:18    |    der_deppen_daemel

Bei manchen SD1 bis zu 2"! Also ca. 5-6cm... Das fällt eigentlich auf, nur Spaltmaße stimmten überein - und der Wagen fuhr auch nicht "schief". Dieses merkte man nur wenn der Wagen entsprechend haargenau vermessen wurde.


23.08.2009 15:39    |    Polo6NFDTCiV

Dann gebe ich Dir mal die Korrektur der Fahrgestelldaten

 

Radstand 2.815 mm / 110,8 in

Spur vorn Normalreifen 1.500 mm / 59,1 in

- Denovo-Reifen - 1.490 mm / 58,7 in

Spur hinten Normalreifen 1.498 mm / 59,0 in

- Denovo-Reifen 1.490 mm / 58,7 in

 

Wendekreis zwischen Randsteinen: m / 34 ft 3 in

zwischen Wänden: m / 36 ft 10 in 155 mm / 6,1 in

 

Bodenfreiheit : 155 mm / 6,1 in

 

Gesamtabmessungen

 

Länge 4.699 mm / 185 in [[+ 2 in rs :D]]

Breite 1.768 mm / 68,9 in

Höhe, unbelastet 1.340 mm / 53,5 in


23.08.2009 15:42    |    der_deppen_daemel

Joar, das käme ungefähr hin :D

 

Habe eben meinen Vater gefragt. Unser SD1 musste aufgrund eines Auffahrschadens auf die Richtbank in England. Fahrzeug war aber auf beiden Seiten dann GLEICH LANG. Es war aber um (mein Vater ist sich nicht mehr ganz sicher wie weit genau gestaucht wurde) ca. 0,5-1" gestaucht. Das Blech auf der Beifahrerseite war etwas "faltig". Damit diese rausgingen, mussten die 0,5-1" wieder "rausgezogen" werden...


23.08.2009 15:49    |    Polo6NFDTCiV

Genial, demnach waren auch die Scheiben und Hauben auf die Differenz abgestimmt :D :D


23.08.2009 16:00    |    der_deppen_daemel

Naja, die Türen konntest du von allen Modellen einbauen. Scheiben usw. auch. Ich denke mal, dass man einfach irgendwie die Spaltmaße auf der einen Seite etwas schmaler hatte (weiß nicht wie das bei unserem SD1 ausschaute - da war ich gerade 5 als der weg kam :(). Wie gesagt, Scheiben usw. konnte man immer unter einander tauschen. Keine Ahnung wie man das schaffte - aber frei nach Toyota: "Nichts ist unmöglich" :D


Deine Antwort auf "Diese Formen, ich kenne die doch irgendwoher - Plattformen auf BLMC'isch"

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