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C30 - Wieso kauft man sowas?

Mein C30, 740 und die britische Motorkultur...

11.01.2009 19:22    |    der_deppen_daemel    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Austin, BL, BLMC, British Elend, Jaguar, Landrover, Leyland, MG, MGRover, Mini, Morris, Pleite, Roewe, Rover, Triumph, Wolseley

Hallo Ihr Leser! :)

 

Still und leise wurde im vergangenen Jahr der größte britische Autohersteller 40 Jahre alt. Als 1968 viele britische Autohersteller fusionierten um eines der größten Autokonzerne aller Zeiten zu bilden/gründen, begannen rosige Zeiten für die folgenden Hersteller:

 

Wolseley, Lanchester Motor Company, Leyland Motors, Daimler, Riley, Standard Motor Company, Rover, Austin, Morris, Vanden Plas, Alvis, MG, Triumph Motor Company, BSA, Jaguar, Land Rover, Austin Healey, Mini und Princess.

 

British Leyland KonzernlogoBritish Leyland KonzernlogoAus den genannten Fahrzeugherstellern entstand ein Konzern: British Leyland (verhöhnt in Deutschland auch British Elend)

 

Wieso möchte ich euch diese Gesichte näherbringen? Das ist relativ einfach: als gebürtiger Engländer, passionierter Autofahrer, Liebhaber der Fahrzeuge der BLMC Gruppe und in einem goldenen Rover SD1 3500 (siehe unten) gezeugter Brite, ist es mir wichtig, dass ein bedeutsamer Kapitel der Britschen Motorgeschichte mehr Beachtung findet. Ich hoffe das schaffe ich mit diesem Eintrag meines Blogs.

 

Als man begann die Fahrzeugsegmente neuzustruktrieren, hat man viele ehemalige Fahrzeughersteller nur noch zum "Badgeengineering" verwendet. Zwar erhielt jede Marke ein eigenes Design sowie Ausstattungseigenheiten, nur waren diese oft sehr schlecht gewählt oder man hat einfach nicht richtig "mitgedacht". So gab es auf Basis des uns bekannten Minis den Wolsley Hornet bzw. Riley Elf (mit zusätzlichem Kofferraum und hochwertiger Ausstattung), die eckigen Mini Clubmann Modelle, als Austin Seven (Se7en), Morris Mini Minor, uvm. wurde dieser kleine "Zwerg" zu eines der bekanntesten Fahrzeuge des Konzernes.

 

Während dieser Zeit, entstanden dennoch viele schöne und einmalige Fahrzeuge, die man heute zwar selten sieht, die aber, wie alles aus der Zeit vor der "Computerisierung der Fahrzeuge", ihre eigenen Persönlichkeiten haben. Fahrzeuge, die britischer nicht sein können. Designs, die aus der Masse an Fahrzeugen herausstanden und somit unverwechselbar waren. Es gab für jeden ein Fahrzeug (natürlich, wie damals normal, gab es nicht hunderte verschiedene Segmente, sondern nur wenige). Sei es den billigen Kleinwagen für einen Studenten, ein luxuriöser Kompakter für Rentner, eine sportliche Limousine mit V8 für den ambitionierten Familienvater dem Alltagstauglichkeit nicht fehlen darf oder ein Cabrio für reiche Zahnarztfrauen, bei BLMC oder später BL fand man alles... Wie hier in diesem Spot zu sehen (leider keine besonders gute Qualität):

 

 

Die wichtigsten Modelle der Marken seit Zusammenschluss waren:

 

1948 Land Rover (Rover)1954 Austin Cambridge1954 Austin Cambridge1961 Jaguar E-Type1961 Jaguar E-Type1970 Triumph Dolomite (Sprint)1970 Triumph Dolomite (Sprint)1982 Rover SD1 (Facelift)1982 Rover SD1 (Facelift)

1948 Morris Minor (Nuffield)

1952 Rover 90 (Rover)

1952 Morris Oxford (BMC)

1954 Austin Cambridge (BMC)

1958 Triumph Herald (Standard-Triumph)

1959 Mini (BMC; ursprünglich als Austin Seven und Morris Mini-Minor)

1961 Jaguar E-Type (Jaguar)

1961 Riley Elf (BMC)

1961 Wolseley Hornet (BMC)

1962 Austin 1100/1300 (BMC)

1962 MGB (BMC)

1963 Triumph 2000 (Leyland-Triumph)

1964 Austin 1800/2200 (BMC)

1964 Rover 2000 (Rover)

1968 Jaguar XJ6 (BLMC)

1969 Austin Maxi (BLMC)

1970 Triumph Dolomite (BLMC)

1970 Range Rover (BLMC)

1971 Morris Marina (BLMC)

1971 Triumph Stag (BLMC)

1973 Austin Allegro (BLMC)

1975 Leyland Princess (BL)

1975 Triumph TR7 (BL)

1975 Jaguar XJS (BL)

1976 Rover SD1 (BL)

1980 Austin Metro (BL)

1980 Morris Marina|Morris Ital (BL)

1981 Triumph Acclaim (BL)

1982 Austin Ambassador (ARG)

1983 Austin Maestro (ARG)

1984 Austin Montego (ARG)

1984 Rover 200-series (ARG)

1986 Rover 800/Sterling (ARG)

 

Bei British Leyland Motor Corporation (BLMC) wurde mehr gestreikt als gearbeitet. Die Qualität der Fahrzeuge lit enorm unter diese Bedingungen. Fahrzeuge waren auf der einen Seite länger, als auf der anderen. Motoren sprangen im feuchtkalten Winter der Britischen Inseln schwer an. Diese Streiks und die vielen Fertigungsprobleme führten dann schliesslich 1975 zum Bankrott.

 

Man stand 1975 somit vor den selben Problemen, wie man 2008 in den USA sie findet: man stand vor der Pleite und es standen hunderttausende von Jobs auf dem Spiel. Was tun?

 

Eine einfache Lösung, welches Karl Marx und Herrn Lenin erfreut hätte: die Verstaatlichung.

 

Durch die Verstaatlichung rettete man viele Arbeiter und stellte eine Weiterbeschäftigung sicher. Die Regierung hielt lange Zeit an dieser "Perle" fest, bis man 1982 der Meinung war, die Marken (die, die bis dahin noch überlebten) wieder zu privatisieren. Jaguar wurde "sofort" an die FoMoCo (Ford Motoring Corporation) verkauft. Die Nutzfahrzeuge (Leyland) und Landrover gingen in die Hände von BL (Land Rover and Leyland Group) und Avis an "United Scientific Holdings". Alle anderen Marken liefen nun bei Austin Rover Group zusammen.

 

Bis 1986 lief alles scheinbar glatt. Fahrzeuge wurden produziert. Die britischen Straßen waren voll mit in Großbritannien produzierte Fahrzeuge. Bis eben die Marken wieder durcheinander gewürfelt wurden. BL wurde in Rover Group umbenannt und wieder wenige Jahre danach erneut verändert... Die Nutzfahrzeuge gingen zum Teil an Volvo, an Daf und nun, statt Rover Group an British Aerospace.

 

Aufgrund von den vielen Veränderungen und dem ungewissen Weiterleben der verschiedenen Marken, fanden noch weitere "Änderungen" in den Besitzverhältnissen statt. British Aerospace ging komplett an BMW und wurde nach dem Aufbau und "Aufteilung" von BMW 2000 als eine neue Unternehmung an Phoenix Consortium für die Summe von £ 10 verkauft. Die Firma "MG Rover" wurde somit geboren.

 

MG SV-R KonzeptMG SV-R KonzeptDie Modelle wurden leicht überarbeitet und es folgte ein Prestige Fahrzeug dem anderen (Rover 75 V8, MG ZT, MG XPower SV-R). Der Vorstand gewährte sich steigende Gehälter bei sinkendem Absatz und somit überlebte die Marke bis zur Pleite 2003 und blieb solange als letzter eigenständiger Hersteller auf den Britischen Inseln. Nun sind alle Namensrechte sowie Modellrechte und Fabrike an SAIC bzw. Nanjing (SAIC) übergegangen.

 

Somit scheiterte eine geniale Unternehmung und Zusammenschluss aus 19 unabhängige Hersteller mit einer "Pleite". Heute sind nur wenige Marken noch am "kämpfen". Weitere Opfer werden mit großer Sicherheit folgen.

 

Roewe 750Roewe 750Derzeit wird in China an der Wiedereinführung eines Fahrzeuges in 2 Ländern außerhalb Chinas gearbeitet. Die Marke Rover soll - zwar vom Namen leicht anders - als "Roewe" wieder nach Spanien und Großbritannien (Länder mit dem höchsten Absatz an Rover Fahrzeugen) zurück kehren. Den letzten "vollwertigen" Rover (mit BMW Hilfe entwickelt) haben die Chinesen überarbeitet und es soll (sieht fast so aus wie der Alte 75) als "750" gebaut werden.

 

Hoffen wir also, dass Jaguar, Landrover, MG und Mini (obwohl alle in der Hand international arbeitende Konsorten) noch länger überleben können und darauf, dass sich die Geschichte nicht wiederholen kann und wird! (siehe USA)o


11.01.2009 22:29    |    Polo6NFDTCiV

Zitat:

Hoffen wir also, dass Jaguar, Landrover, MG und Mini (obwohl alle in der Hand international arbeitende Konsorten) noch länger überleben können und darauf, dass sich die Geschichte nicht wiederholen kann und wird! (siehe USA)o

Davon ist nicht auszugehen, Fehler sind da, um gemacht zu werden, nicht, um sie zu wiederholen...


11.01.2009 22:49    |    der_deppen_daemel

Ich hoffe das in den Staaten man das so schafft, dass man mit einem Blauen Auge dabei aus dem "Ring" steigt, aber eben die Probleme, die man bei BL(MC) hatte, sind auch dort vorhanden:

 

- Man nutzt die selben Plattformen für viele verschiedene Fahrzeuge

- Die Technik ist oftmals veraltet

- Man schaft es nicht, richtige Marktforschung zu betreiben

- Man setzt auf die falschen Segmente

- UVM.

 

Hoffen wir mal, dass diese Großkonzerne die selben Probleme erfahren werden... :)


11.01.2009 23:44    |    Polo6NFDTCiV

Viele der Marken aus dem Verbund decken Nieschen ab, einige Käufer wissen den Stil zu schätzen, der darin enthalten ist, das britische Flair, das sich deutlich aus dem sonstigen Einheitsbrei abhebt.

Marktforschung führt zu dem Ergebnis, ein Produkt in einem gesättigtem Marrkt etablieren zu wollen, künstlich Nachfrage zu schaffen, für ein Produkt das keiner braucht, die Briten waren pfiffig und produzierten für die Nieschen keine Messenware. Absatz klappt, aber grosse Gewinne bleiben dabei aus.

Der Grössenwahn, derer die oben sitzen und die Taschen nicht voll genug bekommen können, rafft jeden Nieschenbetrieb in den Ruin.

Grosse, die ausschliesslich mehr oder weniger alltagstauglichen Einheitsbrei fertigen, sagen sich, was kostet die Herstellung, was kann ich dafür auf dem Markt erzielen, wo kann ich es noch billiger produzieren lassen, gehen an dem Kunden in der Niesche glatt vorbei.


12.01.2009 10:42    |    andyrx

Hallo

 

die Episode Honda fehlt;)

 

wenn Honda nicht gewesen wäre,hätte es die Marke Rover schon weit früher nicht mehr gegeben..meine Frau fährt ein Produkt dieser Zeit Rover 216i Cabrio und ist überaus zufrieden damit;)

 

die Honda/Rover Baureihen XW 200/400 (baugleich Honda Concerto und Civic) und die 600/800er Serie (baugleich Honda Accord/Legend) hielten Rover eine ganze Zeit lang über Wasser mit zuverlässiger und robuster Honda Technik....das Ende wäre weit früher da gewesen wenn dieser technologische Transfer nicht stattgefunden hätte;)

 

mfg Andy



12.01.2009 10:48    |    der_deppen_daemel

@ Andy

 

Richtig Honda fehlt, jedoch fand dort nur eine Kooperation statt, kein Kauf. Ich habe bewusst nur die Käufe datiert bzw. notiert, eben weil es so viele Partnerschaften gab... :)

 

Aber gut hast da schon recht, dass diese Fahrzeuge dazu gehören... Aber sind keine BL/BLMC Produkte :D

 

@ Polo

 

Eben dass man keine Margen dabei erzielen konnte, wurde am Mini I (die ersten Baujahre) ersichtlich. Die Fahrzeuge wurden in GB für £ 600 angeboten. Okay, das war in den 60ern, als das Geld einen anderen Wert hatte, aber dennoch, pro Fahrzeug machte man - so weit ich weiß - ca. £ 100 Miese. Erst als man die Fahrzeuge im Markt etabliert hatte, konnte man Gewinne (wenn auch fast nicht vorhanden) einfahren.

 

Selbst Ford kaufte ein Mini, nahm es auseinander und berechnete wieso man es für nur £ 600 anbieten könne obwohl allein die Materialkosten mehr kosten würde...


14.01.2009 21:07    |    murxer666

Eine schöne "Doku" zu British Leyland hat TopGear produziert.

Im youtoube sollten sich einige Auszüge finden lassen,

Details zur Follge gibts hier

 

Murxer


19.01.2009 18:18    |    Trackback

Kommentiert auf: C30 - Wieso kauft man sowas?:

 

Rootes - die unbekannten Konkurrenten von British Leyland

 

[...] größten Fahrzeugkonzernes Großbrtianniens: British Leyland (im deutschen Volksmund auch British Elend) -> British Leyland

 

Nun, es gab nicht nur diese eiserne Firma auf den britischen Inseln, sondern es gibt noch eine Reihe [...]

 

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24.01.2009 18:35    |    Trackback

Kommentiert auf: C30 - Wieso kauft man sowas?:

 

Der Rover V8 - ein kleiner Ami

 

[...] HEHE! :D

 

Habe noch ein Blogeintrag -> British Elend dort geht es fast nur um die "Auferstehung", die "Probleme" und natürlich den Untergang des an sich [...]

 

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27.01.2009 11:54    |    Trackback

Kommentiert auf: C30 - Wieso kauft man sowas?:

 

Rover SD1 - "The poor man's Aston"

 

[...] Heckklappe.

 

Beide, Triumph und Rover, hatten bereits ihre Entwürfe, schon stand - durch die BLMC Zentrale bestimmt - fest, der Neue wird ein Rover. 1971 wurden Triumph, Rover und Jaguar (Jaguar gehörte damals [...]

 

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21.02.2009 22:30    |    Trackback

Kommentiert auf: C30 - Wieso kauft man sowas?:

 

Triumph 2000/2500 - eine Revolution in der Executive-Class

 

[...] gab es kein Nachfolger, da Triumph im Leyland Motors Ltd. Konzern 1968 zusammen mit Rover usw. zum neuen "British Leyland " Konzern fusionierten. Rover stellte den Anspruch auf das Nachfolgemodell klar - Triumph und Rover [...]

 

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17.05.2010 16:47    |    JFB31194

wenigstens Rover hätte überleben müssen . ein britischer hersteller hätte sich doch wenigsten eigenständig halten können


19.07.2010 23:45    |    IainThornton

danke :)

 

toll, dieser Artikel zu lesen

ich komme aus England (bzw. Birmingham), aber wenn man Deutsch wie ich spricht, ist das nur zu offensichtlich

natürlich sind die British Leyland Marken für mich wichtig, Birmingham ist das englische Detroit

 

also, ich find es geil, dass mindestens ein Person in Deutschland British Leyland magt. Meiner Meinung nach, war Rover unterbewertet, aber das ist nur eine Meinung. Meine Eltern haben viele Rovers im Lauf der Jahre gehabt, und sie waren nicht enttäuscht. Mein Vater hatte einen Rover 827 Vitesse, und noch möchte er wieder ein ähnliches Auto kaufen, obwohl er ein Range Rover Supercharged hat.

 

ich erinne mich noch, der Todestag von MG Rover Group. das war für mich traurig, wir waren auf MG Rover stolz, und wir nahmen an dieses Ereignis Anstoß.

 

entschuldigung für meine Fehler, und danke für deinen Artikel

 

greetings from England :)


Deine Antwort auf "British Leyland - streiken um zu arbeiten!"

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