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Blog des Uhus

Was für mich den Reiz des Autofahrens ausmacht ...

18.09.2011 12:43    |    UHU1979    |    Kommentare (18)    |   Stichworte: England, Fahrzeuge, Großbritannien, Morgan, Roadster, UK

Hallo,

 

unbestritten gibt es für bestimmte Situationen die optimale Fzg.-Wahl, sei es der Porsche GT3 auf dem Nürburgring oder der VW T5-Transporter beim Umzug. Aber hier ist die Situation anders:

 

Tief hängen die dunklen Wolken an diesem grauen Septembermorgen über den westlichen Midlands, England. Geplant ist eine kleine Tour nach Wales. Kleine, z.T. enge, kurvenreiche Straßen erwarten mich. Nach einer Nacht im Castle und einem ausgiebigen Full english breakfast, den Blick gen trüben Himmel, denkt man sich:

Well, very british. Also war klar: Es musste ein typischer britischer Roadster sein, genauer der von Morgan mit V6, 230PS, 3,0l-Hubraum bei 890 kg Gewicht. Die quasi aus Eschenholz geschnitzte Legende.

 

Nun, nach den ersten Blicken war klar: Übersicht ist eigentlich ganz gut, da man durch die – ich nenne es mal „old school“ – konturierte Motorhaube/Kotflügel durchaus die Straße erkennen kann. Ansonsten gab es nicht viel zu sehen: Die wesentlichsten Schalter und Bedieneinheiten für elementare Funktionen der Fzg.-Bedienung, das war’s. Kein Radio, kein Bordcomputer, keine Klimaautomatik, keine elektronische Parkbremse. Noch nicht einmal elektrisch verstellbare Außenspiegel.

Das Öffnen und Schließen des Verdecks lässt sich wohl geeignet mit der Beschreibung von Stan73 bei seinem Zeltaufbau in Kroatien vergleichen, war aber einschließlich einem dreimaligen „um den Wagen gehen“ machbar. Ich bin eh fast nur offen gefahren. Ergo: Kein elektrisch schließbares Verdeck.

 

OK, here we go.

 

Ähmm, ja, auch keine Servolenkung und Bremskraftunterstützung, woraus eine gefühlte Bremsleistung von Null resultiert. :D Das wird ja also richtig Arbeit.

Aber irgendwie habe ich es doch vom Parkplatz geschafft. Wobei zum Thema Bremse angemerkt sei, dass bei einer Vollbremsung die Bremsleistung doch recht ordentlich ist, jedoch das Leichtgewicht von Wagen sehr, also wirklich sehr, unruhig im Heck wird. Bezüglich der restlichen Ausstattung für die aktive und passive Sicherheit sei vermerkt, dass Sicherheitsfanatiker weiterhin französische Kleinwagen fahren müssen. Sicherheitsgurte, sonst nichts.

 

Das Fahrverhalten ist also erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig. Vom Anfang an hingegen überzeugt der V6: Zunächst schaut man in den Rückspiegel, wo denn die Harley steht, aber nein, so klingt der Wagen im Stand schon – grummelig, bullig und böse. Drehmoment gibt es ab Leerlauf reichlich für das Leichtgewicht und das Getriebe ist knackig kurz schaltbar und sehr kurz übersetzt (2000 rpm bedeuten 48mph auf dem Tacho, also vergleichbar mit der Übersetzung des 6. Ganges beim Z4). Somit kommt man auch schnell den Bereich, in dem der drehfreudige Motor dann so richtig böse klingt. Beschleunigen macht auf diese Weise richtig Spaß. :cool:

Den Verbrauch kann ich für die Freunde der Statistik auch angeben: 26,04l Unleaded 95 auf knapp 200 Meilen (ca. 8,6 l / 100km).

 

Das Fahrwerk ist sportlich straff, aber dennoch irgendwie komfortabler als der Z4, wobei dies auch an den relativ großen Querschnitt der Reifen liegen kann. Allgemein liegt der Wagen sicher auf der Straße, der Grenzbereich kündigt sich von weitem an und ihn zu erkunden erfordert dann auch etwas Arbeit am Volant. Aber das war ja auch nicht Forschungsgegenstand.

 

Während man also so gemütlich vor sich hinfährt, God saves the Queen summt (Radio gibt es ja keins), dem Motor lauscht, den Wind in den Haaren spürt, die drei Scheibenwischerchen – erwähnte ich, dass es in England wirklich jeden Tag regnet? – ihre Arbeit verrichten – umsonst übrigens, wenn die Regentropfen innen auf der Scheibe sind – erschließt sich einen der Reiz dieser Fzg.-Gattung. Und man erkennt, dass sich dieser Wagen auch jeder objektiven Bewertung geschickt entzieht. Klar klappert es (die aufgesteckten Seitenscheibchen am Rahmen), natürlich ist die Sitzposition mit unbequem noch positiv formuliert umschrieben, Ergonomie mangelhaft und die für eine gute Haltungsnote auf die Eleganz beim Ein- und Aussteigen bedarf es einer gewissen Neigung zu grazilen Bewegungen (Was vielleicht auch nur eine Frage der Übung und Körpergröße ist). Im Übrigen ist das auch das einzige Fzg. was ich bisher fuhr, wo beim Durchfahren einer Pfütze ich als Fahrer nass wurde. Ja, so müssen Legenden sein.

Stauraum und Platz sind kaum vorhanden, aber eben jede Menge Charme. Und es gibt die Gewissheit, warum man auch von einem Kraftfahrzeug spricht: Nach der körperlichen Arbeit hat man sich sein Pint of Ale am Abend verdient.

 

Fazit:

Es war einfach genial! Grandios! Großartig!

Und ja, der Slogan von Morgan stimmt – diese Autos fährt man wahrhaftig mit dem Herzen.

Gäbe es für einen solchen Trip ein geeigneteres Fzg.? Wohl nur noch wenige …

 

Vielen Dank fürs Lesen.

Schöne Grüße

 

Der Uhu

_________________________________

Bilder entfernt auf Wunsch von UHU1979


18.09.2011 13:33    |    dodo32

Seeehr geiles Auto! Als ich den Morgan zum ersten mal bewusst wahrgenommen hatte, schaute ich natürlich: was kostet das? Danach wusste ich, dass das Auto auf der Liste der TopTen Autos ist, die ich wohl niemals besitzen werde :(

Schöner Bericht!

 

Beste Grüße

-dodo-


18.09.2011 13:35    |    Turboschlumpf47734

Da kann man glatt neidisch werden,werde ich aber nicht sicher ein tolles Erlebnis das viele von uns auch gern machen würden.

Danke für die schönen Bilder toll das sie in SW sind so wirkt das ganze noch viel besser...Farbe bekommt dieser Artikel schon durch die Worte hier....war wieder mal eine Freude den Artikel zu lesen...

 

LG und schönen Sonntag wünscht ...Sunny


18.09.2011 14:02    |    Andi2011

Klasse geschrieben und ein super Bericht mit feinen Bildern.Du hast die Stimmung perfekt eingefangen!

 

Zitat:

Gäbe es für einen solchen Trip ein geeigneteres Fzg.? Wohl nur noch wenige …

Völlig richtig,vieleicht noch ein E-Type oder ein Caterham

 

Grüße

Andi


18.09.2011 14:39    |    FrescoBG

Schöner Bericht, da wird man ja neidisch, ich würde erst mal nen DB9 probieren, ehe ich mich in einen edlen Morgan setzte. Man sollte aber die Fahrzeuge nicht miteinander vergleichen, der DB9 ist keine Legende wie der Morgen.

 

Grüße Fresco


18.09.2011 14:54    |    Goify

Toller Bericht, tolle Bilder. Ja, das Fahrzeug ist dafür ideal gewählt.

Mein Kumpel und ich haben was ganz ähnliches vor. Innerhalb von 14 Tagen die Britischen Inseln mit nem alten englischen Roadster zu bereisen.

Schottland kenne ich von ner Exkursion mit dem ehem. Semester inkl. Geister suchen und alte englische Schlösser exakt jahreszeitlich einzuordnen.

Dein Artikel gibt mir Aufwind, das mal demnächst zu konkretisieren. :)


18.09.2011 16:48    |    UHU1979

Danke für das positive Feedback zum Bericht.

@Fresco: Einen Aston Martin zu mieten ist etwas teurer als so ein Morgan. Steht aber auch auf meiner ToDo-Liste (zumintest ein aktuelles Modell).

Wer direkt an Oldtimern interessiert ist, da gibt es einige Anbieter, z.B. http://www.vintage-classics.co.uk/index.html

 

@Goify: 14 Tage sind da aber schon etwas knapp für ganz England. Aber Spaß macht das schon, zumal selbst England ein paar schöne Landschaften zu bieten hat (z.B. Dartmoor).


18.09.2011 18:34    |    der_Derk

Viel stilvoller geht es wahrlich nicht - guter Vorschlag für den nächsten Urlaub, die einzige Alternative wäre aus meiner Sicht noch etwas in der Richtung Land Rover Serie II. Gibt es notfalls auch als Cabrio... ;)

 

Danke für Bilder & Bericht :)


18.09.2011 19:51    |    tomato

Zitat:

Klasse geschrieben und ein super Bericht mit feinen Bildern.Du hast die Stimmung perfekt eingefangen!

 

Zitat:

Gäbe es für einen solchen Trip ein geeigneteres Fzg.? Wohl nur noch wenige …

 

Völlig richtig,vieleicht noch ein E-Type oder einen Caterham

Genau daran dachte ich natürlich auch als Erstes.

Und auch im Caterham wird man beim Durchfahren einer Pfütze nass, ohne Stecktüren noch viel mehr als mit. ;)

 

So ein Morgan ist aber auch wirklich klasse, auch wenn ich bislang nur mit der Vierzylinderversion das Vergnügen hatte, das reichte aber auch vollends.

Wer sowas noch nicht erlebt hat, der weiss gar nicht, was ein echter Roadster wirklich ist.


18.09.2011 20:00    |    Spurverbreiterung17812

Ein absolut grandioser Wagen! Einer meiner absoluten Favoriten von der Insel! Da kann man wirklich nur neidisch werden. Erst heute rollte an einer Kreuzung einer an mir (ich in einem ebenfalls puristischen, jedoch nicht ganz so extremen englischen Roadster) vorbei - einfach ein Traum. Noch lieber wär mir allerdings ein +8. Der gute alte Rover V8 ist einfach unvergleichlich, auch wenn er ein paar PS weniger hat. Hoffentlich wird der Wagen noch lange so weiter gebaut und hoffentlich machen ihm nicht irgendwelche Sicherheitsbestimmungen den gar aus...


19.09.2011 22:39    |    UHU1979

Ich würde mich schwer tun, (m)einen absoluten Favoriten unter den britischen Roadstern zu küren. Gerade auch der Triumph Spitfire macht eine sehr gute Figur (und einen super Sound). Mit dem Fahrer dieses Wagens hatte ich ein interessantes Benzingespräch, als wir auf die Fähre warteten.


Bild

19.09.2011 23:20    |    Spurverbreiterung17812

Der TR3 macht wirlich eine gute Figur. Die Form mit den tief ausgeschnittenen Türen ist einfach genial. Der Spiti MK II ist auch sehr schön.

Der Morgan ist zumindest was die neuen Autos betrifft mein absolutes Traumauto. Vor allem finde ich auch die Firma Morgan mit ihrer klaren und unverwechselbaren Firmenphilosophie sehr sympathisch. Wo in der Autowelt gibt es denn so etwas sonst noch? Nirgends! Und das macht Morgan einzigartig.

Neben den allseits bekannten und natürlich wunderschönen Roadstern von Jaguar, MG, Triumph und Austin Healey gefallen mir vor allem auch die "Plastikbomber" sehr gut. Der bekannteste hier ist mit Abstand der Lotus Elan, doch es gibt noch soviel mehr! Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen eine Ginetta G33 zu bewundern und kurz darin Platz zu nehmen - ein wirklich wundervoller und einzigartiger Wagen den kaum jemand kennt. Auch die diversen TVR Roadster, von denen ich einen mein Eigen nenne, sind wunderschöne Wagen und momentan sind vor allem die Modelle der 80er preislich ein echter Geheimtipp!


19.09.2011 23:29    |    UHU1979

Morgan ist zu recht Stolz auf ihre 102-jährige Familientradition und die handwerkliche Fertigung ihrer Fzg. Das ist handwerkliches Können, gelebte Tradition und Individualität. Welch ein Unterschied zu den Großserienwerken in Sindelfingen, Dingolfingen und Wolfsburg. Darüber werde ich demnächst einen Artikel machen.

 

Den Ginetta G33 kenne ich gar nicht; bei den britischen Roadstern, besonders von den kleineren Herstellern, fehlt mir noch der vollständige Überblick.


20.09.2011 12:44    |    Spurverbreiterung17812

Ich glaub bei den Unmengen an klein und kleinst Herstellern einen vollständigen Überblick zu bekommen ist so gut wie unmöglich.:D

Die G33 ist ein kleines 2 Sitziges Vehikel, das es sowohl fertig montiert, als auch als Bausatz zu kaufen gab. Es hat einen Gitterrohrahmen und eine GFK Karosserie, sowie einen 4L Rover V8 Motor. Im Prinzip also ähnlich wie TVR, nur noch um eine Nummer puristischer. So hat die Ginetta z. B. keine el. Fensterheber wie ein TVR, sondern nicht einmal Kurbelfenster! Hier muss man noch ganz klassisch die Steckscheiben aus einem der beiden (!) Kofferräume holen und danach das Verdeck recht umständlich über ein paar Stangen spannen und mit Druckknöpfen fixieren. Das Ding ist flach wie eine Flunder und hat vor allem mit geschlossenen Schlafaugen eine absolut geniale Form!


20.09.2011 15:26    |    UHU1979

Vielen Dank für die Erläuterung.


20.09.2011 21:04    |    Fensterheber15352

Neid ist eine menschliche Schwäche, die ich normalerweise zu unterdrücken versuche. Ich muß gestehen, daß es mir in diesem Fall besonders schwer fällt. So stilvoll durch die Midlands zu cruisen ist sicher einfach großartig. Und meiner Meinung nach ist genau das Fehlen der sonst üblichen Features das Geheimnis der Faszination an solch einem Wagen - Stichwort Purismus. Tolle Bilder und wie immer toll geschrieben. Vielen Dank, Uhu!

 

P.S.: Dabei fällt mir gerade ein, daß ich noch von meinem verlängerten Wochenende in England (Mitte Juli) einen Reisebericht schreiben wollte ...


20.09.2011 21:27    |    UHU1979

Ich danke für das positive Feedback.

 

Genau diesen Purismus zu erfahren - von einigen wird dies ja als Essenz eines Roadsters gesehen - machte auch den Reiz dieser Ausfahrt aus. Und als Sahnehäubchen merkt man, wie man damit eine alte Tradition zelebriert. :cool:


29.12.2011 14:21    |    Trackback

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04.05.2015 18:03    |    Trackback

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[...] Bentley Roadster waren damals eher luxuriös. In den Tiefen dieses Blogs gibt es auch einen Bericht zum Morgan Roadster. Aus meiner Sicht gibt es 2 Gründe für das Verschwinden dieser Fzg.:

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Deine Antwort auf "Die Legende von Malvern Links: Der Morgan Roadster – Mit dem Herzen gefahren"

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