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Blog des Uhus

Was für mich den Reiz des Autofahrens ausmacht ...

06.06.2011 22:41    |    UHU1979    |    Kommentare (22)    |   Stichworte: Berlin, Museum, Reise, Reisen, Vergangenheit

 

Hallo,

 

die deutsche Geschichte ist ja recht – nun ja – komplex, insbesondere wenn man neben politisch/militärischen Komponenten die Technik mit betrachtet. Beziehungsweise, wenn man Technik im politisch/historischen Kontext betrachten sollte. Deutlich wurde das beim Besuch des Luftwaffenmuseums in Berlin-Gatow. Der Eintritt ist übrigens frei.

 

Was Einen offensichtlich erwartet: Jede Menge alter Flugzeuge und andere Exponate sind auf dem alten Flugplatz, teils im Hangar, teils auf dem Flugfeld ausgestellt. Beim Anblick des Flugfeldes kommt fast der Gedanke auf, es handelt sich um die kalte Reserve der Bundesluftwaffe. Bei den im freien stehenden Flugzeugen ist auch eine sehr authentische Patina in Form verwitterter Bemalung oder übermalter Hoheitszeichen vorhanden, welche zeigt, dass es sich um historische Originale handelt.

 

Wie aber eingangs erwähnt, ist die Thematik aber komplexer.

Das Museum widmet sich der Geschichte der militärischen Luftfahrt in Deutschland seit 1884, begonnen mit Ballons des kaiserlichen Heeres und endet mit Exponaten aktueller Maschinen der Bundesluftwaffe wie dem Tornado. Somit ist eine Reihe von Exponaten, z. T. als Nachbauten, aus der Zeit der beiden Weltkriege ausgestellt. Der Fokker-Dreidecker, Junkers Ganzmetall-Flugzeug, Messerschmidt Bf.109 und Me 163 sowie weitere Exponate wie ein Lastensegler aus dem 2. Weltkrieg sind dabei hervorzuheben.

 

Der Schwerpunkt liegt jedoch bei der Zeit nach 1945. So sind zahlreiche Maschinen wie Starfigther, F-84, F-86, Fiat G. 91, BO-105 etc., welche die Geschichte der Bundesluftwaffe begleiteten und prägten, ausgestellt.

Sehr gut gelungen ist die Gegenüberstellung der Technik und der Entwicklung der beiden sich gegenüber stehenden Kräfte in der Zeit des kalten Kriegs. So sind die Typen der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der Nationalen Volksarmee der DDR ebenfalls in großer Vielzahl vertreten (MiG-15, 17, 21, 23, 29, Suchoi SU-22, L-29 und L-39 sowie natürlich die Hubschrauber wie Mi-8 und Mi-24).

Interessant ist der Aspekt der Eingliederung der NVA, man kann es auch Abwicklung nennen, nach der Wiedervereinigung.

Als positiv bemerkenswert ist zudem der teilweise selbstkritische Unterton zu erwähnen, was auch die Nachkriegsgeschichte der Bundesluftwaffe betrifft. Vom berüchtigten Starfigther sind wohl auch deshalb mehrere Exemplare ausgestellt.

 

Nun ist Geschichte etwas, was durch Handeln und Wirken von Personen entsteht. Dies findet sich durch die Ausstellung von Uniformen ebenso wieder wie eine kritische Würdigung prägender Personen wie Richthofen (Manfred und Wolfram), Boelcke, Göring, und Steinhoff. Vereinzelt gibt es auch typische Biografien einzelner Soldaten, die den historischen Kontext veranschaulichen.

 

Man sieht, viele kleine Details, die sich sicherlich nicht bei einem erstmaligen Besuch zu würdigen wissen lassen, runden die Ausstellung ab, so die Überreste eines abgestürzten Flugzeugs oder Ausrüstungsgegenstände.

 

Was aus meiner Sicht etwas zu kurz kam, war das Thema Luftbrücke (Ja, ich weiß, ist kein Kapitel der deutschen Luftwaffe, gehört aber irgendwo dazu.), die entsprechende Ausstellung bestand nur aus Fotos, Text und einem – zugegebenermaßen beeindruckenden – Diorama. Exponate der damals eingesetzten Flugzeuge wären sicherlich eine anschauliche Ergänzung gewesen, zumal Gatow einer der beteiligten Flugplätze war. Überhaupt kommt dem Thema Transportflieger eine untergeordnete Rolle zu, obwohl sie – als Beispiel seien neben der Luftversorgung Stalingrad und Eroberung Kretas auch die aktuellen Herausforderungen der Bundeswehr bei globalem Engagements genannt – ein wichtiger Teil der Luftwaffengeschichte sind. Laut Website soll das Museum ja einige entsprechende Maschinen besitzen, aber die haben sich erfolgreich vor mir versteckt – quasi gut getarnt. Zudem war der Hangar 7 mit dem Schwerpunkt Bundesluftwaffe geschlossen, was auch eine Reihe von Fragen offen ließ.

Zudem erscheint es, dass das Thema „Leiden der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe“ in erster Linie als Folge der Alliierten Luftangriffe im 2. Weltkrieg behandelt wird.

 

Ein weiterer Kritikpunkt besteht für mich in der teilweisen schlechten Gliederung. So sind zwar vom BMW-Flugmotor der ersten Stunde (Reihensechszylinder, was sonst? :D) über Triebwerke aus der Zeit des zweiten Weltkriegs (u. a. des Raketentriebwerk einer Me 163) bis hin zu Düsentriebwerken sehr interessante Exemplare ausgestellt, aber an unterschiedlichen Orten. Auch die Exponate der Luftverteidigung – die legendäre Acht-Acht fehlt ebenso wenig wie modernen Abwehrraketen – sind nicht zusammenhängend bzw. teilweise überhaupt nicht dokumentiert, was die Entwicklung schlecht nachvollziehen lässt.

 

Dennoch lohnt der Besuch in jedem Fall, da es unterschiedliche Aspekte zu erleben gibt. Und zur deutschen Geschichte kann man eins nicht sagen: Das sie langweilig ist.

 

Ein paar Eindrücke geben die Bilder in der Galerie wieder.

Vielen Dank fürs Lesen.

 

Schöne Grüße,

der Uhu

_________________________________

Bilder entfernt auf Wunsch von UHU1979


07.06.2011 00:18    |    tino27

Boar. Ne 8-8 und Fieseler Storch. Mit dem Storch ist der Rommel in Nordafrika rumgeflogen.

 

Die 88er ist schon eine gewaltige Kanone. Obwohl sie wohl mehr als Panzerabwehrkanone gefürchtet wurde. Nicht umsonst haben Jagdpanther und Tiger diese später als Hauptbewaffnung erhalten.

 

Was ich auch beeindruckend finde, das sich die ersten Jäger nicht den Propeller abgeschossen haben. So ein Propeller dreht ja auch nicht langsam und dann ein Mechanismus zu entwerfern, der quasi das MG blockiert, wenn der Flügel vorbeifliegt - genial.

 

Beeindruckend auch der Hind. Ich mag diese fetten Kampfhubschrauber. Fliegende Festungen.


07.06.2011 00:52    |    Provaider

Die Teilung Deutschlands hatte von der Technickseite betrachtet den Vorteil das man in Sowjet Technik besitz gekommen ist die funktionstüchtig ist und die Leute und Informationen dazu ebenfalls. Bestimmt mal interessant dort rumzustöbern, wenn ich mal in Berlin bin un Zeit habe werde ich mir das merken.


07.06.2011 08:38    |    saurer Kraut

Sehr interessant, dann werd ich mal nach Berlin fahren müssen. Gibts dort auch eine ME262? Sonsten ist ne 109er ja auch toll :)


07.06.2011 08:49    |    Lewellyn

Das ein Starfighter fliegen kann, wundert mich bis heute. ;)

 

Sehr schöne Bilder. :)


07.06.2011 09:16    |    surversilver

Vielen Dank für diesen interessanten Blogartikel, das Museum steht ab sofort auf meinem Plan :)


07.06.2011 10:29    |    olibolli

klase bericht.

 

werde es mir auch mal im september anschauen, wenn ich in berlin bin...

 

 

gruß


07.06.2011 10:43    |    Hellhound1979

Kommt dann mal auf meine Museumslist. :)

 

Auch zu empfehlen sind die Technikmuseen in Sinsheim und Speyer sowie die Wehrtechnische Sammlung in Koblenz und das Panzermuseum in Munster.


07.06.2011 11:20    |    GTI-2

Also auf Grund deines Berichtes, musste ich nun endlich mal wissen wie das mit dem "durchschießen durch den Propeller" funktioniert.

 

Man das ist ja ein System... Wie man auf sowas kommt ist mir einfach unbegreiflich :D Vlt. ist mein IQ einfach zu niedrig, aber ich wäre nie im Leben auf so ein System gekommen :D


07.06.2011 11:25    |    Lewellyn

Die Engländer hatten erst stahlummantelte Propeller. Da wurden die Kugeln, die den Propeller trafen, einfach hingenommen. Deswegen gabs auch ein Flugzeug, fällt mir nur der Name nicht ein, das hatte eine MG auf der oberen Tragfläche und eins vorm Propeller. So dass zumindest ein MG ungehindert schießen konnte. Die Kugeln "trafen" sich dann etwa 45 Meter vor dem Flugzeug. Was auf die Nähe bei den damaligen Luftkämpfen schließen läßt.

 

Erst ab April 1916 hatten die Alliierten mit der Sopwich 1 ein Flugzeug mit einem synchronisierten MG.


07.06.2011 12:05    |    Daemonarch

@tino

 

Zitat:

Was ich auch beeindruckend finde, das sich die ersten Jäger nicht den Propeller abgeschossen haben. So ein Propeller dreht ja auch nicht langsam und dann ein Mechanismus zu entwerfern, der quasi das MG blockiert, wenn der Flügel vorbeifliegt - genial.

Ganz simpel über kettensynchronisation... Wie bei den Ventilen, Propeller wech, Peng!


07.06.2011 17:34    |    Provaider

Es gab auch mal ein Deutsches Flugzeug, das hatte ein MG in der Probeller mitte. Das hatte eine Hohlwelle, das konnte dann damit immer schießen. Deshalb hat man die ja auch später auf die Flügelmontiert, da stört der Propeller nicht ;)


07.06.2011 17:45    |    UHU1979

Schön, wenn ein Artikel Interesse an technischen Details aufwirft. Zum Thema synchronisierte MG verdeutlicht der Wikipedia-Artikel zum Unterbrechergetriebe http://de.wikipedia.org/wiki/Unterbrechergetriebe die Funktionsweise. Im 1. WK war halt alles noch mechanisch, erst später wurden elketromechanische Lösungen entwickelt.

 

 

@saurer Kraut: Nein, in Originalgröße sind im Wesentlichen nur die Me163 und Bf 109 da, der Me 262 und Ar 234 widmet sich das Museum nur über Schautafeln und kleineren Exponaten.

 

@Hellhound1979: Jetzt, wo du es erwähnst, Munster steht auch weit oben auf meiner To-Visit Liste.


07.06.2011 17:51    |    UHU1979

@provaider: Das faszinierende ist, dass bei vielen Exemplaren die Geschichte deutlich wird. Die übermalten und verblassenden Hoheitszeichen fand ich daher am beeindruckensten, da sie die Geschichte erzählen. Die SU im Anhang z.B. wurde als ägyptische Maschine vorgestellt, die der Geheimdienst kaufen konnte, um eben die Sowjettechnik zu analysieren.


Bild

12.06.2011 17:23    |    Antriebswelle12765

Nun kennen wir das Museum Dank des Uhu`s auch und brauchen nicht mehr dorthin zu fahren! :)


12.06.2011 17:46    |    UHU1979

Zitat:

Nun kennen wir das Museum Dank des Uhu`s auch und brauchen nicht mehr dorthin zu fahren!

Schön, wenn der Blog auch zur Weiterbildung/Erweiterung des Horizonts beitragen konnte und sogar einen Museumsbesuch ersetzen kann.


17.06.2011 20:56    |    Reifenfüller34384

Hallo ist das hier nicht etwas fürs Flugzeug Forum ?

Wer mal live Flugzeug Motoren in alten Autos verbaut und fahren sehen möchte , sollte die Brazzeltage in Speyer besuchen . 45L mit nur 500 PS fahren im "Brutus" oder im Maybach Rennwagen die Startbahn auf und ab. Red Bull war mit einer Corsair F 4U zu Gast und das brazzelt auch.

Zur Me 262, da gibts nur noch oder wieder eine in Europa , welche im Besitz der Messerschmitt Stiftung Manching ist . Die sieht man eher selten. Bomber wie B25 Mitchel B 17oder P 51 Mustang und Focke Wulf 190 sieht man auf ausländischen Airshows öfter . Da ich oft dort bin lasse ich mich immer vom Sound dieser Flugzeuge begeistern.

Auf dem Bild ist diese Me 262 in Berlin zu sehen . Die Fotos sind alle von mir gemacht.


17.06.2011 20:59    |    Reifenfüller34384

Brutus mit Konny Reiman , der aus Texas...


17.06.2011 21:08    |    Reifenfüller34384

Corsair...B 25 Mitchel und eine B17 !

weitere Bilder von Top Flugzeugen findet ihr hier


17.06.2011 21:34    |    UHU1979

Danke für die interessanten Beiträge und Links.

@Mikki07: Die Bilder sind umwerfend, insbesondere die B17 im vorletzten Bild. So ein Level möchte ich auch mal erreichen


17.06.2011 21:55    |    Antriebswelle12765

Das sind ja auch professionelle Foto`s mit entsprechender Ausrüstung gemacht.


18.06.2011 10:07    |    netsurfer

Schöne Fotos,

warum hast nicht mal was gesagt, wohne fast ums Eck und wir hätten uns mal kennen lernen können ;-)

Übrigens war ich auch schon dort um Fotos zu machen, ist immer wieder eine Foto-Session wert ;)

Habe mir erlaubt auch mal 4 Fotos mit anzuhängen, diese sind im Frühjahr 2009 entstanden.

 

Gruß Chriss



18.06.2011 10:34    |    UHU1979

Das konnte ich doch nicht ahnen. ;)

Für Fotos ideal ist, dass man recht nah an die Maschinen herankommt. Deine Bilder sind auch gelungen.


Deine Antwort auf "Der Schatten der Vergangenheit"

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