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Bedaleins kleiner Blog

Wenn Gott gewollt hätte, dass Autos sauber sind, wär Spüli im Regen...

07.02.2009 01:21    |    Bedalein    |    Kommentare (14)

Liebe Blogleser,

 

danke erstmal für das Lob, das ich die letzten Tage erhalten habe. Daher zögere ich nicht weiter und setze gleich noch einen drauf.

 

Trockenheit ist nur eine FolgeTrockenheit ist nur eine FolgeHeute spreche ich die direkten Folgen des CO2 Anstiegs an. Fangen wir mit einem Begriff an, der die Klimadiskussion gestartet hat: Globale Erwärmung.

Gibt es die globale Erwärmung oder ist es Zufall, dass es in der beobachteten Zeitperiode wärmer ist? Die von den Menschen dokumentierten Temperaturen seit 1900 sagen, dass die Temperatur im globalen Mittel um 0,7°C angestiegen ist. Ich möchte betonen, dass lokale Effekte, wie das Wachsen der Städte um Wetterstationen dabei herauskorrigiert wurden. Ebenso wird nicht nur am Land gemessen sondern auch zur See. So werden seit langem Datensätze von Messreihen erstellt, die von einem großen Netz von Schiffen durchgeführt werden.

Neben den Temperaturmessungen bestätigen auch andere Trends indirekt die Erwärmung, so etwa der weltweite Gletscherschwund, das Schrumpfen des arktischen Meereises, das im Jahreslauf zunehmend frühere Tauen und spätere gefrieren von Flüssen und Seen und das frühere Austreiben von Bäumen.

Bis 2050 ist, unabhängig von verschiedenen Szenariorechnungen gezeigt, bei anthropogenen Emissionen mit einer weiteren Erwärmung um 1°C zu rechnen. Solche Szenarien werden speziell für den IPCC (International Panel on Climate Change) erstellt und im "Special Report on Emission Scenarios" beschrieben. Sie sind als SRES-Szenarien bekannt und decken die ganze Bandbreite von ökonomisch plausiblen künftigen Entwicklungen ab. In diesen Szenarien wird bis 2100 ein Anstieg des CO2 auf 540 bis 970 ppm erwartet, was gegenüber dem vorindustriellen Wert von 280 ppm ein Anstieg von 90% bis 250% bedeutet. Berücksichtigt man, dass der Klimawandel auch die Aufnahme von Kohlenstoff negativ beeinflussen kann, so vergrößert sich die Spanne von 490 bis 1260 ppm. Der Strahlungsantrieb variiert dabei zwischen 4 und 9 W/qm. Das bedeutet, dass wir ohne Klimaschutzmaßnahmen bis zum Jahr 2100 eine anthropogene Erwärmung von 2° bis über 6°C rechnen müssen. Selbst bei sehr optimistischen Annahmen über die künftigen Emmisionen wird die Erwärmung mindestens das Dreifache dessen betragen, was wir im 20. Jahrhundert erlebt haben. In den pessimistischen Fällen werden die mittleren Temperaturen sich um 15° bis 20° C erhöhen, so wie es seit Jahrmillionen nicht mehr der Fall war, aber das wäre schon sehr extrem.

 

Alles in allem ist die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre seit ca. 1850 stark angestiegen, so dass wir den für Warmzeiten typischen Wert von 280 ppm um 100 ppm überschritten haben. Für diesen Anstieg ist Zweifels ohne der Mensch verantwortlich, so dass sich im globalen Mittel die Temperatur im 20. Jahrhundert um 0,7° C, in Deutschland sogar um 1°C erhöht hat, der Anstieg der globalen Temperatur um 1,4° C bis 5,8° C ist sehr wahrscheinlich.

 

Nun, jetzt mag mancher sagen: "1°C Temperaturerhöhung, das ist doch nichts! ob im Sommer 22° oder 23° ist egal". Das wäre allerdings sehr naiv. Selbst 1°C haben eine enorme Änderung zur Folge!

 

 

 

Damit komme ich nun zu den Auswirkungen der Temperaturerhöhung beziehungsweise Klimaänderung:

 

Gletscher von 100 JahrenGletscher von 100 JahrenDie regionalen Auswirkungen des Klimawandels hängen stark von der ozeanischen und atmosphärischen Zirkulation ab. Veränderungen können z.B. eine Änderung der Zugbahnen von Tiefdruckgebieten oder der vorherrschenden Windrichtung zur Folge haben und somit regional Temperatur und Niederschlag verändern. Daher sind regionale Änderungen stärker als die globalen. Eine moderate Zunahme des CO2 begünstigt zwar das Waldwachstum, eine zu starke Änderung löst Waldsterben aus. Durch den vermehrten Wasserabfluss der schmelzenden Gletscher nehmen die Wasserpegel vorerst zu, nach dem Verschwinden der Gletscher werden sie versiegen. Selbst der Gletscher des Kilimandscharos in Tansania, dessen Bohrungen 11.700 Jahre zurück reichen, zeigt dass die Gletscher während der aktuellen Warmzeit der letzen 10.000 Jahre nicht verschwinden konnten. Mit der aktuellen Erwärmung wird er 2020 nicht mehr existieren. Weltweit ist ein Gletscherschwund zu sehen, was die Bilder darstellen.

 

Gletscher heuteGletscher heuteEbenso ist der Rückgang des arktischen Meereises spürbar, der keine natürliche Ursache hat. In den Vergangenen 30 Jahren ist seine Fläche um 20% zurück gegangen. Ein deutliches Beispiel ist der Zusammenbruch des Larsen Schelfeises der Arktis. Die Dicke des Eises ist ebenfalls zu berücksichtigen, was sich im Gegensatz zur Fläche schlecht messen lässt. So wurden nach dem Ende des kalten Krieges ehemals geheime U-Boot-Messungen veröffentlicht, die für militärische Zwecke waren. Sie belegen, dass die Dicke des Eises bereits um 40% zurück gegangen ist. Gegen Ende unseres Jahrhunderts könnte das arktische Meer in den Sommermonaten eisfrei sein. Hält der Trend der letzten Jahrzehnte an, könnte dies bereits zu Mitte des Jahrhunderts der Falls sein. Die Energiebilanz würde noch mehr gestört, da das helle stark reflektierende Eis durch dunkles Wasser ersetzt werden würde, was die Erwärmung noch zusätzlich erhöhen würde. Permafrostböden würden tauen, Abhänge werden instabil, was zu Bergstürzen und Murenabgängen führen würde. Ein Beispiel dafür ist der Abbruch von rund 1000 Kubikmetern Gestein am Matterhorn im Hitzesommer 2003, bei dem rießige Gesteinsbrocken ins Tal fielen.

 

In polaren Regionen sind ganze Infrastrukturen im Permafrost verankert. Würde der Boden tauen, würden Häuser, Straßen und Ölpipelines versinken, zu dem würden Seen versickern, die sich im Sommer oberhalb des Permafrostes bilden und Tier und Mensch als Trinkwasserquelle dienen.

Das massive Grönlandeis könnte schon bei global 2°C Erwärmung allmählich und mit zunehmender Geschwindigkeit schmelzen, da beim Abschmelzen der Pegel der Eisoberfläche in wärmere Luftschichten absinkt. Die geschmolzene Menge des Grönlandeises würde einen Anstieg des Meerespegels um 7 Meter bedeuten, küstennahe Städte sind davon bedroht. Der Westantarktische Eisschild entspricht 6 Metern Höhenunterschied, der Ostantarktische Eisschild sogar 50 Meter. Ebenso darf die thermische Ausdehnung des Wassers nicht vernachlässigt werden, wenn sich das Meer erwärmt. Selbst wenn die CO2-Konzentration bei 450 ppm stabilisiert werden würde, würde man den Verlust tiefliegender Inselstaaten und zahlreicher Küstenstädte riskieren. Zudem würde die große Süßwassermenge eine verheerende Auswirkung auf das Klima haben: Normalerweise sinken riesige kalte Wassermengen im europäischen Nordmeer in die Tiefe und ziehen warmes Wasser vom Süden nach. Das kalte Wasser folgt in ein bis zwei Kilometern Tiefe dem Sog nach Süden. So entsteht eine gigantische Umwälzbewegung im Atlantik, die etwa 15 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewegt.

 

Die nördlicheren Breiten, zu denen wir auch gehören werden dadurch stark gewärmt, südliche wärmere Regionen gekühlt. Diese Bewegung ist Teil der weltumspannenden thermohalinen Zirkulation, wie sie das Bild zeigt. Durch die globale Erwärmung kann dieser Effekt auf zwei Arten gestört werden: Die Erwärmung verringert die Dichte des Meerwassers durch thermische Ausdehnung, süßes Schmelzwasser erzeugt durch die Verdünnung des Salzwasser denselben Effekt. Dies erschwert das Absinken des Meerwassers im nördlichen Atlantik, der Nordatlantikstrom könnte komplett zum Erliegen kommen, der Wärmestrom würde versiegen, was eine rasche relative Abkühlung um einige Grad im Nordatlantikraum zur Folge hätte. Andersherum würde sich die Südhalbkugel umso stärker erwärmen. Der Meeresspiegel würde ohne Verzögerung um einen Meter steigen, auf der Südhalbkugel etwas fallen, allein durch die dynamische Anpassung an die veränderte Strömungssituation. Der tropische Niederschlagsgürtel würde sich aufgrund der Strömungsänderung verschieben, wenn die Wärmeverteilung derart gestört werden würde. Am direktesten wären die Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung des nördlichen Atlantiks, der heute dank der Tiefenwasserbildung zu den fruchtbarsten Meeresgebieten und ertragreichsten Fischgründen der Erde gehört.

Hochwasser in DeutschlandHochwasser in DeutschlandWetterextreme wie Stürme, Überschwemmungen oder Dürren werden zum Alltag

gehören. Einige Trends zeichnen sich bereits ab, wie etwa Oderflut 1997, Elbeflut 2002 und die Rekordniederschläge im Alpenraum 2005. Die bei der Elbeflut gemessenen Niederschläge mit 353 mm waren die höchsten über 24h gemessenen Niederschläge in Deutschland. Der bei Dresden gemessene Höchstpegel war der höchste seit Beginn der Messungen im Jahr 1275. Der Hitzesommer 2003 gilt nach Angaben der Münchner Rückversicherung als größte Naturkatastrophe Mitteleuropas mit etwa 25.000 Todesopfern. So mussten in Deutschland einige Kernkraftwerke mangels Kühlwasser ihre Leistung reduzieren, eines musste komplett deaktiviert werden. Hurrikan Katrina ist ein weiteres Extrem, ebenso Hurrikan Wilma und Vince, sowie de Tropensturm Delta. Teilweise bewegten sie sich bereits auf Europa zu.

 

Steinschlag am MatterhornSteinschlag am MatterhornUm diesen Text nicht noch mehr in die Länge zu strecken höre ich an dieser Stelle auf.

Im nächsten Beitrag werde ich schreiben, welche Folgen die globale Erwärmung um 1°C, um 1° bis 2° und die Erwärmung von 2° bis 3° und über 3°C zur Folge hätten.

 

 

 

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir schonmal vorweg sagt, was ihr vermutet, was die Folgen wären? Weil was sind schon drei Grad? Spürt man doch kaum! ;)


07.02.2009 01:23    |    Trackback

Kommentiert auf: andyrx:

 

MT-Nachtclub für MT Off Topic zu später Stunde

 

[...] So? Erzähl! Weißt Du mehr als ich?

Wo ist das Früchtchen eigentlich hin?

 

 

Hab jetzt übrigens noch schnell meinen nächsten Blogartikel veröffentlicht

[...]

 

Artikel lesen ...


07.02.2009 10:07    |    Olli the Driver

Klasse Artikel, vielen Dank für die Mühe. Ist so auch für einen Laien verständlich geschrieben und angenehm kompakt gehalten.


07.02.2009 10:27    |    KKW 20

Echt guter Artikel. Ich hoffe das sich noch mehr den Blog hier durchlesen, im Moment ist leider recht wenig los.


07.02.2009 12:32    |    Bedalein

Danke Euch!

Wenns nur ein paar lesen, bin ich schon zufrieden!!


07.02.2009 20:20    |    borstelnator

Hammer Artikel Beda!!!

Wirklich gut geschrieben und sehr verständlich gemacht auch wenn ich nicht alles glaube;)!! Wenn die ersten Mrd. an Todesopfern durch Umweltkatastrophen erledigt ist, benötigen wir auch weniger Energie und Nahrung, so wird sich die Erde von alleine wieder regenerieren(provokant aber war:rolleyes:). Ich habe neulich einen Vortrag besucht, wo es um Welternährung im Zuge der Klimawandlung geht. Maximal kriegen wir 15Mrd durch, optimal wäre 2-3Mrd. es war markaber wie wertfrei der Prof. das vorgetragen hat!!!

Mit der Meeresspiegelerhöhung bin ich nicht einverstanden, da hab ich nicht soviel puffer:D:D

 

Gruß Borstel


07.02.2009 21:37    |    XC70D5

Wer meinen Kommentar wissen will, der lese meine vorherigen zu dieser Reihe, ich wiederhole mich eh nur ;)

 

 

Gruß

 

Martin


08.02.2009 00:14    |    andyrx

toller Artikel und viel Erfolg...;)

 

mfg Andy


08.02.2009 01:29    |    Bedalein

Danke Andy.

 

@Borstel: Bei dem Vortrag wäre ich gerne dabei gewesen. Früher oder später wird sich die Erde erholen und sich nehmen was ihr gehört.

Aber wieso müssen wir es erstmal soweit kommen lassen? Das was wir auf der Erde an Fauna und Flora haben ist so einmalig. Das sollte man nicht riskieren. Wir können in unseren kurzen Leben nicht viel anrichten, aber die Leute sollten etwas sensibler werden, um zu merken wie sehr wir von der Natur abhängig sind. Jetzt beklagt sich keiner, da die Auswirkungen geringen sind.

Aber mal im Ernst, Borstel, was machst Du, wenn das Meer kurz vor Deiner Tür steht? Ist es das nicht wert, Prävention zu betreiben? Küstennahe Regionen sind ja nur ein Beispiel. Betroffen ist JEDER. Stichworte: Hochwasser oder Dürre, extreme Kälte, enorme Hitze. Wir sind zu verwöhnt, als das wir uns das wirklich vorstellen können...


08.02.2009 12:12    |    borstelnator

@ Beda

das Meer steht schon vor meiner Tür;) und hoffe es kommt noch ein bißchen höher, dann kann ich die neue Terasse gleich in eine Seebrücke übergehen lassen:D:D:D und ein Sportboot guck ich mir nächste Woche eh an, womit der Arbeitsweg gesichert wäre:cool::cool:!!

 

leicht überspitzte Grüße

Borstel


08.02.2009 12:43    |    Bedalein

Mmh. Dann weiß ich, wo ich in Zukunft meinen Badeurlaub buche! So n Boot hat schon was..


08.02.2009 14:04    |    borstelnator

Mai paßt gut!! Ich brauch noch Hilfe bei der Terasse;);) Und wenn wir bis Mitte Juni fertig sind, ist auch das Wasser warm:D:D!!


08.02.2009 14:43    |    Bedalein

Also hat der Klimawandel doch seine Vorteile! Vielleicht wachsen bei Dir ja auch demnächst Palmen..


08.02.2009 16:59    |    XC70D5

Jetzt würde mich ja doch mal interessieren, wo Borstelnation liegt?

 

 

Gruß

 

Martin

 

Bootssteg am Haus hat schon was, nur nicht in den Alpen...


09.12.2009 18:57    |    Trackback

Kommentiert auf: andyrx:

 

Klimawandel--->eine Erfindung oder reale Bedrohung...??

 

[...] Klimagespräch zu geben, verweise ich mal auf meine Blogartikel vom letzten Jahr:

 

Klimawandel Teil 1: Klimaarchive

 

Klimawandel Teil 2: Treibhausgase

 

Klimawandel Teil 3: Folgen des Klimawandels

 

Klimawandel Teil 4: Das Kyoto-Protokoll oder: Wie man [...]

 

Artikel lesen ...


Deine Antwort auf "Klimawandel Teil 3: Folgen des CO2 Anstiegs und Auswirkungen der Klimaänderung"