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Sat Nov 25 23:49:56 CET 2017    |    Trontir    |    Kommentare (188)    |   Stichworte: Abwrackprämie, adaptive Dämpfer, Astra, elektronische Dämpferregelung, H, IDS, Opel, Schrottplatz, Umweltprämie, Verschrottung

Mein erster Neuwagen. Individuell zusammengestellt und so ausgewählt, dass er genau meinen Bedürfnissen entsprach. Gehegt, gepflegt und auch getreten. Ja, manchmal. Nun steht er auf dem Schrottplatz. Der Kreis hat sich geschlossen.

 

Was ein Astra in diesem Audi-Blog macht und was ihr daraus mitnehmen könnt, versuche ich in diesem Artikel zusammenzufassen. Besonders für diejenigen, die dieser Tage einen Neuwagen kaufen und die Umweltprämie in Anspruch nehmen wollen, ist der Ablauf hoffentlich interessant. Alle anderen lade ich ein zu einem sentimentalen Abschied von einer Zeit, in der alles besser war. Denn das ist es in der Rückschau zum Glück ja immer! :)

 

Begonnen hat alles im November 2006. Ich war auf der Suche nach etwas, das meinen Astra-G ablösen könnte. Der stand kurz vor den 200.000 km und begann Rost anzusetzen. Da ich jeden Tag ziemlich genau 100 km Arbeitsweg zu fahren hatte und das fast ausschließlich über Autobahn, musste es ein durchzugsstarkes Auto werden, das bevorzugt Kilometer, aber mir nicht die Haare vom Kopf fressen würde. Geworden ist es ein Astra-H mit 1,9 CDTI (Diesel), 120 PS und 280 Nm Drehmoment. Besonderheit war das IDS+ Fahrwerk mit elektronischer Dämpfer-Regelung. Ein Traum!

 

2006 bot Opel dies als erster Hersteller in der Kompaktklasse an. Auf Knopfdruck veränderte sich die Gaspedal-Kennlinie für eine direktere Gasannahme sowie die Dämpferhärte. Heute nennt Audi das Magnetic Ride und Drive Select. Der Astra war allerdings im Vergleich das direktere Fahrzeug: er ließ den Fahrer nie im Ungewissen, was gerade an den Rädern passierte. Wo die Haftgrenze war und wo noch was ging. Man fuhr nicht in einer entkoppelten Blase, sondern hatte ein kommunikatives Fahrzeug, das sich sehr aktiv fahren ließ.

 

Das kann man auch unkultiviert oder vielleicht unkomfortabel nennen. Oder direkt und ungefiltert. Selbst das hohe Gewicht auf der Vorderachse (durch den Dieselmotor) konnte man sich auf der Landstraße in engen Kurven zu nutze machen: beim Einlenken kräftig angebremst, dann wurde die Hinterachse entlastet und das Fahrzeug drehte sich sanft mit dem Heck in die Kurve ein. Einfach nur riesig! Ein fahrdynamischer Traum. Ja, trotz der im heutigen Vergleich relativ geringen Leistung. :p

 

Also bin ich den Astra gefahren. Meist auf der Autobahn. Manchmal auf der Landstraße. Überwiegend lange Strecken: bis er 2016 bei 200.000 km endgültig aus der Neuwagenanschluss-Garantie rausgelaufen ist. Langsam wurde es Zeit, sich nach was Neuem umzuschauen. Bei modernen Autos ist mittlerweile so viel Elektronik verbaut, dass ich Defekte bei der Elektrik, der Einspritz- und Abgasreinigungsanlage oder wie beim Astra den adaptiven Dämpfern nicht allein bezahlen will.

 

Klar, für den Preis eines Neuwagens kann man viel und lange reparieren. Auch auf eigene Kosten. Aber was ist mit Restwert, wenn es zu einem Unfallschaden kommt? Dann ist so ein altes Auto schnell wirtschaftlicher Totalschaden, selbst wenn man keine Schuld hatte und eigentlich der andere für den Schaden aufkommen müsste. Beim Astra betrug der Restwert zuletzt ca. 2.000 EUR. Das hatten mir zwei Händler angeboten.

 

Dann kam der vorletzte Sargnagel: die drohenden Fahrverbote für Euro-4-Diesel. Ich rechne damit, dass das in den nächsten Jahren umgesetzt wird. Inhaltlich ziemlicher Quatsch, aber machen kannste dagegen halt auch nicht viel. Als dann die so genannte "Umwelt"prämie ausgelobt wurde, war der Entschluss gefasst: der Diesel, der auch nach so vielen Jahren immer noch zu begeistern wusste, muss weg. Was für ein Irrsinn, ein funktionsfähiges Auto ohne Mängel zu verschrotten ...

 

Aber so erhielt der Astra einen Platz in diesem Blog und wurde zum Benchmark für den Audi. Klingt absurd? Ja, ich weiß. Manche haben da ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Ein Opel ist halt "nur" ein Rüsselsheimer und kann mit den wahren Premiumfahrzeugen nicht mithalten. Ich bin da eher neutral und schon sehr gespannt, ob der A3 nach 11 Jahren und über 220.000 Kilometern auch noch so frisch dasteht, wie der Astra.

 

Mich begeistert eine Marke nicht durch Versprechen, sondern wenn es diese einhält. Und da ist der Opel zuverlässig, fahraktiv und sogar als Neuwagen recht sparsam gewesen: es wird ja immer viel über Restwert und Wertverlust diskutiert. Bei mir waren es konkret 20.500 EUR Kaufpreis abzüglich der 5.000 EUR "Umwelt"prämie und 150 EUR Ankauf beim Schrotthändler = 15.350 EUR. Macht ca. 1.400 EUR pro Jahr. Oder ca. 7 Cent pro Kilometer. Damit war der Astra wirklich günstig.

 

Auspuff, Turbo, Einspritz- und Abgasanlage (inkl. DPF), elektronische Dämpfer - waren bis zur Verschrottung alles Erstausstattung. Auch das als fehleranfällig verteufelte 6-Gang-Getriebe und die Kupplung haben bis zum Schluss durchgehalten. Besonders überrascht war ich vom Innenraum - dem sah man die Zeit und Kilometer kaum an.

 

Also ab zum Schrott damit! Der Umwelt zuliebe.

 

Wie funktioniert das nun mit der Umweltprämie [bei Audi]?

 

Zunächst mal braucht ihr einen Diesel mit Euro 1 bis 4. Der muss mindestens 6 Monate auf euch zugelassen sein, wenn ihr den Neuen kauft. Aber jetzt noch schnell einen gebrauchten Diesel kaufen und absahnen, geht nicht. Denn der Kaufvertrag muss für die Inanspruchnahme spätestens am 31.12.2017 abgeschlossen werden. Das langt nicht mehr. ;)

 

Die Fristen, auch für die Verwertung des Altfahrzeugs, können je nach Hersteller übrigens variieren. Besser vorher nachfragen! Bei Audi kann die Verwertung ab Kaufvertrag erfolgen. Sie muss aber spätestens 1 Monat (30 Tage) nach Zulassung des Neufahrzeugs abgeschlossen sein!

 

Die Zulassung des Neuen kann bei Audi bis zum 31.12.2018 passieren. Das bietet bei den langen Lieferzeiten genügend Spielraum. (Für Gebrauchtwagen läuft die Zulassungsfrist am 31.01.2018 ab.) Für die Beantragung der Prämie benötigt ihr den Verwertungsnachweis nach §15 FZV. Den kann euch nur ein zertifizierter Entsorgungsbetrieb ausstellen.

 

Das ganze Prozedere war halb so schlimm:

 

Ich bin mit dem Astra zu einem lokalen Autoverwerter gefahren (Fahrrad für den Rückweg im Kofferraum :cool: ), dort wurde der 2-seitige Nachweis ausgestellt. Zusammen mit den alten Kennzeichen, dem Fahrzeugschein und einem Ausweis geht's anschließend zur Zulassungsstelle. Die entwertet die Kennzeichen und trägt die Außerbetriebsetzung im Fahrzeugschein ein.

 

Eine Kopie des Verwertungsnachweises (unterschrieben vom Schrottplatz, der Zulassungsstelle und euch) sowie des entwerteten Fahrzeugscheins reicht ihr dann bei eurem Audi-Händler ein. Wichtig ist die Frist nach Zulassung des neuen Autos! Die Prämie ist bei Audi je nach Modell gestaffelt. Für A1 und Q2 werden 3.000 EUR angeboten, für den A3 5.000 EUR bis hin zum Q7 e-tron, für den es 11.785 EUR sind.

 

e-tron und g-tron-Modelle erhalten eine höhere Prämie. Zuschussfähig sind übrigens auch S-Modelle, allerdings keine RS und kein R8.

 

Was bleibt?

 

Neben dem schnöden Prämien-Mammon die Erkenntnis, dass Neuwagenkäufer rein rechnerisch nicht immer die Dummen sein müssen: der Astra war günstig.

Außerdem die Erfahrung, dass jeder glänzende Neuwagen nach vielen Jahren recht unspektakulär auf die Schrotthalde rollen wird. Man sollte manches daher nicht so wichtig nehmen.

Und zu guter Letzt: genießt ein fahraktives Auto! Die Ära der nicht auf Effizienz getrimmten Verbrennungsmotoren und des selbstständigen Fahrens neigt sich langsam dem Ende zu.

 

In diesem Sinne: ade, Astra!

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Mon Jan 01 14:30:51 CET 2018    |    Xavi4019

Hallo,weiss jemand ob das ausschlachten des alten Wagens erlaubt ist?

 

Lichtmaschine Batterie und Co könnte man ja leicht ausbauen,soweit ich weiss muss der

 

Wagen zum verschrotten nicht fahrbereit sein.

 

Gibt es eigentlich eine Seite wo man seine Postleitzahl angeben kann um zu schauen wo der

 

nächste Verwerter ist,der dann auch die passenden Papiere ausstellt?

Mon Jan 01 14:38:38 CET 2018    |    notting

@Xavi4019: Du bist hier in einem Blog, wo der Blogbetreiber das Thema bestimmt. Und es scheint mir so, als ob das hier nicht für derartige Fragen gedacht ist. An deiner Stelle würde ich im modellspez. Forum fragen -> https://www.motor-talk.de/forum/auto-b3.html und dort so "tief" reinklicken wie es zu deinem Fahrzeug passt. Bzw. würde sogar noch vorher auf die Webseite des Herstellers schauen. Da sollte stehen, dass die Hersteller seit einiger Zeit verpfl. sind ihren alten Autos zurückzunehmen. Keine Ahnung wie da genau die Bedingungen sind. Bzw. ein Schrottplatz kann ja auch einfach die Annahme verweigern wenn ihm das Auto zum Ausschlachten nicht mehr interessant genug erscheint.

Und ich meine, dass es zur AWP-Zeit derartige Diskussionen gab. Vllt. findest du was dazu.

 

notting

Mon Jan 01 14:59:34 CET 2018    |    Xavi4019

Ok Danke !

Deine Antwort auf "Endstation Schrottplatz: wo Träume enden & die Umweltprämie beginnt"

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