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30.04.2017 17:58    |    Trottel2011    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Iron Lady, Jaguar, Spanner, Steuerkette, Steuerkettenspanner, V12, XJS, XJ-S

Hallo Motor-Talker!

 

Stirndeckel und alles Andere noch angebautStirndeckel und alles Andere noch angebautWir wissen alle, dass Motoren, die ein Nockenwellenantrieb haben, welches mittels Spanner (Steuerkettenspanner, Zahnriemenspannrolle usw.) gespannt wird, nicht rückwärts gedreht werden sollen. Das handhabe ich seit ich auf ein 4 Ventilmotor umgestiegen bin penibelst! Beim V8 von Rusty gilt sowieso "ONLY CLOCKWISE!". Wobei da ein Rückwärtsdrehen noch halbwegs verschmerzbar ist, aufgrund der hydraulischen und mechanischen Spanner und weil Ketten im System unterwegs sind.

 

Riemenscheibe gelockertRiemenscheibe gelockertBei der Iron Lady dagegen gibt es nur EINE Kette und EINEN Spanner. Der Spanner funktioniert rein mechanisch über eine sehr steife Feder. Das Problem an der Feder ist, dass sie mit der Zeit SEHR empfindlich wird. So empfindlich, dass selbst das minimale Zurückdrehen der Kurbelwelle (z.B. um den mechanischen Lüfter zu lösen oder um etwaige Schrauben im Riemenantrieb zu lösen dazu führen kann, dass es bricht.

 

Aktuell häufen sich die "Steuerkettenspannerschäden" im US-XJ-S-Forum, weshalb ich, jetzt wo der Motor NOCH draussen ist, nachschauen möchte, ob irgendwann mal meine Kette mal versehentlich rückwärts gedreht wurde. Das kann schnell passieren, sollte zwar nicht, kann aber. Spätestens als ich meine Riemenscheibe abnahm, um den vorderen Simmerring zu tauschen, kann es sein, dass die Riemenscheibe etwas rückwärts gedreht wurde... Ergo kann es sein, dass der Spanner einen "Knacks" weg haben könnte.

 

Stirndeckel gelöst und bereits leicht abgezogenStirndeckel gelöst und bereits leicht abgezogenDamit ich nicht beim Erststart in ca. 12 Monaten (ja, es gibt jetzt ein Zeitplan!) zusammenbreche weil ich das nicht geprüft habe, nehmen wir heute den Stirndeckel ab.

 

Für euch vorab: Technisch ist es gar nicht vorgesehen den Deckel OHNE Zylinderkopfabbau abzunehmen. Theoretisch könnte ich natürlich jetzt die Zylinderköpfe abnehmen, jedoch ist beim V12 immer das Problem gegeben, dass nach ca. 10 Jahren die Stahlstehbolzen (und davon hat der V12 für die Zylinderköpfe MEHR als genug von!) festkorrodiert sind. Man benötigt dann einen "Kopfzieher" aus einer massiven Stahlplatte mit vielen kleinen Schrauben und man braucht UNMENGEN an Rostlöser. Dabei kann es auch vorkommen, dass die Zylinderlaufbuchsen sich bewegen und man dann einen kompletten Neuaufbau der Maschine benötigen würde. Hätte ich Lust dazu? Wenig. Macht es Sinn? Wenig. Will ich es vermeiden? Selbstverständlich! :D Also, zurück zum "Unmöglichen". ;)

 

Fangen wir an, dazu nehmen wir die Riemenscheibe wieder ab. Das ist ziemlich einfach. Die Zentralschraube rausnehmen und damit ist das erledigt. Mit etwas "Mühe" die Riemenscheibe abziehen. Damit ist das dann erledigt... Dann noch das Bypassrohr (wieder). Naja, es wird nach und nach wohl wieder abgenommen und wieder angebaut werden. So langsam bin ich darin geübt! :D

 

Um den Rest abzunehmen müssen wir tricksen. Der Stirndeckel hat links und rechts, zwischen Zylinderkopf und Deckel jeweils 3 Stehbolzen, die entsprechend dem Motoraufbau im 60° Winkel zueinander stehen. Da die Stehbolzen sowieso erneuert werden, zusammen mit den Dichtungen, können wir hier auch die Gewinde "beschädigen" und mit entweder einer Rohrzange oder den englischen "Stilson Wrench" arbeiten. Ansetzen, Stehbolzen rausdrehen und das Ganze 6x Wiederholen.

 

Oberer Abschnitt des KettenspannersOberer Abschnitt des KettenspannersOberer, mittlerer Abschnitt des KettenspannersOberer, mittlerer Abschnitt des KettenspannersSind die Stehbolzen raus, müssen wir die restlichen Schrauben entfernen. Die beiden Schrauben der vorderen Aggregatehalter sind schnell rausgenommen. Es müssen an den Rändern der Wasserpumpe ein paar Schrauben raus. Die Wasserpumpe selbst bleibt aber dran, ich sehe kein Grund das Teil (wieder) abzunehmen. War schon oft genug der Fall ;)

 

Unterer, mittlerer Abschnitt des KettenspannersUnterer, mittlerer Abschnitt des KettenspannersUnterer Abschnitt des KettenspannersUnterer Abschnitt des KettenspannersDamit sind wir schon mal weiter. Noch die 6 unteren Schrauben unterhalb des Stirndeckels abnehmen und wir haben den Deckel ab. Vorsichtig über die Kurbelwelle nach vorne abziehen (abklopfen) und fertig. Es ist ab. Nun können wir schauen, ob der Motor tatsächlich mit einem defekten Spanner umherirrt. Ich hoffe natürlich nicht und wurde nicht enttäuscht!

 

Ich kenne meine Iron Lady. Der Spanner sieht komplett heile aus! Ein paar Mal die Kurbelwelle per Hand durchgedreht um zu schauen, ob da irgendwas klappert oder Geräusche von sich gibt: nichts! Man hätte es spätestens jetzt gemerkt :)

 

Stirndeckel und alles Andere noch angebaut Stirndeckel und alles Andere noch angebaut

 

Also, mein Gewissen ist beruhigt. Die Iron Lady ist motormäßig "gerettet" und ich kann mich wieder etwas zurücklehnen ;) Nur ein paar Teile bestellen, die es noch immer neu gibt und ungefähr so viel kosten wie einmal im Restaurant zur goldenen Möwe :D


30.04.2017 18:34    |    Federspanner131

Ich wusste gar nicht das der Motor nasse Laufbuchsen hat. Damit hat er ja schon mal eine lange Lebenserwartung, vor allem weil noch keiner vor dir dran rumgebastelt hat. Allein die Bilder sind mal wieder Schrauberflair pur. Video in 12 Monaten=confirmed.


30.04.2017 18:57    |    Trottel2011

Der Motor ist theoretisch auch heute noch, bis auf den Mangel an 4 Ventilköpfen, ziemlich up to date. 500.000 Meilen schafft man mit der Mechanik eigentich ohne Probleme.

 

Und ja, der Plan sieht den Start (aber nicht das Fahren) im Mai 2018 vor.


01.05.2017 11:07    |    max.tom

Ja des iss des schöne, wenn man keine Hektik & Panik macht und sich Zeit lässt :), weil motoren -Reparatur/Prüfung geduld braucht:)


01.05.2017 14:16    |    winnerl

Hi,

 

was mit nicht so ganz einleuchtet ist das mit dem Zurückdrehen.

Es ist mir klar dass man einen Motor nicht zurückdrehen soll, aber warum der Kettenspanner/Feder von einem Zentimeter zurück kaputt gehen soll, verstehe ich nicht ganz. Die Feder kommt ja mit der Kette gar nicht in Kontakt, warum sollte sie wissen in welche Richtung gedreht wird und brechen.

 

Das System ist insgesamt betrachtet etwas simpel für diesen Motor. Ich weiß aber nicht ob die Gefahr des überspringens der Kette besteht wenn die Feder bricht. Grundsätzlich scheint die Gefahr immer bei jedem Motor zu existieren. Dann wäre es eine heikle Sache und ein hydraulischer Kettenspanner angebracht.

 

Gruß


01.05.2017 15:06    |    Trottel2011

Weil die Feder nicht bricht sondern die Spannschiene selbst. Also das Teil auf dem die Kette läuft.


01.05.2017 15:20    |    Sepp1993

Lese hier schon seit Ewigkeiten still mit, aber jetzt habe ich doch mal eine Frage. Warum sagst du, dass man den Motor nicht mal ein Stück weit zurück drehen darf? Was soll da genau passieren?

Denn wenn ich ehrlich bin, ich habe das schon bei zig Motoren gemacht, wenn man den OT gesucht hat und leicht drüber war, einfach eine viertel Drehung zurück und dann neu versuchen. Und bisher ist noch nie was passiert. Habe das auch so gelernt und schon in Reparaturleitfäden nachgelesen, deswegen bin ich jetzt ein wenig erstaunt.


01.05.2017 15:55    |    Trottel2011

Weil es so ist ;) Du riskierst es dass die Kette überspringt. Zumal, je nach Spannerausführung, kannst du den beschädigen. Wenn du noch mehr Schwein hast, kannst du bei einem Mehrventilkopf die Ventile verkeilen bzw. aufsetzen lassen.


01.05.2017 18:53    |    driveaholic

Sehr schöner Bericht!

 

Ich war bis jetzt immer nur stiller Mitleser und Bewunderer hätte nun aber doch mal was zu fragen:

Sind die beiden zugeschmodderten Öffnungen links und rechts vom Block, nachdem du den Stinrndeckel abgenommen hast, die Kühlwasser Ab- und Zufuhr zur Pumpe? Wenn ja, könnte man da mal mit Kesselsteinreiniger dran gehen, oder sieht das nur auf den Bildern so verkrustet aus.

 

Ansonsten bin ich schon echt gespannt wie es weiter geht!!!

LG

 

Alex


01.05.2017 20:27    |    Trottel2011

Sind tatsächlich verkrustet nachdem das Kühlwasser auskristalisierte. Das wird aber vor Einbau ordentlich gespült :)


02.05.2017 13:57    |    muhmann

Man kann Motoren durchaus zurückdrehen. Man muss nur darauf achten, dass das Lasttrum der Kette immer gleich bleibt.

Also einfach gesagt:

Vorwärts gedreht wird an der Kurbelwelle, rückwärts an der Nockenwelle. Der Kettenabschnitt, der im normalen Betrieb unter Zug ist, muss das auch beim zurückdrehen bleiben. Dann macht das dem Motor nichts aus.

Wenn man an der Kurbelwelle rückwärtsdreht, wird das Leertrum zum Lasttrum und umgekehrt. Dadurch werden die Spanner anders beansprucht. Wenns ganz dumm läuft, werden die dabei beschädigt.

 

Wobei ich persönlich der Überzeugung bin, dass der Spanner auch vorher schon vorgeschädigt war, wenn er dadurch kaputt geht.


03.05.2017 15:15    |    RHM3

Start des Motors in 2018? Das haben die in Berlin mit Ihrem Flughafen auch geplant :D:D - viel Spass beim Schrauben - ich denke du schaffst das - im Gensatz zu denen in Berlin;)


03.05.2017 20:05    |    max.tom

Im Gegensatz zum Motor iss der BER schon Schrott/Verschrottungsreif Gebaut worden ;)


07.05.2017 16:17    |    Trottel2011

@muhmann

 

Klar kann man Motoren an andere Stellen zurückdrehen, z.B. wie du schreibst an den Nockenwellen, aber dafür sind sie nicht konzipiert. Und um da ranzukommen müsste bei meine beiden V Motoren der Stirndeckel ab oder beim V12, der Nockenwellenträger...

 

Der geneigte Schrauber würde einfacher an die Zentralschraube der Kurbelwelle rangehen... Ist einfacher aber nicht "zuläßig". Wobei dann das nächste Problem für Fahrzeuge mit Vakuumverstellung anfängt. Der Verteiler wird ja dabei auch noch verstellt. Ergo: geht auch da nach hinten los. An einem Fahrzeug mit Stirnrädern oder Königswelle sehe ich da keine Probleme. Aber Steuerkette und Zahnriemen: lieber nicht anfassen.


30.07.2017 12:04    |    Trackback

Kommentiert auf: Auch Trottel können richtig liegen...:

 

Deckeln wir das!

 

[...] wollte, dass der alte Kettenspanner (auch wenn es ein prähistorisches Bauteilchen ist) noch heile ist. Deckel abnehmen war da angesagt...

 

Nun, ich hatte meine Bedenken, ob und wie ich das Teil wieder richtig festbekommen [...]

 

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The Crown Juwel:

Die Iron Lady

Hersteller: Jaguar Cars Ltd.

Auto: XJ-S (XJ27)

Modelljahr: 1989.5

Motor: V12 (5.3l, 295 BHP)

Getriebe: Automatik (3-Gang TH400)

Farbe: Arctic Blue (JFE)

Ausstattung: Volle Hütte + Sportsitze + Sportlenkrad + Glasschiebedach

Alle bisher gekauften und verbauten Teile

Im Besitz: seit 10/2013

 

The New Daily Driver:

Lusysan

Hersteller: FCA (by Mazda)

Auto: 124 Spider (Typ 348 bzw. NF)

Motor: R4 Multiair (1.4l, 140 BHP)

Getriebe: 6 Gang Automatik (Aisin B400)

Farbe: Vesuvio Schwarz Metallik

Ausstattung: Lusso mit alles

Modifikationen: -30 mm H&R Sportfedern, Stubby Kurzstabantenne, getönte Seitenblinker ohne Spiegeleieffekt

Im Besitz: seit 10/2018

 

A Former Daily Driver:

Toni

Hersteller: FCA (Fiat)

Auto: 500 (312) "Lounge"

Modelljahr: 2018

Motor: R4 (1.2l, 69 BHP)

Getriebe: Handschaltung (5-Gang)

Farbe: Vesuvio Schwarz Metallik (kommt)

Ausstattung: zusätzlich zu Lounge noch 5" Touchscreen samt 6 Lautsprecher, getönte Scheiben hinten, Chrompaket, und ein paar Kleinigkeiten

Im Besitz: 05/2018 - 10/2018

 

Another Former Daily Driver:

Rusty Jag

Hersteller: Jaguar Cars Ltd.

Auto: XJ8 Executive (X308)

Modelljahr: 1997

Motor: V8 (3.2l, 237 BHP)

Getriebe: Automatik (5-Gang ZF5HP24)

Farbe: Meterorite Pearl (MDT)

Ausstattung: Vollausstattung bis auf Memorysitze, Soundanlage, Regensensor und Navigationssystem

Alle bisher gekauften und verbauten Teile

Im Besitz: 03/2015 bis 05/2018

 

Yet Another Former Daily Driver:

The Jaguar Formerly Known As "Jag"

Hersteller: Jaguar Cars Ltd.

Auto: XJ6 SPORT (X300)

Modelljahr: 1995

Motor: R6 (3.2l, 211 BHP)

Getriebe: Automatik (4-Gang ZF4HP22)

Farbe: Schwarz Metallik

Ausstattung: Sportpaket + ein paar Kleinigkeiten

Im Besitz: 01/2015 - 02/2015

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Auflistung der Sonderartikel zum XJ-S/XJS

 

Teil 1: Lister LeMans

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