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03.10.2017 13:30    |    Trottel2011    |    Kommentare (22)    |   Stichworte: A6, aufarbeiten, harrison, Iron Lady, Jaguar, Klimaanlage, Kompressor, Reparatur, überholen, V12, X27, XJS, XJ-S

Hallo Motor-Talker!

 

Harrison A6 von unten, mit der Ölwanne sichtbarHarrison A6 von unten, mit der Ölwanne sichtbarJetzt wo ich eurer Interesse habe, nein, ich habe kein AUDI A6 gekauft! Es gibt auch andere Sachen die A6 heißen... :D Z.B. den Harrison A6, ein Klimakompressor. Aber zum Thema :D Das fehlende Bauteilchen im Riementrieb des V12!

 

Da ich sehr gerne die Originaloptik des Motors behalten möchte und ebenso auch im Sommer in der kleinen Kabine nicht von der Sonne gekocht und vom Motorabwärme gedunstet werden möchte, muss die Klimaanlage im Motorraum wieder rein. Was bedeutet das?

 

Werkzeugkoffer zur Zerlegung und MontageWerkzeugkoffer zur Zerlegung und MontageNun, das bedeutet heute, dass wir den Kompressor mal untersuchen und ggf. zerlegen sowie erneuern. Der Kompressor ist vom Typ Harrison A6 wobei diese eher einfach oftmals als GM A6 abgekürzt werden obwohl Delco A6 auch geht. Schließlich wurden sie in der Regel bei Fahrzeugen aus dem Konzern verwendet. Es gäbe die Möglichkeit, die alte Lady auf ein Sandenkompressor umzubauen, aber erstens ist es nicht original (für das Modelljahr) und zweitens müsste ich da einiges umbauen, worauf ich keine Lust habe. Z.B. Halterungen aus einem spätem Modell beschaffen und einbauen und damit auch am Tempomaten herumbasteln usw. usf.

 

Kupplung bereits entferntKupplung bereits entferntFangen wir mal an. Zu erst: diese Kompressoren sind noch "Oldschool". Damals, als Jaguar den im XJ-S (sowie im XJ6 und XJ12 der Serien 1-3) verbaute, waren sie schon recht alt. Cadillac, Corvette, Camaro, usw. hatten den gleichen, 3-Doppelkolben-Taumelscheiben-Kompressor. Es ist also altbewährt und hält - naja, etwas :D Da es ein GM Teil ist, findet man fast überall Überholungskits mit O-Ringen, Dichtungsteile und neuen Carbonringen... Nein, kein Fake Carbonmist wie man es heute verwendet um irgendwas leichter/schöner zu machen. Hier heißt Carbon nur Kohlenstoff und ist nur eine gepresste Dichtung. Kohlenstoff ist nun mal eine gute Dichtmöglichkeit.

 

Kupplung mit eingesetztem Werkzeug zum AbbauKupplung mit eingesetztem Werkzeug zum AbbauDas in der Iron Lady hat "irgendwie" funktioniert. Als ich sie überführte, kühlte die Klimaanlage noch etwas. Das heißt, ich gehe davon aus, dass der Kompressor funktioniert(e). Als ich 2014 wieder fahren durfte, kühlte gar nichts mehr. Als die Kälteanlage aufgemacht wurde, war kein Kältemittel mehr enthalten. Etwas Kompressoröl war drin, aber das war es schon. Somit war wohl die Anlage undicht... Dennoch will ich sicher gehen, dass der Kompressor funktioniert.

 

Wir prüfen zuerst mal die Kupplung. Klimakompressoren haben Magnetkupplungen, damit es bei Bedarf zu- und wieder abgeschaltet werden kann. In der Regel steuert der Drucksensor der Klimaanlage den Bedarf an Kompressortätigkeiten. Dieses wird dann durch ein lautes "KLACK" bestätigt mit einem leichten Absacken der Drehzahl bis das wieder ausgeglichen wurde.

 

Riemenscheibe hat etwas Verschleiß aber soweit in OrdnungRiemenscheibe hat etwas Verschleiß aber soweit in OrdnungDieses "KLACKEN" zu erzeugen ist gar nicht schwer und zu prüfen ob die Kupplung greift genauso wenig. Mit Batterieplus und einem -minus an die Pins gehen und dann sollte es klacken. Macht es KLACK und wird dann schwerer zu drehen, ist die Magnetkupplung schon mal in Takt und muss nicht nachgestellt werden (manche kann man nachstellen, andere wiederrum nicht).

 

Die Kupplung ist eine simple EinheitDie Kupplung ist eine simple EinheitIst sichergestellt, dass die Kupplung greift, ist zu schauen, ob sich der Kompressor drehen läßt. Eine feste Welle kann man nicht einfach ohne eingeschaltete Kupplung testen. Entweder bewegt man es mit Saft drauf, oder schaut wo die Welle ohne Kupplung zu sehen ist (wenn überhaupt sichtbar). Beim A6 sieht man die Welle vorne vor der Riemenscheibe. Die kann man schon mal versuchen zu drehen.

 

Ist es drehbar, ist schon mal eine gute Basis vorhanden! Theoretisch wird es auch so funktionieren können... Theoretisch! Was kann sein? Die A6 Kompressoren können undicht werden. Das Gehäuse hat verschiedene Dichtungsflächen. Ebenso ist es nicht selten, dass die Verdichterkolben dann auch festgehen und, schon mal vorkommend, abreissen. Es können Riefen in den Zylinderlaufbahnen vorhanden sein. Dann ist natürlich Kernschrott vorhanden.

 

Hinterer ZylinderkopfHinterer ZylinderkopfMeine gute Basis ist ein Anfang. Also, zerlegen wir um zu schauen, wie es innen drin ausschaut. Dazu muss zu erst die Kupplung ab. Dazu wird die mittige Mutter gelöst. Mit einem Abzieher zieht man die vordere Platte ab (ein Teil der Magnetkupplung). Ich habe mir diesen Werkzeugkoffer bestellt. Damit sollen alle gängigen Kompressoren zerlegt werden können.

 

Stecken wir schon mal das erste Werkzeug in die Riemenscheibe hinein. Dann mit 2 Schraubenschlüssel lösen. Ab ist die Front. Danach die Riemenscheibe mit einem Abzieher vorsichtig abziehen. Das Lager ist groß und ist eingepresst. Da es etwas Spiel hat, ist es nicht wichtig in welchem Zustand es abgezogen wird. Ich habe jetzt beschlossen die Rückseite, also den hinteren Zylinderkopf abzubauen. Diese ist mit 4 Muttern festgemacht.

 

Interne Ölpumpe sichtbarInterne Ölpumpe sichtbarAlle 4 Muttern lösen und den Zylinderkopf vorsichtig und gleichmäßig mit einem kleinen Hammer abschlagen (kling immer aggressiver als es ist). Danach aufpassen, dass man nicht die beiden keinen Zahnrädchen der internen Ölpumpe (die A6 hat technisch gesehen 2 Ölkreise, einmal das im Kältemittel zur Schmierung der Kolbenwände usw. auf der Kompressionsseite und einmal ein Ölkreis für die Taumelscheibe) verliert.

 

Ventilplatte erkennbarVentilplatte erkennbarDann zieht man die beiden hinteren Scheiben ab. Diese Scheiben sind dazu da, dass man das Kältemittel komprimieren kann. Es sind "Ventilscheiben" wenn man es so nennen möchte. Dazwischen sitzt ein kleines Röhrchen, welches zur Miniölwanne führt. Dieses muss vorsichtig rausgezogen werden. Meistens sitzt es fest, aufgrund des Gummiringes drum herum, aber hier flutscht es einfach.

 

Die Innereien ausgebautDie Innereien ausgebautIst das alles raus, sprich beide "Ventilscheiben" sowie das Ölröhrchen, kann man die Innereien (der Fachmann in den USA nennt es "Gut Pack" was so viel wie Innereien Tüte bedeutet) einfach rausziehen. Aufpassen dass es nicht zu dreckig wird. Viel reinigen kann man hier nicht! Und sollte es uach möglichst wenig.

 

Nun kann man die Funktionsweise des A6 erkennen. Es ist mittig eine Taumelscheibe vorhanden, welches 3 "Doppelkolben" betätigt. Siehe dazu das Videöchen... Es ist schlecht weil meine GoPro nicht mehr wollte und meine Camera kein Videomodus hat (DSLR sollen Fotos machen, Videos machen Camcorder/GoPros :D So meine Meinung!). Also wurde es mit der Allzweckwaffe Note 4 gemacht... Mit einer Hand. Die Ratsche hilft beim Drehen weil es mit einer Hand sonst recht schwer wäre zu halten und zu drehen... Egal Karl!

 

 

Der Gesamte Kompressor ausgelegt und ausgebreitetDer Gesamte Kompressor ausgelegt und ausgebreitetNun noch den vorderen Zylinderkopf ausbauen. Dazu muss aber die Spule der Magnetkupplung ab. Diese ist mit einem Sprengring (welches SEHR tief in einem Schacht sitzt) befestigt. Meine Zangen und ganzen Tricks reichten nicht aus. Also wurde mit einem kleinen Schraubenzieher der Sprengring einfach zerstört... Danach die Spule abziehen und schon kann man den vorderen Zylinderkopf durch den Körper rausdrücken.

 

Schaut man sich das komplett an, ist es eigentlich eine einfache Sache. Ein Grund warum moderne Kompressoren nicht lange halten ist auch sofort klar: sie können nicht gewartet werden. Diese A6 Viecher können regelmäßig mit neuem Mineralöl versehen werden. Die Klimakompressoren von heute sollen nur das Öl im Kältemittel verwenden. Wie das dann zur Taumelscheibe (wenn solcher Bauart) gelangen soll ist mir ein Rätsel. Ebenso die Frage: wie oft wird es gewechselt? Öl hält bekanntlich nicht ewig. Die A6 Kompressoren dagegen scheinbar schon! Ein Design aus den 60ern welches bis 1993 bei Jaguar noch verbaut wurde. Selbst als Ford den Laden übernommen hatte, hat man noch an die GM Teile festgehalten!

 

Harrison A6 von unten, mit der Ölwanne sichtbar Harrison A6 von unten, mit der Ölwanne sichtbar

 

So, was passiert als nächstes? Nun, das Gehäuse soll sandgestrahlt und lackiert werden. Ein neuer hinterer Zylinderkopf ist bestellt (kostet knapp 3€!!!!!! bei Jaguar!), neue Dichtringe, ein neues Lager für die Riemenscheibe. Neues Öl kommt selbstverständlich auch noch mit rein. Ebenso versuche ich passende Aufkleber zur Sorte aufzutreiben aber das ist schwer. Es gäbe noch Frigidair Aufkleber, oder die Markennamen von Oldsmobile etc. aber ein "Harrison A6" Aufkleber finde ich nirgends...


03.10.2017 14:48    |    PIPD black

Du kommst echt vom Hundersten ins Tausendste.

 

Schön sowas mal „live“ zu sehen.

 

Gutes Gelingen beim Zusammenbau.....nicht, dass wieder Teile verschwinden.,):p


03.10.2017 14:59    |    Trottel2011

Wenn ich etwas anfange, dann mache ich es auch zu Ende! :) Ich könnte ja auch einfach ein Kompressor kaufen für knapp 500€ aber dann fehlt mir der Spaß :D


03.10.2017 15:28    |    PIPD black

Das glaub ich gern.:p


03.10.2017 19:48    |    the_WarLord

Moderne Kompressoren halten nicht lange? Wie kommst du darauf?


03.10.2017 20:23    |    Trottel2011

Weil ich selbst 3 Defekte hatte ;) Und die am XJ ist wohl auch nun auf dem Weg gen Exitus! ;) Bei Volvo ist es üblich... Sanden Kompressoren gehen da gerne mal über den Jordan ;)


04.10.2017 11:18    |    the_WarLord

Muss wohl ein Volvo Problem sein. Bei VW halten die, zumindest bei der Generation Golf 3. Wobei die Densos oder Delphis in den Passat 3B/G oder A4 auch selten Schwierigkeiten machen.


04.10.2017 12:13    |    Trottel2011

Im Ducato, 1 Jahr alt, ist das Lager der Riemenscheibe auch schon dwfekt...


04.10.2017 16:50    |    the_WarLord

Manche Teile suchen ihren Meister. :D


04.10.2017 17:28    |    Trottel2011

Scheinbar :D


05.10.2017 10:42    |    enrgy

"m Ducato, 1 Jahr alt, ist das Lager der Riemenscheibe auch schon dwfekt..."

 

das hat aber, so wie die meisten anderen ausfälle der kompressoren, nix mit der fehlenden möglichkeit eines ölwechsels bei neueren kompressoren zu tun.

oftmals streikt die klima, weil die magnetkupplung versagt. dann wird dem kunden einfach ein kompletter neuer kompressor verkauft.

von reihenweise fressenden kolben habe ich jetzt noch nix gelesen. vielleicht weißt du ja mehr.


05.10.2017 10:45    |    Trottel2011

Neh, Magnetkupplung isses nicht. Der Kompressor macht Geräusche wie dein defektes Lager. Die Kupplung funktioniert einwandfrei.


05.10.2017 10:54    |    the_WarLord

Vielleicht liegt's auch einfach an einem nicht mehr funktionierenden Freilauf der Lichtmaschine. Dann fängt der Riemen an zu flattern und quitschen.


05.10.2017 11:23    |    Trottel2011

Neh ist kein Riemenflattern oder Quietschen. Es ist ein Mahlen. Wie ein defektes Lager ;) Immer wiederkehrend. Höherer Drehzahl und es mahlt schneller. Klima aus und das Mahlen ist weg. Klima an ubd es mahlt wieder ;)


09.10.2017 12:00    |    Kabrionutzer

Moin,

 

der Ventilplatte nach zu urteilen (Rost) war sehr viel Feuchtigkeit im Kältekreislauf.

Auch die Antriebswelle sieht sehr angerostet aus. An dieser Stelle findest Du auch den Schwachpunkt der Kompressoren, nämlich die Wellenabdichtung.

Diese trocknet bei längerer Standzeit, meist über den Winter, aus und verklebt mitunter an der Welle.

Dort verliert die Anlage dann das Kältemittel und saugt im Extremfall Luft mit entsprechender Feuchtigkeit an.

 

Die Welle gut sauber machen (600-1000er Schleifpapier) und im Laufbereich der Dichtung auf Rostnarben prüfen.

Wenn die Oberfläche in Ordnung ist, klappt das auch mit der neuen Wellenabdichtung.


09.10.2017 12:25    |    Trottel2011

Hey Danke. Jo, das hatte ich gesehen. Etwas Rost ist ja auch normal. Ich vermute dass die Anlage lange nicht richtig befüllt wurde.

 

Ichvstehe hier zeitgleich auf die bessere, moderne Dichtung um. Statt dem 2-teiligen Dichtungskit ist es nun ein moderner Simmerring mit 2 Dichtlippen.

 

HaSt du noch ein Tipp was man prüfen sollte? :) Spiel zwischen Taumelscheibe und Kolben ist nicht vorhanden.


09.10.2017 13:05    |    Kabrionutzer

Moin,

 

an dem Kompressor kannst Du nicht viel prüfen.

Spielfreiheit ist gegeben, evtl. noch die Sitzflächen der Plattenventile auf Beschädigung und die Platten auf Risse.

Mehr bleibt nicht zu tun.

Auf Sauberkeit achten und natürlich den Filtertrockner erneuern.

Falls zugänglich solltest Du das Expansionsventil prüfen, ob sich dort auch Rost absetzt hat.

Das sollte bei dem Baujahr noch zerlegbar sein.

 

Viel Erfolg.


09.10.2017 13:54    |    Trottel2011

Jo. Beide werden sowieso noch erneuert :)

 

Riss hatte ich in den Ventilplatten nicht gefunden. Nur minimale Korrosionsspuren :)


09.10.2017 14:40    |    the_WarLord

Zitat:

der Ventilplatte nach zu urteilen (Rost) war sehr viel Feuchtigkeit im Kältekreislauf.

Auch die Antriebswelle sieht sehr angerostet aus. An dieser Stelle findest Du auch den Schwachpunkt der Kompressoren, nämlich die Wellenabdichtung.

Diese trocknet bei längerer Standzeit, meist über den Winter, aus und verklebt mitunter an der Welle.

Dort verliert die Anlage dann das Kältemittel und saugt im Extremfall Luft mit entsprechender Feuchtigkeit an.

Da reicht ein für längere Zeit offener Kreislauf aus. Wenn die Anlage mal mit R134a befüllt und dabei auf PAG Öl umgestellt wurde, zieht das Öl die Feuchtigkeit an.

 

Klimakreisläufe sollten unbefüllt grundsätzlich geschlossen sein, eben aus dem Feuchtigkeitsgrund.

 

Der Extremfall muss schon ordentlich sein, bei den typischen Verdichtern muss Unterdruck im Raum der Taumelscheibe herrschen, damit das passiert...


09.10.2017 15:25    |    Trottel2011

Letzte Befüllung war wohl 2010. Dann aber noch mit R12.


09.10.2017 20:42    |    the_WarLord

Im Ausland machen lassen?


10.10.2017 05:20    |    Trottel2011

Kann ja nur Ausland sein. Habe die Iron Lady selbst 2013 aus GB nach D überführt ;)


23.12.2018 17:09    |    Trackback

Kommentiert auf: Auch Trottel können richtig liegen...:

 

Wenn es kalt werden soll...

 

[...] eine gute Klimatisierung erforderlich.

 

Den Klimakompressor haben wir in 2 Schritten zerlegtund neu abgedichtet/überholt... Danach noch in den V eingebaut. Dadurch ist schon mal der Anfang getan. [...]

 

Artikel lesen ...


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