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29.01.2016 18:34    |    Anthosche    |    Kommentare (7)

Vor einer Neuanschaffung stellt man sich die Frage: "Welches Auto passt zu mir?". Während die Einen ihr Fanlager nicht verlassen und ihrer Marke treu bleiben, ist vor allem der Laie auf Magazine und Sendeanstalten angewiesen, die die Fahrzeuge einer Klasse miteinander vergleichen. Doch leider sind diese Autotests oftmals weniger objektiv als sie eigentlich sein sollten. Ich möchte nun an einem Beispiel meine Gedanken zu diesem Thema äußern. Auch ihr könnt eure Anregungen zu dieser Sache gerne als Kommi posten ;)

 

Was bewegt mich zu diesem Blogartikel? Vor einigen Tagen stolperte ich zufällig über den Vergleich "VW Passat vs. Opel Insignia & Kia Optima" von AUTOBILD. "Gugste dir mal an.", sagte ich mir, doch schon im ersten gesprochenen Satz kamen mir Zweifel an der Objektivität auf. Ein Test, der mit den Worten "Gesucht wird der wahre Volkswagen." eingeläutet wird, kann aus meiner Sicht eigentlich kein neutral gehaltener Vergleich sein, da schon vor Beginn des eigentlichen Tests der Volkswagen in ein besseres Licht gerückt und auf diese Weise Einfluss auf den Zuschauer genommen wird.

Mit dem eigentlichen Inhalt des Tests habe ich kein Problem. Doch das Fazit - das, was in den Köpfen der Leute hängen bleibt - ist für mich vollkommen unverständlich.

 

Verglichen wurde ein 33.000€ teurer Kia Optima mit einem knapp 28.000€ teuren Insignia und einem rund 39.000€ Passat. Damit ist der Passat fast 11.000 Euro (Und nicht 10.000 wie im Test gesagt wird, aber ich will keine Erbsen zählen) teurer als der Insignia. Eine Summe, für die man einen Kleinwagen bekommt.

 

Fahrzeuge mit dieser erheblichen Preisdifferenz zu vergleichen verfehlt den Sinn eines "Vergleichs". Dann kann ich, um es etwas schroff zu formulieren, auch eine Mercedes S-Klasse & VW Polo zum Vergleich bitten und dann sagen: "Also die S-Klasse, die kann alles besser als die Konkurrenz. Sie ist daher der Sieger."

Nach dem Test habe ich den Konfigurator von Volkswagen bemüht um herauszufinden, was denn ein 28.000€ Passat an Ausstattung an Bord hat. Um das Budget einzuhalten, wählte ich einen VW Passat Trendline mit Business Paket für 28.070€. Dabei handelt es sich um den Basis-Passat mit Stahlrädern, dem schwächsten Motor (1.4 125PS Benzin) und nur Serienausstattung (ausgenommen das Business Paket).

 

MEIN FAZIT:

Das Fazit dieses Tests ist aus meiner Sicht völlig unverständlich, weil es nicht sinngemäß ist, Fahrzeuge mit einer zu großen Preisdifferenz zu vergleichen. Der VW hat aus technischer Sicht die Nase vorne, aber auch nur, weil er 11.000€ teurer ist als der zweitplatzierte Insignia. Sinnvoller wäre es wenn sich alle Fahrzeuge das preisliche Niveau teilen, sodass der potentielle Käufer direkt sehen kann, wo er was für das gleiche Geld geboten bekommt.

Unter diesen Gesichtspunkten hätte der VW den Vergleich nicht gewinnen können, da er weder in der Motorisierung noch der Ausstattung dem Insignia gewachsen wäre. Alternativ hätte man einen besser ausgestatteten Optima und Insignia ins Rennen schicken können, um das preisliche Level zu heben. Der Videobewertung zu urteilen bin ich nicht der Einzige, der das Ergebnis dieses Tests nicht nachvollziehen kann.

 

 

Früher wurden alle Tests immer nach den gleichen Bewertungskriterien durchgeführt, um auch alle Vorzüge und Schwächen der Fahrzeuge zu erfassen. Heute kehrt man leider allzu oft den preislichen Aspekt unter den Tisch. Das finde ich für einen Autotest fatal, denn immerhin wiegt der Preis am schwersten auf der Waage.

Wer vor einem Autokauf steht und sich nicht entscheiden kann, der sollte sich aus meiner Sicht lieber in einschlägigen Internetforen über die jeweiligen Fahrzeuge informieren.

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30.01.2016 16:15    |    Antriebswelle96

Die Frage ist halt immer, was so an Tesfahrzeugen von den Herstellern gestellt wird. Und wenn das nicht so richtig zusammenpasst, dann wird halt trotzdem ein Test geschrieben, weil das Heft ja gefüllt werden müssen.

 

Mich stört an den ganzen Tests vor allem, dass immer mit Gewalt ein Sieger gekürt werden muss, weil das ja so schön plakativ ist. Dummerweise hat jeder andere Ansprüche an ein Auto. Von daher wäre es für den Leser wesentlich hilfreicher, wenn in einem Vergleichtest herausgearbeitet werden würde, welches Auto zu welchem Käufertyp passt. Aber nein, stattdessen versucht man, subjektive Kriterien in objekte Zahlen zu stopfen und die Redaktion legt dann die einzig wahre Gewichtung der Kriterien fest. Nun kann aber meine persönliche Gewichtung eine ganz andere sein. Um beim Beispiel des Blog-Artikels zu bleiben: Für die meisten Menschen wird das Budget eine große Rolle spielen. Aber wenn man als Autotester die Autos nicht bezahlen muss, dann kann man aus 11 TEUR Differenz mal schnell ein paar Pünktchen machen und das war es dann.

 

Ausgesprochen bedauerlich finde ich auch die Tendenz der Autotester, dass Fahrzeuge immer "sportlichere" Fahrwerke haben müssen. Im Alltag ist ein sicherer Fahrverhalten wichtig und nicht das letzte Quentchen Geschwindigkeit auf einem topfebenen Testgelände. Es wäre schön, wenn die Damen und Herren autotester mal wieder den Bezug zur Alltagswirklichkeit der meisten Autofahrer bekommen würden.


30.01.2016 17:18    |    Goify

Das, was Rainer Günzler machte, wird es wohl nie wieder geben, es sei denn, einer von uns macht es. Seit es Youtube gibt, sprießen die Autotestberichte nur aus aus dem Boden, aber keiner versucht wenigstens nah an Rainer Günzler ranzukommen. Am ehesten bemühen sich noch die zwei Jungs von Ausfahrt.tv, denen ich eine objektive Bewertung zutraue ganz ohne Punkten, dafür aber mit einer Zielgruppenanalyse.


30.01.2016 21:13    |    greentea868

Ein Hoch auf Ausfahrt.tv!!! Link

 

Vom Focus RS das bisher einzige Video, was nicht nur spektakuläre Bilder, sondern auch Inhalt geliefert hat :) außerdem das einzige Video, wo eingeschnittene Pressevideos auch als solche gekennzeichnet sind!


31.01.2016 19:21    |    Multimeter48651

Wie soll denn so ein Test ausgehen? Kia va. Opel vs. VW, da steht die Reihenfolge doch schon von vornherein fest.

KIA kann keine Autos bauen, Opel ist halt mittelmäßig und bei VW passt einfach alles.

 

Hätte der Passat nicht gewonnen wäre es ein Skandal, er ist ganz klar das beste Auto. In jedem Autotest bis zur Mittelklasse ist es absolut normal das VW gewinnt, es gibt halt nichts was da ran kommen könnte. Wenn der Preis bemämgelt wird muss man halt immer bedenken das Qualität eben kostet. Wer das Geld nicht aufbringen kann muss sich dann eben den KIA kaufen.


31.01.2016 19:41    |    Trottel2011

Danke für dein Artikel! Du sprichst das aus, was alle schon denken...

 

Noch schlimmer sind die subjektiven Aussagen 'ich finde den besser also ist er Sieger'. Das gab es mal in einem Vergleichstest zwischen Volvo C30 und CW Scirocco, als der Scirocco weniger Platz, schlechtere Fahrleistungen, teureren Preis und schlechterer Ausstattung dennoch zum Sieger gekürt wurde...


31.01.2016 20:34    |    greentea868

Übrigens hat in der letzten AMS der Ford Galaxy gegen den VW Sharan gewonnen :)


05.02.2016 21:42    |    HerrLehmann

Aber sorry, wer braucht den die Käseblätter um ein Auto zu kaufen.

Geh doch zu den Herstellern, die Dich interessieren, ins Autohaus.

Probefahrt, rechnen ob Anschaffung und Unterhält ins Budget passen und fertig.

 

Lesbar sind doch nur einige wenige Old- und Youngtimerblätter.

 

 

PS: AuWeh tritt bei den Test mit verstellbarem aufpreispflichtigen Fahrwerk an und wird dann für den überragenden Komfort gelobt.:rolleyes:


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