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04.07.2011 21:53    |    Andi2011    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: Autogeschichten

Ich nenne meinem Vater manchmal „Herr Cardinal“. Warum das so ist, werdet ihr euch denken können wenn ihr meinen heutigen Artikel gelesen habt…

 

Der Entschluss, sich bei seinem ersten eigenen Wagen zwischen dem Ford Taunus 12m oder 15m zu entscheiden, viel meinem Vater 1970 leicht wie er mir erzählte, als wir uns letztens mal wieder über diese Autos unterhielten.

Ihm gefiel nicht nur die wunderschöne Karosserieform des 12m, da war mehr!

In der Aufpreisliste standen auch so tolle Dinge wie Weißwandreifen oder Liegesitze. Ausstellfenster gab es ebenfalls. Außerdem war er begeistert von dem großzügigen Innenraum und dem modernen cw-Wert von 0,364 mit dem sogar damals schon geworben wurde.Ausserdem begeisterte ihn der zuverlässigen Motor - und der Preis.

 

Er erzählt dann auch immer von der Rekordfahrt, die am 10.Juli 1963 ein nicht modifizierter neuer 12m (der Vorgänger seines Models) frisch aus dem Werk absolvierte und tatsächlich nach genau 142 Tagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 106Km/h schlappe 357.430km am Stück mit ein und demselben Motor fuhr - und so dutzende Weltrekorde brach.

Die Robustheit des neuen V4 Motors des 12m war bewiesen und wurde nun erfolgreich beworben. Für meinen Vater aber, war der 12m spätestens ab jetzt in seinem Kopf.

 

Aber der Reihe nach:

 

Die M-Serie von Ford startete 1952 mit dem 12mG13, der G13 löste den veralteten Ford Vorkriegs-Buckeltaunus ab. Die M-Serie umfasst neben dem 12m viele weitere Schmuckstücke,wie den 15m, 17m oder 20m, die ich in noch folgenden Beiträgen beleuchten werde.

 

Das M stand für MEISTERSTÜCK und die 12 für den Hubraum von 1,2 Litern.

Ihm folgte von 1959 bis 1962 der 12M G13 AL aber um diese geht es heute nicht.

 

Beim 12mP4 (gebaut 1962-66) liegt der Ursprung meiner eigentlichen Geschichte. Der von US Design-Chef Gene Bordinal vorangetriebene Wagen wurde unter dem Namen „Cardinal“ in den USA entwickelt um dem dort sehr erfolgreichen VW Käfer etwas entgegen zu setzen, scheiterte aber an diesem Unterfangen durch ein Vorstandsveto und wurde deshalb kurzerhand an Ford Deutschland abgegeben, wo er den altbekannten Namen 12m erhielt.

 

Optisch und technisch hatte er nicht mehr viel mit den alten 12m Modellen gemeinsam. In Köln und Genk lief die Produktion des eigentlich „amerikanischen Cardinal“ an und er sorgte mit seiner US-Formgebung für viele offenen Münder und ist bis heute für mich einer der schönsten Ford M-Modelle!

Seine Konstruktion war grundlegend neu, bot einen V4 Motor und erstmalig einen Frontantrieb.

 

Den 12MP6 Baujahr 1970 (1967-1970) kaufte mein Vater in meinem Geburtsjahr als einen der letzten Serie, da ich als zweites Kind dafür sorgte, dass der VW Käfer den meine Eltern sich mit meinen Großeltern damals teilten, zu klein wurde.

Außerdem war das Fahrwerk und der Frontantrieb des Vorgängers unter Anderem durch den Einsatz von Mc-Pherson Federbeinen und Gleichlaufgelenken so verbessert, dass der 12m richtig „satt“ auf der Straße lag.

Der moderne Familienvater des Jahres 1970 war (wie wir heute) schon sehr mit dem Thema Sicherheit befasst, so auch mein Vater.

 

Schließlich sollte die zu befördernde Familie allzeit heil bleiben. Dafür sollten eine moderne Zweikreisbremse mit Scheiben vorn und die Sicherheitslenksäule und das gepolsterte Armaturenbrett sorgen, wie sie der Ford bot.

Es gab ihn als 12m und 15m, TS, RS und XL und bei den V4 Motoren konnte man zwischen vier Hubraumgrößen wählen. Eine zwei-und viertürige Limousine, Kombi und Coupé und sogar ein Cabrioumbau von „Deutsch und Welsch“ waren verfügbar.

Einen Kombi wählten zur damaligen Zeit aber meist nur Handwerker, das Cabrio fiel eh aus und so viel seine Entscheidung auf einen schicken Zweitürer in goldbeige-metallic und der Ford 12m wurde sein erster eigener Wagen.

 

Den 12m fuhr er sieben Jahre und ihm folgten neben dem Taunus, Granada und Escort MK1 bis heute viele weitere Ford Modelle. Hier begann seine persönliche Ford-Fahrer-Karriere, die bis zum heutigen Tag anhält und aktuell mit dem Kauf des neuen Ford Focus wohl ihr Ende erreicht.

 

Mein Vater ist nun 73 Jahre alt und hat vor, wenn er geistig und körperlich so fit bleibt wie jetzt (und das ist er wirklich) noch etwa 3 Jahre zu fahren und dann den Führerschein abzugeben. Hier schließt sich sein Kreis und bringt mich dazu dem 12m, dem ersten Auto meines Vaters und damit auch meiner erste prägenden Autoerinnerung, diesen Beitrag zu widmen und er passt auch für mich prima in die Rubrik "125Jahre Automobil -Meine Geschichte" denn dieser Wagen war meine erste Autoerinnerung und prägte und begleitet mich bis heute.

 

Wenn mein alter Herr von seinem 12m erzählt, leuchten auch heute noch seine Augen und ich antworte, wie schön ich diesen Wagen fand und immer noch finde, ein traumhafter Wagen.

Er sagt dann oft zu mir:

 

“Wenn ich mal nicht mehr bin wirst du ja was erben, vielleicht kaufst du dir dann ja noch mal ein schönes und gut erhaltenes Ford MEISTERSTÜCK wie den 12m?"

 

Und ich antworte ihm dann immer, dass es am besten ein goldbeigefarbener aus dem Baujahr 1970, meinem Geburtsjahr sein muss

…denn dann schliesst sich mein Kreis.

 

 

…ich hoffe es dauert noch ein wenig, aber wenn es mal soweit ist, wird es so gemacht Herr Cardinal - versprochen!


04.07.2011 22:49    |    Trackback

Kommentiert auf: italeri1947 - Hans’ Hitparade von Autos, die keiner wollte:

 

Ford Taunus (1979-1982). Der letzte seiner Art.

 

[...] zu deinem schönen Bericht über den letzten Taunus,was zu einem seiner Vorgänger im Blog aufgelegt.

 

http://www.motor-talk.de/.../...chichte-unseres-ford-12m-t3336868.html

 

würd mich auch über deine fachmänische Meinung zum Artikel freuen

 

Liebe Grüße

Andi

[...]

 

Artikel lesen ...


05.07.2011 10:58    |    oxi

Ist von der Rekordfahrt irgendwo mehr dokumentiert??


05.07.2011 13:29    |    Andi2011

@oxi

es gibt einen Zeitungsartikel von der damaligen Fahrt im Netz, kannst du hier in einer Unterrubrik auf dieser schönen Seite zum 12m nachlesen

Fordp4

 

Grüße

Andi2011


05.07.2011 20:27    |    FranzR

Hi,

 

ich finde den Dauertest eindrucksvoll.


05.07.2011 20:57    |    Andi2011

@FranzR

Da hast du wohl recht,vor allem weil der 12m dabei auch noch einen Unfall hatte und nur die Karosse halbwegs wieder zusammengedengelt wurde und er dann weiterfuhr:)


05.07.2011 21:02    |    FranzR

Naja, man kann auch mit krummen Karosserien fahren, wenn es nicht allzu schlimm ist. Das habe ich auch schon gemacht. Auf zwei und auf vier Rädern *g*


05.07.2011 21:15    |    Andi2011

Hab mal zwei Bildchen vom rekord-12m ausgebuddelt,sieht schon recht "fahrbereit" aus:)

 

Soweit ich weiss gibt es ihn auch noch irgendwo (bei Ford?)...weiss aber nicht genau wo,vieleicht weiss ja jemand mehr?


Bilder

05.07.2011 21:20    |    FranzR

Wie schrieben die doch: "mit Bordwerkzeug repariert" :D


05.07.2011 21:24    |    Andi2011

JA,`nem Radschlüssel und `nem Wagenheber,so siehts auch aus;)


05.07.2011 21:56    |    oxi

Nur weil der Fahrer Pünktlich Weihnachten feiern wollte haben sie wegen 2 std. (knapp 200km) die Entfernung bis zum Mond nicht geschafft.. Klingt unglaubwürding.


08.07.2011 02:11    |    Motortown

WoW.. ein klasse Beitrag... Habe ihn mit Genuss gelesen

Gruß...Mario


08.07.2011 09:59    |    Andi2011

@motortown

irgendwie hab ich mir gedacht,dass dir das gefällt;)

Freu mich schon auf deinen n. Restaurationsbericht


27.02.2014 10:46    |    Trackback

Kommentiert auf: Andi2011 Mein C MAX MK2:

 

Straßenfunde "Supporters"- Fiat 127

 

[...] gegen so einen TC tauchen würde, war sie auch baff, dass ich das in meiner Erinnerung gespeichert hatte. Hier der Link zum 12m meines Vaters wer den Wagen nicht kennt.

 

Zitat:

...Ausstellfenster, hach war dat schön... :) [...]

 

Artikel lesen ...


Deine Antwort auf "AUTOGESCHICHTEN: Mein Vater, der Cardinal und unseres Ford 12m"

Countdown bis...

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:D

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