• Online: 1.755

5er Experience day, die zweite

Traum-atisch: Wie man Freude bauen kann.

04.11.2010 06:23    |    draht330d    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: 5er Reihe, BMW, F10

5er Experience Day - München FJS/Dingolfing

 

Bestimmt hat der geneigte Leser schon das schöne Blog von stef 320i gesehen: Ein wundervoller Tag in sonnigem Wetter, bunter Landschaft, genüßlichem Essen, moderner Industrie und vor allem in bewegender Technik. Ich zählte zu den glücklichen Gewinnern der Verlosung dieses Tages und werde ihn als Glückstag mit vielen Eindrücken in Erinnerung behalten. Mit die intensivsten Eindrücke des Tages kamen von dieser Fahrmaschine, die man uns in die Hand drückte, um sie frecherweise später wieder zu kassieren. Zum Glück wußten das die Teilnehmer vorher schon.

Es standen mehrere Varianten des neuen 5ers auf der Asphaltplatte, und jeder hatte das Glück, in einem Platz zu finden. Meine Wahl fiel auf einen 530d Limousine mit 8-Gang Wandlerautomat, Integral-Aktivlenkung (lenkende Hinterachse), Wankstabilisierung, einstellbarer/dynamischer Fahrwerksabstimmung und eingebautem Wohlgefühl, über den ich hier meine Eindrücke festhalten und mitteilen möchte.

 

Es ist nicht gerade Zufall, daß man Motor-Talker auf einer Betonplatte eines Flughafens mit Autos von BMW antrifft, und der Kaffee war ganz sicher nicht der Grund. Sie haben nun einmal die Begeisterung und Faszination für Fahrendes mit dem erhöhtem Anspruch eines BMW gemeinsam, und noch dazu sind sie von Motor-Talk und BMW dorthin eingeladen worden. Wenn das nicht reichen würde, dann reicht ganz gewiss die Neugier auf eine Generation von Auto, die es vorher definitiv noch nicht gegeben hat.

Ich fahre einen E46 330dL BJ 2002 und kenne dieses Fahrzeug mit seinen 415000km sehr genau. Einige, die ich kenne, sind wie ich der Meinung, daß der E39 und der E46, beide mit dem 3-Liter-Dieselmotor der jeweiligen Generation, ganz weit vorn zu den besten Fahrzeugen zählen, die je gebaut wurden. Das "Beste" soll dabei eine Querschnittsaussage sein und sich ähnlichermaßen aus Sicherheit, Fahrleistungen, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Komfort, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit, Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit sowie Ästhetik zusammensetzen. Wenn bei dieser Zusammensetzung nirgendwo ausgeprägte Schwächen vorliegen, dann dürfen sich Begrifflichkeiten wie Prestige oder Lifestyle durchaus erwähnen lassen, eben weil sie mit technischer Finesse und Entwicklungsfortschritt begründbar sind und sich nicht in den Vordergrund drängen. Ich steige immer mit Freude aus meinem Auto aus und lächle, weil ich bewegt statt gefahren worden bin. Seit dem 5er Experience Day habe ich dazu einen völlig neuen Bezug - der neue 5er definiert in diesem Zusammenhang eine komplett neue Liga.

 

Einsteigen

Nun ja. Wer kennt das Gefühl? Sobald man Platz genommen hat und die Türe sich zugezogen hat, hat man vergessen, wie man da hineingekommen ist. Es ist auch völlig uninteressant. Frieden,sinnliche Ruhe, weit und breit keine sensorische Beleidigung. Alles, was auffällt, ist angenehm und eben passend. Wer detailverliebt ist, darf beliebig hineinzoomen und eine Orgie anzetteln.

In Testberichten wird oft geschrieben, daß Innenräume und Armaturen überfrachtet wirken, etwa weil zuviele Knöpfe Unübersichtlichkeit verursachen. Ich finde, daß Übersichtlichkeit und Einfachheit überbewertet wird. Sollte ich ein Auto wollen, das den Anspruch erfüllen kann, daß es mich von A nach B bringt, dann reicht mir Schlichtheit. Ein Fahrzeug, bei dem es auf das wie ankommen soll, ist ein Gerät, mit dem ich mir durchaus ein paar Tage Zeit nehmen will, um mich auf die Durchdachtheit seiner Konstruktion und der Bedienung einzulassen. Wenn sich mir der Sinn von 40% von 60 oder 80 Knöpfen in einem Cockpit nicht sofort erschließt, ist das kein Schaden. Aber wenn ich sie etwas erforscht habe, kann ich sie blind, ohne von der Fahrbahn abzublicken, erreichen. Ich bedaure ein wenig, daß es keine Konfigurationsoptionen für einen Teil des Cockpits gibt, bei der man wählen kann zwischen dem integralen Bedienkonzept mit iDrive, das die Bedienelemente minimiert, und einem Bedienkonzept mit vielen Knöpfen, zusätzlich zum iDrive oder nicht, frei zuzuordnen oder fest belegt, kontextsensitiv oder nicht. Ein modularer Aufbau mit gut definiertem Design und Schnittstellen in Funktion, Anschlüssen, Protokollen, Elektronik und Logik - wählen können ist ein oft unterschätzter Mehrwert und wäre ein Alleinstellungsmerkmal, sowohl in dieser Fahrzeugklasse als auch in den Geschäftsmöglichkeiten, die sich auftun würden.

Intuition bezieht sich auf Bedienung, und beides leidet und verliert durch Indirektionen von Funktionen. Vielleicht ergeben sich durch haptische touchpads (Fühlen von Schaltflächen auf Bildschirmen) oder andere Innovationen zukünftig neue Möglichkeiten. Der iDrive ist gut verbessert worden, aber die Position eines Cursors kann ich nicht so blind und schnell erfassen und steuern wie die Position meiner Hände und Finger auf räumlich getrennten Tasten.

Daß Design und Anordnung von Innenraum und Bedienelementen auf ihren Zweck und außerdem aufeinander abgestimmt sind, ist fast immer Absicht. (Es ist eben genial, daß keine Scheibe ein Bedienelement reflektiert (außer dem heads-up-display, versteht sich), oder daß man sich nie beugen muß, um jeden Schalter zu erreichen. Oder daß das Fahrzeug wie ein Kleidungsstück wirkt, das einfach paßt.) Ich ging meinem Verdacht, daß da sicher irgendein airbag drunter ist und ich einfach den Schriftzug noch nicht gesehen hätte, nicht nach, wenn eine Fläche einfach nur hübsch anzusehen war. Wie in einem sehr guten Hotel merkt man ebenfalls fast immer nicht im ersten Moment, warum man sich eigentlich so wohlfühlt. Im F10 fährt dieser Zauber mit.

 

 

Anlassen und Rollen

Automatikgetriebe sind nicht unbedingt jedermanns Sache. Sie sind in der Regel indirekt, träge, unwirtschaftlich, und ihnen haftet das Image eines Hutfahrers an, der als Hindernis zu riskanten Überholmanövern provoziert. Nachdem in den letzten Jahren Doppelkupplungsgetriebe auch in Fahrzeugen mit stärkeren Drehmomenten verbaut wurden, war es an der Zeit, Wandlerautomaten auf eine neue Stufe zu bringen und die Regeln neu zu schreiben. Zusammengefaßt: Das Getriebe rührt völlig ruckellos und rucklos in acht Gängen, man muß den Drehzahlmesser im Auge behalten oder die Ohren spitzen, um die Schaltvorgänge zu bemerken. Der Drehmomentwandler wird offenbar sehr schnell überbrückt, so daß ich keine Angst hätte, er würde abbrennen, wenn dauerhaft sehr hohe, wechselnde Belastungen übertragen werden. Ein Ruck mit dem Schalthebel nach links macht, daß die Gänge schon geschaltet sind, die man mit einem Tritt aufs Gas zum raschen Beschleunigen ohne Verzögerung haben wollen würde. Wer wie ich Schaltgetriebe schätzt, mag nur ungern darauf verzichten. Aber bei dem brachialen Antritt eines aktuellen Reihensechszylinderdiesels aus Steyr kommt dieses automatische Getriebe gerade recht. Mit seiner Abstimmung auf den Motor paßt es einfach perfekt.

 

Wenn wir gerade beim Motor waren... Ein samtiges, niedliches, kleines Motörchen mit guten Werten und einem leicht näselnden, leicht röchelnden Klang? Von Wegen! Das ist ein Monster, kratzig bis sonor fauchend, kraftstrotzend, bärig-brachial schon aus dem Drehzahlkeller heraus. Ich hielt die BMW 6-Zylinder Ottomotoren immer für ein wenig temperamentlos, lernte auf einem M20-Motor in einem E30 fahren. Die Werte der Motoren stimmten ja, und Leistung ist vorhanden, aber wahrscheinlich war die Kraftentfaltung einfach zu samtig, zu weich. Es fehlte an Drehmoment. Der 3.0L Dieselmotor war ausschlaggebend für den Erwerb meines 3ers, weil er mit Wirtschaftlichkeit (ich fahre ihn bis zu 1.5L unter angegebenen Werten) und Kraftentfaltung nahezu konkurrenzlos ist. Heute, zwei bis drei Generationen in der Entwicklung von Motor, Lade- und Einspritztechnik sowie Abgasnachbehandlung später, hat sich dieses Verhältnis nicht verändert. Die Werte, die vom Hersteller angegeben sind, stimmen recht gut mit der harten Realität überein, ohne daß der Fahrer auf Spaß ("Dynamik"! ;) ) verzichten muß. Seien wir doch mal ehrlich: Angesichts der Leistungsdaten deklassieren doch diese Verbrauchswerte wirklich alles, was mit Otto-Bauart einen ähnlichen CO2-Ausstoß hat. Die deutsche Diesel-Konkurrenz ist zwar nicht deklassiert, fährt aber dennoch nicht auf Augenhöhe. Der geneigte Leser mag einfach die Werte vergleichen.

 

Fahren

Es ist eine Frage der Erfahrung und der Vigilanz, des Wach-seins, ob man bei einem Fahrzeug auch höhere Geschwindigkeiten angemessen erkennen und beurteilen kann, das man im Innenraum kaum hört, und dessen Tachonadel mal einfach so im Uhrzeigersinn umfallen kann. Da ist Vorsicht geboten, natürlich erst einmal der Sicherheit wegen. Dann gibts da am Rande noch diese Einschränkungen mit der Gültigkeit von Führerscheinen, die u.a. mit Punkten in Flensburg bestimmt wird. Echt lästig, wenn auch sehr sinnig, das ganze. Das alles hat aber mit diesem Auto eine ziemlich dringende Relevanz, besonders auf der Autobahn vom Flughafen München rauf nach Dingolfing. Kurz hier als Einwurf: Die Streckenwahl am 5er Experience Day war ja wohl eine pure Frechheit, oder? Für die, die dabei waren - gehts noch schlimmer? Hälfte Autobahn, Hälfte Landstraße, vorbei an bunten Wäldern, Feldern, Dörfern, geschwungene Landstraßen mit überschaubaren Kurven, ein wenig auf und ab, alles dabei. Das ist echt nicht nett. Es macht das Aussteigen für den anschließenden Fabrikbesuch nicht leicht und vermittelt nicht das Gefühl, überhaupt irgendwo angekommen zu sein. Noch irgendwo ankommen zu wollen.

Zurück zum Thema... :)

Es ist ganz sicher nicht nur schlechter Stil, sondern überaus dumm weil gefährlich, auf öffentlichen Straßen auszuprobieren, wie ein Auto in Extremsituationen reagiert. Aus diesem Grund gibt es das Fahrertrainingszentrum im Flughafen München. Hinsichtlich der Überraschungen, die sich mit dem 5er boten, war ich für die gute Idee mit dem 5er Experience Day ziemlich dankbar. Zumal Peter und Alex, die mit ihrem frischen Humor, dem Know-How und dem Instruktoren-Charme, der dem von Christian Danner in nichts nachsteht, viel zu lachen gab. Sie müssen geglaubt haben, daß wir diese Hütchen alle plattmachen wollten.

Ausweichmanöver bei verschiedenen Geschwindigkeiten und unter verschiedenen Lastzuständen, Slalomfahren, Wendekreis und anderes Erlernbares hört sich zunächst so trivial an, ist es aber nicht. Einer meiner Freunde schwört auf seinen E30 318is. O-Ton: "Motor - Getriebe - Welle - Differenzialgetriebe - Räder. Nix Elektronik-Schnickschnack". Klar, wendiges, gut beherrschbares und berechenbares, leichtes Fahrzeug mit guter Fahrphysik, und ein Fahrer, der damit umgehen kann. Ein 5er von heute ist mit doppelter Leistung, vierfachem Drehmoment (gleichem Verbrauch! :D), 600kg mehr Gewicht, mehr Elektronik, als man tragen kann, einer Soundanlage, die man ertragen kann und erhabenem Ambiente mit anspruchsvoller Ästhetik eigentlich überhaupt nicht vergleichbar. Da liegen nicht nur Welten dazwischen, es sind auch grundsätzlich andere Konzepte, andere Ziele und andere Kompromisse in den klassischen Zielkonflikten. Und trotzdem: Der 5er wedelt schneller durch die Pylonen, bringt größere Querbeschleunigungen auf, bremst kürzer. Er ist wendiger, agiler, handlicher, direkter, und das ist nicht ein Eindruck, der entsteht, weil ich meine Hände vorher und nicht hinterher waschen möchte. Man stelle sich eine 200mx200m große Asphaltplatte vor, fährt 100, kuppelt aus, legt das Lenkrad zackig um und tritt beherzt auf die Bremse. Was passiert? Das Auto geht in die Kurve und bremst hart ab. Das ist doch etwas lauter als sonst, im Ansatz häßlich, wenn auch immer noch elegant, und durchaus nicht dem Sektglas in der Hand der Beifahrerin angemessen. Jeder Beifahrer dürfte etwas verändert nach links gucken. Langweilig? Also ich finde das extrem aufregend. Vielleicht könnte ich mit harter Arbeit ein Auto ohne diese Qualitäten aus dem Schleudern abfangen, und wenn ich noch Glück hätte, könnte ich beeinflussen, wo und wie ich irgendwo einschlage, hoffentlich aufs Feld, weit weg von Lebendem. Für meine sterbliche Hülle und die von anderen Leuten halte ich aber Glück allein nicht für angemessen, alle sicher nach hause zu bringen. Im 21. Jahrhundert will ich mehr.

 

Es gehört ein umfassendes und über einzelne Themen der Konstruktion übergreifendes, integratives Verständnis von Fahrzeugbau dazu, ein Auto zu bauen, das zwar nicht die Grenzen der Physik verschieben kann, dafür aber andere Grenzen verwendet, weil es für sie konstruiert wurde. Ich weiß aus Erfahrung, daß mein 330d ohne gefährliche Lastwechselreaktionen bei Tempo 200 zwischen zwei Leitpfosten (50m) die Spur wechseln kann - ohne Eingriff des DSC. Das ist eine Eigenschaft, bei der Sportlichkeit sehr wesentlich zu Sicherheit beiträgt. Der 5er kann das sicher auch (habe es nicht probieren müssen), aber für ihn scheint das auch nicht unbedingt ein besonderes Manöver zu sein. Aktive Wankstabilisierung und einstellbare Dämpferabstimmung sowie lenkende Hinterachse und geschwindigkeitsabhängige Lenkübersetzung sind in ihrer Wirkung so verblüffend, daß es schwerfällt, sie zu beschreiben. Da die Teilnehmer des Tages zwischen einigen Fahrzeugen wählen und auf diese Weise auch viele Kombinationen von Motor, Lenkung und Fahrwerk ausprobieren konnten, entstand ein Vergleich, um den ich als Technik-Fan die Konstrukteure und Testfahrer für ihre Arbeit beneide. So fühlt sich also die Elite an.

 

 

Aussteigen???

Wie? Gehen? Die Tanknadel hat sich doch gerade erst einmal bewegt, wir sind doch erst einen Tag unterwegs, da ist doch noch Sprit für eine halbe Woche drin. Wie wärs mit Gardasee? Nordsee? Hauptstadt? Schon übel, ich fühlte mich beklaut, und der kleine Junge in mir protestierte und plante eine Rebellion. Schade, schon vorbei, der Tag. Dabei hatte ich schon das Fingerspitzengefühl, das ich für den Umgang mit Technik haben möchte.

Ich gewöhne mich nur sehr zögerlich an ein anderes Auto, vertraue der Technik noch zögerlicher und bin mit gelegentlich geschäftlich genutzten Mietwagen anderer Hersteller oft genervt. Nicht wegen der merklichen Entfernung zur Perfektion dieser Fahrzeuge, sondern wegen der offenkundigen Weigerung der Hersteller, ihrer Aufgabe als Integratoren von Subsystemen, die sie von dutzenden Zulieferern einkaufen, gerecht zu werden. Konzepte wirken gestückelt und nicht zusammenhängend, man gewöhnt sich an funktionale oder qualitative Mängel statt an Erfüllung von Sinn und Zusammenhang. Ein Blick in den Motorraum gebärt unter Schmerzen die Vorahnungen für die Anzahl von Stellen ganz unten rechts auf einer Reparaturrechnung, wenn das Auto halb demontiert werden muß, um ein einzelnes Teil (wie etwa eine Glühbirne) auszutauschen. Daran muß man bei einem BMW zum Glück nicht denken. Zwar wirkt die dichte Bepackung des Motorraums wie ein Marderschutz, weil der vielleicht wegen der Enge gar nicht da hinein will, aber man kommt mit ein paar Schrauben und einem oder zwei Aggregatabbauten relativ schnell an alles heran. Nach dem, was ich sehen konnte, würde ein Mechaniker mit nötiger Ausrüstung (Kühlmittelevakuierung, Diagnosecomputer, ...) keine zwei Stunden brauchen, um den Motor mit Getriebe auf einer Palette unter dem Auto stehen zu haben.

 

Ich wußte, daß neben den bunten Erlebnissen des Tages auch meine Einstellung zu Technik zur Reflektion anstand. Dies hin und wieder zu tun ist gewinnbringend, weil es für Neues und Fortschritt oder etwa auch einen ganzen Paradigmenwechsel öffnet. Es ist durchaus beeindruckend, wie Innovationsfähigkeit und Beweglichkeit buchstäblich auf die Straße gebracht werden kann, wenn eine Idee nicht mit einem Glauben überzogen oder von einer Marketingabteilung demontiert wird.

 

Es gibt wieder ein Kühlmitteltemperaturinstrument im 5er, und es zeigt sogar etwas an (im Gegensatz zu dem im E46, das ab 75°C mittig stehen bleibt, bis ein Fehler im Kühlsystem mehr als offenkundig ist). Im 3er der E90 Baureihe hat man das Instrument verschwinden lassen, angeblich weil die Motortemperatur nicht mehr relevant sei für die Belastbarkeit der Maschine. Ganz sicher ist die Motortemperatur bei heutigen Motoren nicht mehr so wichtig wie bei solchen von vor 20 Jahren. Man verwendet keinen Grauguß mehr, und die Öle sind wesentlich leistungsfähiger als damals. Wir haben aber nach wie vor Motoren mit langer Bauart, deren thermische Verspannungen sich während des Aufwärmens in Anteilen über die Länge aufaddieren. Deswegen ist gerade bei einem Reihensechszylinder die Belastung während des Aufwärmens kritisch. Ich begrüße sehr, daß die Techniker die Produktmanager überzeugen konnten. Das macht mir Hoffnung, hat doch dieses Detail und eine Reihe anderer in eine Entwicklungsrichtung gewiesen, die nach Sparzwang im Premiumsegment riecht. Jedenfalls hoffe ich, daß das Thermometer nicht ein Kombiinstrument-real-estate-Kompromiss aus Symmetriegründen oder gegenüber einem größeren Info-display war.

Es gibt aux-in und USB in der Mittelkonsole unter dem Ellenbogen. Die automatische Geschwindigkeitsregelung und Begrenzung (-> Tempomat!) ist so sauber und sorgfältig programmiert, wie man es in keinem Radiowecker wiederfindet. Wenn die Bleib-stehen-trotz-Wandlerschlupf-wenn-ich-angehalten-habe-Schaltung aktiv ist und man die Tür öffnet, aktiviert sich die Handbremse. Alles keine Zauberei, alles logisch, aber eben nicht nur gedacht, sondern getan. Es gibt mit Sicherheit einige Dutzend dieser Findigkeiten und einige Hundert Kleinigkeiten, die Denken demonstrieren. Das ist sehr erfrischend.

Der Spurhalteassistent ist so ein Streitthema, ebenfalls erfrischend. Ich finde ja, daß es unverantwortlich ist, so zu delirieren, daß man den Spurhalteassistenten braucht (es rappelt im Lenkrad, wenn eine Begrenzungslinie überfahren wird. Funktionierte recht gut.), und dennoch zu fahren. Als Gegenargument kommt sicher, daß der Assi nur dann anspricht, wenn bereits ein Fahrfehler mit Unfallpotential vorliegt, und er greift ja nicht in die Lenkung ein. Also erhöhe er die Sicherheit und sei dabei auch noch zurückhaltend. Ich entgegne, daß müde oder betrunken zu fahren ein gravierender Verstoß gegen Vernunft, Verantwortung und Gesetze ein menschliches Problem ist, das mit Technik zu lösen nicht schlüssig sei. Ich kann einem unlogischen Versuch, Fahrtüchtigkeit als Basisvoraussetzung, eine potentielle Waffe zu bewegen, mit elektronischen Hilfsmitteln von einem Minus- in einen Plusbereich anzuheben, nichts abgewinnen. Nun gut, ich hoffe, daß es nicht zu zynisch ist, den Spurhalteassistenten als eine sinnvolle Ergänzung zum iDrive zu sehen.

Anders die Einparkautomatik und die Rückfahrkamera. Hier geht es um Stoßstangen, Lack und Scham, hat mit Sicherheit und Verantwortung wenig zu tun. Ist schon gut, wenn man ein Auto präzise einparken kann, aber es ist noch schöner, wenn man es nicht muß. Die Mindestmaße der Parklücken sind wohl Benchmarks und dürften bei der federführenden Entwicklungsabteilung für ein neugieriges Beäugen der Mitbewerber im Markt sorgen.

 

Autofahren - nicht nur die Mobilität, sondern eben auch die Freude daran und an der Technik - erzeugt für mich einen Anspruch, der gar nicht so leicht erfüllbar ist. Natürlich spielt dabei auch Geld eine Rolle. Man hört oft, daß so ein feiner Wagen doch eine ordentliche Stange Geld kosten würde. Natürlich, neue Wege sind nie umsonst. Aber es ist ein Deal, man bekommt einen Wert, den zu erkennen und zu schätzen nicht nur Technikfans oder Prestigefanaten vorbehalten ist. Wer Subtilitäten, Details und Schlüssigkeit schätzt, wird beim 5er F10 Monate damit beschäftigt sein, sie aufzuspüren und sich zu wundern. Wer leise Töne hören mag, spürt die Freude, die viele Menschen diesem Auto geschenkt haben.

 

Roman.


Blogautor(en)

draht330d draht330d