Daimler verschiebt Wasserstoff-Antrieb - Zu teuer für den Autokäufer

verfasst am

Daimler will den Marktstart der B-Klasse F-Cell auf 2017 verschieben. Das meldet die „Automobilwoche“. Daimler sucht Partner, damit der Zukunfts-Antrieb gemeinsam günstiger wird.

Mercedes-Brennstoffzelle: Beim Erstling Necar 1 (1994) passte der Antrieb gerade so in einen Transporter. Mercedes-Brennstoffzelle: Beim Erstling Necar 1 (1994) passte der Antrieb gerade so in einen Transporter. Quelle: Daimler

München - Hohe Reichweite, alle Vorteile des Elektromotors und aus dem Endrohr emittiert nur Wasser: Die Brennstoffzelle erscheint als Königsweg aller Antriebsfragen. Vorweg marschierte bisher Daimler. Bereits seit 2010 befinden sich B-Klasse-F-Cell-Fahrzeuge in Testkundenhand und werden in Europa und den USA im Alltag bewegt. Ergebnis: Die Technologie besteht. Könnte man doch nur überall tanken - und die Fahrzeuge bezahlen.

50 Wasserstoff-Tankstellen bis 2015: Am Infrastrukturprojekt soll in jedem Fall festgehalten werden. 50 Wasserstoff-Tankstellen bis 2015: Am Infrastrukturprojekt soll in jedem Fall festgehalten werden. Die gelungenen Feldtests ermutigten Daimler-Chef Dieter Zetsche zu der Ankündigung: 2014 startet Mercedes die Serienproduktion von Wasserstoff-betriebenen Pkws.

Steigt Daimler nun aufs Bremspedal? Wie die Branchenzeitschrift „Automobilwoche“ meldet, will der Konzern die Markteinführung der Brennstoffzelle um drei Jahre auf 2017 verschieben.

Begründung: Ein wettbewerbsfähiger Preis sei derzeit nicht möglich. Mit dem gleichen Argument hatte Konkurrent Audi kürzlich seine Bemühungen auf dem Gebiet der Elektromobilität eingestellt.

Marktfähiger Preis derzeit nicht möglich

Ein Daimler-Sprecher wollte die Meldung gegenüber MOTOR-TALK „weder bestätigen noch dementieren“. Daimler halte nach wie vor am Brennstoffzellenantrieb fest. Technisch, das zeigen die bisherigen Tests, wäre das System bereit für die Kundschaft.

Trotzdem erscheint es logisch, wenn Daimler die Investition in eine Markteinführung vorerst scheut. Auch wenn noch kein Hersteller konkrete Preise nennt: Wettbewerbsfähig wären Brennstoffzellenfahrzeuge derzeit kaum. Im Zusammenhang mit einem für 2015 geplanten Nissan-Wasserstoffauto wurde beispielsweise ein möglicher Endpreis von 125.000 US-Dollar kolportiert.

Skaleneffekte durch Kooperationen

Ford Fusion Hydrogen 999. In Kanada kooperieren Daimler und Ford seit 2008 bei Wasserstoffantrieben. Ford Fusion Hydrogen 999. In Kanada kooperieren Daimler und Ford seit 2008 bei Wasserstoffantrieben. Senken ließe sich der Preis über die Stückzahl. Deshalb will Daimler zunächst die Kooperation mit anderen Herstellern vertiefen. Mehr gemeinsam entwickelte und genutzte Komponenten bedeuten weniger Kosten für alle. Gemeinsam mit Ford betreibt Daimler seit 2008 die kanadische Automotive Fuel Cell Cooperation (AFCC). Das Joint Venture entwickelt und baut Komponenten für Brennstoffzellen-Antriebe.

Noch enger soll auch die Allianz mit Renault-Nissan werden, auch auf dem Gebiet Wasserstoff-Antriebe. Möglichst so eng, dass die Technik in Fahrzeuge beider Konzerne eingebaut werden kann. Nissan stellte 1996 sein erstes Wasserstoff-System vor. Der 2012 auf dem Pariser Salon vorgestellte aktuelle Prototyp (im Nissan Terra) soll nur noch ein Sechstel des Vorgängermodells von 2005 kosten.

Infrastrukturprojekt läuft weiter

In seinem Fuhrpark fährt die B-Klasse F-Cell schon: Bundesverkehrsminister Peter Rammsauer In seinem Fuhrpark fährt die B-Klasse F-Cell schon: Bundesverkehrsminister Peter Rammsauer Laufende Infrastrukturprojekte werden vom Aufschub des Pkw-Serienstarts nicht betroffen sein. So beteiligt sich Daimler gemeinsam mit u. a. dem Wasserstoff-Systemanbieter Linde Group, der Bundesregierung und dem Tankstellenbetreiber Total am Aufbau von 50 Wasserstofftankstellen bis 2015 in Deutschland. Damit wäre in den meisten Regionen eine Grundversorgung gesichert - mehr allerdings auch nicht.

Egal ob 2014 oder 2017, technisch präsentiert sich der Wasserstoffantrieb heute ausgereift. Damit ihn am Ende auch jemand bezahlen kann, haben die Hersteller noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Eine gemeinsame Lerngruppe ist hier die logische Konsequenz, um die Technik auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vorantreiben zu können.

 

Quelle: MOTOR-TALK

Avatar von Björn Tolksdorf Björn Tolksdorf (bjoernmg)
46
Diesen Artikel teilen:
46 Kommentare: