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Pischetsrieder und Gottschalk für bessere Rahmenbedingungen
"Es gibt wohl kaum eine andere Branche, die so vehement in die Zukunft investiert wie die deutsche Automobilindustrie. In den letzten fünf Jahren betrugen die Investitionen 50 Milliarden Euro, davon 11,7 Milliarden Euro allein im Jahr 2002. Für Forschung und Entwicklung hat diese Schlüsselbranche im vergangenen Jahr 15,1 Milliarden Euro aufgewendet - das ist ein Drittel aller FuE-Mittel der gesamten deutschen Wirtschaft", betonte Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich des Technischen Kongresses des VDA, der am Mittwoch in Wolfsburg eröffnet wurde. Die Automobilindustrie habe sich in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld als stabilisierender Faktor erwiesen. "Fragt sich nur, warum man gerade einer solchen Branche ständig neue Knüppel zwischen die Beine wirft", so der VDA-Präsident, der damit auf zusätzliche Belastungen durch die Firmenwagen- und Ökosteuer sowie die Maut hinwies. Seit mehr als drei Jahren werde die Automobilkonjunktur vom Export getragen, die Inlandsnachfrage sei nach wie vor verhalten: "Auch wir haben ein verdammt schweres Umfeld, uns wird nichts geschenkt. Aber wir zeigen doch eine erhebliche Widerstandskraft."
Dr. Bernd Pischetsrieder, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, forderte vor der Presse, dass staatliche dirigistische oder ordnungspolitische Eingriffe sowie steuerliche Maßnahmen so angelegt sein sollten, dass sie weder die Möglichkeiten der Hersteller überfordern noch die Kaufkraft der Kunden überstrapazieren: "Mit sinnvollen Rahmenbedingungen kann die Funktion der Automobilindustrie als Innovationsmotor und weiterhin wichtiger Faktor für Wachstum und Beschäftigung in diesem Land gestärkt werden."
Der zweitägige Technische Kongress des VDA, der zum fünften Mal durchgeführt wird, gehört zu den Highlights der Branche: Innerhalb von zwei Tagen können die rund 500 Teilnehmer 43 Vorträge von internationalen Top-Autoren aus Wirtschaft und Politik zu den verschiedensten Technik-Themen mit den Schwerpunkten "Umwelt und Energie" sowie "Elektronik und Telematik" hören. Erstmals gibt es zusätzlich eine Kongress-Ausstellung, auf der Fahrzeuge mit Zukunftstechnologien zu sehen sind.
Dr. Pischetsrieder betonte: "Nicht die Technik bestimmt, was in ein Auto kommt, sondern der Kunde." Technische Innovationen müssten für den Kunden erkennbar und so von Vorteil sein, dass er sie vermissen würde, wenn es sie im Fahrzeug nicht gäbe. Zudem dürfe die Bedienung nicht zu kompliziert sein.
Prof. Gottschalk wies darauf hin, dass mit Hilfe der Elektronik die freiwillige Selbstverpflichtung bei der Kraftstoffreduzierung neuer Fahrzeuge auf gutem Wege sei: "Vom Reduzierungsziel 25 Prozent haben wir bereits mehr als 20 Prozent erreicht." Allerdings seien weitere Schritte mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden. Der VDA-Präsident betonte, dass durch vernünftige Infrastrukturmaßnahmen ein Großteil des durch Staus verursachten Mehrverbrauchs an Kraftstoff - jährlich 12 Milliarden Liter - sowie der zusätzlichen CO2-Emissionen - 30 Millionen Tonnen - eingespart werden könnte.
Die deutschen Automobilhersteller setzen verstärkt auf synthetische Kraftstoffe, um das Autofahren in Zukunft noch umweltfreundlicher zu machen. Die Konzerne Volkswagen und DaimlerChrysler stellen auf dem Technischen Kongress erstmals ihre Zukunftsszenarien für eine umweltfreundliche Mobilität mit Hilfe von synthetischem Kraftstoff vor. Schon in wenigen Jahren könnten solche Kraftstoffe verstärkt zum Einsatz kommen. Dr. Pischetsrieder: "Eine wichtige Zukunftsaufgabe der deutschen Automobilindustrie ist die Weiterentwicklung herkömmlicher Kraftstoffe sowie die Einbeziehung der Biomassepotenziale zur nachhaltigen Bewirtschaftung unserer natürlichen Ressourcen. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Politik sich nicht nur einseitig auf langfristige Technologien wie Wasserstoff konzentrieren würde, sondern auch kurzfristige Optionen wie SunFuel und SynFuel fördern könnte."