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Im MT-Test: Mini Countryman SD - Mit dem Mini Countryman zu Mutti

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Niedliche Autos gefallen MOTOR-TALK-Redakteur Constantin Bergander gar nicht. Für den Countryman-Test holte er sich deshalb Hilfe. Bei seiner Mutti.

Mini Countryman SD: Süß und rund Mini Countryman SD: Süß und rund Knuffige, süße Autos sind einfach nicht mein Ding. Ich mag sportliche, schicke, funktionale und gerne unvernünftige Fahrzeuge. Aber rund und niedlich? Deshalb hab ich eine Expertin beim Test konsultiert: meine Mutter. Sie fährt ihren 1998er Nissan Micra namens Lucie „weil sie so lieb guckt“. Eine perfekte Grundlage, um das Design des Countryman beurteilen zu können.

Kraft & Quelle

Zu Zeiten des Ur-Minis war an einen Dieselmotor nicht zu denken. Damals waren Selbstzünder in PKWs als Wanderdünen verschrien – das passte nicht zum flinken Go-Kart-Image des britischen Winzling-Flitzers.

Heute sind Diesel kultiviert und salonfähig. Seit der Übernahme durch BMW im Jahr 2000 darf der englische Kleinwagen nageln. Im Countryman SD verrichtet ein (trotz BMW-Genen) quer eingebauter Vierzylinder Turbodiesel mit zwei Litern Hubraum seinen Dienst. 143 PS reichen für 198 km/h auf der Geraden, 305 Newtonmeter ab 1.750 Touren beschleunigen das SUV in 9,4 Sekunden auf 100 km/h. Für 1.700 Euro Aufpreis bietet Mini den Allradantrieb „All4“ an, der Frontantrieb reicht im Großstadtdschungel aber völlig.

Gar nicht Mini: Der Countryman ist groß Gar nicht Mini: Der Countryman ist groß

Fahr & Spaß

Mutti findet ihn ganz schön flink. Recht hat sie, nicht nur im Vergleich zu ihren 55 PS: Der Mini Countryman geht anständig vorwärts. Bei jeder Drehzahl steht genug Drehmoment zur Verfügung, er trägt das „S“ vor dem „D“ zu Recht. Das harte Fahrwerk unterstreicht den sportlichen Charakter und wirkt der SUV-typischen hohen Sitzposition entgegen. Dynamisch kann der Countryman ja so einiges, aber eines kann er nicht. Die Physik ihrer natürlichen Kraft berauben. Wer Kurven liebt und einen Mini will, soll das Original nehmen. Aber nicht diesen hochbeinigen SUV-Verschnitt.

Der taugt ohnehin mehr für die Stadt. Hier fällt er auf, so stark, dass sich hübsche Mädchen nervös in den Haaren spielen, wenn er neben ihnen hält. Meiner Mutter ist das egal. Total. Die sieht über die jungen Dinger und alle anderen Autos hinweg. "Constantin," sagt sie. "Constantin, so einen will ich. In dem sehe ich endlich mal alles." Ich sitze auf dem Fahrersitz und Männer gucken mich mitleidig an. Mutti findet Gefallen in ihrer Rolle als Co-Lenkerin. Und genießt die Aufmerksamkeit: „Die gucken alle so neidisch. Fahr mal langsamer!“

Blech & Form

Ich sehe, wie der Countryman polarisiert. Mutti sieht etwas anderes: „Der wirkt klasse! Und guckt so lieb.“ Das stimmt nur bedingt. Mein Countryman SD hat die gleichen Kulleraugen wie die kleinen Modelle, aber mit dem „S“-Kühlergrill soll er aggressiver ausschauen. Mutti übersieht das. Dafür stört die sich an etwas anderem: „Der ist ja doch ganz schön groß!“ Naja, sie meint hoch. 1,56 Meter ragt er in die Luft. Gefühlt sind das zwei Ur-Minis übereinander. Mit 4,10 Meter Länge geht das so mit der Parkplatzsuche, der neue Golf misst 15 Zentimeter mehr.

Rund, stylisch und unübersichtlich Rund, stylisch und unübersichtlich Im Innenraum findet Mutti ähnliche Worte. Diesmal drücken sie Begeisterung aus: „Der ist aber schön groß!“ Besonders angetan hat es ihr der Tacho mittig im Armaturenbrett. Ablesen kann den kein Mensch vernünftig, dafür sieht er, ihr ahnt es, hübsch aus. Fast alle Schalter sind mit Chrom überzogen, befinden sich aber nicht immer am logischen Platz. Die Farbe der Ambientebeleuchtung lässt sich ändern, die Einparkhilfe plingt ungewohnt melodisch. Spielereien, die zum Mini passen und plötzlich sogar sinnvoll erscheinen. Mutti = hin, weg, begeistert.

Koffer & Raum

Überhaupt nicht mini ist dieser Maxi von drinnen. Da hat Mutti Recht. Vier Türen, ausreichend Platz für vier Erwachsene und 350 Liter Kofferraum. Ein fünfter Fahrgast würde in den Countryman passen. Wenn alle drei hinten sehr wenig essen, und zwar immer.

Wo Design wichtiger als Funktion ist, bleibt kein Platz für Praktisches. Handy, Brieftasche, Schlüssel, all das fliegt auf dem leeren Beifahrersitz umher. Ablagen gibt es kaum. Immerhin: Ein Brillenetui sitzt sehr stylisch unter der Mittelkonsole. Es gibt ein Ablagenpaket, aber nur beim Viersitzer.

Ende & Urteil

Manche Dinge passieren, ohne das man selbst spürt, warum. Irgendwann fing diese aufgepumpte Knutschkugel an, mir zu gefallen. Motor, Schaltgetriebe und Fahrwerk, alles tip und top. Gut, die Sitze harmonieren nicht so recht mit meinem ausufernden Körperbau. Mutti wollte ja immer, dass ich wachse.

Für 27.300 Euro gibt es modernen, zeitlosen britischen Style. Den bietet ja heute kein anderer in dieser Art. Kombiniert mit BMW-Technik. Natürlich gibt es Autos, die vergleichbar und günstiger sind. Auffallen und Spaß haben kann man aber mit keinem so wie mit dem Countryman.

 

Die technischen Daten

Modell: Mini Cooper SD Countryman

Motor: 2,0 Liter Turbodiesel, vier Zylinder, vorne quer

Getriebe: Sechsgang Schaltgetriebe

Leistung: 143 PS

Verbrauch laut Werk: 4,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer

CO2-Ausstoß: 128 Gramm pro Kilometer

Testverbrauch: 6,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer

Länge x Breite x Höhe: 4,1 x 1,79 x 1,56 Meter

Kofferraum: 350 - 1170 Liter

Preis: ab 27.300 Euro

 

Quelle: MOTOR-TALK

Avatar von Constantin Bergander Constantin Bergander (SerialChilla)
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