Motorkultur

Land Rover Experience Tour 2011: Horizonterweiterung in Bolivien

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Für gewöhnlich bringen uns die Chromjuwelen an Orte, an denen man auf viele Autos und noch mehr Menschen trifft. Gut besuchte Autotreffen, internationale Messen, inspirierende Garagen. Erstmalig waren wir jetzt da, wo es eigentlich kaum Menschen gibt. Und noch weniger Autos. Und schon gar keine Straßen.

Zumindest nicht solche, wie wir sie kennen. Der Grund: Continental hatte uns kurzfristig um die halbe Welt nach Bolivien verfrachtet, zur Land Rover Experience Tour 2011. Einmal den Horizont erweitern. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Start in Cochabamba - ab nach oben

Mein persönliches Querfeldeinabenteuer startet in Cochabamba. Von hier aus geht es aufwärts, im ersten Anstieg bis über 4000 Meter. Willkommen in der Bergwelt Boliviens, in der Höhen unter 3000 Meter eher die Seltenheit sind. Willkommen in einer Welt voller überwältigender Landschaften. Willkommen auf einer Reise voller bewegender Momente, die wie in Zeitlupe ablaufen und doch zu schnell vorbeiziehen.

Dass unser Land Rover Defender höhenbedingt auf 30-40% seiner Leistung verzichten muss, nehmen wir zwar zu Kenntnis, spielt aber so gar keine Rolle. Zu stark ist das Glücksgefühl, das Mediziner an dieser Stelle sicher als Höheneuphorie erklären würden. Eines, das sich sogar noch verdoppelt, wenn man es teilt. Ein Zustand, den ich als Küstenkind persönlich bisher nur vom Segeln kannte. Ich fühle mich Albert Schweizer sehr verbunden.

Gemeinsam im Höhenrausch

Das Besondere an der Tour ist nicht nur der ungewöhnliche Ort, sondern auch das Team – das zunächst zufällig aus Journalisten, Teilnehmern und Veranstaltern zusammengewürfelt wirkt. Im weiteren Verlauf wächst es aber zu dieser besonderen Gemeinschaft zusammen, die jedes Erlebnis noch wertvoller werden lässt.

Gemeinsam staunen wir über Landschaften, die sich nach jeder Ecke komplett zu verändern scheinen. Mal grün und fruchtbar, mal karg und staubig – es wirkt, als habe "der liebe Gott" noch ein paar Ideen über gehabt und sie hier verwirklicht. Ganz zu schweigen von dem Himmelszelt, das einen nach den Sternen greifen lässt. Wenn man auf dem Dach des Land Rovers unter freiem Himmel schläft.

Enden soll unsere erste Etappe von Cochabamba über Independencia bei David, einem Freund von Hans-Hermann Ruthe – neben Dag Rogge unser zweiter Gastgeber. Als Besitzer einer Gold- und Antimon-Mine lässt es sich David nicht nehmen, uns mit drei Dynamitsprengungen zu begrüßen, während Freunde uns eine Art Spanferkel im Erdloch zubereiteten. Dieses an sich schon unwirkliche Erlebnis kann nur noch von einem Fußballspiel auf 2900 Meter gegen eine Höhen-erprobte bolivianische Mannschaft versüßt werden. Was übrigens in einer Niederlage endete. Mit dem 3:1 können wir gut leben, die Dunkelheit rettet uns vor der zweiten Halbzeit.

Höhepunkt und schlechte Sicht

Ein wenig früh beginnt der zweite Tag, der uns auf ein Pass in 5200 Meter Höhe führen soll. Nach einer Flussdurchfahrt landen wir tatsächlich auf einer asphaltierten Straße, die nach oben führt. Einen Moment später rechts abgebogen sind wir dann wieder auf gewohnten Terrain: schmale Straßen, Alpaccas rechts und links. Danach Bergfest, Gipfelbier, Photos, Posieren, noch einmal Photos und das alles vom Arzt genehmigt. Schließlich machen wir uns auf den Weg nach Araca.

Mein persönlicher Held auf dieser Etappe ist Roland, der es geschafft hat, die staubige Dunkelheit ohne Licht zu meistern. Theresa, seine Beifahrerin, blieb sehr gelassen, was fast noch erstaunlicher ist. Gastgeber für diesen Abend ist Hans Hesse - wieder ein Freund von Hans-Hermann. Es macht den Eindruck, als seien Hans-Hermann und Dag schon überall auf der Welt mindestens zweimal gewesen.

Hoch, Runter und mittendrin

Nach einer kurzen Nacht geht es in der Dunkelheit auf meine letzte Etappe nach La Paz. Zunächst durchqueren wir eine Landschaft, die fast gänzlich unbewachsen ist, irgendwie an eine Steppe erinnert. Anschließend befinden wir uns an einem trockenem Flussbett, das von einem Steingarten umsäumt ist. Ein Stück weiter treffen wir auf ein Kaktusfeld. Hier teilt sich unsere Gruppe in zwei Konvois. Während wir die "Straße" nehmen, gehen die Teilnehmer auf Erkundungstour im Flussbett. Beides hat seinen Reiz – die einen müssen Steine schleppen und Wege suchen, die anderen, wir, landen in einem kleinen Ort, wo wir einen bolivianischen Imbiss besuchen. Ich habe alle Warnungen des Arztes ignoriert und alles gegessen, was gut war.

Zur Etappe gehörte auch der Besuch einer Wolfram Mine, wo ich mir Freunde durch das Verteilen von Zigaretten gemacht habe. Ich hätte allerdings nicht 300 Meter in den Stollen gehen müssen, um festzustellen, dass der Beruf des Minenarbeiters nicht zu meinen Favoriten zählt. Es ist zu nass, zu eng und irgendwie bedrückend.

Zurück in die Realität

Um diese Erfahrung reicher, geht es jetzt nach La Paz. Das ist der unspektakuläre, wenn auch staubigste Teil der Strecke. Unser Hotel heißt "Oberland", was einen in die deutsche Realität zurückholt. Ein letztes Abendessen mit denen, die weiterfahren. Ich bin neidisch und traurig. Schließlich besteht doch die Gefahr, dass man sich aus den Augen verliert.

Zu acht treten wir die Heimreise an: La Paz - Santa Cruz - Madrid - Frankfurt - Hamburg, mit einem siebenstündigen Aufenthalt in Santa Cruz. Hier staunen wir das letzte Mal. Die Frau von Ciro, unserem bolivianischen Scout, holt uns mit einem Doppeldecker-Partybus inkl. Musik und tanzenden Freundinnen ab. “Cruising & Sightseeing” ist angesagt, doch zunächst ohne mich. Denn meine Gruppe war so überrascht, dass keiner auf die Idee kam, durch zu zählen, ob auch alle Mann an Bord waren. Danke Theresa an dieser Stelle für den Aufschrei.

Wehmütiger Blick zurück

Es waren "nur" drei Tourtage und zwei Tage An- und Abreise. Es kam mir vor wie drei Wochen, ich lasse Freunde zurück. Es war wohl eine der besten Wochen meines Lebens, was nicht nur an der Landschaft lag, sondern auch an den Menschen, denen ich begegnet bin. Nicht zu vergessen – ich habe vieles das erste Mal gemacht. Ich war noch nie so hoch mit festem Boden unter den Füßen, bin noch nie richtig Off-Road und über eine so langen Zeitraum so langsam gefahren, meine Straßen hatten irgendwie immer Leitplanken und ich habe das erste mal den südlichen Sternenhimmel erlebt und das Kreuz des Südens gesehen.

Danke Hans-Herman, Dag, Gomez, Stephan, Lutz, Ciro, Doc Dominic, Mayk, Christian und den Rest des Teams für dieses großartige Erlebnis und die perfekte Organisation. Danke Daniel, dass dein Anruf zur richtigen Zeit kam und ich keine Gelegenheit hatte, nachzudenken. Danke den Teilnehmern, Marion und Mark für die gemeinsame Nacht auf dem Autodach, Carolin und Clemens für das Kabel, Katja und Nils für die Verpflegung. Danke an die Kollegen, Roland, Stefan, Heiko, Phillip, Peer, Harald, Eva und Theresa für die gemeinsame Zeit. Das, was wir erlebt haben, nimmt uns keiner mehr.

An alle, die neugierig geworden sind sein noch die Empfehlung ausgesprochen, dass diese Tour, wie auch die vorhergehenden, weiterhin stattfindet. Es lohnt sich, das Angebot der Land Rover Experience wahrzunehmen. Der Bolivien Tripp ist noch nicht aktuell gelistet, die nächsten zwei Touren sollen jedoch ausgebucht sein.

 

Quelle: Chromjuwelen

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