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Hosen runter in Down Under

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Die Testphase ist vorbei. In Melbourne wird es ernst. Beim Saisonauftakt müssen die Karten endlich auf den Tisch. In unserer großen Australien-Vorschau steht alles, was man über den ersten Grand Prix des Jahres wissen muss.

Nach 10.751 Runden, 49.987 Kilometern und mehr als einer Million gespeicherter Datensätze über Sektorzeiten und Top-Speeds können wir das Kapitel Testfahrten nun endlich zu den Akten legen. In Melbourne geht es erstmals in diesem Jahr um WM-Punkte. Das Pokerspiel hat in Down Under endlich ein Ende. Spätestens im Qualifying muss jeder die Hosen runterlassen.

Mit sechs Weltmeistern stehen so viele Champions am Start wie noch nie in der Geschichte der Königsklasse. In Australien beginnt Saisonrennen eins von 20 - ebenfalls ein Rekord. Vettel will als jüngster Pilot aller Zeiten den WM-Hattrick feiern, Michael Schumacher gibt vielleicht schon seine Abschiedstournee. Es gibt also jede Menge Gründe am Sonntag früh um 7 Uhr rechtzeitig zum Start den Fernseher einzuschalten.

Wie immer vor einer neuen Saison gibt es auch an der Regelfront einige Neuerungen. Der Auspuff darf nun nicht mehr direkt auf den Diffusor blasen. Er muss weiter vorne an der Oberseite der Motorhaube austreten. Dafür sind die Nasen reglementbedingt tiefergelegt, was zu den markanten Entenschnäbeln führte. Die FIA hat zudem die Überholregeln noch einmal präzisiert: Aggressives Blockieren wird nun härter bestraft.

Die Strecke: Albert Park Circuit Melbourne

Die eckige Strecke im malerischen Albert Park hat schon einige dramatische Rennen produziert. Obwohl es sich nicht um einen Straßenkurs im eigentlichen Sinne handelt, werden Fehler hier hart bestraft. Die Kiesbetten sind tief, die Mauern gefährlich nahe. Wie immer besteht beim Auftaktrennen höchstes Überraschungspotenzial ? vor allem wenn die angekündigten Schauer tatsächlich zum Rennstart um 17 Uhr Ortszeit eintreffen sollten.

Fast Facts:

Höchste Querbeschleunigung: 3,5 g (für 0,5 Sekunden in Kurve 11)

Längste Vollgaspassage (Zielgerade): 14 Sekunden

Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 16 Prozent

Anteil der Geraden an einer Runde: 35 Prozent

Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 60

Vollgasanteil auf einer Runde: 66 Prozent

Geringste Geschwindigkeit: 80 km/h (Kurve 15)

Höchste Kurvengeschwindigkeit: 230 km/h (Kurve 5)

Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 290 Meter

Top-Speed: 310 km/h

Spritverbrauch: 2,5 Kilo/Runde

Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,46 Sekunden

Reifenverschleiß: 3/5

 

Das Setup für den GP Australien:

Die vielen engen Kurven verleihen der Hatz durch den Albert Park einen Stop & Go-Charakter. Die entscheidenden Faktoren sind hier eine gute Traktion und eine ordentliche Bremsstabilität, was auf dem glatten Asphalt nicht so einfach ist. Gefahren wird deshalb mit einer relativ weichen Federung. Das Setup muss aber mit dem stark steigenden Grip über das Wochenende immer an die Streckenverhältnisse angepasst werden.

Mangels langer Geraden werden die Flügel auf die steilste Stufe gestellt. Abtrieb kann man in den vielen Kurven von Melbourne gar nicht genug haben - vor allem auf der Vorderachse. In den engen Kehren neigen die Autos zum Untersteuern. Es ist deshalb wichtig, dass die Front auch dorthin fährt, wo der Fahrer hinlenkt. Der Reifenverschleiß sollte keine große Rolle spielen. Mit den Mischungen soft und medium ist Pirelli beim Saisonauftakt auf der sicheren Seite.

Die Updates:

Die Teams hatten nach dem letzten Test noch einmal zwei Wochen Zeit, in der Fabrik neue Teile zu bauen. In dieser heißen Phase der Saison haben wohl nur die wenigsten Ingenieure Däumchen gedreht. Caterham bringt einen neuen Frontflügel. McLaren hat ebenfalls größere Updates angekündigt. Auch bei Sauber hat man beim Testen erst 75 Prozent des Pakets gezeigt. Bei Red Bull will man mit den neuen Teilen antreten, die erst an den letzten zwei Testtagen im Einsatz waren. Marussia und Hispania kommen mit komplett neuen Autos.

Die Favoriten:

Man kann die Zeiten der Tests hoch und runter analysieren ? am Ende kommt es doch anders, als man denkt. Wir erinnern nur an das McLaren-Wunder vom Vorjahr, als die Chrompfeile auf dem Weg nach Down Under einen neuen Auspuff und anderthalb Sekunden fanden. Wir erwarten dennoch Red Bull ganz vorne. Um Rang zwei streiten sich McLaren und Mercedes. Im Mittelfeld wird es ganz eng. Bestätigen sich die Testeindrücke, muss Ferrari wohl um jeden WM-Punkt kämpfen. Den Tipp über die genaue Reihenfolge gibt es im auto motor und sport F1-Power-Ranking.

Expertenmeinung - Mark Smith (Technikchef Caterham):

"Melbourne bietet die üblichen Herausforderungen eines Rennens auf öffentlichen Straßen, die nur einmal im Jahr für den Grand Prix genutzt werden. Der Griplevel steigt über das Wochenende signifikant an, was das Finden der optimalen Balance für das Rennen etwas tückisch gestaltet. Die Soft- und Medium-Reifen kennen wir schon vom Testen, allerdings unter anderen Bedingungen auf einer anderen Strecke."

"Die Temperaturen in Melbourne sollten rund um die 20°C-Marke liegen, also gar nicht so weit entfernt von den Tests in Spanien. Die Charakteristik der Strecke ist aber komplett anders, mit hohen Bremsbelastungen und kritischer Stabilität am Kurveneingang. Der Fokus liegt auch auf der Traktion aus den langsamen Kurven. Das Überholen ist schwierig, deshalb werden KERS und DRS zu wirksamen Waffen im Zweikampf. Für Caterham ist es der erste KERS-Einsatz unter Rennbedingungen."

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Australien 2011

Wie in diesem Jahr herrschte vor dem Saisonauftakt große Spannung. Da kam es fast wie ein Schock, als Sebastian Vettel die gesamten Konkurrenz im Qualifying um knapp acht Zehntel hinter sich ließ. Der erste Verfolger Lewis Hamilton hatte weder im Zeittraining noch im Rennen eine Chance gegen den späteren Weltmeister. Für eine Überraschung sorgte im Rennen Vitaly Petrov auf Rang drei.

Gar nicht gut lief der Saisonauftakt 2011 für Mercedes. Schon nach 22 Runden stand der Doppelausfall nach unverschuldeten Kollisionen fest. Die größte Überraschung boten die Reifen. Die neuen Pirelli-Gummis hielten deutlich besser als erwartet. Sergio Perez kam sogar mit nur einem Stopp über die Runden. Sauber brachte zunächst beide Autos in die Punkte, wurde dann aber wegen Unregelmäßigkeiten am Heckflügel nachträglich disqualifiziert.

In unserer Fotogalerie haben wir schon einmal die ersten Impressionen vom Mittwoch im Albert Park.

 

 

Quelle: Auto Motor und Sport

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