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Immer auf dem Sprung: Die schnelle Eingreiftruppe von Renault
- Immer mehr Rennen entscheiden sich in der Boxengasse
- 22-köpfige Mannschaft ist optimal eingespielt
Vom Prinzip her ist es ganz einfach, in der Formel 1 Erfolg zu haben. "Zur richtigen Zeit die richtigen Leute auf dem richtigen Posten zu haben, kann über Sieg oder Niederlage entscheiden", sagt Jonathan Wheatley. Der Brite muss es wissen, denn er ist der Chef der schnellen Eingreiftruppe von Renault F1, die auch am Wochenende beim Großen Preis von Deutschland wieder im Mittelpunkt stehen wird. Denn immer mehr Rennen in dieser Grand-Prix-Saison werden in der Boxengasse entschieden. Beim Großen Preis von Frankreich wurden insgesamt 51 Boxenanfahrten registriert, in Silverstone standen während der Safety-Car-Phase zeitweise 14 Autos im Stau vor den Garagen. Alle im Bemühen, sich im Teamwork mit der Mechanikermannschaft am Gegner vorbei zu tanken. Hinter der rasend schnellen Inszenierung verbergen sich – wie auf einer richtigen Bühne – eine ausgeklügelte Choreographie und ein ausgiebiger Probenalltag. Bevor Jarno Trulli und Fernando Alonso das erste Mal in Hockenheim abgefertigt werden, hat die Crew von Renault F1 bereits 50 Tankstopp-Simulationen hinter sich gebracht. Immer auf dem Sprung zu sein, ist ihr Job. So werden die vermeintlichen Nebendarsteller ihrer Hauptrolle gerecht.
Es ist ein Ballett dick vermummter Männer, das zwei- bis dreimal pro Rennen – je nach Länge der Strecke und Art der Strategie – den Renault-Piloten das Sekundenglück ermöglichen will. Die Boxencrews gehören zu den heimlichen Helden der Formel 1. Zwischen Tragödie und Triumph liegt oft nur ein Handgriff. Der richtige eben oder der falsche. "In der Box muss alles organisiert sein. Jeder weiß genau, was er zu tun hat", erklärt Steve Nielsen, der als Sporting Manager von Renault die Übersicht in und vor den Garagen des Teams hat. Regeln, die keine Ausnahme kennen: "In der Formel 1 ist es oft das Überschreiten der Grenzlinie zwischen zwei Jobs, das Probleme bringen kann." Deshalb sind die Arbeitsbereiche beim Stopp-und-Go-Verkehr exakt abgesteckt. Wenn der Rennwagen einmal steht, muss alles wie am Schnürchen laufen. Die fixen Jungs lösen sich aus der Lauerstellung, in die sie der Funk einen Umlauf zuvor befohlen hat – und verfallen in eine Hektik, wie man sie sonst nur von den Wühltischen im Schlussverkauf kennt. Der Aktionismus in der Boxengasse allerdings verlangt höchste Perfektion und damit Konzentration von allen Beteiligten.
Zurücktreten von der Bordsteinkante, planmäßige Ankunft zum Boxenstopp. 22 Mann sorgen innerhalb von sieben bis zehn Sekunden für Volltanken, Reifenwechsel, Visierreinigung und – je nachdem – das Nachjustieren der Abstimmung oder der Flügel-einstellung. Der Star ist die Mannschaft, nirgendwo gilt das so wie beim vom Adrenalin getränkten Geschehen vor den Boxen. Wenn alles normal läuft sieht die kleine Inspektion eines Formel-1-Boliden durchschnittlich so aus:
0,2 Sekunden: Die Pressluftschrauber sitzen auf den speziellen Radmuttern, der Zentralverschluss wird gelöst.
1,0 Sekunden: Der Wagen wird gleichzeitig vorne und hinten per Hydraulik angehoben.
1,5 Sekunden: Der Einfüllstutzen sitzt auf dem Tankverschluss. Ein rotes Licht im Helmvisier zeigt dem Tankwart an, dass der Sprit fließt, zwölf Liter pro Sekunde. Zwei Mann stehen mit Feuerlöschern permanent zur Seite.
2,5 Sekunden: Die Räder mit den verbrauchten Reifen sind abgenommen, werden weggeräumt.
3,5 Sekunden: Die neuen Räder sind aufgesteckt und auf der Nabe zentriert. Pro Rad waren drei Mann beschäftigt: einer zum Lösen und Aufschrauben der Muttern, einer um den alten Reifen zu entfernen, einer um den neuen aufzustecken.
3,7 Sekunden: Die Räder sind angeschraubt. Die Pressluft-schrauber, die die Muttern festgedreht haben, werden abgezogen. Ein Sicherheitsstift wird aktiviert, er soll ein Loslösen des Rades verhindern. Jeder Reifenwechsler, der fertig ist, hebt seine Hand.
3,8 Sekunden: Das Auto wird wieder auf den Boden herunter-gelassen.
4,5 Sekunden: Dem Fahrer wird vom Mann mit dem Schild ("Lollypop") vor ihm angezeigt, den ersten Gang einzulegen. Noch steckt der Tankrüssel im Heck.
7,0 Sekunden: Die Visieranzeige des Tankwarts springt auf Grün, der Schlauch wird abgezogen. Der Lollypop-Mann dreht sein Schild auf "Go"
Wer schon einmal einen Reifen an seinem Auto wechseln musste, wird die Zeiten zu würdigen wissen. Die Rennfahrer tun das auch. Immer wieder sonntags wird das Teamwork in der Formel 1 besonders offensichtlich.