Motorkultur

Auto-Salon-Genf 2012: A-Klasse und andere Superlative

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Die Einladung liest sich wie ein Plot für den nächsten Chromjuwelen Roadmovie: „Hunting the new A-Class“ – auf dem Weg zur Weltpremiere der neuen Mercedes-Benz A-Klasse. Der Weg soll uns von Zürich via Bern nach Genf führen, wo wir am Montag Abend auf der Weltpremiere der neuen A-Klasse zu den geladenen Gästen zählen.

Damit begründet sich auch unsere Teilnahme, denn für einen guten Roadtrip sind wir immer zu haben, und die Studie der A-Klasse wurde uns schon letztes Jahr in Stuttgart vorgestellt. Hier interessierte uns die Frage, wieviel Motorkultur von der Idee zum fertigen Produkt verloren oder gewonnen wird.

Es ist auch eine gute Gelegenheit, die lieb gewonnenen Kollegen der deutschen Blogosphäre wieder zu treffen und neue kennen zu lernen. Und damit beginnt der Roadtrip, nicht auf der Straße, sondern auf einer Kartbahn in Winterthur. Das Kräftemessen mit 12 PS Elektrokarts endete in einem Rennen der sechs Qualifikationsschnellsten. Einem Rennen, das alle Evolutionstheorien bestätigt, die sich mit dem Begriff „Survival of the Fittest“ beschäftigen.

Adrenalinentladen beginnt unsere Jagd der A-Klasse. Das Fahrzeug, ein SLK 200, das für unseren Trip ohne Dach auskommen muss und über eine anständige Soundanlage verfügt. Während Ralf neben dem Fetzenflieger Platz genommen hat, wird mein Fahrer/Beifahrer und DJ Jan “Rambo” Gleitsmann. Ich freue mich auf die Tour, auch weil die komplette Fahrzeugflotte mit Continental-Reifen ausgestattet ist.

Der Roadtrip besitzt einen straffen Zeitplan, was etwas schade ist – denn so sind wir gezwungen, Autobahn zu fahren, was in der Schweiz mit einem Tempolimit von 120 km/h nur bedingt Spaß macht. Die Zwischenstopps bringen uns der A-Klasse näher, zunächst der Studie und der Designidee, dann dem getarnten Testwagen und gibt uns Einblicke in die Entwicklungen, die bei Mercedes mit dem Slogan “Always On” bezeichnet werden, der kompletten Vernetzung des Autos mit dem Internet, die für “Early Adopter” nicht wirklich große Überraschungen bereithält. Allerdings diesen Anspruch auch gar nicht für sich beansprucht. Es ging viel mehr um ein System, das die wichtigsten Funktionen und Dienste aus dem Internet im Auto bedienbar und updatefähig macht, ohne den Fahrer abzulenken. Unter diesem Aspekt sind einige gute Lösungen vorhanden, eine haben wir schon im SLK genutzt. Die Navigation über Facebook Places zum nächsten Wegpunkt: Genf.

Wir entscheiden uns in Lausanne die Autobahn zu verlassen und unseren Weg am Ufer des Lac Leman fortzusetzen, um diese malerische Gegend ohne die hektische Autobahn zu genießen.

Zeit genug ist vorhanden, die Musik im Auto wird etwas ruhiger, die Außentemperatur steigt auf von 2° auf 6°C. Alles scheint perfekt, bis wir in Genf das Stauende finden, das jeden Puffer unseres Zeitplans vaporisiert. Hektik. Hotel, Einchecken, Abfaht zur Weltprmiere wird zu einem Akt von 10 Minuten und lässt uns underdressed, mit Fliegen zwischen den Zähnen im Espace Hippomène aufschlagen.

Die Show beginnt, Tänzer und Lichtshow leiten die Vorstellung der A-Klasse durch Dr. Zetsche ein. Im professionellen Marketingdeutsch werden alle Vorzüge vorgetragen, mit verdienten Größen des deutschen Fußballs als Garnitur. Ich bin kein Freund des Phrasenbingos und halte mich an Hans Dieter Futschik, dem Head of Exterior Design, der uns letztes Jahr die Studie der A-Klasse vorstellte.

Von ihm bekomme ich die Informationen, die Emotionalität, die ich will und wünsche mir, dass diese Aussagen auch auf der Bühne vorgetragen werden. Der Stolz auf das Erreichte schwingt bei vielen seiner Aussagen mit. Die Freude, den Kühler und einen Großteil der Dynamik der Studie in die Serie überführt zu haben. Auch die “Trauer”, dass die Spiegel es nie durch die STVO geschafft hätten. Und immer wieder dieses zufriedene Lächeln auf meine Fragen.

Schließlich, die A-Klasse fährt auf die Bühne und sie ist tatsächlich sehr nahe an der Studie, wirkt auf Anhieb nicht wie ein “typischer Mercedes”, oder doch? Ich frage herum. Es bestätigt, was ich empfinde, die A-Klasse polarisiert, wirft Fragen auf, man setzt sich mit ihr auseinander. Das ist die Stärke des Fahrzeugs, der Rest der Wahrheit wird sich auf der Straße finden. Für mich persönlich besitzt sie in der Fahrzeugklasse großes Potential, zum Kulturgut zu werden.

Zu guter Letzt sehen wir noch einen Live-Act: Frida Gold. Wer sie nicht kennt, sollte der Band eine Chance geben und einmal reinhören.

Der nächste Tag steht im Zeichen des Autosalons. Eindrücke werden gesammelt. Immer wieder erstaunlich, wie sich die Pressemeute von einem Stand zum anderen bewegt, um sich mit Superlativen bei der Vorstellung und “Offenlegung” der “Neuheiten” berieseln zu lassen.

Wir suchen unsere eigenen Superlative.

Brabus benennt seine Autos nach Leistung, der Bullit 800 ist eine C-Klasse mit 800 PS. Das schönste Cockpit besitzt der Tesla, Model S. Das schönste Motiv bietet Koenigsegg. Den menschlichsten Messestand Smart, weil neben jedem Auto eine Person steht, in Smart Farbe gekleidet. Den schönsten und spannensten Inneraum besitzt Pininfarina.. Toyota liefert die beste alt-und-neu Installation. Lamborghini die aufregendste Front, die wildesten Frisuren. Mercedes-Benz die größte Presseshow. Die passenste Hostess-Auto-Kombination finden wir bei Bertone. Die goldene Zitrone für die hässlichste Studie geht an Bentley. Und am schwersten zu schleppen bei trotzdem gute Laune hat Jan Wigger.

Ansonsten lassen wir Bilder sprechen, so dass sich jeder ein eigenes Urteil bilden kann. 

Quelle: Chromjuwelen

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