22.04.2012 15:43
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T-Bird2010
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Der Winter ist lang - zu kalt und nass für eine entspannte Motorrad-Tour nördlich der Alpen. Mit etwas Glück - und das hatten wir - betragen die Tagestemperaturen Ende März/Anfang April in Südosteuropa jedoch bereits 17 - 20 Grad. Weil eine erfolgreiche Alpenüberquerung auf zwei Rädern zu dieser Jahreszeit eher der Erfolgsquote beim Lottospiel entspricht, entschieden wir uns für den Autozug von Berlin-Wannsee nach Triest. Anfahrt, Wartezeit, Be- und Entladung mit 17 Stunden Zugfahrt nimmt einen kompletten Tag in Anspruch. Ankunft gegen Mittag in Triest bei Sonnenschein und 18 Grad. Die erste Ausfahrt bereits Ende März auf Nebenstrecken durch Istrien Richtung Opatija entschädigt jedoch für alles. Entlang der Küstenstraße ging´s dann weiter nach Senj. Bei der Tourenplanung sind wir auf Grund der Jahreszeit davon ausgegangen, nur die Küstenstraße und nicht das gebirgige kroatische Hinterland zu befahren. Da kannten wir „Bora“ aber noch nicht. Dieser stürmische Fallwind zeigte eindrucksvoll, dass selbst eine bepackte Maschine mit Fahrer - insgesamt eine halbe Tonne Gewicht - eine Fahrt an der Küste unmöglich macht. So fuhren wir den Pass hinauf und mit jedem Kilometer in´s Gebirge Richtung Hinterland nahm der Wind entsprechend ab. Die Straßenverhältnisse im Hinterland zwischen der Küste und der Grenze nach Bosnien sind verhältnismäßig gut. Viele Kurven, ein ständiges auf und ab mit einer wundervollen Landschaft. Erschreckend und dem Pauschalurlauber relativ unbekannt sind die zerschossenen Dörfer und Häuser sowie die noch nicht geräumten Minenfelder zur Grenze nach Bosnien. Wir bekamen jetzt erst eine Ahnung davon, wie nah an Europa dieser Krieg war und wie schrecklich er gewesen sein muss. Ob bei einer Kaffee-Pause in einem abgelegenen Berg-Gasthof, an einer Fernstraße, an der Küste oder im Hinterland- in Slowenien, Kroatien und Bosnien – begegneten uns nur freundliche und hilfsbereite Menschen. Nächster Aufenthalt in Trojir, mittelalterliche Stadt und Unesco-Weltkulturerbe. Hier sollte man unbedingt eine Übernachtung einplanen. Ein Spaziergang durch die engen Gassen mit Abendessen bei Marijana lohnt die Fahrt an sich. Bei der Streckenauswahl ist jedoch zu beachten, dass auf den Karten eingezeichnete Hauptverkehrsstraßen in etwa unseren Kreisstraßen entsprechen. Abstecher auf „weiße“ Nebenstrecken sind meistens nur für Enduro-Fahrer geeignet. In Bosnien versagte dann das Navi – obwohl als Straßenmaterial installiert. Die kyrillischen Ortsangaben und Wegweiser ohne lateinische Übersetzung machten eine Orientierung bei bedecktem Himmel zum Abenteuer. Die Strecke von Gradiska durch den Nationalpark nach Banja Luka wäre ohne Regen wunderschön gewesen. Durch den Niederschlag erwiesen sich die Straßen – wie in Kroatien und Slowenien auch – bei Nässe als Rutschbahnen mit kleingefahrenem Split in der Fahrspurmitte als Zugabe. Mit den groß gefrästen Spurrillen in den Kurven verlangen diese Straßenverhältnisse höchste Konzentration. Bei uns würden auf dem gesamten Straßennetz Ölspur-Schilder stehen – und das zu Recht. Wunderschön sind auch die teilweise im Nationalpark gelegenen Gebirgsstrecken in dem Gebiet zwischen Karlovac, Zagreb, Ljubljana und Rijeka - wenn es denn trocken ist. Bei Nässe lieber meiden. In Kroatien kostet die Übernachtung im Einzelzimmer mit Frühstück in dieser Zeit 25 Euro im Hinterland und direkt an der Küste um die 60 Euro. Günstiger ist´s bei privaten Zimmervermietern. Die Hotels am Meer sind noch relativ leer, was auch auf die Küstenstraße zutrifft. In Bosnien ist alles noch günstiger. Grillteller mit einem halben Liter Bier für 2 Personen umgerechnet 5 Euro. Fazit: Im Sommer ist die Küstenstraße total verstopft, die Preise direkt am Meer unerschwinglich und das Hinterland dürfte selbst für eingefleischte T-Shirt-Biker unangenehm heiß werden. In der Vorsaison lassen die Temperaturen entspannte Touren zu, die Preise sind in Ordnung. Die Straßen sind bei trockenem Wetter gut befahrbar und relativ leer. 300 km pro Tag bei entspannter Fahrweise und Pausen sind locker zu schaffen. Die Landschaft ist wunderschön und die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ob Küstenstraße mit teilweise atemberaubendem Panorama oder Passstraßen mit Kehren, die sich mit kurvenreichen Gebirgsstrecken und gefälligen Tal- und Hügelstrecken abwechseln - für jeden ist etwas dabei. |