21.12.2011 12:46
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TschoK
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Kommentare (13)
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Volvo,
V70 I,
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Ja moin,
kaum ist ein neues Auto da (der erste Volvo nach x Jahren BMW) wächst auch wieder die Lust am Schrauben. Da ich bemerkt hatte, dass vorne in der Plastikwanne vorm Scheibenwischer Wasser stand, das nicht ablaufen konnte, wollte ich mal eben die beiden Abläufe frei machen. Gar nicht so einfach, vor allem nicht wenn man zwei linke Hände und ein Gehirn hat, in dem der Bereich, in dem Technik verstanden wird, genauso verstopft ist wie die Abflüsse an meinem neuen Elch.
Vorab: ich habe 3 Stunden gebraucht. Genauso lange wie für ein durchschnittlich schweres Computerspiel also. Und deshalb beschreibe ich es jetzt auch mal so.
Level 1: Problem erkennen und Lösungsweg ausdenken In der Kunststoffwanne hinterm Scheibenwischer im Motorraum steht Wasser. Es handelt sich offenbar nicht um Kühlwasser, also muss es Regenwasser sein. Regenwasser ist relativ normal, also keine Panik.
Wenn sich in einem Behälter irgendwo Regenwasser sammelt sollte es auch wieder rauskönnen. Bei einem Japaner würde vermutlich eine Warnlampe angehen wenn der Plastikbottich voll ist und man müsste damit zum Service. Bei einem Volvo hoffe ich auf eine einfachere Lösung und suche im Regenwasserteich nach einem Loch, wo das Wasser rauskann. Theoretisch.
Das Loch ist tatsächlich da. Und ein Schlauch hängt auch dran. Ich schlussfolgere, dass etwas verstopft ist und nehme mir vor, den Schlauch zu befreien.
Level 2: Befreie den ersten Schlauch, Beifahrerseite Ich pule mit meine Zeigefinger im Modder des Schlauches herum. Da mein Finger weder lang genug noch schmal genug ist, um den Modder komplett rauszupulen, brauche ich einen anderen Lösungsweg.
Versuch 1: Druck! Ich schließe den Gartenschlauch an, halte die Spritzpistole ins Loch, drehe die Spritzpistole voll auf - und erlebe das Vergnügen einer Wasser-Modder-Gesichtsdusche bei 2 Grad im Schatten. Gehe mich erstmal abtrocknen. So einfach geht es offenbar nicht.
Versuch 2: Draht! Ich friemel einen Drahtkleiderbügel auseinander und versuche ihn in das Loch einzuführen. Gar nicht so leicht... denn erstens ist es zu verstopft und zweitens ist der Draht auch nicht elastisch genug, um ganz durchzurutschen. Und wenn er das wäre, dann würde man die Verstopfung noch weniger lösen können. Ein Teufelskreis.
Versuch 3: Schlauch lösen. Meine Idee ist jetzt, den Schlauch oben zu lösen, damit ich etwas Dickeres als Kleiderbügeldraht durch den Schlauch jagen kann. Dazu muss ich erst diese fiese Schlauchklemme besiegen. Ich versuche es erst einmal mit bloßen Fingern. Das Ergebnis: Daumenkappe demoliert, Health-Set benötigt.
Mit Pflaster und Handschuhen geht die Klemme dann tatsächlich ab und ich habe genug Platz, einen Kunststoffschlauch in den Abflussschlauch zu klemmen und mit Gewalt durchzujagen. Das klappt!
Jetzt muss die Klemme wieder drauf, dann ist der erste Level geschafft. Versuche also mit dicken Handschuhen den Schlauch wieder auf den Stutzen zu bekommen und die Klemme drumrum zu platzieren. So ungefähr muss sich ein Epileptiker fühlen, der mit Fäustlingen ein viel zu kleines Kondom auf einen viel zu großen Freudenschwengel draufkriegen will... aber es klappt. Level 2 done.
Level 3: Befreie den zweiten Schlauch, Fahrerseite
Wiederholungen sind langweilig, Wohl deshalb schaffe ich beim ersten Versuch mit dem Draht grade mal 5 Zentimeter und stelle dann fest, dass der zweite Schlauch nämlich kein gerade nach unten laufender Abfluss ist, den man nach dem Lösen einer bösen Schnelle mit einem Draht oder Schlauch freilegen kann. Das wäre ja zu einfach. Stattdessen ist das Gummiteil kunstvoll wie eine Efeuranke um metallische Leitungen herumgeflochten.
Ich suche krampfhaft nach einem langen biegsamen Etwas, das trotzdem so hart ist wie Titan. Außer einem Körperteil, das ich für diesen Level nicht opfern möchte, fällt mir aber nichts ein. Hier hilft eine Standortverlegung: Das Auto muss auf die Grube und ich probiere es von unten.
Schnell den Schuppen freigeräumt, die Grubenabdeckung entfernt, Auto über der Grube geparkt, runtergeklettert und das Schlauchende gesucht. Schwer zu erkennen.. meine Hände und Finger tasten herum und suchen eine weiche Öffnung, in der Modder steckt. Bei der nächsten Party werde ich mich als Fahrzeugproktologe vorstellen. Die Öffnung ist irgendwann gefunden, aber der Versuch, hier von unten mit Draht gegen die Verstopfung vorzugehen führt nur zu ein paar Klecksen schwarzem Modder auf der Brille und sonst gar nix. Also bleibt nur ein radikaler Schnitt: Der Schlauch muss raus! Und zwar von oben. Habe für heute definitiv genug von schwarzem Modder in der Fresse.
Also raus aus der Grube. Pure Gewalt hilft oft weiter. Ich ziehe und zerre und fluche und drücke. Bis ich irgendwann merke, dass das Schlauchende per Kabelbinder mit einem weiteren Schlauchende verbunden ist. Wie praktisch! Ich lange also mit dem Arm in den Motorraum, zwänge ihn bis ganz nach unten und versuche den Kabelbinder zu lösen, während mich der Sicherungskasten an der Nase kitzelt. So stelle ich mir den Abschluss des feinmotorischen Teils einer Meisterprüfung zum Feinmechaniker oder Gehirnchirurgen vor...
Der Kabelbinder ist freigelegt! Das gibt Erfolgspunkte. Mein Arm ist etwas ramponiert, aber der echte Schrauber kennt keinen Schmerz. Versuche jetzt, den befreiten Schlauch aus dem Gestänge, um das er sich gewickelt hat, herauszuziehen. Ich drehe und reiße und ziehe und drücke und drehe... und ziehe... und liege letztendlich mit dem Schlauch auf dem Rücken im Tomatenbeet neben dem Auto. Egal, noch habe ich 2 Leben... also aufgestanden, Schlauchverstopfung gelöst, die Schuhe von schwarzem Modder gereinigt und gefreut.
Level 4: Platziere den Schlauch wieder auf der Fahrerseite
Ich schaue den Schlauch an. Schaue den Motorraum an. Und frage mich, ob es hierfür einen Cheat gibt. Natürlich könnte ich den Sicherungskasten entfernen, der am Domlager festgeschraubt ist. Wie raffiniert. Aber die Angst, dass mir nach dem Lösen der Schrauben der Stoßdämpfer in die Kauleiste knallt ist zu groß. Ebenso verwerfe ich den Plan, das Gestänge, um das sich der Schlauch windet, durchzusägen und anschließend wieder zusammenzulöten. Das kann leicht schiefgehen.
Ich überprüfe meine Spieleausrüstung und entdecke einen Schnürsenkel. Was würde McGyver tun? Ich schaue mich um, mein Blick bleibt an meinen Schnürsenkeln hängen – und ich habe eine Idee! Ich ziehe den Schnürsenkel aus meinem Schuh und verknote ihn mit den Öffnungen am Ende des Schlauchs, durch die der Kabelbinder gezwängt war. Dann lasse ich den Schnürsenkel durch das Gestänge gleiten und ziehe von unten mit voller Kraft. Und ziehe. Und ziehe weiter. Kurz bevor der Schlauch abreißt entdecke ich der Ecke des Schuppens eine große Tube Schmierfett. Das ist die Lösung!
Auf dem Weg zum Regal mit dem Schmierfett stolpere ich über meinen offenen Schuh und schlage mir den Kopf am Regal an. Ohne Opfer geht es nicht. Dann schmiere ich den Schlauch komplett mit Schmierfett ein und versuche dann erneut, das Teil um das Gestänge herum zu wickeln. Nach 5 Minuten ist der gesamte Motorraum glitschig wie die Nachgeburt eines Mammuts und ich kann mich kaum noch irgendwo festhalten, ohne runterzurutschen. Aus Angst den Kotflügel beim Ausrutschen zu demolieren klettere ich auf den verschmierten Motor, verliere meinen offenen Schuh, versuche dabei nicht auf dem Kühler auszurutschen, reiße unten am Schlauch und drücke oben und werfe dem Nachbarn, der interessiert aus dem Garten hinüberschaut ein überlegendes Lächeln rüber. Jetzt ein falsches Wort und ich platziere den Schlauch ganz woanders...
10 Minuten später sind die Hände fettig und komplett zerkratzt – aber der Schlauch ist drin. Den Schnürsenkel in der vollfettigen Umgebung wieder zu entknoten kostet mich weitere 20 Minuten. Um den Level abzuschließen muss jetzt noch der Kabelbinder wieder in die dazugehörigen Löcher am Schlauchende. Ich lege mich also wieder auf den immer noch vollfettigen Motor, lange nach unten und versuche, den Kabelbinder ins Loch zu bugsieren. So muss sich ein Tierarzt fühlen, der bis zum Oberarm in der Öffnung eines deutschen Rindviehs steckt und die Prostata, den G-Punkt oder ein vergessenes Werkzeug sucht...
30 Minuten später verlässt mich der letzte Rest meiner grobmotorischen Feinmotorik; meine Hände sind nur noch zu spastischen Zuckungen fähig. Immerhin freut sich meine Visage über eine Fettkur vom Feinsten – sofern ich das Zeug nachher abbekomme werde ich morgen eine Gesichtshaut wie ein Babyarsch haben. Und der Ablauf ist auch frei. Was will man mehr! |
Kommentare: 13
21.12.2011 13:00 |
TERWI
Faszinierend !
Unbeschreiblich unbeschreiblich.
Hoffentlich schnallen alle Leser, das es sich hier um ([un]gewollte ?) Satire handelt !
Oder doch echt und voll aus dem Leben ?
.... ich bin mir da als langjähriger MT'ler nicht wirklich sicher ....
Ich bin dafür, Tschok weiterhin die Tiefen des Elches ergründen zu lassen !
Aus den gesammelten Werken fassen wir dann das neue Buch 'Elche reparieren für Dummies' zusammen.
.... als lesenswerte Alternative zum 'Haynes' in Gedenken an Loriot.
Weiter so, tapferer Krieger !
PS: Was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn man mit dieser Scheuersand haltigen Waschpaste und einer Wurzelbürste die Schmodderfettreste aus den tiefen der Wunden herauszubekommen versucht ?
PS, die 2.: Gib mir doch mal die Adressen deiner Nachbarn. Werde im MT sammeln, um hochauflösende Kamras mit gutem Tele an die umliegen Bewohner verteilen zu können, damit wir so was auch mal live sehen können ....
21.12.2011 13:05 |
gtimarkus
Also ich liebe genau DIESE Art von Humor.
Dass meine Gesichtsabläufe nicht verstopft sind, habe ich gerade eben beim Lesen dieses Artikels eindrucksvoll erleben dürfen.
Danke für 15 Minuten Muskelkontraktion bis an die Schmerzgrenze.
Mehr blogs von Dir hier und meine Frau wird sich wundern warum sich mein Waschbärbauch mit zunehmendem Alter wieder rückverformt...
Markus
21.12.2011 13:37 |
scutyde
Genial geschrieben
Hat der V70 nicht 4 Abflüße? Zumindest mein 850er hat 2 Große wo die Schläuche sofort zu sehen sind ohne was abzumontieren und dann hat er noch 2 kleinere unter der Abdeckung (einer ist genau vor dem Sockel des Sicherungskastens...)
Gruß
Cristian
21.12.2011 13:41 |
mennzer
Herrlich,
hab beim Lesen ausreichend gelacht. Was mir gefällt du kannst auch selber über dich lachen. Und besitzt sogar dem Mut das mit anderen zu teile. Dafür meine Hochachtung.
der mennzer
21.12.2011 13:48 |
TschoK
@Cristian: 4 Abläufe? Mach mich nicht fertig.... ich habe ja auch 4 Enden entdeckt aber nur zwei Anfänge
21.12.2011 14:53 |
container1
Ich lasse in einem ähnlichen Fall immer meine Frau " durchpusten ". Klappt immer
21.12.2011 14:55 |
container1
Ich lasse in so einem Fall immer meine Frau " durchpusten "
21.12.2011 15:38 |
Gesichtsbaustelle
Jegliche anspielungen hierauf verkneife ich mir jetzt seit 5 Minuten
21.12.2011 15:39 |
TschoK
Ich stell mir grad Eure ErstbestenHälften vor... Halleluja...
21.12.2011 17:28 |
L15RDO6W1R
Dankeschön!
21.12.2011 20:54 |
gtimarkus
Kann da nicht mitreden - hatte noch niemals den Grund "durchblasen zu lassen"...
Bisher keine Verstopfungen oder ähnliche Probleme.
Markus
Ich rede natürlich vom Auto

23.12.2011 21:50 |
Erwachsener
Und jetzt der kleine Hinweis, daß auch der Wasserkasten - also die Blechwanne unter der Plastikwanne - Abläufe hat. Genau hingucken: drei an der Zahl! Der dritte ist halb hinterm Sicherungskasten versteckt.
Habe gestern den Innenraumfilter gewechselt (bzw. versucht; der Händler hat mir zum zweiten Mal einen falschen geschickt, aber das ist eine andere Geschichte ...), mithin kenne ich den Schmerz beim händischen Zusammendrücken der Schlauchklemmen sehr gut.
02.01.2012 11:13 |
Trackback
Kommentiert auf: Volvo 850, S70, V70/XC70 I, C70 I:
850er nasser Teppich
[...] Moin,
ich kann Dir zum Thema Wasserabläufe diesen Blog hier empfehlen. Dort sind dann auch alle Tücken der Wasserablaufbefreiung beschrieben.
Gruß
Micha
[...]
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