Wieso hält man sein Auto bis zur „Volljährigkeit“? Kein Geld für ein Neues?
Oder keinen Lust noch mal soviel Geld auszugeben für ein Neues?
Heute würde ich auch nicht mehr ein fabrikneues Auto kaufen, der Wertverlust in den ersten beiden Jahren ist exorbitant. Dann doch lieber Jahreswagen oder andere junge Gebrauchte.
Aber darum geht es nicht. Damals habe ich den Fehler gemacht und ein fabrikneues Auto gekauft. Das erste überhaupt, vorher waren es auch „nur“ Gebrauchte/Jahreswägen und einmal ein Geschäftswagen, aber das war ja nicht meiner.
Was bewegte mich nur dazu?
Nach der Präsentation des neuen Golf wurde keine zwei Monate später das Stufenpedant vorgestellt. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jetta sah bei dem der Kofferraum aber nicht mehr so „angeklatscht“ aus. Der Preis schien auch attraktiv zu sein, ab 24.900 DM sollte es losgehen, etwa 1600 Mark mehr als ein gleichstarker Golf. Ein geringer Aufpreis für mehr Ausstattung und mehr Platz.
Mir gefiel der Wagen auf dem ersten Blick, eine kompakte Limousine die mit ihren 440 Zentimetern keineswegs verschwenderisch mit dem Verkehrsraum umgeht. Und so kam es dass ich mir einen bestellte. In der besten Ausstattungslinie und mit nur wenigen Extraausstattungen, wie das Anti-Blockier-System für 1900 DM, Fondkopfstützen (300 DM), Nebelscheinwerfer (260 DM) sowie dem elektrischen Schiebedach für 1100 Mark.
Listenpreis 35.505 DM, aber ich habe mir den Wagen über einen Bekannten aus Wolfsburg gekauft, so bekam ich ihn für 29.300DM, runde 18% billiger.
Im März 1993 bekam ich ihn schließlich, stolz wie Oskar auf den Neuen. Im ersten Jahr fuhr ich nur 7000km mit dem Wagen, hat sich also nicht wirklich gelohnt…
Die erste Inspektion mit Ölwechsel (10W-40) kostete beim VW-Händler unglaubliche 240 Mark…
1 Jahr Mobilitätsgarantie (Ähnelt den ADAC-Diensten) gabs obendrauf.
Aber in den folgenden Jahren sollten sich die Fahrten häufen.
Dabei hatte ich aber nie eine Panne. Der Wagen sprang immer an, fuhr mich zu jedem Zielort ausfallsfrei. Was die Technik nicht schafft müssen die anderen Verkehrsteilnehmer besorgen.
Im Oktober 93 fuhr mir ein Vectra ins Heck, das 7 Monate alte Auto stark verformt. Abschlussblech, Kofferraumdeckel und Stoßstange werden ersetzt, die Seitenwand wieder rausgezogen und neu lackiert.
Im Jahre 2000 klopft es auf einer Autobahnausfahrt noch einmal, Abschlussblech, Kofferraumdeckel und Heckstoßstange werden erneut getauscht, die Seitewand wieder rausgezogen Allerdings nicht bei VW sondern bei einem freien Karosseriebauer was sich später als Fehler herausstellen sollte.
Zu Ostern 2002 hinterließ mir jemand seine Ausparkspuren in der hinteren Stoßstange… ich konnte es noch ausdrücken und lies es günstig lackieren.
Die Freude währte nur kurz, denn im Winter 2004 fuhr schon wieder jemand ins Heck…
Die anderen Autofahren schienen Aversionen gegen den Vento zu hegen.
Diesmal wurde das Abschlussblech nur teilweise ausgetauscht, die Rückleuchte wurde ersetzt und der Kofferraumdeckel „gerade gebogen“. „Bei so einem alten Auto (Damals 11 Jahre) lohne alles andere nicht mehr.
Und damit das Vorderende nicht zu kurz kommt nahm man mir im Februar 2008 die Vorfahrt.
Dank rechtzeitiger Bremsmanöver beider Seiten wurden nur Scheinwerfer, Nebellicht und die Stoßstange beschädigt. Habe ich selber repariert, das Auto war schon zu alt.
Im drauffolgenden Winter war ich unachtsam und rutschte gegen die Leitplanke, ein neuer Kotflügel wurde fällig.
Naja, das waren die bisherigen Unfallserien.
Aus welchen Gründen auch immer mochte ich das Auto, also wurden alle Inspektionen fristgerecht erledigt und Reparaturen sofort und sauber ausgeführt. (Pfuschreparaturen oder Ersatzteile zum Bruchteil des üblichen Preises wurden gemieden).
Inzwischen hielten schon 4 neue Windschutzscheiben Einzug und ich hatte sämtliche Farben der Prüfplaketten auf den Nummernschildern kleben, da die AU um eine Jahr versetzt zur HU durchgeführt wurde. Ist mit der Gesetzesänderung jetzt Geschichte.
So gingen die Jahre ins Land und die Kilometer ins Blech. Ich behielt den Wagen fuhr ihn stoisch weiter, obgleich er nach damaligen Planungen 1998/99 ersetzt werden sollte. Dazu kam es aber nicht. Im Jahre 2004 schlug dann die brauen Pest durch. Was das betrifft muss man VW rügen, die Qualität der Konservierung ist schlicht miserabel. Schweller, Bodengruppe und der hintere linke Radlauf durchgerostet. (Der rechte aber komischerweise nicht, ich vermute dass das an dem 2000er Unfall liegt). In dem Moment dachte ich an Verschrotten oder Exportieren nach Sonstwohin. Doch entgegen der Gesetze der Vernunft und der Wirtschaftlichkeit lies ich das beheben. Bis heute zeigen die reparierten Stellen keinen erneuten Befall… hat sich wohl doch gelohnt.
Dafür gammelt jetzt das Abschlussblech, eine Stelle an der Ventos nicht gammeln. Liegt wohl an den Unfällen bzw. einer schlampigen Reparatur.
Ich weiß nicht ob es sich lohnt das zu reparieren, es soll mich 800€ bei der VW-Werkstatt kosten. Ob sich das bei einem Auto von 1500€ Wert lohnt?
Doch nach 18 Jahren hat man eine Menge mit dem Wagen erlebt, viele Orte gesehen und viele Menschen damit befördert. Kurzum, es hängen sehr viele Erinnerungen an dem Wagen.
Ich kann nicht verkaufen, ich will nicht dass ein anderer damit fährt. Bliebe nur verschrotten übrig. Aber auch das ist irgendwie Schade, er hat zwar gewisse Spuren des Alters, ist jedoch im großen Ganzen sehr gut erhalten. Der Letzte TÜV-Bericht attestiert „Keine Mängel“ und weist jediglich auf die M+S-Bereifung hin... 
Ich werde es wohl machen lassen. Und wenn nichts dazwischenkommt werde ich ihn zwei Jahren einen Young- und in 12 Jahren einen Oldtimer haben. Doch bis dato…
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