Was? Schon wieder sind die letzten 14 Tage wie im Fluge an mir voruebergezogen und es wurde mal wieder Zeit fuer mich, das ich mich um einen fahrbaren Untersatz fuer das anstehende Besuchswochenende in Norddeutschland kuemmere. Obwohl ich diesmal wieder in Bremen - also einem relativ kleinen Sixt-Flughafencenter - landete, wurde ich trotzdem zusammen mit der netten Dame am Sixt-Schalter schnell fuendig.
Da ich bereits die B-Klasse wahrend meiner Testfahrten erfolgreich demoliert und deshalb in schlechter Erinnerung hatte und irgendwie auch gerade keine Lust auf einen Ford Focus Kombi verspuerte, entschied ich mich kurzerhand fuer die angebotene Peugeot 407 Limousine als Diesel mit einem Ladenpreis von rund 28.500 EUR.
- Vorstellung / Fahrbericht [++OOO]
Diese Mittelklasse-Limousine ist aber recht gross geraten! Das denkt man zwangslaeufig als erstes wenn man mit diesem Auto in Kontakt kommt. Die Ueberhaenge der Karosserie sind relativ weit und ausladend, der Innenraum deswegen grosszuegig und breit.
Peugeot 407: Seitenansicht
Beim ersten reinsetzen als Fahrer greift man nach ein paar Sekunden unweigerlich an die Sitzhoehenverstellung, denn die Sitzposition auf den sehr weich gepolsterten und fuer eine "Sport-Ausstattungslinie" zu wenig kontourierten Sitzen kommt einem zuerst ein wenig ungewohnt und sehr hoch vor. Nach den ersten Metern faellt einem ferner auf, das sich der Diesel doch relativ lautstark als solcher im Innenraum bemerkbar macht. Hier haette die Gerauschdaemmung ruhig etwas besser sein koennen.
Aussen hui und inn pfui will ich nicht gerade sagen, aber was das Innendesign angeht gibt sich der Franzose relativ nuechtern: Wenig gewagte Design-Spielereien und verschiedene Materialien auf dem Armaturenbrett und kaum Dinge die einem direkt ins Auge springen und erkundet werden moechten. Alles sehr nuechtern und funktional. Dies bietet ein gewisses Understatement, sowie einen Hauch im Retro-Look der ersten Renault Megane-Familie.
Peugeot 407: Heckansicht
Da verwundert es kaum, das die Fahrleistungen genauso durchwachsen sind wie das Design - zumindest mit dem fuer meinen Geschmack genauso wie bei den Sitzen zu weichen "Sport"-Fahrwerk. Das Fahrwerk ist einfach noch viel zu weich abgestimmt, in schnellen Kurven und bei Lastwechseln zeigt die Vorderachse deutliche Grip-Probleme und das Auto tendiert zum ploetzlichem Ausbrechen, was in manchen Faellen den Fahrer schon sehr ueberraschen kann.
Wenn das ESP nicht waere, welches m.M. nach viel zu oft und zu frueh den Fahrer im Zaum haelt, waere das Auto noch schlechter zu fahren. Strassen, die ohne Probleme auch in hoeheren Tempi mit dem kleinen Bravo zu meistern waren, verlangten mit dem 407 deutlich mehr Konzentration am Steuer. Wenn man es aber langsam angeht mit diesem Auto, ist der Federungskomfort nahezu ideal. Die etwas hakelige Schaltung und die zu kleinen Aussenspiegel trueben das Gesamtbild zusaetzlich.
Peugeot 407: Frontansicht
Von 0 bis 60 km/h bringt der kleine 140 PS Selbstzuender zwar fuer jegliche Fahrsituation genuegend Dampf und vor allem eine aufdringliche Geraeuschkulisse, aber ab Tempo 90 geht dem Triebwerk dann schon deutlich die Puste aus. Die Vmax liegt bei 215 km/h an. Bei Beschleunigungsmanoevern jenseits der 110 km/h kann man als Fahrer sich noch so sehr bemuehen das Gaspedal sehr frueh durchzutreten - und mit dem doch etwas merkwuerdigen und ueberdeutlich spuerbaren "Kickdown"-Knackschalter am Ende des Pedalwegs versuchen ein paar zusaetzliche Pferde abzufordern - aber das alles bleibt ohne merklichen Erfolg. Reisen und nicht rasen scheint das Motto des 407'ers zu sein und dazu laedt der vorhandene Stauraum auch geradezu ein.
- Bedienbarkeit / Intuitivität [+++OO]
Wie bereits eingangs geschrieben, zeigt sich der 407'er im Innenraum erstaunlich bieder. Die vielen Tasten des Multifunktions-Radios, besonders der Bedienungssatellit am Lenkrad sind etwas gewoehnungsbeduerftig. Auch die Bedienung des kombinierten Tempomaten/Begrenzers ist alles andere als selbsterklaerend. Was allerdings gut geloest ist, ist das das Radiodisplay auf Knopfdruck zwei voneinander getrennte Bordcomputer oder wahlweise die Reichweite anzeigen kann. Das Auto war uebrigens so programmiert, das bei jedem abschliessen der Tueren die Spiegel einklappten. Es gibt eine Vielzahl von Einstellungsmoeglichkeiten, auf Wunsch gibt der Bordcomputer auf einer Seite alle derzeitigen Parameter und deren Status aus.
Die Parkdistanzkontrolle ist den relativ hohen Aufpreis wert, hinten und vorne sorgen je zwei Stereo-Lautsprecher dafuer das der Fahrer akkustisch immer weiss auf welcher Seite des Fahrzeuges sich gerade ein Objekt befindet. Trotz der exzellenten Rundumsicht durch die grossen Scheiben nach vorne und zu den Seiten, ist die Situation nach hinten dank des ausladenden Hecks nicht ganz einfach einzuschaetzen.
Peugeot 407: Innenraum
Ein Detail, welches mich allerdings nerven wuerde: Dank der grossen und recht flachen Frontscheibe kommt es zu sehr starken Reflektionen durch das Armaturenbrett, die gerade bei Nachtfahrten (beleuchtete Innenstaedte und Strassenlampen) oftmals sehr stoerend sind.
- Verarbeitung / Qualität [++++O]
Durch gemeinsame Nutzung von serienuebergreifenden Teilen bedient sich der Peugeot an gaengigen Loesungen aus den Tochterkonzernen: Alles wirkt qualitativ gut verarbeitet und solide. Die Spaltmasse der Karosserie und die Verarbeitung sind okay.
Peugeot 407: Armaturenbrett
Auch "unsichtbare" Installationen wie Kabelbaeume oder Kofferraumabdeckungen sind allesamt sorgfaeltig ausgefuehrt. Leider geniesst der 407'er in Deutschland wie ich finde zu unrecht ein sehr negatives Ansehen als ein sehr fehleranfaelliges Fahrzeug.
- Verbrauch / Nutzen [+++OO]
Wer ein grosszuegiges aber dennoch guenstiges Fahrzeug fuer den sicheren und nicht allzu sportlichen Transport von 4 Erwachsenen samt Gepaeck von A nach B benoetigt, ist beim 407'er gut aufgehoben. Die Verbrauchswerte pendelten sich zwischen 6.9 und 8.6 l/100 km, je nach fahrweise ein.
- Kosten / Anmietung [++OOO]
Da ich mit der Anmietung wieder im guenstigen Wochenendtarif inklusive aller Kilometer lag, beliefen sich die Mietkosten wieder knapp unterhalb der magischen 30 EUR pro Tag. Dafuer bekommt man in diesem Fall eine sehr ausgewachsene und komfortable (Reise-)Limousine. Wie immer mit dem gewohnten superfreundlichen Service der Firma Sixt in Bremen am Flughafen. Lediglich der doch fuer einen Nichtraucher sehr aufdringliche Tabakgeruch des Innenraums und Textilsitze truebte ein wenig den Fahrspass an diesem ansonsten tollen Wagen.