29.10.2008 10:51
|
taue2512
|
Kommentare (45)
| Stichworte:
Frankreich,
Kennzeichen,
Nummernschild
Ein Schildbürgerstreich? Die französische Bevölkerung hat sich - wie in einer Revolution - gegen eine geplante Gesetzesnouvellierung durchgesetzt: Mit Erfolg, so wie es scheint.
In dieser erneuten Revolution wurde zwar niemand abgesetzt oder gar geköpft, lediglich das vom Innenministerium seit langem und mit viel Aufwand geplante Gesetz für die Re-Strukturierung der französischen Nummernschilder blieb auf der Strecke so wie es scheint. Fraglich blieb für lange Zeit, ob der geplante "Zwang" für die neuen Nummernschilder bei Neuzulassungen nach dem 01.01.2009 in eine "Wahl" geändert wird oder nicht. Nachdem nun bereits viel Geld in diverse Updates der Informationstechnologie und der Verwaltungen für die Vorbereitung auf das neue Kennzeichen geflossen sind, scheint nun alles in letzter Minute gekippt zu werden.
Wieder einmal zeigen uns die französischen Nachbarn, das sich ein Volk erfolgreich wehren kann. Das der Franzose an sich sehr stolz auf sein Land ist und allen gerne zeigt - besonders im Inland - wo er herkommt, stiess der Gesetzesentwurf für die neuen Nummernschilder in Frankreich seit langer Zeit auf taube Ohren. Vielerorts wurde dagegen sogar auf der Strasse demonstriert. Doch warum? Die Niederlande haben "es", Italien hat "es" seit kurzem auch. Was ist "es" also?
"Es" ist ein Nummernschild welches eigentlich eingeführt werden sollte um in erster Linie Verwaltungskosten zu sparen, ohne Kennzeichnung einer Heimatgemeinde und welches quasi ein Leben Lang am Auto verbleibt. Alles schön und gut - klingt vor allem logisch und vorteilhaft.
Die Franzosen haben bereits einige Updates an Ihren Nummernschildern hinter sich: Es ist eine lange Geschichte, denn bereits 1749 wurde in Frankreich das erste Gesetz zur Kennzeichung der Vehikel in Paris geschaffen - lange vor der Erfindung des Motors also.
Zuerst war alles schwarz mit silbernen oder grauen Buchstaben, bis 1969 malten sogar noch viele Leute Ihr Kennzeichen von Hand direkt auf das Auto. Dann 1976 die Einführung der bekannten vorne weissen und hinten gelben Nummernschilder. Damals fanden alle Leute gut, das man an den beiden hinteren Zahlen zumindest das Departement erkennen konnte aus dem der betreffende Wagen kam. Besonders zur Identifizierung der vielerorts nicht besonders gerne gesehenen Korsen mit der "2A" oder für die generell als unsichere Fahrer eingestuften Verkehrsteilnehmer mit Kennzeichen aus den kleinen Übersee-Departements (DOM/TOMs).
Die Zahlen der Departements waren also für alle lange Zeit eine gute Lösung, eine Zahl mit dem der typische Franzose gut vertraut ist, denn überall im täglichen Leben findet man diese Zahl wieder: Postleitzahlen, Bankleitzahlen, einfach alles baut auf den zweistelligen Nummern der Departements auf - warum denn nicht auch die Nummernschilder?
Ab 1.7.2004 kam das neue EU-Nummernschild und wurde zur "Pflicht" - aber immer noch vorne weiss und hinten gelb und vor allem mit dem geliebten Departement am Ende.
Vor 3 Jahren wurde das hintere gelbe Nummernschild klammheimlich bei immer mehr Neuzulassungen gegen ein weisses getauscht, so kam es das immer mehr Autos mit zwei identischen weissen Plaketten durch die Gegend fuhren. Die Farbe Gelb für hinten wurde seinerzeit eingeführt, als die Mehrheit der französischen Autos noch gelbe Frontscheinwerfer hatten, um die Blendung zu reduzieren nun war dieses Relikt überflüssig denn immer mehr Franzosen mit alten Autos konnten einfach keine gelben Lampen mehr für ihr altes Auto kaufen wenn einmal eine Birne durchbrannte.
Dann sollte alles auf einmal wie in den Niederlanden "anonym" werden, keine Referenz mehr zum Departement. Und alles "husch-husch" bereits ab dem 01.01.2009. Viel Geld wurde investiert, um die drei Millionen Neuzulassungen und Ummeldungen in Frankreich pro Jahr ab Januar mit diesem neuen System auszustatten. Jetzt hat das Innenministerium heute früh verkündet das "aufgrund der starken Reaktion aus dem Volke" der geplante "Zwang" für Neuzulassungen künftig auf unbestimmte Zeit weiterhin eine "Wahl" bleiben wird. Wer also im Januar ein Auto zulassen möchte, hat die freie Auswahl und kann sogar das "alte" Schild
Für später, wenn sich die Wogen in der Bevölkerung etwas geglättet haben, hat die Regierung schon eine Art Friedensangebot gemacht: Der geneigte Halter darf auf sein "neutrales" Nummernschild dann auf der rechten Seite eine Art Vignette kleben, die wie zuvor "sein" Department repräsentiert. Sowas ähnliches existiert bereits heute in illegaler Form, wo z.B. stolze französische Katalonier das F mit den Sternen im EU-Nummernschild mit der katalonischen gelb-roten Flagge und den Lettern CAT überkleben. Ein Vorgang der in Deutschland wohl in die Kategorie "Kennzeichenmissbrauch & Fälschung" fallen würde. Mal sehen ob das geplante Gesetz hier jemals funktionieren wird. |








