MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

29.10.2008 10:51    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (45)    |   Stichworte: , ,

Ein Schildbürgerstreich? Die französische Bevölkerung hat sich - wie in einer Revolution - gegen eine geplante Gesetzesnouvellierung durchgesetzt: Mit Erfolg, so wie es scheint. 

 

 

In dieser erneuten Revolution wurde zwar niemand abgesetzt oder gar geköpft, lediglich das vom Innenministerium seit langem und mit viel Aufwand geplante Gesetz für die Re-Strukturierung der französischen Nummernschilder blieb auf der Strecke so wie es scheint. Fraglich blieb für lange Zeit, ob der geplante "Zwang" für die neuen Nummernschilder bei Neuzulassungen nach dem 01.01.2009 in eine "Wahl" geändert wird oder nicht. Nachdem nun bereits viel Geld in diverse Updates der Informationstechnologie und der Verwaltungen für die Vorbereitung auf das neue Kennzeichen geflossen sind, scheint nun alles in letzter Minute gekippt zu werden.

 

Wieder einmal zeigen uns die französischen Nachbarn, das sich ein Volk erfolgreich wehren kann. Das der Franzose an sich sehr stolz auf sein Land ist und allen gerne zeigt - besonders im Inland - wo er herkommt, stiess der Gesetzesentwurf für die neuen Nummernschilder in Frankreich seit langer Zeit auf taube Ohren. Vielerorts wurde dagegen sogar auf der Strasse demonstriert. Doch warum? Die Niederlande haben "es", Italien hat "es" seit kurzem auch. Was ist "es" also? 

 

"Es" ist ein Nummernschild welches eigentlich eingeführt werden sollte um in erster Linie Verwaltungskosten zu sparen, ohne Kennzeichnung einer Heimatgemeinde und welches quasi ein Leben Lang am Auto verbleibt. Alles schön und gut - klingt vor allem logisch und vorteilhaft.

 

Die Franzosen haben bereits einige Updates an Ihren Nummernschildern hinter sich: Es ist eine lange Geschichte, denn bereits 1749 wurde in Frankreich das erste Gesetz zur Kennzeichung der Vehikel in Paris geschaffen - lange vor der Erfindung des Motors also.

 

Zuerst war alles schwarz mit silbernen oder grauen Buchstaben, bis 1969 malten sogar noch viele Leute Ihr Kennzeichen von Hand direkt auf das Auto. Dann 1976 die Einführung der bekannten vorne weissen und hinten gelben Nummernschilder. Damals fanden alle Leute gut, das man an den beiden hinteren Zahlen zumindest das Departement erkennen konnte aus dem der betreffende Wagen kam. Besonders zur Identifizierung der vielerorts nicht besonders gerne gesehenen Korsen mit der "2A" oder für die generell als unsichere Fahrer eingestuften Verkehrsteilnehmer mit Kennzeichen aus den kleinen Übersee-Departements (DOM/TOMs).

 

Die Zahlen der Departements waren also für alle lange Zeit eine gute Lösung, eine Zahl mit dem der typische Franzose gut vertraut ist, denn überall im täglichen Leben findet man diese Zahl wieder: Postleitzahlen, Bankleitzahlen, einfach alles baut auf den zweistelligen Nummern der Departements auf - warum denn nicht auch die Nummernschilder?

 

 

Ab 1.7.2004 kam das neue EU-Nummernschild und wurde zur "Pflicht" - aber immer noch vorne weiss und hinten gelb und vor allem mit dem geliebten Departement am Ende.

 

Vor 3 Jahren wurde das hintere gelbe Nummernschild klammheimlich bei immer mehr Neuzulassungen gegen ein weisses getauscht, so kam es das immer mehr Autos mit zwei identischen weissen Plaketten durch die Gegend fuhren. Die Farbe Gelb für hinten wurde seinerzeit eingeführt, als die Mehrheit der französischen Autos noch gelbe Frontscheinwerfer hatten, um die Blendung zu reduzieren nun war dieses Relikt überflüssig denn immer mehr Franzosen mit alten Autos konnten einfach keine gelben Lampen mehr für ihr altes Auto kaufen wenn einmal eine Birne durchbrannte.

 

 

Dann sollte alles auf einmal wie in den Niederlanden "anonym" werden, keine Referenz mehr zum Departement. Und alles "husch-husch" bereits ab dem 01.01.2009. Viel Geld wurde investiert, um die drei Millionen Neuzulassungen und Ummeldungen in Frankreich pro Jahr ab Januar mit diesem neuen System auszustatten. Jetzt hat das Innenministerium heute früh verkündet das "aufgrund der starken Reaktion aus dem Volke" der geplante "Zwang" für Neuzulassungen künftig auf unbestimmte Zeit weiterhin eine "Wahl" bleiben wird. Wer also im Januar ein Auto zulassen möchte, hat die freie Auswahl und kann sogar das "alte" Schild dranschrauben - äh, nieten (weil hier Vorschrift).

 

 

Für später, wenn sich die Wogen in der Bevölkerung etwas geglättet haben, hat die Regierung schon eine Art Friedensangebot gemacht: Der geneigte Halter darf auf sein "neutrales" Nummernschild dann auf der rechten Seite eine Art Vignette kleben, die wie zuvor "sein" Department repräsentiert. Sowas ähnliches existiert bereits heute in illegaler Form, wo z.B. stolze französische Katalonier das F mit den Sternen im EU-Nummernschild mit der katalonischen gelb-roten Flagge und den Lettern CAT überkleben. Ein Vorgang der in Deutschland wohl in die Kategorie "Kennzeichenmissbrauch & Fälschung" fallen würde. Mal sehen ob das geplante Gesetz hier jemals funktionieren wird.


20.10.2008 19:03    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (39)    |   Stichworte: , ,

Am Wochenende wurden auf der französischen Autobahn A64 zwischen den Ortschaften Cazères (31) und Tarbes (65) zwei junge Männer festgenommen, die ihr Hobby "Paintball" etwas überzogen.

 

PaintballPaintball

 

"Vollkommen bekloppt und gefährlich", das waren die offiziellen Statements der Autobahnpolizei Tarbes zu diesem Vorfall. Die beiden jungen Leute im Alter von 20 und 21 Jahren - beides Insassen eines älteren Opels - feuerten während des Überholens am vergangenen Wochenende aus dem geöffneten Fenster ihres Wagens grundlos auf andere Verkehrsteilnehmer. Mindestens drei Fahrzeuge wurden als Zielscheibe während dieses Vorfalls missbraucht. Zum Glück war dieser "Streich" kein Auslöser eines schweren Unfalls mit ernsthafteren Konsequenzen.

 

Ein von der Attacke betroffener Zeuge meldete sich am Freitagabend per Mobiltelefon aus seinem Auto und gab eine genaue Beschreibung des Fahrzeuges und der Täter inklusive der Kennzeichen an die zuständige Gendarmerie durch, die die beiden Täter unverzüglich an der nächsten Mautstation in der Nähe von Saint-Gaudens festsetzte. Aufgepuscht durch einen Konzertbesuch der Gruppe NTM - einer Rap und Hip-Hop-Combo - in Toulouse hätten die beiden angeblich nicht die Tragweite und Gefährlichkeit Ihrer Tat erkannt, sagte der ältere der beiden auf Nachfrage der Gendarmen aus.

 

Beide blieben zunächst die Nacht über in Polizeigewahrsam und haben nun Zeit, sich auf weitere Konsequenzen und Folgen Ihres "Streichs" vorzubereiten: Es wird im November vor einem Gericht weiterverhandelt werden. Ein Aufruf an weitere Zeugen, sich telefonisch zu melden wurde gestartet.

 

Frei nach dem Motto der altbackenen (mittlerweile leider abgesetzten) TV-Sendung: Wenn Sie im November etwas bei der bevorstehenden Verhandlung zu sagen hätten, WIE WÜRDEN SIE ENTSCHEIDEN?


15.10.2008 12:13    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (8)    |   Stichworte: , , , , , , , ,

Der folgende Artikel entstammt aus einem Beitrag, den ich bereits vor längerer Zeit in einem anderen Forum gestartet hatte. Seit geraumer Zeit gibt's ja schon beim Audi A6 und A8 Rückleuchten deren Lichter in LED-Technik realisiert sind.

 

Hintergrund: Ich denke Kernproblem beim MCC ist einfach die Doppelfaden-Rücklichtfunzel, die dunkel im Normalbetrieb und "etwas" heller beim bremsen wird. Gut, es leuchtet zusätzlich auch die Leiste auf dem Kofferraumdeckel, aber dies scheint für viele unserer Zeitgenossen im dichten Stadtverkehr zu viel des guten zu sein darauf zu achten. Deswegen hatte ich auch schon Besuch von einer Dame in meinem Kofferraum, als ich seelenruhig an einer Ampel wartete. 

 

Das Design der Mégane-Rücklichter bietet doch geradezu an in dem unbenutzten ausgesparten Streifen im Reflektor oberhalb der Rücklichter einige LEDs in einer Reihe anzubringen.

 

Ich habe bei eBay nun relativ günstig zwei nagelneue MCC-Rückleuchten erstanden und bei Conrad weisse 12V LEDs gekauft. Ich denke das ich daraus mal einen Umbaubericht entwickele und hier demnächst mal mit Bildern wenn fertig vorstellen werde. Die Leuchten sollen zusätzlich auch etwas abgetönt werden. Eventuell - mal so als weitere Idee - umschaltbar, so daß man zwischen LEDs als Rücklicht (Dauerlicht) oder LEDs als zusätzliches Bremslicht wechseln kann. Ich habe auch noch eine Idee mit einem kleinen Baustein zu prüfen, ob der Bremsassistent den Warnblinker eingeschaltet hat und dann das Bremslicht der LEDs in diesem Falle blinken zu lassen. Sowas ähnliches gibt's ja bereits beim Mercedes SLR.

Ferner soll ein Rückbau durch die Originalleuchten jederzeit möglich sein. Gesamtkosten sollen am Ende unter 100 EUR liegen.

 

Vielleicht habt ihr ja noch mehr Ideen, da Frankreich ja das Land der unterbodenbeleuchteten und blinkenden Autos ist und die Polizei hierzulande recht wenig Einwände gegen solche Spielereien hat (man muss halt Prioritäten setzen) dürte es auch keine weiteren Probleme geben.

 

Aufgrund kleinerer technischer Änderungen wegen des freien Raumes hinter den Leuchten (Kurzschlussgefahr und Passgenauigkeit) sind folgende Modifikationen gemacht worden:

 

  • Die einzelnen LED's etwas erwärmen und KOMPLETT aus der Fassung herauslöten, so das nur noch das Leuchtmittel übrig bleibt. Den Rest entsorgen.
  • Die einzelnen LED's in die Bohrungen setzen und die kleinen Beinchen direkt parallel verlöten. Am Ende zwei Vorwiderstände aus den LED's ebenfalls parallel einlöten.
  • Die kleinere Beinchen in der LED ist +, somit beim einsetzen stets auf richtigen Anschluss achten. Der Kontakt erfolgt über eine Lüsterklemme, die den Strom direkt mittels Klemmverbindern direkt vom Doppelfadenrücklicht nimmt.

 

Bezüglich der Helligkeit kann man sagen, das hinter dem Fahrzeug die LED's genauso hell sind wie das Standard-Rücklicht. Fussgänger im Nahbereich werden aber relativ stark geblendet. Dies liegt an der schrägen Kante der Rücklichter. Gut, der Unterschied ist nicht sofort sehr auffällig. Die Spezi's unter Euch können sich ja mal was für den Einbau in der Flucht der Wagenachse einfallen lassen.

 

Dieses Bastelprojekt war ja auch erstmal nur als Vorlage gedacht.

MCC_RL_LED.pdf (329 mal heruntergeladen)

14.10.2008 21:21    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (26)    |   Stichworte: , , , , , , , , , ,

Die letzten drei Jahre hat meine Firma pro Jahr rund 280,- € Steuern für mein "altes" Mégane Coupé Diesel Cabriolet gezahlt. Ich möchte Euch heute mal erklären wie genau das mir der Zulassung eines deutschen Autos in Frankreich zum Zwecke der Steuerersparnis läuft und was so alles zu beachten ist. Dies soll wohlgemerkt keine Anleitung für "Steuerflüchtlinge" sein, sondern vielmehr eine Art kleines FAQ für Leute mit französischem Wohnsitz.

 

Der französische FahrzeugscheinDer französische Fahrzeugschein

 

Mittlerweile ist der Mégane, den ich heute hier zugelassen habe mein dritter "Eigenimport" nach Frankreich. Zum einen sind hier Gebrauchtwagen - besonders kleine kompakte Diesel - richtig schweineteuer, zum anderen wäre ich ganz schon blöd wenn ich genau aus diesem Grund meine Leasingautos nach Vertragsende nicht hierher importieren würde zur Privatnutzung und späteren Verkauf. Angefangen hatte alles damals in 2005, als ich meinen Renault Laguna Grandtour Initiale 2.2dci mit den damals noch gelben Nummernschildern hier nachrüsten liess. Meine Suzuki DL-1000 V-Strom ist auch deutschen Ursprungs, da auch Zweiräder hier im allgemeinen sehr teuer sind und meistens sehr viel Laufleistung auf dem Gebrauchtmarkt aufweisen.

 

Wie gesagt, meine Freundin hat ja bekanntlich mein kleines schwarzes Mégane Coupé Cabriolet, Baujahr 2005 erstanden. Das bot sich an, den die Gebrauchtpreise lagen hier so um die 5000,- € über dem deutschen Leasing-Ablösepreis, die Vollausstattung meines Wagens und die diversen Umbauten noch nicht einmal berücksichtigt. Das der Wagen schon hier in Frankreich stand, machte die ganze Ummeldung deutlich einfacher. Denn so sparten wir uns die Überführung mit den "Exportkennzeichen". Somit brauchte ich am Morgen unserer Abreise mit dem Flieger nach Bremen lediglich die deutschen Kennzeichen im Parkhaus des Airports abschrauben und das stellt hier nicht einmal ein Problem dar, denn die französische Versicherung hatte bereits den Wagen mit der deutschen Immatrikulation bei sich gelistet und entsprechend versichert.

 

Wir flogen also nach Bremen, um das Geld bei Renault in Bremen-Stuhr in bar auf den Tisch zu legen. Man konnte gleich erkennen das die Leute dort wenig Interesse an dem Verkauf hatten, denn als ich nach der EU-Konformitätsbescheinigung fragte, sagte man uns lediglich "das die Bestellung dieses Papiers nun sogar für Händler etwas koste und das ich als Kunde vielleicht mehr Glück mit einem Anruf bei Renault in Köln haben könnte". Hmmmh, ich denke das die Firma Renault bereits gut an dem Auto verdient hat: Erst an den überführungskosten, den Leasingraten, Reparaturen, der Ablösesumme und den Zinsen. Und jetzt noch kleinlich werden bei 55 € Gebühren, bei einem Auto von gut 38.000 €? Wofür zahlende Kunden mit Bargeld drohen? Noch dazu bei einem nicht skontofähigen Betrag und ohne zusätzliche Kosten durch eine "Leasingende-"Inspektion und ohne Risiko das der Wagen evtl. teuren Stellplatz im Verkaufsraum benötigt?

 

Die Servicequalität steht und fällt eben mit den lokalen Chefs der Ketten. Beweis: Beim Laguna zuvor händigte man mir dieses COC-Papier damals kostenfrei aus. Service. Aber das war leider ein anderer Renault-Händler in Bremerhaven, der leider inzwischen Konkurs angemeldet hat.

 

Beim Kauf ist unbedingt drauf zu achten, das man einen Kaufbeleg mit separat ausgewiesener Mehrwertsteuer (Prozent und Betrag) ausgehändigt bekommt.

 

Wir erhielten also den langersehnten Kraftfahrzeugbrief des Wagens. Im Internet hatte ich zuvor beim Bürgerbüro in der Bremer Innenstadt einen Termin ausgemacht - echt toller Service! Also dorthin und den Wagen komplett stillgelegt.

 

Wichtig hierbei ist unbedingt, das man sich nach der Abmeldung in Deutschland unbedingt beide Papiere (Brief und Schein) entwertet wieder aushändigen lässt.

 

War schon ein blödes Gefühl, da zahlt man erst eine Heidensumme für ein Stückchen Papier, welches ein anderer wenig später zerschnibbelt. Wir sind dann wieder nach Frankreich zurückgeflogen. Die Versicherung bestätigte uns, das man bis zu 4 Wochen nach Kauf gemäss französischem Recht in Frankreich mit dem Auto fahren darf. Wann sonst kommt man in den Genuss mit einem entstempelten deutschen Nummernschild stressfrei durch die Lande zu cruisen?

 

Da wir aber dazwischen noch in Urlaub geflogen sind, bin ich erst heute dazu gekommen die "Restarbeiten" zu machen. Vor dem Urlaub rief ich noch schnell bei Renault in Köln an und fragte nach der EU-Übereinstimmungserklärung, kürzer und besser bekannt als "COC" (Certificate of Conformity). Ich faxte denen also den Brief und überwies vorab die 55 €, und sage und schreibe nur 5 Tage später erhielt ich die COC per Post nach Frankreich.

 

Normalerweise sollten alle Autos, die nach Oktober 2005 zugelassen wurden automatisch eine COC besitzen da diese lt. Gerichtsbeschluss zum Fahrzeug gehört. Dazu sollten eigentlich die neuen Fahrzeugpapiere eine separate COC überflüssig machen, aber Pustekuchen: Frankreich jedenfalls beharrt störrisch und weiterhin auf eine COC im Format DIN A4, ausgestellt vom Hersteller. Und da sage noch manch einer das die Bürokratie in Deutschland überzogen sei - hier in Frankreich ist es manchmal deutlich schlimmer. In meinem Fall doppeltes Pech, da die Erstzulassung des Mégane bereits am 09.06.05 war - somit hatte ich gerade noch die "alten" deutschen Papiere bekommen.

 

So, Papierkram war nun komplett. Urlaub machen.

 

Heute dann zum für mich zuständigen Finanzamt (recette principale des impots) gedackelt, den Kaufbeleg zeigen. Mangels deutschkenntnissen hatte die nette Dame dort schon einige Probleme das Schriftstück richtig zu deuten. Ich denke ein Lieferschein von IKEA wäre genauso akzeptiert worden. Das einzige was hier kontrolliert wird, ist die Tatsache ob die Mehrwertsteuer in Deutschland bereits gezahlt wurde oder nicht. Zusaätzlich muss man noch ein Formular ausfüllen, das einen besonders komplizierten und vor allem langen Namen trägt (frei nach Reinhard Mey): "Certificat d'acquisition d'un moyen de transport en provenance de l'UE". Dieses wird sodann gestempelt und man nimmt es mit zur Präfektur, um die eigentliche Anmeldung vorzunehmen. Das Beste, wie eigentlich überall bei Behördengängen hier üblich, es dient die Gas-/Stromrechnung als Wohnsitznachweis da es kein einheitliches Melderegister gibt. Ein Schlaraffenland für Photoshop-Cracks, die sich so z.B. sehr leicht um die Zahlung der Mehrwertsteuer oder die richtige Adresse zur effektiven Vermeidung von Strafmandaten drücken könnten. Undenkbar in Deutschland!

 

Zuständig für die Anmeldung ist die Präfektur des jeweiligen Departements, wo man seinen Wohnsitz hat in Frankreich. Ich also hin, Nummer ziehen und warten. Niemand fragt hier nach einer Versicherungsbestätigung vor Erteilung der Zulassung, ein weiteres "No-Go" in Deutschland! Nach dem erneuten zeigen des Passes und der obligatorischen Gas-/Wasser-/Scheisse-Rechnung als Adressnachweis (s.oben) und dem Ausfüllen eines weiteren Formulars namens "demande de certificat d'immatruculation" erfolgt die Vorlage aller Dokumente:

 

  • Demande de certificat d'immatriculation
  • Besitznachweis (deutscher Kaufbeleg)
  • Deutscher Fahrzeugschein und -brief (entwertet)
  • COC-Papier des Herstellers (wird von denen einbehalten)
  • Certificat d'acquisition d'un moyen de transport en provenance de l'UE (gestempelt)
  • Gültiger Ausweis oder Reisepass
  • EDF-/GDF-Rechnung (Wohnsitznachweis)
  • Bei Zulassung auf anderen Namen: Vollmacht und Pass des Auftraggebers

 

 

Diese ganze Sache dauerte denn nicht einmal 5 Minuten und man kann dann seine "carte grise", den französischen Fahrzeugschein abholen. Wir haben hier keine zwei Papiere wie in Deutschland, was die Sache spätestens beim Verkauf innerhalb Frankreichs später verkompliziert. Bei einem Verkauf muss dieser Vorab der Behörde gemeldet werden, die schaut dann ob z.B. Schulden oder andere Ansprüche Dritter auf der "carte grise" eingetragen sind. Wenn nicht erhält man eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ("certificat de non-gage"), die der Käufer bei Wiederzulassung vorlegen muss. 

 

Beim Abholen der neuen "carte grise" habe ich heute exakt 210,- € an Steuern bezahlt. Dies ist wohlgemerkt das einzige Mal, das ich jemals wieder für diesem Wagen Steuern zahlen werde! Berechnet wird dieser Betrag anhand der sogenannten "chevaux fiscaux", den "fiskalischen Pferdestärken". Warum ein Auto 5 PS und ein anderes vergleichbares etwas mehr hat, ist mir auch ein Rätsel, aber Fakt ist: Jedes fiskalische PS kostet genau 35,- € und da das Auto relativ wenig CO produziert, nämlich "nur" 0,418 g/km (das steht u.a. so in der COC) wird auch kein weiterer Malus bei der Zulassung fällig.

 

Ein Halter eines 3.0l TDI oder ein hubraumstarker Audi Q7 hingegen, wird u.U. so um die 600-1000,- € für seine "carte grise" zahlen müssen. Alles unterhalb 0,600 g/km bleibt im wesentlichen für den Antragsteller hier kostenneutral. Dieses Gesetz ist relativ neu.

 

Mit der frischen "carte grise" dann direkt zum Schildermaler nebenan und 16,- € für einen Satz Blechschilder geblecht. Die glatten Designerschilder aus PVC sollten 40,- € kosten. Ich bin nun in einem Punkt gesetzesuntreu, denn Nummernschilder müssen normalerweise mittels Poppnieten fest mit dem Fahrzeug hier in Frankreich befestigt werden. Ich riskiere jetzt einfach mal einen Anranzer vom nächsten Gendarm, denn ich habe keinen Bock die Chrom-Klickhalter zu wechseln.

 

Achja, leider habe ich jetzt noch die "alten" Schilder bekommen. Zwar sind beide wie bereits erwähnt mittlerweile weiss mit schwarzen Buchstaben, aber ab Januar 2009 erfolgt eine erneute französische Revolution: Die Nummernschilder verbleiben ein Leben lang am Fahrzeug und lassen nicht mehr auf den Zulassungsbezirk schliessen, so ähnlich wie in den Niederlanden. Dies erspart u.a. auch den neuen Besitzern beim Autokauf jedes Mal ein Gang zur Verwaltung und somit 35,- € Gebühren. Das einzige was denn noch Geld kosten wird wären denn Adressänderungen des Halters, die ebenfalls nur jeweils 1 fiskalisches PS (also 35,- €) kosten.


13.10.2008 17:45    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: , , ,

Mal zu Abwechslung etwas tiefgründigeres: Denn heute geht es mal um eine etwas andere Art der Fortbewegung und ausnahmsweise hat es diesmal absolut gar nichts mit Autos, geschweige denn meinem CC zu tun. Ich rede von Laufen, Schwimmen und Radfahren. Ja ja, "Radfahrer" gibt's überall - vor allem im Büroleben im Kollegenkreis wird jetzt sicherlich manch einer von Euch denken, aber wenn man alles drei an einem einzigen Tag tut ist entweder das eigene Auto kaputt und gerade in der Werkstatt oder es ist wegen der freiwilligen Teilnahme an einem Triathlon.

 

Nicht das ich auch privat ab und zu mal den ein oder anderen Marathon laufe, aber dazu noch Radfahren und Schwimmen? Nö, eins dieser drei Dinge auf einmal reicht mir zumindest! Die bekanntlich härteste Form des Triathlons ist ja wie wohl jeder weiss der "Ironman", der inzwischen fast überall in der Welt ausgetragen wird. Dieser Wettkampf besteht aus: 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren, und 42,195 km Laufen.

 

Also, folgende Geschichte:

 

Eines Tages fragte ein Sohn seinen Vater: "Papa, willst Du einen Marathon mit mir laufen?"

Der Vater antwortete: "Ja!"

 

Sie liefen Ihren ersten Marathon zusammen.

 

Ein anderes Mal fragte der Sohn wieder: "Papa, willst Du noch einen Marathon mit mir laufen?"

Der Vater antwortete wieder: "Ja, mein Sohn!"

 

Und sie liefen beide einen weiteren Marathon.

 

Eines Tages fragte der Sohn: "Papa, willst Du mit mir am Ironman teilnehmen?"

Der Vater sagte: "Ja!"

 

Und Sie nahmen gemeinsam am Ironman Hawaii teil...

 

Geschrieben, klingt alles sehr einfach...

 

(Schaut Euch einfach mal das Video an.)

 

 

Ich habe etwas gezögert mit diesem Blogeintrag, denn eventuell wird es einige unter Euch geben, die finden werden das der Vater sich nur selber profilieren will. Auf der anderen Seite - und so denke ich zumindest persönlich - kann gar nicht genug für die Integration behinderter Mitmenschen in unserem Alltag getan werden und es müssen dafür Zeichen gesetzt werden, zumal ich mittlerweile selber bewusster mit diesem Thema umgehe da ich selber 'betroffen' bin, seitdem man mich vor einiger Zeit selber bei einer Untersuchung über eine möglicherweise drohende Behinderung im Alter in Kenntnis gesetzt hat. Auf der anderen Seite kann eine Behinderung jeden von uns auch von heute auf morgen 'betreffen', durch einen Unfall oder Krankheit.

 

Weitere Informationen im WWW findet man unter 'Team Hoyt' z.b. bei Google, oder für die lesefaulen gibt es auch weitergehende Reportagen bei Youtube. Jedenfalls nähern sich Dick & Rick Hoyt der 1000'er-Marke bei gemeinsamen Rennen. Näheres dazu auch auf der Website der beiden: www.teamhoyt.com.

 

Am letzten Ironman nahmen übrigens auch einige sehbehinderte und komplett blinde Menschen teil!

 

So, wie seht Ihr die Geschichte? Profilierung oder Geltungsbedürfnis des Vaters? Zeichen setzen? Welche Gefühle habt ihr bei dieser Sache, besonders beim ansehen des Videos?


09.10.2008 22:02    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (35)    |   Stichworte: , , , , , ,

Bei den Zahlen verstaendlich...Bei den Zahlen verstaendlich...
  • 1 858: Anzahl derzeitig installierter Radaranlagen in Frankreich.
  • 4 500: Geplante Anzahl in 2012 nach den aktuellen Plaenen des Verkehrsministers.
  • 500 - 600 ist somit die errechnete Anzahl neuer Radaranlagen pro Jahr.
  • 23 000: Kosten in Euro pro Radaranlage des Herstellers "Safran" (Sagem & Snecma).
  • 31 Laender - u.a. auch Deutschland - sind Kunde beim gleichen Konzern.
  • 12 000 000 000 Euro ist der Gesamtumsatz dieser Firmengruppe in 2007.
  • 349 000 000 Euro brachten die Radaranlagen der Staatskasse in 2006 ein.
  • 71 war der Anstieg dieser Einnahmen in Prozent im Vergleich zu 2005.
  • 4 620 ist die Gesamtzahl aller Unfalltoten auf Frankreichs Strassen in 2007.
  • 1,6 ist die Abnahme in Prozent bei den Unfalltoten im Vergleich zu 2006.

 

Sind diese 1,6 Prozent den ganzen Aufwand wert, wenn man bedenkt das sicherlich ein Grossteil davon nicht auf ueberhoehte Geschwindigkeit zurueckzufuehren sind?


09.10.2008 20:01    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (15)

FFSA-Studie: Wie regelt Ihr Alkohol und Autofahren?

Was denkt man als erstes wenn man Frankreich hört? Rrrrrichtig, an Rotwein! Und an was noch? Die gute alte "Ente" von Citroën! Das genau DAS nicht zusammenpassen kann beweist eine neue Studie, die vom Verband der französischen Versicherer (FFSA) in Auftrag gegeben wurde - und nicht genug der guten Nachrichten: Deutschland schneidet darin gar nicht mal so schlecht ab.

 

 

In Frankreich sind Verkehrsunfälle die Unfallursache Nummer eins bei Jugendlichen in der Altersgruppe der 18 bis 25 jährigen (22% tote / 22% verletzte bei einem Anteil von 8,5% der französischen Gesamtpopulation). Noch dazu ist ein besonders starker Trend zum "verharmlosen" des fahrens unter Alkoholeinfluss zu erkennen.

 

38% der jugendlichen Verkehrstoten gehen auf das Konto des Alkoholgenusses.

 

Verglichen wurden miteinander in dieser Studie insgesamt 8 europäische Länder: Schweden, Polen und Engländer trinken der Studie nach zwar am meisten beim abendlichen Ausgehen, gehen aber deutlich weniger Risiken ein und lassen das eigene Auto eher stehen. Satte 70% der Schweden gaben zu Protokoll, das anschliessend das eigene Auto stehen bleibt oder ein nüchterner Fahrer bestimmt wird. Die Franzosen, Spanier und Italiener neigen im Vergleich zu den anderen deutlich leichter dazu im angetrunkenen Zustand immer noch das eigene Auto zu bevorzugen und kommen nicht auf die Fahrer-Idee.

 

Die Resultate sind alarmierend: 25% aller Franzosen gaben zu, schon mal leicht angetrunken Auto gefahren zu sein. Und ganze 10% haben dies sogar schon einmal mit erheblich mehr Alkohol im Blut getan, als erlaubt. Immerhin 41 % der Franzosen gaben zu, das sie versuchen stets beim trinken unter den Grenzwerten zu bleiben, um danach nach dem Bar-Besuch noch bewusst zum Lenkrad greifen zu können, während 7 % am Ende diese selbst gesetzten Grenzen mehr als deutlich überschreiten.

 

Auf der anderen Seite nehmen in der Studie aus dem Juli 2008 die Länder Deutschland und Holland geradezu eine Musterschüler-Position ein und folgen dicht hinter den vorbildlichen Schweden, die lieber das Auto stehen lassen.

 

Der Co-Chef der FFSA - Jean-Yves Salaün - antwortete auf Nachfrage mit folgender Erklärung zum Misstand in Frankreich:

 

"Die Leute in Frankreich trinken nicht einmal am meisten im Vergleich zu den anderen Nationen, aber gerade die jungen Leute hier gehen deutlich verantwortungsloser mit dem fahren unter Alkoholeinfluss um. Viele wissen gar nicht wie schnell man die Grenzwerte des Gesetzgebers überschreitet. In den anderen Ländern Europas ist eine gewisse Sensibilisierung festzustellen und das Verantwortungsbewusstsein ist grösser. Dadurch sind junge Leute z.B. in Deutschland eher über die Folgen des Alkohols informiert und bleiben leichter unterhalb der in Frankreich festgelegten maximalen Grenze von 0,5 Promille. Die Studie zeigte auch das in den anderen Ländern die Angst vor den Folgen einer Alkoholfahrt viel grösser ist. Wir von der FFSA werden nun Verstärkt Aufklärung in Diskotheken betreiben und eventuell werden wir uns für eine Neufestlegung des Grenzwertes auf 0,2 Promille einsetzen."

 

So, einfach mal abstimmen ob die angegebenen Prozentwerte in der Studie hinkommen.


08.10.2008 19:31    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: , , , ,

Teures Gut - HeizölTeures Gut - Heizöl

Das Frankreichs Bürgermeister einen hellen Kopf haben, wissen wir ja schon aus einem meiner letzten Blogeinträge. Denn die Energiekosten wachsen uns langsam über den Kopf, die Lage wird ernst. So, oder so ähnlich muss wohl der Bürgermeister - Laurent Duragne - der kleinen französischen Gemeinde Penne-d'Agenais gedacht haben und kam auf eine zündende Idee, wie man zumindest Teile der alltäglichen Energiekosten für die Bürger reduzieren kann: Unter dem Strich rechnet sich das, denn jeder der 70 Haushalte der Gemeinde Penne profitiert durch seine Idee von einer Ersparnis zwischen 80 und 100 EUR!

 

Die bevorstehenden Winter können schon sehr kalt sein in der kleinen Ortschaft, so dachte sich der stellvertretende Bürgermeister - Arnaud Devilliers, der von seinem Chef mit der Mission vertraut wurde, das der erste Ansatz zur Energiekostenersparnis am ehesten bei den Heizkosten erzielbar ist. Während einer der letzten Gemeinderatssitzungen schlug er also vor, Heizöl und eventuell sogar Holz durch Grosseinkauf für die Bürger der Gemeinde erschwinglicher zu machen. Allein durch Sammlung Ihrer Heizölbestellungen, die normalerweise jeder einzelne Bürger für sich selbst tätigt, wäre man durchaus in der Lage mit dem Lieferanten über den Literpreis zu verhandeln. Am Ende schlugen die schlauen Sammelbesteller glatte 10 Cent pro Liter weniger in Ihren Verhandlungen raus.

 

Bis zum 3.10. hatten nun alle Haushalte die Möglichkeit, Ihre Ölbestellung bei Ihrem Bürgermeister einzureichen. 61 000 l Heizöl und 200 Kubikmeter Holz kamen dabei heraus. Das Bürgermeisterbüro wandte sich mt Ihrer Bestellung direkt an einige grosse Öllieferanten und Grosshändler, die aber wimmelten ab und wollten nichts mit dieser Sache zu tun haben.

 

Letztendlich wandte man sich an lokale Ölhändler, und die boten einen Preis von 0,79 € (inkl. Steuern) im Gegensatz zu 0,89 € an. Und dier Preis rechnet sich sogar noch für andere: Der lokale Händler kann seine Fahrten planen und bündeln, die Umwelt freut sich durch weniger LkW-Verkehr und Abgase beim Transport. Die Lieferungen bezahlen die Haushalte direkt beim Lieferanten am Tag der Lieferung - es ändert sich also nichts.

 

Was das Holz angeht, so hat man auch schon bereits drei Angebote in die Mairie gefaxt bekommen, auch hier ist das Einsparpotenzial erheblich: Eichenholz in 50cm Stücken variiert beim Preis pro Kubikmeter zwischen 52 und 58 €. Zwar ist man über die Holz-Bestellmengen etwas überrascht und die Öllieferungen sind noch nicht erfolgt, schon kündigt sich ein breites Presseecho an.

 

Der Fernsehsender M6 wird eigens eine Reportage machen. Wie auch mit den Bussen, haben andere Gemeinden die Idee sofort aufgegriffen und umgesetzt: Saint-Bonnet-l'Enfantier (Corréze), und Haucourt-en-Cambrésis, ganz im Norden Frankreichs. 

 

Ob die Aktion im nächsten Jahr wiederholt werden soll? Erstmal wird der Bürgermeister sehen wollen, ob die Lieferung reibungslos klappt - wenn alles in Ordnung ist, denn gerne wieder!

 

Ein weiteres Beispiel, das wie ich finde ruhig die Runde machen kann. Warum springen nicht die Bürgermeister von Kleingemeinden in Deutschland ein, wenn diese weit abseits von der öffentlichen Nahverkehrsinfrastruktur liegen und bieten ähnliche Aktionen für Heiz- oder Dieselöl an, um den Bürgern attraktivere Preise zu bieten?


05.10.2008 19:16    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: , , , ,

Ich gebe ja zu, nachdem sich Halbgott diese Woche - wie in seinem Blog berichtet - schon blamiert hatte, war ich heute auch mal kurz dran und zwar mit einem Ausflug ins Kiesbett zur Belustigung aller Zuschauer mit meiner metallicblauen "GENDARMERDIE" DL-1000. Aber applaudiert haben sie wenigstens!

 

Warum und wie es dazu gekommen ist? Wir haben uns mit insgesamt fuenf anderen Bikern heute Nachmittag auf der kostenfreien Rennstrecke in der Naehe von Toulouse rumgetrieben, ein echt empfehlenswerter Nervenkitzel - noch dazu 100% gratis.

 

Die Rennstrecke Candie gehoert der Stadtverwaltung von Toulouse, und die haben nach der kompletten ueber eine Million Euro teuren Renovierung im Jahre 2004, welche ueberwiegend aus Strukturmitteln der EU und Fonds des Departements Haute-Garonnne finanziert wurde, entschieden das die Nutzung fuer jeden einzelnen Interessierten ab sofort kostenlos ist. Eine echt faire Geste, wie ich finde und es gibt sogar auch positive Nebeneffekte, denn "wilde" Strassenrennen mit Moppeds sind so zumindest hier in Toulouse dadurch fast vollstaendig unbekannt. Jeder der mag darf sich hier austoben. Da sollten sich mal die deutschen Kommunen eine Scheibe von abschneiden.

 

Der Rennkurs ist zwar relativ kurz und besteht ueberwiegend aus Linkskurven, ist aber sehr interessant. Vor allem die Groesse macht alles schoen ueberschaubar und fuer Anfaenger ideal. Im Streckeninneren gibt es auch eine Moto-Cross-Bahn mit diversen Spruengen und Kehren, sowie einen Verkehrsuebungsplatz fuer die kleinen. In der vorletzten Kurve koennen die Rennfahrer auch nach links in eine Kurvenkombination abbiegen, die speziell fuer Super-Motos angelegt wurde, dieses machte mir auf der schweren DL am meisten Spass.

 

Fuer das leibliche Wohl sorgt eine Imbissbude mit durchaus noch akzeptablen Preisen und man hat den Eindruck das sich hier viele Biker zum gemuetlichen Plausch in der Nachmittagssonne treffen. Gleich nebenan befindet sich auch eine komerzielle Kartbahn, deren Streckenfuehrung durch eine Bruecke recht anspruchsvoll ist. Alles in allem ein nettes Plaetzchen fuer Motorsport-Interessierte.

 

Nachdem die Kumpels alle auf Ihren Supersportlern einige Runden gedreht hatten, wollte ich meine DL-1000 auch mal um die Strecke jagen. Klar ist eine Rennstrecke nicht das klassische Revier einer solchen Maschine, aber was soll's - ist ja mal den Versuch Wert und zudem kostenlos. Die Moppeds muessen zumindest Haftpflichtversichert sein, denn bei einem Unfall zaehlt die Rennstrecke zum oeffentlichen Verkehrsraum weil die Stadt die Finger drauf hat, Ansprueche gegen andere Teilnehmer hingegen sind ausgeschlossen und werden beim einfahren von jedem akzeptiert. Kein Papierkram, keine Unterschrift - Frankreich halt. Somit sind Personenschaeden, die durch andere verursacht werden im weitesten Sinne gedeckelt, aber wenn das Mopped hin ist ersetzt niemand einem etwas. Damit kann man doch leben.

 

Die Formalitaeten sind erfreulich laessig: Kurze Sichtkontrolle des Versicherungsaufklebers und gleich darauf einige Meter weiter in das Renngeschehen einfaedeln. Leider fuhren heute auch ein paar Leute in Jeans, aber jeder ist eben selbst fuer sich verantwortlich. Spiegel und Glasabdeckungen brauchen nicht extra abgeklebt oder entfernt zu werden.

 

Auf der Rennstrecke ist das Verhalten wirklich partnerschaftlich, gerade wenn schnellere Profis auf Newcomer treffen. Es war heute ein sehr gemixtes Publikum unterwegs: GSX-R's, YZF's, Super-Motos, Naked-Bikes und sogar einige hochgezuechtete Roller - von allem etwas, hauptsache es hat zwei Raeder.

 

Hut ab und mein voller Respekt vor den Roller-Fahrern, die haben ihre "fahrenden Toiletten" wirklich gut im Griff! Jedenfalls hatt ich mit meinem schweren Mopped schon manchmal einige Probleme in den Kurven an denen vorbeizukommen, zumal meine DL sich jedes Mal mit schabenden Geraeuschen beim einbremsen in die Kurven verursacht durch das Aufsetzen der Fussrasten bedankte. Die Schraube auf der Unterseite meiner linken Fussraste ist nun reif ausgewechselt zu werden.

 

 

Ich bin so insgesamt ein wenig mehr als zehn Runden in recht zuegigem Tempo mitgefahren, als sich langsam meine Muedigkeit und die meiner Bremsanlage bemerkbar machte.

 

Oder sagen wir lieber, dadurch bemerkbar machte das letztere immer unbemerkbarer wurde. Am Ende der - ich glaube 15. Querung der Start-/Ziel-Geraden, wollte ich fuer die kommende Kurve einbremsen und siehe da: Der Handbremshebel hatte ploetzlich gut 50% Spiel und bei der Fussbremse war auch entsprechend "Leerlauf", ein klarer und eindeutiger Fall von "Fading". Das war mir sogar auf laengeren Serpentinenstrecken in den Bergen noch nie passiert - ich war ehrlich gesagt etwas baff.

 

Ich bin dann gleich vom Gas und an den aeussersten rechten Rand der Linkskurve gegangen, um etwas mehr Spielraum beim durchfahren derselben zu haben, falls das mit den Bremsen noch kritischer werden sollte. Ich habe die Maschine nach links gedrueckt was das Zeug haelt, aber ich war immer noch viel zu schnell fuer die kommende Kurve. Durch fehlende Dosier-Moeglichkeit der Bremse blockierte denn noch kurz das Hinterrad, was mich etwas zu sehr an den Rand der Kurve trug.

 

Okay, klarer Fall von Anfaengerfehler - bin halt Bueromensch und nicht professionell bei Ferrari angestellt. Jedenfalls habe ich mich zu einem kontrolliertem Ausflug ins viel zu tiefe Kiesbett entschlossen, welches meine Geschwindigkeit auch sofort und abrupt abbremste. Das war echt verdammt tief das Kiesbett, jedenfalls hatte ich meine liebe Muehe die Maschine mit dem Fuss vor dem umfallen nach links zu bewahren. Mit Ach und Krach langsam wieder aufgerichtet, und mit dosiertem Gasspiel raus aus den Kieseln und zurueck auf die Strecke.

 

Vorsorglich hatte die Aufsicht wegen der vielen von mir auf den Asphalt geschleuderten Steine gleich einen Abbruch fuer alle mittels roter Flagge signalisiert und der nette Stadtangestellte lief gleich mit dem Besen in der Hand zum Ort des Geschehens. Ich bin dann reumuetig nach Beendigung der Runde ran an die Box und habe es fuer den Tag erstmal sein lassen. Beim naechsten Mal werde ich mal die GSX-R 1000 meiner Freundin testen, da liegen die Fussrasten hoeher. Meine Maschine jedenfalls hat nicht einen Kratzer - nochmal gut gegangen.

 

Wer aber mal auf einer Moppedtour in Toulouse ist, sollte sich diese Strecke ruhig mal live ansehen und ausprobieren. Ist echt ein Geheimtipp. Der Ort ist leicht in Google-Maps zu finden und liegt in der Naehe der Autobahn und der Innenstadt. Etwas weiter ist auch ein IKEA, am besten die Frau dort zum einkaufen hinschicken und selber waehrenddessen einige Runden drehen. Es gibt sogar durch eine effektive Flutlichtanlage die Moeglichkeit Nachtrennen zu fahren.

 

Von Zeit zu Zeit werden auch besondere Veranstaltungen wie Super-Moto und Stuntshows geboten.

 

Mehr Infos gibt es hier: Website


03.10.2008 14:56    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (47)    |   Stichworte: , ,

Ist ein Angebot der kostenfreien Nutzung der oeffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland denkbar?

Kostenlose Nutzungs des NahverkehrsKostenlose Nutzungs des Nahverkehrs

Es gibt zum Glueck auch positives aus Frankreich zu vermelden. Ich denke das diese Info eigentlich auch in deutschen Kommunen anklang finden koennte, besonders in den aktuellen Zeiten wo Mobilitaet mit stetig steigenden Kosten verbunden ist - ein gutes Argument, und das nicht nur waehrend des Wahlkampfes.

 

 

 

Hier in Frankreich laeuft ja vieles etwas anders, so erkannte z.B. der spaetere Buergermeister Pascal Bugis (UMP) der gut 43.000 Einwohner grossen Stadt  namens Castres, das die steigenden Kosten fuer den Personennahverkehr ein gutes Wahlkampfargument sein koennten. So setzte er flugs eine Kernidee mit auf die Wahlkampfversprechen: Kostenlose Nutzung von Bus und Bahn im Falle seiner Wahl.

 

Ob letztendlich dies der ausschlaggebende Punkt war, der ihm den Wahlsieg im Maerz des Jahres eingebracht hat ist leider unbekannt. Fest steht jedenfalls, das seit dem 1.10. alle Busse und Bahnen im Stadtgebiet von Castres und den angrenzenden Gemeinden Mazamet und Aussillon fuer die Nutzer kostenfrei auf allen Strecken sind. Und dabei hat dieses Programm nicht einmal die Arbeitsplaetze der Fahrkarten-Kontrolleure gefaehrdet, denn diese sorgen nun primaer fuer Ordnung und Sauberkeit in den Verkehrsmitteln und stellen den Link mit der Polizei im Ernstfall her.

 

Denn im Vorfeld dieser Initiative aeusserten viele Leute, das das neue Angebot der kostenfreien Transportmittel auch ungebetene Gaeste zur Mitfahrt einladen wuerde, aber diese Befuerchtungen sind nun nachweislich und zum Glueck unbegruendet. Angenehmer und mittlerweile nach den ersten drei Tagen messbarer Nebeneffekt ist ferner, das deutlich weniger Autos die Strassen der Stadt verstopfen.

 

Der Testbetrieb ist zunaechst auf 15 Monate begrenzt, dann soll eine offizielle Entscheidung folgen, die u.U. auch Gueltigkeit fuer andere Regionen und Staedte Frankreichs haben wird. Gruenes Licht fuer eine etwaige Ausweitung der Aktion auf das gesamte Departement Tarn hat der Herr Bugis schon aus Paris bekommen.

 

Sowohl Buerger als auch Fremde nehmen das Angebot auf jeden Fall dankend an.

 

Dieses Beispiel zeigt, das kleine Ideen eventuell auch irgendwann einmal Anwendung im grossen Massstab finden koennen. Kernfrage: Waere das auch in Deutschland denkbar?


03.10.2008 11:10    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: , ,

Ich weiss zwar nicht ob 1953 schon irgendwelche "Special-Effects" fuer diese Aufnahmen verwendet wurden, aber wer schonmal in den Strassen von Rom unterwegs war hat schon seine Zweifel das das hier Italiener sind. :D 

 


02.10.2008 11:06    |    taue2512 taue2512    |    Kommentare (38)    |   Stichworte: , , ,

Wie würdet ihr Euch in einem Fall von Motorrad-Napping verhalten?

Der September scheint wahrlich kein guter Monat für Biker in und um Toulouse gewesen zu sein, denn es häufen sich derzeit besonders dreiste und vor allem mittlerweile sehr gewalttätige Fälle von 'Motorrad-Napping'. Betroffen sind vor allem Supersport-Motorräder vom Typ Yamaha R1 und R6. Viele lokale Motorradfahrer-Gruppierungen haben zur erhöhter Vorsicht und Wachsamkeit unter den Bikern aufgerufen.

 

 

 

Es begann alles gegen Mitte September, als gleich in einem Abstand von wenigen Stunden in Cépiere, St. Alban und Aucamville - alles Orte im Grossraum Toulouse im Süden Frankreichs - Motorradfahrer tätlich angegriffen wurden. In einem Fall am 15.9. wurde einem Biker, der an einer roten Ampel wartete seine Yamaha R1 geklaut. Der Ablauf war generalstabsmässig geplant, eine bereits vorher geklaute Yamaha Fazer setzte sich rechts neben das Opfer, während auf der linken Seite neben dem Opfer eine mit zwei Personen besetzte ebenfalls vorher geklaute schwere Maschine anhielt. Der Sozius dieser Maschine sprang ab und bedrohte den arglosen R1-Fahrer mit einem Messer bis dieser abstieg und der Sozius mit der R1 davonfuhr.

 

Am 21.9. wurde einem Biker im Stadtteil Bellefontaine nach dem gleichen Prinzip seine Suzuki GRX 600 entwendet.

 

Eine Eskalation der Gewalt fand daraufhin leider den letzten Sonntag, am 28.9. statt als ein junger Mann mit einer Yamaha R6 in der Innenstadt von Toulouse unterwegs war. Mitten auf dem Pont Saint Michel in Höhe der Kreuzung Grand Ramier wurde dieser gegen 19h von einem mit zwei Personen besetzten Motorroller im dichten Verkehr in Richtung Stadtmitte zum anhalten und der Herausgabe der Schlüssel gezwungen. Durch die Berichterstattung der letzten Vorfälle dieser Art war der Yamahafahrer wohl bereits alarmiert. Jedenfalls zog der Dieb im gerangel um die Schlüssel eine Stichwaffe und das Opfer erhielt insgesamt zwei tiefe Stichwunden, eine in den Rücken (Trizeps) und eine weitere im Bauchbereich, was den Mann laut Angaben der geschockten Augenzeugen direkt zusammensacken liess.

 

Die beiden Diebe entkamen mit dem Motorrad des Opfers. Trotz der Tatsache das das Opfer sofort in die Notaufnahme der Klinik von Toulouse-Purpan eingeliefert wurde, ist sein Zustand sehr ernst. Laut einem Bekannten wurde die Leber des Opfers bei der Attacke verletzt und es ist noch nicht abzusehen ob er bleibende Schäden davonträgt.

 

Am Montag und Mittwoch wurde die Brücke erneut von der Spurensicherung Nachmittags kurz gesperrt, um eventuell weitere Hinweise auf die Täter zu finden. Mich wundert es nicht das diese herangehensweise erfolglos blieb. 

 

Eins ist klar: Die Verkaufszahlen von Supersportlern der Marke Yamaha dürften unter diesen Vorfällen in Toulouse sehr leiden und meine Freundin hat nun auch immer weniger Lust mit Ihrer GSX-R 1000 herumzufahren.

 

Doch wie kann man diesem Problem beikommen? Habt ihr Lösungen oder wie würdet ihr Euch verhalten? Ich frage mich ernsthaft warum leiht die Firma Yamaha nicht einfach einige R1 und R6 an die französische Polizei für ein paar Tage. Die Kollegen können dann schön mit unsichtbaren Stichwaffen-Schutzwesten und einer griffbereiten versteckten Dienstwaffe die letzten warmen Tage dieses Jahres auf dem Mopped auskosten. Alleine schon eine solche Ankündigung in der Presse würde m.E. bereits eine gewisse abschreckende Wirkung auslösen und wenn die Täter gefasst würden, so wäre das eine prima Publicity für Yamaha. Was denkt ihr?


Blogempfehlung

Mein Blog hat am 01.10.2012 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

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Frankreich macht schonmal den Anfang www.ecarus.fr

 

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