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Motorrad-Exoten

Blog über Motorräder, Prototypen, Einzelstücke und Designstudien, die es in Deutschland nicht oder zumindest noch nicht gibt.

19.04.2012 19:36    |    Lewellyn Lewellyn    |    Kommentare (15)    |   Stichworte: , , , ,

In meiner losen Reihe über bemerkenswerte Motorradmodelle, denen der Markterfolg versagt blieb, bleibe ich nach der RD500 noch ein wenig bei Yamaha, die mit der ebenfalls zweitaktenden TDR 250 ein ebenso geiles, wie erfolgloses Motorrad auf den Markt gebracht haben.

 

Auch die TDR ist unter anderem daran gescheitert, dass sie ihrer Zeit zu weit voraus war. Im Grunde ist sie das erste Modell der Gattung "strassentaugliche Supermotos" zu einer Zeit, als "Supermoto" noch gar nicht erfunden war, geschweige denn deren strassentaugliche Ableger.

 

Die Yamaha-Ingenieure in Japan kamen 1985 auf die Idee, einen völlig neuen Motorradtyp zu entwickeln. Dazu wollten sie eine Kreuzung aus Enduro und Sportmotorrad schaffen. Das Entwicklungsziel hieß "Fahrspass auf allen Arten von Strassen". In umfangreichen Tests mit unterschiedlichen Konzepten zeigte sich, dass für so ein Modell der Schwerpunkt mehr auf Stabilität und Strassentauglichkeit liegen sollte, statt auf der Offroadtauglichkeit. Daher wählte Yamaha für die TDR einen stabilen Doppelschleifenrahmen, wie er auch damals für sportliche Strassenmoppeds üblich war.

 

Auch wenn sie optische Ähnlichkeiten zur damaligen XT600 Tenere aufweißt, war sie eben keine tiefergelegte Enduro, sondern eine völlige Neuentwicklung. Motor und Bremse stammen aus dem Zweitaktrenner TZR 250. Der Motor wurde zwecks Alltagstauglichkeit modfiziert und lieferte mit 50PS bei 10.000U/min eine für das nur 153kg leichte Motorrad mehr als ausreichende Leistung. Das ist immerhin eine Literleistung von 200PS. Was bis heute kein 4-Takt-Twin hinbekommt.

 

Gleichzeitig verhinderte der Motor jede Idee von klassischem Offroad, da unter 6.000 U/min trotz YPVS (Yamaha Power Valve System zur Leistungsanhebung im unteren Drehzahlbereich) so gut wie keine verwertbare Leistung vorhanden war. Ihr Metier war die möglichst kurvige Landstrasse. Die aufrechte Sitzhaltung, der breite Lenker und das extrem handliche und dabei stabile Fahrwerk ermöglichten sehr schnelles Kurvenwedeln. Einzig die serienmäßigen Metzeler Enduro 3 setzten der Schräglage mangels ausreichender Haftung im Grenzbereich Grenzen. Die Schräglagenfreiheit war jedenfalls deutlich höher. Aber die Reifen konnte man ja wechseln.

 

In Frankreich war die TDR sehr populär, zumal Yamaha Frankreich auch an der Entwicklung beteiligt war. Dort gab es auch den TDR-Cup, eine Veranstaltung, die quasi die Initialzündung des heutigen Supermotosports war. Erstmalig wurden Motorradrennen im Rahmen einer Cup-Veranstaltung auf einem Rennkurs bestehend aus On- und Offroadteilen durchgeführt.

 

In Deutschland dagegen wollte quasi niemand eine TDR haben. In den 3 Jahren, die sie hier offiziell angeboten wurde (1988-1990) wurden gerade mal 502 Motorräder verkauft. Zum Schluss wurden die letzten TDRs für 6.500 DM verschleudert. Der Listenpreis war knappe 9.000 DM.

 

Was könnten die Gründe für diesen Flop gewesen sein?

 

Hauptsächlich war es wohl der Motor. Der Verbrauch von 8-12 Litern, je nach Fahrweise, war auch damals schon und für eine 250er deutlich zu hoch. Dazu ein Zweitakter, stinkend und mit teurem Öl zusätzlich zu versorgen. Dafür war den meisten wohl die Papierleistung von 50PS zu niedrig. Prestigewert nahe Null.

 

Erschwerend kamen unpraktische Details wie der geringe Soziuskomfort und ein Drehzahlmesser im (angesichts des Verbrauchs viel zu kleinen) Tank hinzu. Was die Tourentauglichkeit nicht erhöhte.

 

In Frankreich waren die Rahmenbedingungen für die TDR ganz anders. Weitgehend legal befahrbare Schotterwege, haufenweise enge und kurvigste Strassen in weiten Teilen des Landes machten die Stärken der TDR viel wichtiger als mangelnde Autobahntopspeed (knappe 170km/h) oder geringe Reisetauglichkeit.

 

Damals fand ich die TDR einfach Hammergeil. Allerdings war sie nach Probesitzen für mich etwas zu klein. Sie wirkt auf Bildern größer als sie eigentlich ist. Und als Neufahrzeug als Studi auch zu teuer. Vor allem vom Unterhalt her.

 

Die aktuelle 2012er KTM Duke ist in meinen Augen der erste, echte Nachfolger der TDR. Mehr Leistung bei erheblich geringeren Verbrauch bei gleichem (Leicht-) Gewicht. Und ähnlichem Preis (in Euro ;)).

Das ist dann die späte Möglichkeit für mich, ein solches Fahrzeug, dessen Konzept ich nach wie vor hammergeil finde, zu besitzen.:cool:


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Lewellyn Lewellyn

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