04.09.2009 17:42
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Stan73
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Hier geht es zurück zum Teil 1.
Bellinzona Es ist noch früh am Morgen, als ich bei angenehmen 25° C ins lauwarme Wasser des Lago Maggiore eintauche. Von der drückenden Hitze und dem Lärm des Tages ist noch nichts zu spüren. Das saubere weiche Wasser erfrischt und belebt, es ist fast still weil noch keine Boote unterwegs sind, und die Aussicht auf die Berge entspannt ebenfalls. Die Erfrischung brauche ich, denn wir fahren heute ins "Landesinnere", da wo kein kühler Wind vom See weht.
Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es dann fast 25 km in Richtung Nordosten. Das breite Tal des Ticino öffnet sich vor uns und gibt den Blick auf ein beeindruckendes Panorama mit teilweise über 3000 Meter hohen Gesteinsriesen preis. Das wirkt von unseren ca. 200 Höhenmetern aus beeindruckend, aber nicht bedrohlich, da sich die Ebene weit bis zu den Bergen zieht. Die Straße hat dafür umso weniger zu bieten: der übliche Stau in Richtung Alpenkamm, ein Belag aus Betonplatten, die höchste Tankstellendichte Europas, und gefühlte 100 Kreisverkehre (real sind es vielleicht ein Dutzend) führen uns durch ein Gewerbegebiet. Eins steht jetzt schon fest: Für die Rückfahrt muss es eine andere Route sein, schöner und entspannter.
Endlich erreichen wir unser Ziel: Bellinzona, die Hauptstadt des schweizer Kanton Tessin, eine wichtige Handelsstadt und eine der bedeutendsten Tore für den Weg über die Alpen. Warum die Stadt 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe gekürt wurde, erschließt sich dem Besucher erst nach Überwindung des unansehnlichen Außengürtels. Denn dahinter wird es wirklich schön.
Beim weiteren Rundgang taucht hinter einer Hausecke plötzlich mitten in der Stadt ein riesiger Fels auf. Darauf steht das fast wie neu hergerichtete Castello Grande aus dem 13. Jahrhundert, eine der drei markanten Burgen Bellinzonas, die für das Votum der UNESCO den Ausschlag gegeben haben dürften. Von einem Turm des Castello Grande lässt sich eine tolle Aussicht auf die Stadt sowie das Castello di Montebello und das Castello di Sasso Corbaro am besten genießen.
Als es nach dem Mittagessen zu heiß ist, begeben wir uns auf den Rückweg. Diesmal geht es auf die Bundesstraße 13 mitten durch die Weinberge an den Südhängen eines Bergmassivs. Wir passieren Monte Carasso und fahren bis Gordola. Gelegentliche Zwischensprints auf der recht gerade aber leicht wellig verlaufenden Straße bringen uns dem Lago Maggiore viel zu schnell wieder näher, denn diese Straße weiß – anders als der Hinweg – in fast allen Belangen zu begeistern. Während die Klimaautomatik ganze Arbeit für eine angenehme Körperwärme leistet, haucht uns Colbie Caillat "Bubbly" in die Ohren, und wir lassen uns von Wind und Sonne tragen.
Valle Maggia
Auf der breiten kurvenreichen Straße geht es entlang des Gebirgsflusses Maggia durch immer rustikalere Dörfer. Die Maggia ist mal breit und flach, mal schmal und tief. Die tieferen Stellen befinden sich in zahlreichen durch große Felsen gestauten Becken mit geringer Fließgeschwindigkeit. Flußtaucher freuen sich hier auf bis zu 14 Meter tiefe Tauchgänge und "Cliffdiver" springen von bis zu ebenso hohen Felsen ins Wasser. Aber selbst wer sich nicht ins doch seeehr kalte Nass traut, der kann vom Ufer aus auch in der Tiefe jedes Sandkorn im blau-grün schimmernden aber kristallklaren Wasser erkennen.
Der 3er nimmt die leicht ansteigende Strecke gelassen hin und bejubelt besonders die Sprints hinter den Ausgangsschildern der unzähligen Ortschaften. Das Logic 7 muss ausnahmsweise mal schweigen, damit wir den Blick auf die immer höher werdenden Berge entlang des Tales genießen können.
Das Tal verzweigt mehrmals. Bereits vor 2 Jahren ging es für uns in ein Seitental bis San Carlo, wo an der Seilbahn hoch zum Lago di Robiei Schluss ist. Eine wirklich tolle Tour, die zum Heizen verführt.
Wir haben heute aber etwas anderes im Sinn, und so ist schon 10 km hinter dem Ort Maggia Schluss mit dem Fahrvergnügen. Wir stellen das Auto am Straßenrand ab und kämpfen uns durchs Unterholz hin zur Maggia. Herrlich, dieses eiskalte lupenreine Gebirgswasser. Im Schatten eines Felsblocks lässt es sich aushalten. Der Picknickkorb wird ausgepackt, und es wird ein richtiger "lazy summer day".
Locarno
Lago di Vogorno / Valle Verzasca Ein neuer Tag bricht an. Aber der Morgen wird noch sehr faul mit Baden und Lesen verbracht. Erst am Nachmittag haben wir – kurz nachdem uns jemand einen Tipp gibt – den Ehrgeiz, wieder mehr von der Gegend zu sehen.
Um es vorweg zu nehmen: Die nun folgende Tour verdient ohne Übertreibung das Prädikat spektakulär: landschaftlich und fahrtechnisch. Jetzt aber erst mal schön der Reihe nach.
Die schmale aber gut asphaltierte Straße verlangt vollste Aufmerksamkeit. Neulingen unter den Bleifüßen ist hier die vorübergehende Rückkehr zum Tretroller oder zumindest ein sehr defensiver Fahrstil anzuraten. Es geht noch weiter bergauf durch märchenhafte Wälder, vorbei unter überhängenden Felsen, und immer wieder überqueren wir hohe Brücken und fahren um unzählige enge Kurven. Im Klartext: Eine echte Traumstrecke zum sportlichen Fahren auf hohem Niveau.
Die hübschen Steinhäuser mit ihren Steindächern sind erstaunlich gut in Schuss, an den Dorfstraßen wird tagsüber eine Straße neu gepflastert, und das ganze Dorf strahlt jetzt am frühen Abend eine faszinierende Ruhe aus. Ein paar der Einwohner sitzen vor ihren Häusern und lesen Bücher, schauen in den Abendhimmel oder tun sonst irgend etwas Entspanntes. Dass der Glockenturm der kürzlich renovierten Kirche nicht wie üblich auf derselben sondern ein paar Meter daneben steht, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Das ganze Dorf wirkt wie ein Museum aus einem früheren Jahrhundert. Die meisten der rund 100 Einwohner hier leben von Kunsthandwerk und Tourismus.
Als wir uns auf den nun ruhigeren Heimweg machen, dämmert es schon. Das Leuchten in unseren Augen hingegen wird noch lange bleiben. Dankbar für die vielen tollen Eindrücke aus einer anderen Welt geht es wieder heimwärts ins 750 m tiefer gelegene Tal, diesmal jedoch ohne Vollgas, und unterstützt von kuscheligen Songs aus den Achzigern. Erholsame zufriedene Träume werden folgen, das steht fest.
Hier geht es zu Teil 3, dem letzten Teil des Tessin Reiseberichtes. |







- den Fahrstil anpassen.



Auf der riesigen langgezogenen Piazza Grande wurde eine ebenso riesige Filmleinwand aufgebaut; eine grandiose Kulisse, um sich eines der meist unbekannten cineastischen Kunstwerke anzuschauen (wir sind ja hier nicht in Cannes). Wer im August hierher reist, sollte allein schon wegen der tollen Stimmung abends durch Locarno flanieren. Zum Musikfest im Juli war ich noch nicht da, aber die Stimmung ist sicher ähnlich prickelnd.












Kommentare: 10
04.09.2009 17:52 |
UHU1979
Ein absolut lesenswerter Artikel! Danke.
04.09.2009 19:19 |
BmwGS
Klasse Artikel, schöne Bilder.
04.09.2009 23:02 |
camel139bf13
Schön geschrieben. Da bekomm ich richtig fernweh, zumal ich früher zwei bis dreimal im Jahr auf der italienischen Seite (Cannobio) dieser Gegend war. Mir war schon jedes Schlagloch vertraut.
Danke.
05.09.2009 08:51 |
andyrx
Hallo
kann ich nachvollziehen
sehr schöner Bericht und tolle Pics....
ich hab das auch schon öfter genossen--->Klick und hier-->Klick
ich möchte da so bald wie möglich wieder hinfahren....
mfg Andy
(1681 mal aufgerufen)
05.09.2009 09:09 |
Stan73
Vielen Dank für euer Lob. Freut mich, wenn Artikel und Bilder gefallen.
@andyrx: Dann weist du ja genau, wovon ich schreibe. Übrigens Klasse Bilder in deinem Blog und schöne Autos.
Wenn ihr nichts dagegen habt, dann werde ich euch noch mit Teil 3 behelligen.
Der nächste Urlaub im Oktober geht zu einem recht unbekannten Reiseziel. Jede Wette, daß 95% hier noch nichts von der Insel gehört haben. Die Chancen stehen also gut, daß es hier bei Motor-Talk noch keine Reiseberichte dazu gibt. Allerdings überlege ich noch, ob / wie das zu meinem Blog passt, denn die Insel ist so klein (größte Ausdehnung 11 km), daß ich da kein Auto haben werde. (das Thema habe ich schon in den Comments zu Teil 1 erwähnt)
05.09.2009 09:21 |
andyrx
Hab im Juli auch eine Cabriotour mit dem Autozug an den Gardasee gemacht-->http://www.motor-talk.de/.../...na-eine-kleine-reportage-t2343802.html
war auch sehr schön,wobei mir das Tessin noch einen Tick besser gefällt
mfg Andy
(192 mal aufgerufen)
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05.09.2009 09:48 |
Stan73
Ja Wahnsinn. Bei mir war es mit der Cabrio-Tour zum Gardasee im Juni soweit.
Ich finde Gardasee und Tessin schwer vergleichbar. Gardasee ist schon sehr "deutsch" und oft auch ziehmlich überlaufen, hat aber trotzdem sehr sehr schöne Ecken und bezaubernde Cabrio-Strecken. Tessin steht für mich mehr für das "Dolce Vita".
Sag mal, du bist nicht zufällig im Oktober auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik? Dann kann ich nämlich meinen Account hier schon mal löschen lassen, damit wir hier nicht alles doppelt machen ...
05.09.2009 11:33 |
Olli the Driver
Schöner Bericht, vielen Dank dafür.
06.09.2009 10:36 |
T5-Kusi
Jap, kann mich da ausnahmslos Olli anschliessen!
Den Bungee-Jump hab ich vor ein paar Jahren einer sehr guten Kollegin zum Geburtstag geschenkt. Das war ein sehr kreischendes Erlebnis
17.09.2009 18:02 |
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