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Hallo liebe Zielgruppe!
In meiner Begleitung für Arbeitslose zu Behördengängen erlebt man doch so Einiges. Ich rechne inzwischen ja mit Allem, aber auch ich sitze manchmal echt sprachlos da. Hier der Brief eines Hilfesuchenden (dann mit Namen drunter, das wollte er hier nicht) an die Agentur für Arbeit in Nürnberg:
Zitat:
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ab dem 01.10.2009 benötige ich Arbeitslosengeld II. Ich bin an multipler Sklerose erkrankt und habe einen Schwerbehindertenausweis mit GdB 50% und Merkzeichen G, im Moment läuft eine Klage auf Anerkennung des Merkzeichens aG. Zusätzlich habe ich Pflegestufe 1. [...]
[XXX] im Zentrum für Arbeit in Leer sieht wegen meines Gesundheitszustandes keine Chancen, auf regulärem Weg einen Arbeitsplatz zu finden. Vor Ausbrechen der Erkrankung arbeitete ich [...] im Lager.
Ich bemühte mich wie von [XXX] gefordert um einen Termin bei der Rehaabteilung der Agentur für Arbeit Leer, [YYY].
[YYY] rief am 28.09.2009 gegen Mittag bei mir an. Ohne nähere Kenntnisse meiner Person oder meiner Behinderung behauptete sie, ein Beratungsgespräch sei überflüssig, weil ich ohne Hilfe sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe. Sämtliche Einwände meinerseits ließ sie nicht gelten. Sie fragte noch nach der Telefonnummer von [XXX]. Anscheinend findet keine Kommunikation zwischen dem Zentrum für Arbeit und der Agentur für Arbeit statt.
Ich bin empört, daß einem Behinderten schon ein Beratungsgespräch versagt wird. Es klingt in meinen Ohren wie Hohn, wenn eine Frau, die offensichtlich keine genauen Kenntnisse über meine Behinderung hat., meint, ich könne problemlos als Helfer arbeiten. Ich bin außer Haus fast immer auf meinen Rollstuhl angewiesen, körperliche Arbeiten kann ich wenn überhaupt nur eingeschränkt verrichten, ganz zu schweigen davon, daß kein Arbeitgeber einen rollstuhlfahrenden Lagerarbeiter einstellt.
Auf der Website der Agentur für Arbeit steht „Haben Sie individuelle Fragen zu diesem Thema? Dann wenden Sie sich am besten an Ihre Agentur für Arbeit und vereinbaren einen Gesprächstermin.“ Ferner wird unter den wesentlichen Aufgaben der Agentur für Arbeit „Förderung der beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung“ aufgeführt.
Offenbar reicht die Schwere meiner Behinderung für [YYY] von der Agentur für Arbeit in Leer nicht aus, um beraten zu werden. Ich finde es unverschämt, daß [YYY]n bei mir anrief und mir in verächtlichem Ton indirekt mitteilte, daß sie mich für faul hält.
Wegen dieses Geschehnisses beschwere ich mich hiermit offiziell über das hochgradig unprofessionelle und verächtliche Verhalten von [YYY] meiner Person gegenüber.
Darüberhinaus bitte ich Sie, mir einen kompetenten Ansprechpartner für meine gewünschte Beratung an die Seite zu stellen. Ich brauche Hilfe, trotz meiner körperlichen Einschränkungen einen passenden Beruf zu finden.
Eine Kopie dieses Schreibens wurde an [Namen entsprechender Stellen] geschickt.
Mit freundlichen Grüßen
Man erlebt mich selten sprachlos, aber als ich das mitbekommen habe, saß auch ich nur mit offenem Mund da. Ich glaube übrigens nicht an eine Übertreibung des Herrn, eher daran, daß für einige Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Rollstuhlfahrer wirklich zu faul sind, einfach aufzustehen und loszulaufen.
Jetzt möchte ich dazu Eure Meinung hören bzw. lesen.