03.12.2012 14:15
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KUESmagazin
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Lächerlich oder intelligent?Berlin – Brenner und zurück. Wir wollten es wissen: Wie sparsam ist der neue Cadillac BLS Diesel wirklich? Cadillac steht für Luxusschlitten, V8-Blubbern und exorbitante Benzin-Verbräuche. Im Jahr 2007 rannte die amerikanische Edelmarke in die Mittelklasse. BLS heißt das gute Stück und war ab 28450 Euro zu haben. Zum Vergleich: ein Opel Vectra kostete damals 25750 Euro. BLS steht für Badge-Engineering. Außer dem typischen Lorbeerkranzlogo hat dieser Cadillac Nichts mit Amerika zu tun. Die Plattform stammt vom Opel Vectra, der Dieselmotor vom Alfa und zusammen geschustert wurde das Ganze bei Saab in Schweden. Vergangenheit.
Heute ist der Cadillac BLS 1.9 D als Gebrauchtwagen ein echter Geheimtipp. Denn trotz Vollausstattung ist er im Schnitt nur knapp 1000 Euro teurer als ein gleich alter Opel Vectra CDTi. Für einen 2007er Cadillac werden etwa 6000-8000 Euro aufgerufen. Der GM Bruder von Opel kostet zwischen 4000 und 7000 Euro.
Und eins ist sicher: Der BLS 1.9 TDI ist das sparsamste Auto, das Cadillac je gebaut hat. Wir wollen es genau wissen: Was taugt der Spardillac wirklich? Auf unserer Marathon-Tour Berlin-Brenner und zurück in 24 Stunden, muss der kleine Euro-Ami beweisen, was er kann.
Berlin-Alexanderplatz, 5.02 Uhr Wir steigen ein. Ganz schön bequem. Elektrische Fensterheber, Lederlenkrad und Klimaanlage gehören zum Lieferumfang. Klimaautomatik, die gut riechenden Ledersitze und der Regensensor kosten dagegen Aufpreis. Edle Materialien finden wir nur bei genauem Hinsehen. Was nicht direkt im Blickfeld liegt, wirkt weniger liebevoll ausgesucht – wie zum Beispiel der Opel-Blinkerhebel. Ein dürres Leistchen mit Holzfurnier zieht sich über Türverkleidungen und Armaturenbrett, ein feiner Alu-Rahmen fasst Schalter und Anzeigen dezent ein. Klasse gemacht: Der Rot illuminierte Zeitmesser in der Mittelkonsole. Im BLS steckt viel vom Saab 9.3 – identisch sind etwa die Werte für Radstand (2,68 Meter) und Kofferraumvolumen (425 Liter). Auch die Platzverhältnisse hinten – nett, aber nicht üppig – erinnern an den Schweden, ebenso die sehr guten, weiten Verstellwege von Lenkrad und Sitz und die daraus resultierende, gute Sitzposition.
Leipzig, 7.48 Uhr Der Cadillac schnurrt wie ein Bienchen. Der Klang erinnert uns an den brummigen Alfa 147 JTD. Bereits ab 1800/min zieht der150 PS starke Vierventiler kraftvoll durch. Angenehm, wenn nach Baustellen aus 60 km/h im sechsten Gang hoch beschleunigt werden soll.
München, 11.15 Auf freier Bahn erreicht der BLS bergab bis zu 220 km/h. Allerdings zeigt ein Blick auf unser Navigationsgerät, dass der BLS-Tacho um etwa 5 km/h zu wenig anzeigt. Das ist echtes Understatement. Trotz zügiger Fahrweise kommen wir beim Nachtanken nur auf einen Verbrauch von 7,1 Liter Diesel je 100 Kilometer.
Kufstein, 12.33 Wir sind schon fünfeinhalb Stunden unterwegs. Trotzdem gibt´s keine Klagen über Rückenschmerzen. Die Cadillac-Sitze bieten guten Seitenhalt und eine ausgezeichnete Lordosenunterstützung.
Europabrücke 13.42 Es beginnt zu schneien. Wieder einmal Wintereinbruch auf der Alpentrasse. Der Cadillac, bestens ausgerüstet mit ESP, ABS und einem schweren Diesel auf der Vorderachse. Er zieht sauber seine Spuren in den frischen Schnee. Der polnische Lkw auf der rechten Spur quält sich Tiefschwarz qualmend die Steige hinauf. Das Rußen wurde unserem Cadillac abgewöhnt. Er hat serienmäßig einen Partikelfilter an Bord.
Brennerpass 14.50 Dichtes Schneetrieben. Zum Glück weisen uns die Tag hellen Xenon-Scheinwerfer den rechten Weg. Auf dem Brennerpass gibt es schon längst keine Passkontrollen mehr. Der Verkehr rauscht unter der verwaisten Grenzbrücke durch. Schon im Jahr 2008 soll hier oben, auf 2000 Metern Höhe, ein großes Designer-Outlet entstehen. Dolce Gabana, Gucci & Co. – dazu würde unser Cadillac gut passen. Wir fahren noch eine Runde durch den Ort Brennero, dann drehen wir um, Richtung Heimat.
Innsbruck 15.28 Die Brennerstrecke hat unter den vielen Brummis gelitten. Asphaltbuckel und kleine Schlaglöcher sind Zeugen des vergangenen Winters. Vor allem bei langsamer Fahrt nimmt der BLS die Straße eher mit deutscher Härte als mit US-plüschiger Gelassenheit. Zuweilen nervt das Fahrwerk mit deftigen Poltergeräuschen.
Garmisch 17.12 Wir fahren von der Autobahn runter auf die Landstrasse. Die Lenkung arbeitet direkt, die sechs Gänge lassen sich ohne Widerstände wechseln. Die Serpentinen hinauf zum Fernpass umzirkelt unser BLS wie ein Sportler. Hier zahlt sich das straffe Opel-Fahrwerk aus. Im alten Cadillac Fleetwood wäre uns bei dieser Kurbelei speiübel geworden. Ein Blick auf die Verbrauchsanzeige lässt uns ungläubig staunen. Auf den letzten 156 Kilometern hatten wir einen Durchschnittsverbrauch von 4,8 Litern Diesel. Absoluter Cadillac-Rekord! Noch vor zehn Jahren wären wir mit solchen Behauptungen in die Psychiatrie Zwangs eingewiesen worden.
Würzburg 22.44 Wir freuen uns immer noch über die bequemen Reisesessel. Die Bose-Stereoanlage mit ihren samtig schönen Tiefbässen hält Fahrer und Passagiere bei Laune. Der Cadillac mutiert zur First-Class-Lounge. Klasse: Der CD-Wechsler ist so eine Art CD-Fresser. Es gibt nur einen Schacht im Radio, in den wir nach und nach alle unsere CDs hineinstopfen. Somit erspart uns Cadillac das lästige Musik suchen im Handschuhfach oder – noch schlimmer – das CD wechseln im Kofferraum.
Kassel 01:07 Die A7 ist um diese Zeit fast Auto leer. Wie bequem, wenn man – wie beim Cadillac BLS – den Tempomat auf 160 km/h einstellen kann. Bei dieser Geschwindigkeit zeigt uns der Bordcomputer einen Verbrauch von 7,9 Litern Diesel an.
Braunschweig 03:58 Ärgerlich: Ausgerechnet beim Fahrerwechsel streikt die Funkfernbedienung. Vermutlich ist die Batterie im Schlüssel leer. Für Notfälle hat Cadillac allerdings vorgesorgt. Mit einem Schraubenzieher von der Tankstelle fummeln wir den elektronischen Türöffner auseinander. Und darin befindet sich – wie vermutet – der verchromte Notschlüssel. Aufschließen, Starten und weiter geht´s.
Magdeburg 05:18 Wir nähern uns dem Ziel. Auf der dreispurigen A2 können wir es des Nachts richtig brennen lassen. Dabei liegt der Cadillac BLS erstaunlich sicher auf der Bahn. Kein Seitenwind, keine Bodenwelle kann ihn aus dem Trapp bringen. Kurz hinter Magdeburg heißt es, ein letztes Mal auftanken. Diesmal sind 9,5 Liter Diesel je 100 Kilometer von der Common Rail-Pumpe in die Brennräume gepresst worden. Unser D-Zug-Zuschlag eben.
Berlin, Humbolduniversität 7.22 Endlich wieder in Berlin. Das Gedränge der Großstadt hatten wir auf unserer langen Reise fast vergessen. Bei den engen Parklücken fällt uns plötzlich wieder auf, dass eine 4,68-Meter lange Stufenhecklimousine kein kleines Auto ist. Zum Glück helfen uns die Parksensoren sauber einzuparken. Unser Fazit: Auch wenn der Cadillac BLS kein echter Amerikaner ist, ein tolles Reiseauto ist er allemal. Und mal ehrlich: Wo gibt es sonst ein so viel Extravaganz bei so wenig Sprit-Verbrauch? Cadillac, wie haste Dich verändert...
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