29.09.2011 13:45
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KUESmagazin
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Hat der 2008er Shelby GT500 das Zeug zur Ikone?1967 feiert die Tuning-Version des Ford-Mustang Premiere: der Shelby GT 500. Tuner und Designer Carroll Shelby verpasst den Boliden aus Detroit nicht nur ein verbessertes Fahrwerk und mehr Motorleistung. Auch rein äußerlich sind seine Konstruktionen sofort als Shelby zu erkennen. Dass die Basis vom Ford Mustang stammt, ist unverkennbar. Doch Heckklappe, Kotflügel und Motorhaube lässt Carroll Shelby nach seinen Vorstellungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff fertigen. Die Lufteinlässe sind alles andere als pure Show. Sie versorgen Motorkühlung, Ansaugsystem und Bremsenbelüftung der Hinterachse.
Das Einstellen des 750er Edelbrock-Vergasers überfordert noch heute jede Vertragswerkstatt. 19 Liter Kühlwasser führen die Motorwärme ab - Schwerstarbeit für die Wasserpumpe. Carroll Shelby selbst bezeichnet seinen GT 500 noch heute als den ultimativen Marketing-Coup: „Vom Sekretärinnen-Coupé zum Musclecar.“ Nur 1.536 Exemplare werden gebaut. Angesichts des Preises ist das kein Wunder: 4.700 Dollar kostete dieser GT 500 damals - doppelt so viel wie ein Opel Commodore.
Wer keinen alten Shelby GT500 sein eigen nennen darf, kann jetzt zumindest auf das brandneue Modell umzusteigen. Optisch lehnt sich das seit kurzem erhältliche Remake mit den auffälligen Streifen hauteng am ersten Shelby 350 GT von 1965 an (4,7-V8, 253 PS), einem ausgewogenen Streetracer. Der Bezeichnung nach erinnert der Neue aber eher an den aufgeblasenen GT 500 von 1967 (7-L-V8, 404 PS), der schon heftig an der Grenze des noch Zumutbaren kratzte und ein unvergleichlicher Reifenvernichter war. Der 427 CID war so millimetergenau zwischen die Vorderradaufhängung eingeklemmt worden, dass zu jedem Zündkerzenwechsel die Köpfe demontiert werden mussten. Eine Prozedur, die Pflichtbewusste alle 10000 km erledigen liessen.
Eine still gelegte Kaserne in der Nähe von Kassel. Hier treffen wir auf den 2008er Ford Mustang Shelby GT500. Die Luft über der Strecke flimmert schon um elf Uhr morgens wie ein Vexierbild. Das Digital-Thermometer zeigt schon 27 Grad an. In der Halle riecht es nach Öl, Bundeswehr-Lastern und Reifengummi. Zündschlüssel nach rechts und der V8 erwacht mit bösem Grummeln. Die tiefen Schallwellen lassen die Fensterscheiben aus Riffelglas vibrieren. Jetzt vorsichtig aus dem Hanger raus. Nur nicht zu viel Gas geben. Das Biest schießt beim kleinsten Zucken im rechten Fuß nach vorne. Geschafft, sauber steht der Mustang in Flugrichtung auf dem rauen Militärasphalt.
Jetzt festhalten und Druck durchstarten. Wie von einem unsichtbaren Katapult abgeschossen, presst Dich der Shelby nach vorne. In nur 4,7 Sekunden stehen 100 km/h auf der Uhr, dann heißt es, Anker werfen, denn die Auslaufzone und der Meterhohe Stacheldrahtzaun gebieten Einhalt. Die Höchstgeschwindigkeit ist ohnehin wegen der Reifen auf 250 km/h beschränkt. Garantiert wird eine Leistung von 475 PS, doch die meisten 5,4-Liter-Kompressormotoren streuen nach oben, schaffen rund 500 PS und verkürzen so den Sprint um 0,2 Sekunden. Um mehr Ladedruck zu erzeugen, genügt ein 25-Dollar-Chip für den Kompressor. Die Kurbelwelle verkraftet bis zu 700 PS.
Der Motor schmiert dick Drehmoment auf die Antriebswellen, die grandiosen Fahrleistungen öffnen das Tor zur Elite-Klasse, das konkurrenzlose Preis-Leistungs-Verhältnis erinnert an ein Kingsize-Menü mit Pommes und Coke. Die selbstbewussten Proportionen, die liebevollen Details, die Gänsehaut-Akustik und die schiere Präsenz erschließen sich selbst einem Nicht-Amerikaner, der als Kind weder Shelby-T-Shirts noch Cobra-Poster oder GT350-Aufkleber gesammelt hat. J Mays, der Meister aller Retro-Designer, durfte sich mit diesem Auto ein frühes Denkmal setzen. Der GT500 ist pure Pornografie auf Rädern, die immer dann ihren Höhepunkt zu erreichen droht, wenn die Hinterreifen um Fassung ringen. Der wuchtige Frontspoiler scheint potent genug, um seinen persönlichen Jetstream zu erzeugen.
Der Heckspoiler verhilft dem Cabrio zu fast soviel Ground Effect wie das Leitwerk eines Formel-Renners. Die 18-Zoll-Goodyears (255/45 vorn, 285/40 hinten) verewigen sich wie schwarzes Blattgold in hauchdünnen Schichten auf dem Asphalt. Im Kofferraum des GT500 wummert eine 1000-Watt-Shaker-Audioanlage, die über zehn Lautsprecher jedes Auspuffröcheln, Ansauggurgeln und Kompressorjaulen übertönt. In Amerika ist der Shelby GT500 trotz – vielleicht auch wegen – seiner schillernden Persönlichkeitsstruktur bis auf weiteres ausverkauft. Weil Ford pro Jahr nur 8000 Stück baute, reicht die Warteliste inzwischen von Detroit bis an die Staatsgrenze zu Ohio. An dieser angespannten Nachfragesituation wird sich nicht viel ändern, denn der schnellste Serien-Mustang aller Zeiten kostet selbst voll ausgestattet neu gerade mal 46.000 Dollar. Für knapp 30.000 Euro ist heute ein drei Jahre altes Exemplar zu haben. Ein Mustang war schon immer eine gute Wertanlage. |
