02.04.2013 17:00
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Wie viel Geld sollte man beim Rolls Royce Kauf für Reparaturen zusätzlich einplanen?
Emily mit zwei Gesichtern. Der günstige Rolls Royce Silver Shadow II ist ein Geheimtipp mit zwei Seiten: Entweder Wertanlage oder Groschengrab. Die erste Serie des Silver Shadow (ab 1965) hieß Silver Shadow I, die nach der Modellpflegemaßnahme im Jahr 1977 in Silber Shadow II umbenannt wurde. Die größten Änderungen waren der neu gestaltete Kühlergrill sowie die nun voluminöseren Stoßstangen mit Kunststoffummantelung, durch die Anforderungen des US-Markts bedingt waren. Ab 1969 wurde der Silver Shadow I mit einem um zehn Zentimeter verlängerten Radstand angeboten. Prinzessin Anne war die erste Abnehmerin dieses Fahrzeugs.
Diese verlängerte Version wurde bei Einführung des Silver Shadow II als Silver Wraith II bezeichnet. Während der Bauzeit gab es mehrere technische und optische Modifikationen. So wurde 1970 der ursprüngliche, aus dem Rolls Royce Silver Cloud III stammende 6,3-Liter-Achtzylinder und die zugehörige 4-Gang-Automatik durch einen 6,75-Liter-Motor und eine Dreigangautomatik ersetzt, das Armaturenbrett wurde in gleichem Atemzug an US-amerikanische Sicherheitsvorschriften angepasst. Der Silver Shadow war ebenfalls als Coupé und ab 1967 auch als Cabrio lieferbar und als Mulliner Park Ward Two Door Saloon bezeichnet. Diese Varianten wurden 1971 in Rolls-Royce Corniche umbenannt.
So einen Rolls Royce Silver Shadow II bekommt man schon ab 13000 Euro. Sonderangebote aus 30ter Hand sind allerdings kaum mehr als rollende Restaurationsobjekte und deshalb bestenfalls ein Fall für finanziell unabhängige Schrauber. Profi-Schrauber, wohlgemerkt. Einige Baugruppen sollten selbst gelernte Kfz-Mechaniker nicht anrühren, sofern sie den Briten nicht gut kennen. Denn auch wenn ein Silver Shadow wie ein Auto von vorgestern aussieht, hat er einige technische Finessen, die heute noch erstaunen: So soll ein Sicherheitsstromkreis im Notfall den Scheinwerferstromkreis überbrücken und Einäugigkeit vorbeugen. Auch die komplizierte Hydraulik ist ein Buch mit sieben Siegeln, in dem nur der Fachmann lesen kann. Trieft der Unterboden vor Öl, sollten Interessenten den Kauf zweimal überdenken. Allein die Ersatzteilpreise der simplen Hydraulikschläuche stürzen jeden Normalverdiener in den finanziellen Ruin. Dies gilt auch für die Stoßdämpfer. Sie tragen mit dem Zweitonner eine hohe Last. Neue Dämpfer kosten etwa 500 Euro pro Stück, der Einbau ist nur mit Spezialwerkzeug möglich.
Stimmt der Hydraulikdruck der Bremsanlage nicht, kann es ebenfalls teuer werden. Kann, sofern der Defekt nicht banal ist: Bei Modellen ab 72 leuchtet nach dem Einschalten der Zündung ein Kontrolllämpchen, es soll nach kurzer Zeit wieder erlöschen. Glimmt es nicht, ist manchmal nur das Lämpchen defekt. Oder der Verkäufer hat manipuliert, um den Schaden zu vertuschen. Geht das Licht nicht mehr aus, steht ein kostspieliger Werkstattbesuch an. Doch nicht alle Reparaturen geraten automatisch zum Desaster. So stammt das Automatikgetriebe von General Motors und wird zu bürgerlichen Preisen notiert.
Die einfache Konstruktion kann vom Getriebe-Instandsetzer oft sogar günstig überholt werden. Der V8-Motor lädt zum gemütlichen Gleiten ein. Der anfangs verwendete V8 mit 6230 cm³ Hubraum wurde 1970 durch ein Aggregat mit 6750 cm³ ersetzt. Die konkrete Motorleistung verschwieg Rolls-Royce zur damaligen Zeit zwar traditionsgemäß und bezeichnete sie stets als „ausreichend“ bzw. „genügend“.
Der 6230 ccm Motor leistete tatsächlich 178 PS (131 KW) bei 4000 U/min und der ab 1970 gebaute 6750 ccm Motor leistete 200 PS (147 KW) bei ebenfalls 4000 U/min. Das maximale Drehmoment liegt bei stattlichen 510 Nm bei 1750 U/min. Doch egal, welcher Motor: Öl verliert er immer, größere Probleme leistet er sich selten. Eine Generalüberholung kostet ab 10.000 Euro, ein Tauschmotor schlägt mit dem Preis einer gehobenen Mittelklasse ins Kontor: rund 27.000 Euro. Klappern die Hydraulikstößel, muss in jedem Fall ein Termin in der Werkstatt vereinbart werden - und mit der Bank. Jeder der 16 Stößel kostet 200 Euro- plus Arbeitszeit. Arbeiten am eindrucksvollen Blechkleid sind beim Rolli im Grunde immer teuer. Eine typische Schwachstelle sitzt am Ansatz der A-Säule. Hier zeigen viele Silver Shadow Risse im Lack. Rost nistet sich häufig an Schwellern, Kotflügeln (vorn und hinten), Scheibenumrandungen und den Radläufen ein. Problemlos: Haube und Türen, denn die sind aus Aluminium.
Das gilt nicht für die Befestigungspunkte der Hinterachse. Sie gammeln gern, Schwächen entlarvt ein kleiner Test: Sportlich anfahren und auf Bewegungen der Hinterachse achten. Gibt es einen kräftigen Ruck, der durch das ganze Auto geht, beziehungsweise ein dumpfes Geräusch, so ist das ein untrügliches Zeichen für eine anstehende Blechreparatur. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ein Rolls-Royce ist kein schlechtes Auto. Er ist ein Klassiker, der viel Liebe braucht und noch mehr Geld verlangt. Leider spielt er mit seinen Ersatzteilpreisen selbst als Gebrauchter in einer Liga, die finanziell schwer zu verkraften ist. Das Gebrauchtwagenangebot ist verblüffend groß. Kein Wunder mit über 29.000 Exemplaren war der Rolls-Royce Silver Shadow der meistgebaute Rolls-Royce aller Zeiten.
Info Rolls-Royce Silver Shadow II: Modellgeschichte 10/65 Präsentation des Silver Shadow I 3/66 Coupé-Version, Karosserie von H. J. Mulliner Park Ward 3/67 Einführung des Cabriolets 5/69 Als Limousine mit langem Radstand erhältlich. Modellbezeichnung: Silver Wraith I 2/77 Nachfolger Silver Shadow II, die Version mit langem Radstand nennt sich Silver Wraith II 10/80 Silver Spirit und Silver Spur lösen Shadow II und Silver Wraith II ab.
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