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02.05.2012 11:43    |    KUESmagazin KUESmagazin    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: , , , , , , , , , ,


Diesel und Sportwagen - passt das?

Wer schon mal einen BMW Alpina fahren durfte, weiß aus eigener Erfahrung: die Biester rennen wie die Sau ohne freilich zu Saufen wie ein Stier. Hocheffizienz nennt man so etwas. Jetzt hat Alpina den Hocheffizienz-Gedanken perfektioniert: Mit dem Alpina D3 bringt der Kleinserienhersteller aus Buchloe erstmals einen 200 PS starken Sportdiesel auf den Markt. Wie man darauf kommt, einen Vierzylinder-Diesel als Asphalt-Brenner anzubieten, zeigt ein Blick in die Vorgeschichte von Alpina. Juniorchef Andreas Bovensiepen eroberte 1998 zusammen mit Hans Stuck, Marc Duez und Christian Menzel den Gesamtsieg der 24-Stunden-Hölle auf dem Nürburgring.

 

Sein Auto: Der BMW 320 Renndiesel. Der schnellste Selbstzünder, den BMW damals gebaut hatte. Die Erfahrung mit dem Druckdiesel ließ Bovensiepen sieben Jahre lang nicht ruhen. Auch als er Ende der 90er Jahre noch bei der BMW AG als Manager gesamtverantwortlich für die Entwicklung des Z8 war. Er dachte sich: „Das erste, was ich tue, wenn ich wieder zurück in Vaters Betrieb nach Buchloe komme ist, dass ich uns so einen Diesel baue.“

 

Für BMW Alpina, den Hersteller mit dem Doppelvergaser und der Kurbelwelle im Wappen sind solche Projekte nichts Ungewöhnliches. Schließlich hat Gründer Burkhard Bovensiepen schon einmal einen extrem sparsamen BMW gebaut: Im Jahr 1979 gewann ein aerodynamisch ausgefeilter BMW 318i Alpina E21 den Shell-Kilometermarathon auf dem Hockenheimring mit einem Durchschnittsverbrauch von lächerlichen 2,672 Litern auf 100 Kilometer.

 

Zwanzig Jahre vor der Einführung des Drei-Liter-Autos. Doch im Vergleich zum Sparprototyp ist der nagelneue Alpina BMW D3 ein Serienauto mit Schnäppchen-Potenzial: Er kostete neu bloß 6.000 Euro mehr als ein gewöhnlicher 320d von der Stange. Dafür gibt es 18-Zoll-Räder, Sportfahrwerk, ein Alpina-Cockpit mit Lederlenkrad inklusive Lederschalthebel sowie eine Alpina-Frontschürze und ein Doppelendrohr.

 

Auf der anderen Seite den Superdiesel: trotz 200 PS und 410 Newtonmeter braucht dieser Selbstzünder nur 5,7 Liter Diesel im Drittelmix. Zum Vergleich: Schon ein Alfa 147 JTD (140 PS) ist mit 5,9 L/100 km angegeben.

 

 

Wie der Trick mit der Leistungserhöhung zum Knauserkurs funktioniert, erklärt uns Dr. Frank Schwabe (49), der Motorenchef von Alpina: „In der Serie verfügt der 320d über einen Mitsubishi-Turbo. Wir haben zusammen mit Garret einen komplett eigenen Lader entwickelt, der nicht nur ungewöhnlich früh anspricht, sondern auch bei hohen Drehzahlen reichlich Druck liefert.“ Die extra großen Ladeluftrohre sorgen dabei für ordentlich Luftdurchsatz. Das Motorkennfeld und der Luftfilter wurden ebenfalls auf die neuen Anforderungen abgestimmt. Fast genauso viel Entwicklungs-Aufwand wie für die Einlassseite wurde für die Abgasseite investiert. Schließlich verfügt der 2,0-Liter Selbstzünder von BMW über einen Russpartikelfilter. Bloßes Anfetten des Gemisches hätte schwarze Qualmwolken mit irreparablen Schäden am Partikelfilter zur Folge. Also wurden noch einmal über 1000 Stunden auf dem Motorprüfstand getestet, modifiziert und geprüft, um das Russ-Thema in den Griff zu bekommen.

 

 

Und es wurden unglaubliche Versuche gefahren: So musste ein Ingenieur 10.000 Kilometer lang mit höchstens Tempo 60 durch Münchens Innenstadt gurken, um die Kurzstrecken-Emissionen zu optimieren. Was für ein Job! Mit einer 200 PS-Rakete Wochen lang zu schleichen, ist ungefähr so toll wie in einem leeren Pool zu baden. Oder der Lolitaclub ohne Miezen. Oder ein Kartoffelsalat ohne Amora-Majonaise. Aber: Die Mühen haben sich gelohnt: Mit dem 2005er BMW Alpina D3 ist ein Superdiesel entstanden. Er ist so sauber, dass er gar keinen Partikelfilter braucht. Dass der Filter trotzdem verbaut ist, ist eher ein Politikum und für den späteren Besitzer vermutlich ein gutes Argument zum Werterhalt.

 

Doch, wie fährt die Diesel-Granate? Schon ab 1500 Umdrehungen zieht der Motor bärig los, von 2000 bis 3300 Umdrehungen lässt er die 410-Newtonmeter-Muskeln (das ist Achtzylinder-Niveau!) spielen, bleibt aber bis über 4000 Touren irre spritzig. Es ist verblüffend, wie leichtfüßig dieser Diesel bis zum roten Bereich bei 4.500/min hochjubelt. Das können sonst nur Benziner.

 

Das Handling ist ebenfalls ein Kinderspiel: Das sportlich und dennoch komfortabel überarbeitete Fahrwerk zeigt sich mit dem Temperament fast unterfordert. Dank des relativ leichten Zweilitermotors ist die Gewichtsverteilung ausgeglichen, das Kurvenverhalten also ziemlich narrensicher. Und wer sich überschätzt, den fangen die Elektronikengel wieder ein. Kurz noch mal auf den Preis geschaut: knapp 36.000 Euro waren im Jahr 2005 schon erschwinglich, aber keineswegs billig. Heute kostet so ein Alpina D3 ab ca. 16.000 Euro. Das edle Alpina-Image gibt es kostenlos obendrauf.

 

Technische Daten: R4-Turbo • vier Ventile pro Zylinder • zwei obenliegende Nockenwellen • Hubraum 1995 cm³ • Leistung 147 kW (200 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 410 Nm bei 2000/min • Heckantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Kofferraum 460 l • Tankinhalt 61 l • Länge/Breite/Höhe 4520/1817/1406 mm • Reifen 225/40-255/35 ZR 18 • Leergewicht 1460 kg • Spitze 238 km/h • 0–100 km/h in 7,4 s • Verbrauch 5,7 l Diesel auf 100 km • Preis: 35.900 Euro, gebraucht ab 16.000 Euro

 


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