02.06.2013 09:26
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Wie sieht die Zukunft vom Fiat 124 Spider aus?Er ist seltener als mancher Ferrari und gehört zu den wenigen – noch – bezahlbaren Automobillegenden. Doch die Preise wandern steil nach oben. Für einen guten Fiat 124 Spider wird teilweise mehr bezahlt als für einen Maserati Biturbo Spyder. Ohne Zweifel zählt der Fiat 124 Sport Spider heute zum Garagengold. Das heisst zu den Autos, die jedes Jahr an Wert gewinnen. Wer einen Spider kauft macht mehr Gewinn als mit jedem Investmentfond. Nur kaputt gehen darf er nicht.
Der Fiat 124 Spider ist eigentlich eine geschrumpfte Corvette. Denn das von Pininfarina Designer Tom Tjaarda erdachte Schwalbenschwanz-Heck gehört ursprünglich zum Pininfarina Rondine. Ein futuristischer Supersportwagen Prototyp auf Basis der Corvette den Pinifarina auf dem Pariser Salon 1963 vorstellte. Keiner ahnte damals, dass diese Form als Fiat 124 Spider 20 Jahre lang gebaut werden würde. Was ebenfalls die wenigsten wissen: der Fiat 124 Spider wurde nicht nur bei Fiat im italienischen Lingotto und bei Pinifarina gebaut, sondern auch in Deutschland bei Fiat in Neckarsulm.
Es waren Erlkönigjäger, die 1966 erste Bilder vom neuen Spider knipsen konnten. Und die Begeisterung in Italien war groß, obwohl das Fahrzeug, das intern die Bezeichnung AS trug, getarnt war und noch nicht dem Serienstand entsprach. Bis zum 48. Turiner Autosalon im November desselben Jahres, auf dem das Cabrio offiziell präsentiert wurde, flossen noch zahlreiche Detailverbesserungen ein. Der 124 Spider wurde während seiner nahezu zwanzigjährigen Bauzeit zum Inbegriff des italienischen Dolce Vita. Lediglich der Alfa Spider vermochte noch mehr Emotionen zu wecken.
Motor und Antrieb Auf dem Autosalon rollte der neue Fiat als schlichter 124 Sport. Die bestechende Optik kaschierte sehr gut, dass der Spider ein Abkömmling der drögen Familienkutsche vom Typ 124 war. Die Bodengruppe wurde um 14 Zentimeter gekürzt, Fahrwerk und Getriebe stammen ebenfalls aus dem Großserien-Teileregal. Neu war hingegen der drehfreudige 1,4-Liter-Vierzylinder mit 90 PS (bei 6000/min), der das Cabrio immerhin auf 170 km/h beschleunigte. Dass sich die Ingenieure den 124 als Basis auserkoren hatten, schadete also keineswegs.
Der 920 Kilo schwere 2+2-Sitzer hatte eine gut ausbalancierte Gewichtsverteilung (60: 40), ein gegenüber dem 124 härter abgestimmtes Fahrwerk - allerdings mit der aus der Limousine stammenden starren Hinterachse - und breitere Reifen. Statt der schmalen 155er-Pneus rollte das Cabrio auf für damalige Verhältnisse breiten 165er-Reifen in Kombination mit 13-Zoll-Felgen. Die Bremsanlage mit hydraulisch betätigten Scheibenbremsen sorgte für ordentliche Verzögerung, das vollsynchronisierte Fünfganggetriebe ermöglichte schnelle und präzise Gangwechsel. Technisch war der Spider also auf der Höhe der Zeit. Und so fuhr er sich auch. Er war keine aggressive Heckschleuder, sondern ein fein austariertes Cabrio, das mit viel Fahrspaß überzeugen konnte. Die damit einhergehenden Verbräuche von elf bis zwölf Liter Super trübten das Bild nicht.
Die BS-Reihe, die ab 1969 gebaut wurde und rund 11.ooo Mark kostete, war letztlich ein Facelift. Erkennbar war der Neue an den zwei charakteristischen Buckeln auf der Haube und dem Wabengrill. Grund für die Ausbuchtungen waren die beiden Doppelvergaser des neuen Motors. Es handelte sich dabei um den 1,6-Liter-Vierzylinder (110 PS) aus dem Fiat 125 (BS1). Der Spider stieß damit in eine neue Klasse vor. 180 km/h und zehn Sekunden von null auf 100 km/h waren damals Werte, die sich sehen lassen konnten. So ließen sich selbst die neuen VW-Porsche aufmischen. Parallel konnten deutsche Kunden bis 1972 noch die kleinere Version ordern. Das Fahrwerk blieb im Grundsatz gleich.
Aufgrund der Ölkrise senkte Fiat 1971 die Leistung auf 100 PS, bis im September 1972 der neue Vierzylinder aus dem 132 Einzug hielt. Die nunmehr CS genannte Version brachte es auf 108 PS bei 6000 Touren. Dieser Motor verschwand bereits im Juli 1973 wieder von der Bildfläche. Von dem Interimsmodell liefen rund 11.000 Exemplare vom Band. Ebenfalls im Sommer 1972 entschied man sich bei Fiat für den 1,8-Liter-Vierzylinder aus dem 132, der 118 PS mobilisierte. Ein Tacho bis 220 signalisierte den Anspruch. Mit der Einführung der neuen Aggregate stieg auch der Preis kräftig an. 1973 waren schon 14.250 Mark fällig. Der Spider verlor an Boden, nicht zuletzt, weil neue Konzepte auf den Markt kamen: die Henkel-Cabrios. Und der Fiat X1/9, der mit seiner keilförmigen Karosserie deutlich moderner wirkte, sorgte Mitte der siebziger Jahre für Konkurrenz im eigenen Haus. 1978 endete der Lebenszyklus des Spider, nachdem selbst die Amerikaner das Interesse verloren hatten.
Doch Tote leben länger. Auf der IAA 1981 stand das Cabrio wieder auf dem Messestand! Die Nachfrage überraschte, so dass sich Fiat gezwungen sah, den Spider wieder aufzulegen. Allerdings nicht in Eigenregie. Pininfarina übernahm Produktion und Vermarktung des Fahrzeugs. Im März 1982 lief die Fertigung des (DS1) Spidereuropa an. Den Antrieb erledigte der bekannte Vierzylinder, der es noch auf 105 PS brachte und mit verbleitem Sprit versorgt werden musste. Eine umweltfreundliche Version mit geregeltem Kat gab es ab Ende 1984. Die Leistung: 103 PS. Topmodell war der Spidereuropa Volumex, der mit satten 135 PS auf sich aufmerksam machte. Er lief ab 1983 vom Band. Seine Werte: 190 km/h und 8,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Pininfarina beendete die Produktion im Juli 1985, nachdem das Auto kurz zuvor noch einmal tief greifend renoviert wurde. Eine moderne Zahnstangenlenkung hielt ebenso Einzug wie eine geänderte Vorderachse und ein neues Kühlsystem. Trotzdem war nach rund 200.000 Exemplaren Schluss - das Auto war einfach nicht mehr zeitgemäß.
Karosserie und Innenraum Das durchaus geräumige Cockpit mit den fünf Rundinstrumenten und der Holztäfelung unterstrich den sportlichen Anspruch. Das verchromte Lenkrad und der lange Schalthebel verströmten echtes Sportwagen-Feeling. Lediglich die extreme Froschhaltung nervte von Beginn an. Sie war auf die betagte Lenkung zurück zu führen. Erst mit der Einführung des so genannten Spidereuropa gab es tief greifende Veränderungen: Das Cockpit wurde gründlich überarbeitet. Eine Zahnstangenlenkung ersetzte die Schnecken-Rollen-Lenkung. Auffälligstes Merkmal war die neu eingeführte Mittelkonsole mit den beiden senkrecht stehenden Ausströmern. Die Rundinstrumente blieben, das Lenkrad schrumpfte. Relativ klein war der Tank, der lediglich 45 Liter fasste.
Der Markt: Der Bestand schrumpft. Grund: Viele Exemplare wurden nicht gerade gepflegt. Wer sich einen Fiat 124 Spider zulegen möchte, muss Nehmerqualitäten mitbringen. Rost an maladen Karosserieteilen ist üblich. Radläufe, Unterboden und überall, wo nicht Regenwasser ordentlich ablaufen kann: Am Tankdeckel, an der Windschutzscheibe an den Türschwellern.
Davon blieben auch nicht die US-Varianten verschont, denen oftmals ebenfalls keine Pflege zuteil wurde - und die kalifornische Sonne allein macht es auch nicht. Vor Überraschungen ist man also nie sicher. Da hilft nur ein sehr gründlicher Check der Karosse und der Bodengruppe. Obwohl Motoren, Fahrwerk und Mechanik recht problemlos sind, gilt auch hier: Schlechte Pflege zerstört alles. Ein gutes Exemplar läuft dagegen recht problemlos auch einmal 200.000 Kilometer. Bei Kat-Versionen muss der Käufer öfter defekte Lambdasonden in Kauf nehmen.
Gut 40 Jahre gehen an keinem Autoteil vorbei: Kabelbrüche an der Elektrik, defekte Hardyscheibe, Differential, Getriebe, durchgebrannte Zylinderkopfdichtung, ausgefallener Lüfter, fest gemoderte Bremse, undichte Kraftstoffleitung und löchriger Auspuff, um nur die wichtigsten zu nennen.
Die Ersatzteilversorgung ist erstaunlich gut, übrigens auch mit zeitgenössischem Zubehör wie 13 Zoll Abarth CD30 Rädern, Sportauspuff und Sportlenkrad. Allerdings sollte man hier unbedingt darauf achten, dass die Teile eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) haben. Denn es gibt natürlich auch viel Nachbauten ohne Zulassung.
Erfahrungsberichte und Hilfe kann sich der Interessent bei den Fiat 124 Spider-Clubs im Internet holen. Und was kostet das Vergnügen: Ein gut erhaltenes Exemplar schlägt heute mit 16.000 Euro zu Buche, eine „Rostlaube“ mit weniger als 6.000 Euro. Tipp: Es gibt eine schicke Sonderserie, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Pininfarina aufgelegt wurde. 1001 Exemplare wurden gebaut. Ansonsten sind die drei leistungsstarken Versionen selten und teuer:
Fiat 124 Spider DS VX / Spidereuropa Volumex, Roots-Kompressormotor mit 135 PS. Bauzeit: 1983-85, 500 Stück. Fiat Spider CSO Turbo, 115 PS, Bauzeit 1981-83, 700 Stück. Fiat 124 Sport Spider Abarth CSA, 128 PS, Bauzeit 1972-74, 1.013 Stück.
Fazit: Fiat traf mit dem 124 Spider exakt den Zeitgeist - ein aufregend schönes Cabrio mit sportlichem Charakter, das sich selbst weniger Betuchte leisten konnten. Rund 11.000 Mark kostete der 124 Spider. Und Extras gab es fast keine: Radios für 300 bis 700 Mark und Magnesiumfelgen für 500 Mark waren mehr oder weniger die einzigen Optionen. Der Hecktriebler konnte sich in der Phalanx der Alfa Spider, MG B und Triumph TR 4 gut behaupten. Und heute? Der 124 Spider ist ein Klassiker! Ein Cabrio, das Emotionen weckt. Vielleicht tritt die Fiat Barchetta einmal seine Nachfolge an. Eine Barchetta gibt es heute schon für 1500 Euro.
Links: http://www.spiderplace.de/indexd.html http://www.oldtimer-tv.com/oldtimer/DE/oldtimer/index.php?Seite=175 http://www.youtube.com/watch?v=yio0ODrSJnw
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