MOTOR-TALK News - Aktuelle News rund ums Auto & Motorrad aus der Redaktion

30.03.2013 18:42    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (52)    |   Stichworte:

frankreichfrankreich

Eine längere Ausführung über mein Spezialgebiet, französische Autos, zum Thema "Qualität" habe ich hier. Oft heißt es, dass man von Autos aus Frankreich die Finger zu lassen hätte, weil diese unzuverlässig, schlecht verarbeitet, problematisch und teuer im Unterhalt seien, da immer kaputt. In meinen Augen sind das Vorurteile - nicht ganz unbegründet, weil man etwa in den 70er-Jahren teilweise schon Autos kannte, die aus Frankreich kamen und nicht gerade hochwertig waren - wobei das in den 70er-Jahren kein rein französisches Thema gewesen ist, dass Fahrzeuge viel Nachholbedarf aufwiesen. Es hat sich trotzdem - ähnlich wie bei Italienern, die ab den späten 80er-Jahren (Fiat Croma...) aus dem Gröbsten raus gewesen sind - gehalten. Doch ist da was dran?

 

Französische Autos sind nicht pauschal schlechter als deutsche Fahrzeuge, geraten aber aufgrund ihrer relativ niedrigen Neuwagenpreise oft in Hände, die einfach ein preiswertes Auto suchen und kein besonderes Verhältnis zu Fahrzeugen haben, sie nur als Gegenstände oder nötiges Übel ansehen. Das betrifft aber eigentlich nur französische Modelle bis etwa Mittelklasse; alles, was darüber liegt, also die C6-, VelSatis/Latitude- oder Peugeot 508/607-Klasse, kommt eher in die Hände von Überzeugungskunde, die meist schon viele große Franzosen hatten und aus Prinzip nie einen vergleichbaren BMW, Audi oder Mercedes kaufen würden, etwa weil sie an Frankreich Land und Leute lieben und Wert darauf legen, sich von der Masse abzuheben - solche Leute investieren durchaus Geld in fachgerechte Wartung und Pflege, und fahren diese Autos auch meist sehr lang. Genauso lang werden die großen Franzosen dann auch beim Vertragsbetrieb scheckheftgepflegt.

 

Ich gehe nun von Renault aus:

 

Es hängt immer von der Pflege des Besitzers ab, wie lang ein Auto fährt, und die typische Renault-Nutzerschaft (außer bei Autos wie Safrane, VelSatis, Avantime) gehört leider nicht zu den Vorbesitzern, von denen man gern gebrauchte Autos abkauft: Ignorierte Kontrolllampen, überzogene Wartungsintervalle und somit eine Notwendigkeit zahlreicher Reparaturen nach kurzer Zeit sind da praktisch vorprogrammiert.

 

Der typische Franzosen-Fahrer kleinerer/preiswerterer Modelle ist wie gesagt so einer, der eigentlich alle Wartungen ignoriert und spätestens ab dem 3. Jahr nichts mehr machen lässt, nur sparen will und menschlich gesehen grundsätzlich alles besser weiß. So einer, der noch frech reagiert, wenn man ihm sagt, dass er die Mängel doch selbst verantwortet, wenn er nichts machen lässt, Werkstattaufenthalte scheut, Reparaturen grundsätzlich nur billig selber etc. "hindübelt" und auch wegen solchen Sparwüten, die man nicht nachvollziehen kann, teilweise nach relativ kurzer Nutzungsdauer oft ernsthafte Probleme mit dem TÜV bekommt (siehe Dacia Sandero, der faktisch ein Renault ist).

 

Wird der "teure" Golf etwa oftmals mehr als 15 Jahre lang scheckheftgepflegt und kommt wegen jeder Kleinigkeit in die VW-Werkstatt oder zumindest zu einem Kfz-Meisterbetrieb, muss der "billige" Mégane beispielsweise in der Regel nach drei Jahren maximal, spätestens nach Garantieende, ohne periodische Wartungen auskommen und bekommt allenfalls gelegentlich Öl nachgefüllt - wenn es die Anzeige meldet, dass einzufüllen wäre. Denn von sich aus tut so ein Franzosen-Fahrer meist gar nichts. Es gibt auch hier Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel!

 

Wird der Wagen dann aber, weil man ja nie etwas machen ließ, einmal etwas teurer und es geht an einige Reparaturen, wird der Fahrer sehr wütend - natürlich hat in diesem Falle nur das Auto die Schuld.

 

Das geht dann so: Zuerst wird der örtliche Renault-Händler aufgesucht und verantwortlich gemacht für ein "schlechtes Auto", dann wird in der Regel sobald in einem Internetforum über Renault geschimpft und nicht selten macht man auch den Importeur verrückt. Selbstredend betreibt so jemand dann auch bei jeder Gelegenheit nachdrücklich, wo er nur kann Anti-Werbung für Renault und behauptet dabei von sich, er habe "das Auto immer vorschriftsmäßig gepflegt", also alle zwei Jahre zum TÜV gebracht und gelegentlich vielleicht mal nach dem Öl geschaut...

 

Weil das dann dermaßen laut publiziert wird, spricht es sich herum, das ist alles, so kommen auch Vorurteile zustande, französische Autos seien qualitativ minderwertig, wenig haltbar, unzuverlässig etc.!

 

Ähnliche Probleme sind auch der Auslöser für das schlechte Abschneiden neuer Dacia-Modelle beim TÜV! Solche Wagen werden gekauft, weil sie für wenig Geld gut ausgestattet, einigermaßen modern und recht komfortabel/flott sind - und entsprechend wie Gegenstände behandelt. Pflege ist hier ein Fremdwort - viele Franzosen-Fahrer sehen sie als unnötige Ausgabe, als herausgeworfenes Geld oder gar als Abzocke zum Wohl des Händlers an!

 

Ich hatte, was ich immer wieder gern erzähle, vor vielleicht zehn Jahren einmal bei einer Kundin (sie fuhr einen R19) einen Zahnriemenriss; als der Riemen riss, stellten wir über das Scheckheft fest, dass das wohl noch der Original-Werkszahnriemen gewesen sein musste, der nun gerissen war! Weder konnte sich die Frau daran erinnern, dass er mal gewechselt wurde, noch konnte ein Wechsel belegt werden. Ich erinnere mich, dass das Serviceheft nach der ersten oder zweiten Inspektion endete, und so früh wird noch kein Zahnriemen ersetzt, es sei denn, man erreichte das Kilometerintervall.

 

Die Frau besaß dann sogar noch die Dreistigkeit, mir ins Gesicht zu trutzen: "Zahnriemenwechsel sind doch nur Abzocke und Geldmacherei, damit Sie was verdienen!" - und das ist kein Einzelfall; der typische unzufriedene Renault-/Franzosenfahrer wird sehr schnell renitent, sieht seine eigenen Pflegefehler nie ein und sucht die Schuld, wenn was ist, generell immer woanders: Beim Auto selbst, beim Händler oder bei dem Importeur. Ich habe Geschichten erlebt in all den Jahren!

 

Deswegen empfehlen sich bei einem jeden gebrauchten Franzosen, auch wenn sie technisch in der Regel sehr robust sind, was auch auf gern beschimpfte Autos wie etwa den Renault Laguna zutrifft - ich kannte einen 1995er mit zuletzt fast 400.000 Kilometern, der immer noch in dritter oder vierter Hand lebt und zuverlässig dient - ausschließlich konsequent lückenlos scheckheftgepflegte Exemplare, bei denen immer alles erledigt wurde.


07.03.2013 13:20    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (29)    |   Stichworte:

Seid ihr schon Opfer von Tachobetrügern geworden?

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In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Hier geht es um ein ziemlich unschönes Thema, das vielen bekannt ist und mit dem man am liebsten nichts zu tun hat - kennen werden es die meisten wohl auf jeden Fall vom Hörensagen, manche haben es vielleicht auch schon erlebt: Tachotrickser! Auch ich bin damit schon mehrfach konfrontiert worden, ein besonders dreister Fall aus jüngerer Vergangenheit soll hier erzählt werden.

 

Vor einigen Jahren habe ich mal einen Renault 25 in Zahlung genommen, der mit satten 405.000 Kilometern bei mir landete - aus zweiter Hand (erster Besitzer war ich selbst als Tageszulassung) und für die Laufleistung noch gut in Schuss. Er hatte noch fast zwei Jahre TÜV, wenn ich mich erinnere, und kurze Zeit vorher eine neue Kupplung bekommen. Dennoch: Kein Auto für den privaten Endkunden. 405.000 Kilometer - da muss man erst mal einen finden, der so etwas nimmt, und ein Renault 25 stand damals sowieso schon längst nirgendwo mehr auf der Einkaufsliste. Als Youngtimer war er damals noch nicht etabliert, als typischer Gebrauchtwagen aber zu alt für die Masse.

 

Den R25, er war dunkelblau-metallic, habe ich dann deswegen an einen Aufkäufer verkauft, für wenig Geld, und der hat ihn dann vermutlich über Umwege weiter verkauft. Irgendwann kam dann jedenfalls ein Anruf, dass genau dieses Auto doch noch an einen Privatmann kam - der Gute rief mich an, weil im Motorraum ein Zettel von einem Hinweis auf einen Ölwechsel bei 350.000 km hing und dieser von uns abgestempelt worden war. Der Tacho aber zeige nur 220.000 Kilometer an - was war da passiert? Er wusste nicht, was er glauben sollte und bat mich, ihm zu sagen, wie das sein könne.

 

Lange Rede, kurzer Sinn - der Tacho des R25 war vor Jahren schon einmal ausgetauscht worden, und das hatte ich damals auch im Serviceheft des Renault vermerkt. Es gab zwei Servicehefte, weil das Erste irgendwann vollgestempelt war, doch die gesamte Bordmappe wurde mit verkauft - irgendein Zwischenhändler (das Auto war inzwischen 200 Kilometer von mir entfernt bei dem Privatmann, der es von einem anderen Typen gekauft hatte und das für über 1000 Euro) hatte das zweite Ergänzungs-Scheckheft offensichtlich entfernt und das erste anscheinend aufgemotzt durch irgendwelche Zusatzseiten etc.; genau weiß ich das gar nicht mehr, was da gewesen ist. Doch auf diese Weise wurde auch der Hinweis auf den Tachowechsel natürlich entfernt.

 

Das Auto wurde so mit offiziell etwa 200.000 Kilometern verkauft - und da dieser R25 wirklich noch gut aussah, auch im Innenraum, waren die 200.000 eigentlich auch durchaus glaubwürdig, kannte man die Vorgeschichte nicht. Doch die fehlte bei diesem Auto auch - der alte Brief mit den zwei Haltereintragungen war eingezogen worden, und zwischendurch hatte noch jemand den R25 für einige Wochen auf seinen Namen angemeldet, sodass der Originalbrief von 1991/1992 nicht mehr da war und auch nicht mehr von Nöten, weil es ja das neue EU-Dokument schon gab.

 

Da wurde also getrickst und geschoben bis zum Ende. Was aus dem Auto wurde, weiß ich nicht mehr. Ich bat den neuen Besitzer um Rückruf, doch den habe ich nie erhalten.

 

Jetzt habe ich noch eine Umfrage beigefügt; seid ihr schon einmal Opfer von Tachobetrug geworden? Was könnt ihr da für Geschichten erzählen?


07.03.2013 13:07    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (18)    |   Stichworte:

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In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Sicher habt ihr im empfehlenswerten Blog von andyrx die Geschichte des Mazda RX-7 gelesen, der 20 Jahre lang im Freien stand und erst 47.000 Kilometer hinter sich hat - wenn nicht, könnt ihr sie hier durchlesen!

 

Eine ähnliche Geschichte habe ich erlebt; ich habe gestern noch einmal in alten Unterlagen nachgeforscht, weil mich die Geschichte doch nicht mehr losgelassen hat, und fand tatsächlich einige nähere Daten dazu. Im Frühjahr 1993 kam ein schon etwas älterer Kunde zu uns, um sich einen gebrauchten, noch recht jungen R25 (Baujahr 1990) anzusehen, den er dann auch gekauft hat. Hinterlassen hat er mir seinen vierzehn Jahre alten silbernen Renault 30 V6, der 1.500 Mark wert war.

 

Die Ausgangssituation war für dieses Auto denkbar schlecht: Damals war gerade der große Ansturm, der bekannte Gebrauchtwagen-Boom der Nachwendezeit vorübergegangen. Die neuen Bundesländer waren gesättigt, man konnte sich inzwischen auch Neuwagen kaufen, und Autos wie den Renault 30 wollte auch bei uns einfach niemand mehr haben: Alt, hoher Verbrauch, schlechter Ruf, kein Katalysator - den wollte keiner kaufen. Schade, denn dieses Auto war vom Zustand her wirklich gut. Keine 50.000 Kilometer hatte der Wagen hinter sich, war werkstattgepflegt und stand schön da; praktisch neuwertig. Verkaufen konnte ich den dennoch nicht - weder auf dem Gebrauchtwagenhof noch an einem externen Stellplatz an einer Tankstelle, den Wagen nahm mir einfach niemand ab. Keiner hatte Interesse gezeigt - offenbar war die Zeit für den R30 abgelaufen.

 

So stellte ich mir den Wagen, als er ein gutes Jahr stand, erst einmal weg, weil er vom Zustand her damals so gut wie neuwertig war. So stand er dann weiter herum. Zuerst auf dem Hof, dann in der Halle, gelegentlich wurde er mal gefahren, dann wanderte er wieder in die Halle.

 

Er wurde monatlich einmal mit der roten Nummer bewegt, wenn auch nur für kurze Strecken, und wanderte dann wieder zurück in die Halle. Da stand er dann wieder, wobei er auch nicht groß gestört hat. Ich habe mir damals gesagt, dass das Auto einfach nur den richtigen Kunden braucht, und es auch nicht mehr groß inseriert. So gingen die Jahre vorbei: 1994, 1995 ... 1999, 2000 ... 2004, 2005 ... und so weiter. Menschen kamen und gingen, Autos kamen und gingen - der silberne Renault 30 blieb stehen. Gelegentliche Fahrten, Ölwechsel, das war's dann auch schon wieder.

 

Bis er dann im Jahr 2009, zum 30. Geburtstag sozusagen, tatsächlich doch verkauft wurde. Das kam ganz plötzlich; ein Mann, der erfahren hatte, dass ich noch einen R30 auf dem Gelände stehen habe, kam vorbei und wollte den Wagen sich ansehen. Ein echter Renault-Fan, der stilecht sogar im VelSatis vorfuhr und mit dem ich mich auch über Technik, Geschichte, Schwachstellen und Bedeutung des Renault 20/30 lang unterhielt. Ich habe beide Modelle ja ebenfalls gefahren (R20 und R30). Da kamen auch schöne Erinnerungen hervor, wie ihr euch vorstellen könnt!

Es war ein netter Herr um die 50, der zu verstehen gab, dass sein Vater früher auch einen R30 gehabt hatte, und jetzt die Zeit gekommen sei, um selbst einen zu kaufen und diesen gründlich aufzuarbeiten. Dafür war mein Exemplar sicher nicht der Schlechteste, auch wenn er einige Blessuren erlitten hatte. Er hatte einige Dellen bekommen, weil er einige Male "im Weg herumgestanden hatte" und dabei beschädigt worden war. Man einigte sich alsbald auf einen guten Preis, so wurde der Wagen nach sechzehn Jahren dann verkauft. Ich habe ihm noch einen Karton diverser Kleinteile mit dazu gegeben, für die ich keine Verwendung mehr hatte.

 

Was aus dem Auto heute geworden ist, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass dieser R30 wieder am Leben teilnimmt. Dem Herrn, der ihn kaufte, traue ich es zu, dass der schöne Renault wieder in altem Glanz strahlen kann.


28.02.2013 18:49    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (38)    |   Stichworte:

In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Eigentlich, das gebe ich ehrlich zu, bin ich kein besonderer Freund der Marke, doch ließ es sich nie vermeiden, dass ich mit Mercedes in Kontakt kam. Ich hatte sogar selbst mal einen - einen alten, recht ungepflegten 300TD W123 von 1983, den ich 2008 kurzzeitig fuhr. Durch den fand ich dann auch endgültig meinen Frieden mit den Autos mit dem Stern. Das Auto gab mir mit seiner Gemütlichkeit und seinem ruhigen, ehrlichen Charakter doch einiges, und ich sah den W123 auf einmal, als ich selbst damit herumfuhr, ganz anders, als ich ihn damals immer wahrgenommen habe.

 

Auch ein anderer Mercedes ist mir einen Blog wert, denn er zeigt, dass auch scheinbar billige und alte Autos lang halten können: Es war um 2006 herum, als der Sohn eines meiner Bekannten sich zum Führerschein ein Auto wünschte, wie so viele in seinem Alter. Gern hätte ich ihm einen Clio oder Mégane verkauft, oder etwas anderes Gebrauchtes, aber das wollte er nicht haben: Er ist großer Mercedes-Fan, schon immer gewesen, und ließ sich nie von dem Wunsch abbringen, als erstes Auto auch einen Mercedes zu fahren. Egal, was für Argumente seine Eltern und Freunde hatten, ihm war das völlig gleichgültig: Entweder Mercedes fahren oder gar nichts. Er hat es letztendlich auch geschafft und trotz für viele Leute "ungünstigen" Voraussetzungen (altes Auto mit vielen Kilometern) auf eine eindrückliche Weise, wie ich finde, bewiesen, dass es funktionieren kann und es nicht immer ein alter Kleinwagen oder Kompakter sein muss.

 

Er fährt ihn noch immer - den perlmuttgrauen Mercedes 300D Automatik, Baujahr 1989, Modellpflege I mit breiten Sacco-Brettern. Ausstattungsmäßig eher schlicht; außer einem Schiebedach, der Metallic-Lackierung und dem Automatikgetriebe schien der ab Werk so viel nicht gehabt zu haben. Eigentlich ein ganz normaler W124 wie so viele, doch da gibt es noch etwas, das nicht jeder hat: Schwarze Rückleuchten nebst dazugehöriger Heckblende, Zender-Heckspoiler und dunkle Scheibenfolie hinten. Die letzten Extras stammen nicht von dem jungen Mann, sondern von dem Vorbesitzer. Ich frage mich, was das für ein Mann war/ist; kennen gelernt habe ich ihn nie.

 

Gegensätzlich zu diesem optischen Tuning trägt dieser 300D die Stahlfelgen mit Werksradkappen und hat originale gelbe Blinker vorn. Gewiss ist das sehr gewöhnungsbedürftig, aber auffällig selten in jedem Fall. Das Auto ist einigen schon bekannt.

 

Der Witz dabei: Das ist kein Auto, welches von jungen Leuten oder irgendwelchen Menschen gefahren wurde, die als "unseriös" zu gelten haben, sondern aus erster Hand von einem älteren Mann mit zwei gestempelten Scheckheften. Er hat den Mercedes über das Internet sich geholt und das mit schon weit über 300.000 Kilometern - und das exakt in dem Zustand, in dem sich der 300D heute noch befindet, mit schwarzen Rückleuchten, den dunklen Scheiben, dem Spoiler und weiteren kleinen Schrulligkeiten. Ich meine, mich noch an ein seltsam gestaltetes Kassetten-Autoradio erinnern zu können, das von Gelhard stammte und im "Colani-Design" gestaltet worden war - das aber flog schnell raus.

 

Der Mercedes-Fahrer hatte, als er den Wagen sich gekauft hat, auch durchaus wohl einige Spötter, die als selbsternannte Experten ihm bitter lächelnd prophezeit haben, dass "das alte Ding für wenig Geld sowieso nix taugt" und bald kaputt gehen würde. Heute fährt er den 300D tatsächlich immer noch - mittlerweile hat der Wagen um die 430.000 Kilometer hinter sich. Da kommt man schon ins Grübeln, aber ich weiß, dass so etwas machbar ist, wenn man gewisse Spielregeln beachten kann und die Wartung einhält.

 

Eine Durchsicht mit Flüssigkeits- und Filterwechseln erledige ich ihm alle 10.000 Kilometer bei mir im Schuppen, ansonsten hatte er bis auf einen Satz neuer Reifen, Bremsbelägen, Automatikgetriebe-Ölwechsel und einem ersetzten Kotflügel vom Schrott, weil dieser wegen einem Parkschaden vom Vorbesitzer, der nie behandelt wurde, durchgerostet war, und einem nachträglich eingebauten Navigationsradio, soweit ich weiß keine besonderen Ausgaben. Mittlerweile rostet der Wagen stärker, aber das ist sicher auf das Alter zurückzuführen - und mit dieser Laufleistung muss man sagen, dass der Mercedes sich gelohnt hat.

 

Er ist, wann immer ich ihn sehe und kurz frage, "sehr zufrieden" mit dem Mercedes und hat im November 2012 erst ohne Beanstandungen den TÜV für weitere zwei Jahre geschafft. So sieht Qualität aus. Andere Leute in seinem Alter fahren hier gefühlt jedes Jahr einen anderen Wagen - und er fährt immer noch den Mercedes, dem niemand eine lange Haltedauer zugetraut hätte. Ich denke, dass diese 430.000 Kilometer noch lang nicht der letzte Wert sind, den dieses Auto erreicht - auch wenn ich nicht unbedingt Mercedes-Fan bin, ist es doch nett, so etwas zu sehen.


22.02.2013 13:04    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (44)    |   Stichworte:


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Der Audi 80 war schon immer ein gutes Auto, ich empfehle den auch gern, wenn jemand ein preiswertes und dennoch hochwertiges Fahrzeug sucht, das noch ein paar Jahre halten soll und im Unterhalt nicht allzu teuer. Insbesondere die Typen B3 und B4 – also die, die heute den Gebrauchtwagenmarkt dominieren – sind gute Autos zu fairen Preisen, die immer eine Empfehlung wert sind und als recht zeitlose Fahrzeuge gelten. Man kann hier von der wohl besten Audi-Qualität aller Zeiten sprechen.

 

Doch echte Emotionen kamen bei diesen Modellen trotz hervorragender Qualität für mich eigentlich bis heute nie auf; das war für mich immer ein solider, haltbarer, aber auch ein wenig langweiliger Mittelklassewagen, der zwar was aushält und qualitativ weit vorn mitfährt, einfach und schnell zu reparieren ist und Zuverlässigkeit bis ins hohe Alter zeigt, jedoch eben einfach ein bisschen langweilig ist. Auch den Reiz eines gleich alten Audi 100 habe ich erst später entdeckt, gebe ich zu!

 

Dennoch bereue ich es manchmal noch heute, welches Ende ein gewisser Audi 80 nahm, den ich mal verkauft habe. Ich bin im Nachhinein aber auch froh, dass er diesen Weg nahm - denn wenige Monate später, und er wäre wohl in die Entsorgungsprämie gefallen - das wäre noch viel schlimmer gewesen.

 

Im Jahr 2008 kam eine junge Frau, vielleicht 25 Jahre alt, zu mir ins Autohaus. Sie wollte einen kleinen Renault kaufen, wusste aber noch nicht, ob es denn ein Twingo oder ein Clio werden sollte. Zur Probe fuhr sie beide, am Ende entschied sie sich dafür, einen Twingo zu kaufen. Es war, wenn ich noch recht weiß, ihr erstes eigenes Auto nach Beendigung irgendeines Studiums. Als ich fragte, ob man etwas in Zahlung nehmen müsse, erklärte sie mir, dass es da noch „einen alten Audi“ gäbe, den ihr Opa gefahren hätte, der seit Jahren sowieso nicht mehr selbst fuhr und daher eigentlich überflüssig, ihr auch zu alt und zu groß sei. Ich bat sie darum, mir dieses Auto einmal vorbeizubringen und bekam zwei Tage später einen dunkelgrünen Audi 80 B3 von 1987 vorgestellt, der vom Zustand her wirklich gut war. Es handelte sich um ein Automatikfahrzeug mit einigen schönen Extras (Schiebedach, Radio, Zentralverriegelung) und einer beigen Polsterung, gut erhalten, knapp unter 100.000 Kilometer gelaufen und die meiste Zeit scheckheftgepflegt. „Wir haben Ihnen alle Papiere dazugelegt“, sagte die Mutter der Twingo-Kundin zu mir, und ich dachte: „Wahrscheinlich der Brief, der Schein und der TÜV-Bericht“, aber da lag tatsächlich ein dicker Hefter mit Werbeaufdruck des ausliefernden Autohauses auf dem Beifahrersitz des Audi 80. Ich blätterte darin und fand alle möglichen Rechnungen, Neuwagenbestellungen und ein Prospekt des Wagens. Nette Zeitdokumente – aber damals war der Audi 80 B3 eigentlich komplett uninteressant für die meisten Kunden. Er war einfach nur ein preiswerter Gebrauchtwagen; zu alt für den durchschnittlichen Markt, zu jung für die Youngtimer-Freunde.

 

Ich habe den Wagen dann für irgendwas um die 1.000 Euro in Zahlung genommen und auf den Hof gestellt, als der Twingo geliefert wurde. Da stand der Audi 80 dann auch – und stand immer länger. Ursprünglich stand er mit neuem TÜV und neuem Kundendienst für 1.700 Euro hier, wurde mehrfach im Preis reduziert, bis wir dann bei 1.200 Euro angekommen waren.

 

Der Audi hatte gleich zwei Übel – erstens ein Automatikgetriebe, das einige Interessenten abgeschreckt hatte, und zweitens gab es nur einen U-Kat, der hohe Steuern bedeutete und die aufgekommene Umweltplakette in Grün verhinderte. Irgendwann habe ich den Audi dann auf mich selber angemeldet und als Leihwagen für Kunden vorbereitet, den es kostenlos gab, stand das eigene Auto bei uns in der Werkstatt, denn ich konnte es nicht sehen, dass ein so gutes Auto einfach nur herumstand, ohne Sinn zu machen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch an einen Kunden, der es „schwach“ fand, dass es beim Renault-Händler „nur so eine alte Gurke“ als Ersatzfahrzeug gab. Aber immerhin war er kostenlos.

So kamen in relativ kurzer Zeit noch einige tausend Kilometer auf diese Weise zustande – am Ende waren wir bei 110.000 Kilometern Gesamtlaufleistung für den grünen Audi 80.

 

Ich bin ihn mehrfach auch gefahren; an eine Fahrt kann ich mich besonders gut erinnern. Es war im Frühjahr 2009, und ich habe mit dem Audi auf der Landstraße einen anderen Audi 80 B3 überholt. Ich gebe es zu: Wirklich faszinierend oder besonders fand ich ihn noch immer nicht, auch wirkte das Fahrzeug sehr träge und zugeschnürt, aber der gute Komfort und die leichte Bedienbarkeit waren für ein so altes Auto Spitzenniveau.

 

Zwischendurch hatte ich ihn dann wieder abgemeldet und von Neuem auf den Hof gestellt, um ihn endgültig zu verkaufen. Auf dem Preisschild stand „Preis auf Anfrage“, und dann kam kaum eine Woche später auch ein jüngerer Mann, der „den grünen Audi 80 da draußen“ zur Probe fahren wollte und zu verstehen gab, dass er einen günstigen, soliden Gebrauchten suche. Er bekam die roten Nummern, drehte eine Runde und kam dann zurück ins Autohaus. „Den nehm’ ich“, sagte er und fragte mich, was das Auto kosten solle. Wir einigten uns auf 800 Euro; der Audi hatte auch kein ganzes Jahr mehr TÜV und war inzwischen durch meine Anmeldung nicht mehr aus erster Hand. Dann wurden die Scheine auf den Tisch gelegt, der Vertrag wurde aufgesetzt, und es gab die Papiere für den Audi 80 sowie einen sehr gepflegten Wagen, der sicher mehr wert gewesen wäre als die 800 Euro, die wir ausgehandelt hatten. Als ich fragte, was er mit dem Wagen denn vorhabe, antwortete er: „Der hat wenig Kilometer, der steht noch ganz gut da, den schrubb’ ich jetzt runter.“

 

Es tat mir fast leid, dass ein so gut gepflegtes Stück nun als billiges Pendlerauto herhalten musste und aufgebraucht werden würde. Einige Male habe ich den Audi hinterher sogar noch gesehen, aber das letzte Mal dürfte bestimmt drei oder vier Jahre her sein. Ich vermute, dass der Wagen längst im Ausland ist.

Aber die Mappe mit den ganzen Rechnungen und auch das Bordbuch habe ich neulich wieder beim Aufräumen alter Akten und Verträge gefunden; irgendwie blieb das Zeug bei mir liegen. Der Käufer fragte damals wohl nicht danach, dem war das vermutlich sowieso egal, und ich hatte es wohl auch vergessen. Von dem Mann habe ich jedenfalls nie wieder was gehört.

Ich bin im Nachhinein doch froh, dass dieser grüne Audi 80 bereits 2008 zu mir kam, denn wäre er auch einige Zeit später gekommen, wäre er wohl in die Abwrackprämie gefallen und somit sinnlos vernichtet worden. Da war es fast noch gut, dass der Wagen zu jemandem kam, der ihm noch etwas abverlangte. Und es gibt noch recht viele gute Audi 80 B3 und B4 - im Video sehen wir einen B4.


01.02.2013 12:54    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (27)    |   Stichworte: ,

Ford Sierra mit einem Jahr TÜV für wenig Geld - wäre das was?

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2006 war die Welt auf dem Gebrauchtwagenmarkt offenbar noch in Ordnung; keine Abwrackprämie war in Sicht, es gab viele günstige Autos in einem teilweise sehr brauchbaren Zustand. Wer einen Wagen für wenig Geld suchte, wurde recht rasch fündig, denn relativ gute Fahrzeuge konnten ohne große Probleme gefunden werden, wenn man suchte.

 

Einer davon war auch ein spanischroter Ford Sierra Fließheck von 1992, der von einem meiner Freunde, Schrottplatzbesitzer, verkauft wurde. Die beiden Türen rechts waren eingedrückt, aber noch zu öffnen. Mit einem Jahr TÜV sollte der Kölner noch 100 Euro kosten und hatte keine besonders hohe Kilometerleistung. Eigentlich hatte er (Jugoslawe) ihn zum Verschrotten bekommen, fand den Sierra aber noch "zu gut" für die Presse, weil er noch ein Jahr TÜV hatte und von der Substanz her durchaus noch zu gebrauchen war. So wollte er ihn weitergeben.

 

Der rote Sierra wurde mir mehrfach von meinem Freund angeboten. Immer wieder versuchte er, mir den Ford zu verkaufen und das mit Argumenten, die nicht unsinnig erschienen: Der Zahnriemenwechsel sei noch nicht allzu lang her, es gebe erst zwei Vorbesitzer und eine Kilometerleistung im Rahmen der Jahre, den famosen 120-PS-Vierzylindermotor und noch ein ganzes Jahr TÜV. Nur eben die beiden Türen rechts, die beschädigt waren.

 

Ich zögerte und dachte immer wieder nach, doch brauchte ich damals privat keinen Wagen und hätte mir auch nicht einfach den Sierra gekauft, den ich zwar schon 2006 als gutes und ausgereiftes Auto ansah, aber einfach noch zu gewöhnlich fand, um Faszination zu entdecken. Es gab vom Ford Sierra einfach noch zu viele Exemplare; man musste sich gar nicht anstrengen, um einen Sierra zu sehen. Heute wäre das undenkbar...

 

Auch den Wiederverkauf sah ich als problematisch an: Ein solches Low-Budget-Angebot war sicher nicht schlecht, und der Ford Sierra galt noch 2006 als eine neben dem E-Kadett typische Wahl von Autofahrer mit begrenzten finanziellen Mitteln, aber der Seitenschaden ließ mich an dem Geschäft zweifeln.

 

Der Sierra war auf einem Parkplatz Opfer eines Rückwärtsfahrers geworden, der nicht nach hinten sah und mit Schrittgeschwindigkeit den Ford gerammt hatte, wie ich erfahren hatte. Er war damit im Grunde ein Unfallwagen, auch wenn das Auto soweit noch funktionstüchtig war. Hätte ich zwei Türen vom Schrott gekauft und eingebaut, wahrscheinlich auch noch lackiert, dann wäre ich bei mehr Geld gewesen und hätte den alten Ford auch teurer verkaufen müssen. Es war ein Teufelskreis; ich entschied mich, den Wagen dann doch nicht zu nehmen, weil ich keine Verwendung dafür sah und befürchtete, mir mit dem Quasi-Unfallwagen einen Langsteher auf den Hof zu stellen. Am Ende hätte ich den dann vielleicht doch entsorgen müssen, und das wollte ich nicht, weil ich den Ford nach einer Probefahrt auch durchaus gut gefunden habe.

 

So habe ich den Ford dann doch nicht gekauft - auch nicht für 100 Euro. Heute bereue ich es fast, denn im Prinzip war das ein ehrliches Auto und auch ein sehr faires Angebot. Aber: Wenn ich heute einen so guten Ford Sierra mit leichtem Seitenschaden, aber TÜV und überschaubarer Vorgeschichte bekommen würde und das für 100 Euro, wüsste ich auch nicht, ob ich den dieses Mal nehmen würde. Ich habe einfach zu viele Autos, und würde ich so einen Sierra kaufen, müsste ich ja jeden hübschen Low-Budget-Youngtimer kaufen, den ich sehe: Nachdenklich werde ich jedes Mal, aber einen automobilen Traum habe ich noch, und den verfolge ich; und zwar den allein.

 

Für die Ford-Fans und Zeitgeistfreunde unter euch, die so etwas interessiert, habe ich noch einen Autobild-Testbericht des Sierra von 1992 herausgesucht, den ich beifüge. Zufällig ist der gezeigte Testwagen auch spanischrot lackiert.


30.01.2013 16:26    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (13)    |   Stichworte:

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Ich kann mich noch gut erinnern – an das Jahr 2004. Im Sommer dieses Jahres ließ ich meinem BMW eine Revision zukommen, die sich in den fünfstelligen Bereich bewegte. Zwei Monate lang war ich nicht mit diesem Auto unterwegs, sondern bewegte einen anderen BMW; es handelte sich um einen 535i E34. Dieser war ein 1988er Baujahr; ich hatte ihn erst in Zahlung genommen und eigentlich als Fahrzeug für den Schrott angedacht. Ein halbes Jahr TÜV hatte der Wagen noch, und ich ging davon aus, dass im Prinzip alles an diesem BMW eine weitere Plakette verhindern würde. Er war so schlecht, dass er eigentlich auf der Stelle aus dem Verkehr gezogen werden hätte sollen, aber andererseits wollte ich kein Auto wegwerfen, das noch TÜV hatte.

 

Ende Juni 2004 habe ich dann die BMWs getauscht und in einem seltsamen E34 Platz genommen. Allein schon die Farbe Zinnoberrot wäre ein Grund gewesen, den BMW nicht zu nehmen: Der Lack war völlig am Ende, und Rost machte sich auch breit – wobei ich aber noch sagen möchte und auch muss, dass ich in Sachen E34 von jüngeren Baujahren 1993/1994 Schlimmeres kenne als es mir einst dieser 1988er geboten hat. Der Wagen hatte ein Schiebedach, ein Kassettenradio, eine Hängerkupplung und ein besonderes Extra: Schwarze Rückleuchten, die wohl mal jemanden sehr stolz gemacht haben – die waren einst nicht billig. Auch das Radio, ein Grundig aus den frühen 90er-Jahren in schräger Wurzelholz-Optik (der Eine oder Andere erinnert sich vielleicht daran), sah für die Zeit, in der es neu gewesen war, nicht eben wie ein Billigteil aus - und es spielte sogar noch. Der BMW hatte einige Vorbesitzer, 270.000 Kilometer lagen damals hinter ihm - laut Tacho wohlgemerkt. Ob das stimmte, war die andere Frage.

 

Gute sechs Wochen fuhr ich dann mit diesem Anti-Image-Auto durch die Gegend und erntete damit nicht nur Unverständnis, sondern auch Spott: „Kann der sich nichts Besseres leisten?“, fragte ein Konkurrenzfabrikats-Händler hämisch. Ein anderer schimpfte über die „Schrottsammlung vom Herrn ...“

 

Mein roter BMW 535i stellte auch mich auf eine harte Probe – zumindest optisch. Technisch war der Wagen an sich gar nicht so verkehrt, zumindest vom Motor und dem Getriebe her. Ansonsten wären längere Fahrten mit diesem Auto kaum denkbar gewesen oder zumindest ein Risiko. Für den täglichen Gelegenheitsverkehr war der BMW gerade noch akzeptabel... ...und dennoch wollte ich es wissen und legte es auf eine Reise in den Frankfurter Raum an.

 

Dort gibt es eine Siedlung, die einmal ein Wohngebiet gewesen war und lange Jahre als verrufenes Armenviertel in Misskredit geriet. Wie sie genau heißt, weiß ich nicht mehr; vielleicht weiß das jemand, der sich eher auskennt: Über einen soweit ich weiß längeren Zeitraum wurden dort die Häuser abgerissen, wobei eine Infrastruktur im Wesentlichen erhalten blieb; Straßen wie auch Reste von ehemaligen Verkehrseinrichtungen, beispielsweise Bushaltestellen und Straßenlaternen sowie Hinweisschildern gibt es noch immer.

 

Ich kann mich noch an das AFN-Programm im Autoradio erinnern, das dort tatsächlich auf UKW zu empfangen war. Auch an das Mittagessen in einem Schnellrestaurant nahe eines Reifenhandels (Fast-Food; ich bin an sich kein Freund davon), an ein nettes Gespräch mit einem ursprünglich aus Brandenburg stammenden Mann an einer Tankstelle, der auch einen relativ alten E34 fuhr, und an einen Schlecker-Besuch in einer kleinen Gemeinde, wo ich noch Kekse und Milch gekauft habe, kann ich mich erinnern.

 

Ebenfalls daran, dass mich der BMW auch auf dieser Fahrt nicht enttäuscht hatte. Er war ein Fall für sich, aber auf eine eigenwillige Weise hatte ich „den Kerl“ doch gern, wie ich ihn genannt habe.

 

Als ich den 535i im August 2004 wieder hergab, hatte ich „den Kerl“ doch ins Herz geschlossen. Er wurde noch nicht einmal verschrottet, sondern ausgeschlachtet und in Teilen verkauft. Den Motor habe ich einem Mann verkauft, der ganz wild darauf war.


19.01.2013 19:16    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (20)    |   Stichworte:

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In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Zitat:

Der Sohn eines meiner Nachbarn hatte sich um 1990 herum zum Führerschein einen recht rostigen 604er-Peugeot in Bordeauxrot mit beigen Sitzen und zahlte keine 500 Mark dafür; mit TÜV von einem Jahr. Tatsächlich es dieser Peugeot nach intensiven Arbeiten noch fast fünf Jahre ausgehalten, mit meiner Mithilfe, aber das ist eine andere Geschichte. Wenn ihr sie hören wollt, erzähle ich sie auch gerne.

, hatte ich im Blog über den Peugeot 604 geschrieben, den ich eben zitiere, und prompt kam der Wunsch nach dieser Geschichte auf. Ich möchte sie euch erzählen!

 

Ja, es war so um 1990 herum, als U. seinen Führerschein gemacht hat und ein Auto brauchte. Er hat mir später erzählt, dass der bordeauxrote Peugeot 604 von dem "Freund eines Freundes eines Kollegen" gekommen wäre. Seine Eltern hatten einen Wutanfall bekommen, als er damit aufkreuzte.

 

Der Wagen hat 450 Mark gekostet und brachte ein ganzes Jahr TÜV mit, aber auch eine breite Sammlung von Rost. Schlicht alles an dem Peugeot hatte starken Rost angesetzt, das Interieur präsentierte sich verwittert und verschmutzt, und über die Richtigkeit der 65.000 Kilometer auf dem Tachometer konnte sich auch niemand mehr erinnern. Belege gab es nicht!

 

Ich habe die Laufleistung damals doch tatsächlich für durchaus möglich gehalten, denn der Peugeot hatte lediglich zwei Vorbesitzer (der zweite war jener "Freund eines Freundes eines Kollegen" gewesen) und war noch keine zehn Jahre alt. Doch er sah so schlimm aus, wie heute vermutlich mancher 20 Jahre alte Low-Budget-Vectra für 250 Euro mit einem Jahr Rest-TÜV noch nicht einmal aussieht: Fleckige Sitze und Türverkleidungen innen, Dellen und Kratzer überall, die Tür vorn rechts war nicht weinrot, sondern silbern und stammte von einem Schrottfahrzeug, weil es wohl einmal einen Unfall gegeben hatte, und überhaupt war das eine absolute Behelfs-Rostlaube, der niemand eine längere Zeit zugetraut hat.

 

U. hatte technisch zumindest keine Probleme und fuhr den Peugeot jeden Tag. Zur Ausbildungsstelle, zur Berufsschule, sogar in den Urlaub mit der Freundin ist er gefahren, und an sich hatte er damit keine großen Schwierigkeiten. Um Wartung hat er sich nie gekümmert, das habe ich ihm erledigt. Jedoch hatte der 604 einen höheren Ölverbrauch und benötigte immer wieder einen Liter; das hat U. selbst kontrolliert (wusste er vom Vorbesitzer). Ansonsten aber lief der 450-Mark-Franzose mit dem Sechszylinder tadellos.

 

Er war zufrieden mit dem Wagen und fuhr ein ganzes Jahr ohne Schwierigkeiten, ehe der TÜV-Besuch anstand. Vom Vorbesitzer hatte es laut U. die Information gegeben, dass nach einem Jahr ein neues Auto fällig sei, da der Rost schlimm sei. Doch U. mochte den Peugeot und wollte ihn nicht schon wieder verkaufen, sodass er eines Abends nach der Arbeit zu mir kam und fragte, ob ich mir das Auto nicht mal ansehen könnte. Ob es nicht zu retten sei?

 

Ich habe mir den 604 bringen lassen und ihn durchgesehen - Rost ohne Ende, abgefahrene Reifen, Bremsen runter. Eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden, aber ich wusste auch, dass U. das Geld nicht hatte - weder für eine Reparatur noch für einen anderen gebrauchten Wagen, den er längerfristig fahren könnte. So habe ich ihn gefragt, ob er selbst zur Hand gehen könnte (er hat Maschinenschlosser gelernt) und mir helfen würde, weil man allenfalls so das Problem in den Griff bekommen würde. Er sagte zu, und so haben wir uns dann ein ganzes Wochenende lang mit dem Peugeot abgemüht: Geschweißt und noch mehr geschweißt, neue Reifen, Bremsen ersetzt. Am Ende beschloss U. dann auch noch, den Innenraum zu restaurieren und putzte auch die Sitze - vermutlich zum ersten Mal, seit er den 604 fuhr.

 

Dann hat er sich noch ein "Blaupunkt Heilbronn SQM39" gekauft, das ich ihm eingebaut habe, und sich darin versucht, Scheibentönungsfolie einzusetzen. Es blieb bei dem Versuch. Der Peugeot hatte dann Scheibenfolie, aber die sah entsetzlich schlecht aus...

 

U. hat es nichts ausgemacht. Er fuhr dann wieder zwei Jahre mit dem 604. Zwischendurch wurde nur das Nötigste gewartet, aber der Wagen stand immer draußen, wurde immer bewegt und auch bei schlechtem Wetter forsch gefahren. Einen Unfall hatte U. damit nicht, aber zum nächsten TÜV war der Lack völlig am Ende. "Was kann man da machen?", fragte er mich, und ich sagte, dass man den vielleicht beilackieren könne. Das Ende vom Lied war, dass er die alte Limousine dann selbst recht provisorisch von Weinrot auf Hellgrün umgespritzt hat. Man hat die Originalfarbe überall gesehen, aber mit Schweißen und einem Satz neuer Reifen hat der 604 dann die HU zum zweiten Mal bestanden. Über die genaue Kilometerleistung kann ich aber nichts mehr sagen; U. fuhr jedoch etwa 15.000 Kilometer im Jahr mit dem Peugeot. Er hat nie gemurrt.

 

Nach einem Jahr aber hatte er dann die Freundin geheiratet und trennte sich von dem 604, den er für symolische 80 Mark weiter verkauft hat - an mich. Ich habe ihn als Winterauto an einen Mitarbeiter weiter gegeben. U. stieg damals auf einen roten Peugeot 405 "Vital" um, ein Sondermodell, den er als Vorführwagen gekauft hat.


01.01.2013 15:44    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (86)    |   Stichworte:

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In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Wer französische Autos nur vom Hörensagen kennt, der kennt meist auch atemberaubende Geschichten über die angebliche Unzuverlässigkeit und Anfälligkeit für Pannen sowie teure Werkstattaufenthalte, die ständig erfolgen. Offensichtlich bauen Franzosen die schlechtesten Autos der Welt, die mit Abstand am meisten Probleme machen, schenkt man diesen Meckereren Glauben. Es ist aber so, dass französische Autos auch nicht besonders teuer sind und daher vor allem Sparfüchse anlocken, die von reichhaltigen Grundausstattungen, kurzen Aufpreislisten und moderner Optik beeindruckt werden und also etwa einen Renault bestellen. Das sind oftmals Leute, die nur Geld sparen wollen, die aber kein Verhältnis zum Auto haben, Wartung und Pflege für Geldverschwendung und Unfug halten und alles ignorieren, was man ignorieren kann (Warnlampen werden einfach nicht beachtet etc.), die sich aber sich dann irgendwann über unzuverlässige Autos mit einem Wartungsstau wundern. Dann ist das Geschrei groß – der typische, mit Problemen konfrontierte und nicht markenaffine Renault-Fahrer macht dann als erstes mal den örtlichen Renault-Händler verrückt, wendet sich dann gern auch wütend an den Importeur und erzählt, wenn dieser nicht im vorgestellten Maße reagierte, am Ende der Laufbahn überall herum, dass Renault schlechte Autos baue, er nie wieder eines kaufen werde und die Marke generell nicht zu empfehlen sei (habe ich öfters erlebt). Dass im Gegenzug zahlreiche ordentlich gepflegte Renaults über lange Jahre hinweg problemlos und zuverlässig ihre Runden drehen, fällt dabei natürlich unter den Tisch – das verkauft sich nicht so gut als die Skandalnachrichten wütender Fahrer.

 

Aber auch andere Marken können bei vernachlässigenden Besitzern teure Reparaturen mit sich ziehen. Ich erinnere mich gut an einen Mann, der bei mir, ich habe nachgesehen, im August 1999 einen BMW gekauft hat; einen gebrauchten 318i E36 aus dem Baujahr 1991, brillantrot, damals 100.000 Kilometer gelaufen und aus zweiter Hand. Der letzte Vorbesitzer war, wenn ich das noch in Erinnerung habe, ein junger Vater, der den BMW selber nicht lang fuhr, nach der Geburt von Drillingen einen Espace für die Familie gekauft und den BMW dagegen gegeben hat. Der E36 stand dann bei mir auf dem Hof und wurde an einen Mann verkauft, den wir Herrn P. nennen, geboren 1963, von Beruf "irgendwas Kaufmännisches"; ich möchte nicht in die Tiefe gehen. Er hat sich den BMW angesehen, eine Probefahrt gemacht, die Frau mitgebracht und den Wagen dann auch gekauft. In Zahlung gab er mir einen Ford Sierra von 1988, wie auf der Vertragskopie steht - für 3.200 Mark wurde er angerechnet. Der BMW kostete 13.900 DM und bekam von mir noch vier neue Reifen und neuen TÜV, auch wurde eine Inspektion durchgeführt, die fällig gewesen wäre. Schlecht stand der wirklich nicht da, nur gab es wenige Extras; manuelles Schiebedach, einfaches Bavaria C II, unlackierte Stoßfänger - ich sehe den Karren noch vor mir stehen. Noch nicht einmal Nebelleuchten und Alufelgen hatte der BMW; es war einfach ein Basis-318i - dass es immerhin ein 318i war!

 

Ich sah den Mann eigentlich nicht mehr im Autohaus, sondern manchmal beim Einkaufen oder sonst wo. Mehrfach fragte ich ihn, ob er zufrieden sei, und das war er auch, wie er sagte. Die Gebrauchtwagen-Garantie wurde nicht genutzt, ich ging davon aus, dass der BMW optimal sei. Als ich ihn ausgeliefert und durchgesehen hatte, nach bestem Gewissen verkauft, war er jedenfalls ein tadelloser Gebrauchter mit Garantie, frischem TÜV, neuen Reifen und neuer Inspektion mit allen Flüssigkeiten.

 

Allerdings war der Kunde keiner, der sich für Autos und die Technik zu interessieren schien. Er kam nach einigen Jahren, als ich den BMW nur noch als eher verwitterten 15 Jahre alten Alltags-Gebrauchtwagen in Erinnerung hatte, dennoch tatsächlich wieder zu mir, und das nicht eben freundlich! Er beklagte zwei Nockenwellenschäden in Reihenfolge und weitere Unzulänglichkeiten; sagte mir, das sei kein gutes Auto und er sei damit auch nicht richtig zufrieden. Ich sagte dann, dass man nicht drinsteckt und der BMW doch auch schon relativ alt war, als er ihn kaufte, gemessen an anderen Gebrauchtwagen, also kleine Macken und Reparaturen nichts Außergewöhnliches seien - doch bot ich ihm an, den Wagen mir mal kostenlos anzusehen und ihm ein Angebot für einen Neuen sowie einen guten Preis für den BMW zu machen, wenn er ihn verkaufen wollte. Ich hätte ihm auch mehr geboten als jeder andere! Das lehnte er ab, denn den BMW wollte er trotz Unfrieden damit noch behalten. Der TÜV habe ja erst einige hundert Euro gekostet - alles klar... Mir war es ein Rätsel, wieso er trotz Unzufriedenheit den Wagen dann doch immer wieder herrichten ließ und ich ihn alle zwei Jahre wieder mit neuem TÜV irgendwo stehen sah.

 

Irgendwann war dann aber doch Schluss, und seitdem fährt er einen E46. Mal sehen, wie lang der lebt. Vom Bruder des Herrn, der später Kunde war, wusste ich, dass der Zahnriemen auch nie gewechselt wurde. Unfassbar - der Mann hatte den roten 318er doch bestimmt zehn Jahre lang noch gefahren. Ein Ölwechsel wurde mal gezwungenermaßen durchgeführt, einmal sank die Bremsflüssigkeit unter Minimum; dafür war ich ihm dann wieder gut genug. Dennoch fragte er mich jedes Mal, ob das normal sei, dass ein Auto Öl und Bremsflüssigkeit brauche - und ich fragte mich: "Junge, wo lebst du denn?" Da hatte jemand mehr als 20 Jahre lang den Führerschein und stellte solche Fragen. Entweder wusste der wirklich nichts von Autos, oder regte er sich über die Kosten für den Ölwechsel auf.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Er hielt Wartung und Pflege bei einem Gebrauchtwagen, den er kaufte, als das Auto acht Jahre alt war und an sich noch sehr gut dastand, für sinnlos und wunderte sich anschließend über zwei Nockenwellenschäden in Reihenfolge beim M40-Motor. Natürlich war immer der BMW selbst der Schuldige; dass der Mann fünf Jahre lang kein Öl wechselte, sämtliche Betriebsflüssigkeiten ignorierte und lauter solche Dinge trieb, wurde schön unter den Tisch gekehrt. Er hat es ja auch nie eingesehen und zugegeben. Ich erfuhr das von seinem Bruder, der wenige Jahre später bei mir einen Laguna für sich und einen Clio für den Sohn gekauft hat. Der Bruder ist im Gegenzug ein guter Kunde gewesen, der immer alles hat machen lassen, ehe der Laguna verunfallte und durch einen Passat ersetzt wurde - der Clio läuft in der Familie indes noch, der war auch immer da, solange ich noch gearbeitet habe.


08.12.2012 16:41    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (73)    |   Stichworte: ,

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Heute habe ich für euch ein kleines Geschenk. Es geht um ein kleines Kapitel zum Thema Fahrzeugpflege; ich habe mich entschieden, euch einen Wartungsplan zu erstellen, mit Checkliste. Das Besondere ist, dass dieser Wartungsplan auf jedes beliebige Fahrzeug angewandt werden kann. Ich habe ihn extra für Low-Budget-Gebrauchtwagen ausgearbeitet.

 

Man kann die nicht zutreffenden Punkte einfach streichen (etwa Zahnriemen, falls man eine Steuerkette hat).

 

Ich möchte euch nichts aufzwängen, doch würde ich mich freuen, wenn dieser Wartungsplan, der auf Basis einer über 40-jährigen Erfahrung meinerseits ausgearbeitet wurde, vielleicht doch Verwendung findet und vom einen oder anderen gebraucht wird. Ihr dürft ihn euch gern ausdrucken und in die Garage hängen, ins Serviceheft legen oder sonst wie gebrauchen. Ich lasse euch auch Felder für Fahrzeugtyp, Datum, Kilometerstand und Kennzeichen frei; vielleicht kann der eine oder andere diesen Vordruck sogar verwenden – ich erlaube es euch.

 

Die Farbgebung erinnert vielleicht an eine Automarke, und unten steht, was ich jedem Autofahrer wünsche: Sicherheit und Fahrspaß. Das eine schließt das andere nicht aus!

 

Was ich an Grund-Wartungsdiensten modellunabhängig empfehle (und auch selbst so handhabe):

 

Ölwechsel – einmal im Jahr, egal was auch immer der Hersteller vorschreibt. Für Wenigfahrer mit Kurzstreckenverkehr und vielen Fahrten mit kaltem Motor kann ein zusätzlicher Öl- und Filterwechsel sehr sinnvoll sein und wird sehr empfohlen. Synthetiköl ist für den betagten Motor eines typischen Low-Budget-Gebrauchtwagens nicht zwingend erforderlich, man kann das Öl prinzipiell auch im Baumarkt oder im Kaufhaus sich holen. Zur Viskosität ist die Betriebsanleitung hinzu zu ziehen. Der Ölfilter ist so preiswert und meist so einfach auszutauschen, dass man den immer mit wechseln sollte! Der Ölstand ist, sofern möglich, alle zwei Wochen zu kontrollieren.

 

Bremsflüssigkeitswechsel – einmal im Jahr, egal was der Hersteller vorschreibt. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Es ist gefährlich, hier zu sparen; ich tausche bei allen meinen Autos jedes Jahr die Bremsflüssigkeit aus, denn es kostet nicht viel. Was sind schon 50 bis 100 Euro, wenn es der Sicherheit dient? Wer solche Beträge als zu teuer empfindet, sollte am besten Bus fahren.

 

Kühlflüssigkeit – alle zwei Jahre sollte man die tauschen. Empfohlen werden kann hier auch ein Kühlerschutzmittel (Kühlerdichtmittel), das man vorsorglich hinzufügen kann. Dieses gibt es beim Zubehörhändler für kleines Geld. Vor allem bei älteren Low-Budget-Fahrzeugen ist das eine durchaus sinnvolle und überschaubare Ausgabe.

 

Zahnriemen – falls vorhanden, sollte man ihn alle zwei Jahre prüfen und spätestens alle vier Jahre wechseln, selbst wenn man noch 100.000 Kilometer zum Intervall Zeit hätte. Das Material ermüdet und wird mit der Zeit nicht besser, und die Gefahr eines Risses ist gegeben. Das kann man vermeiden, und da man den Wechsel nicht jedes Jahr zu tun hat, ist auch diese Ausgabe überschaubar. Bevor der Zahnriemen reißt und der Motor meist dann hinüber ist, sollte man lieber in den Wechsel investieren: Es kommt auf jeden Fall billiger als der nächste einigermaßen solide Low-Budget-Gebrauchtwagen oder ein Austauschmotor!

 

Reifen – das kommt auf die Fahrweise an; manchmal hält ein Satz 100.000 Kilometer, manchmal nur ein Fünftel davon. Grundsätzlich kann ich hier kein Intervall nennen, doch man sollte alle zwei Wochen den Luftdruck prüfen. Jede Tankstelle hat die Gerätschaften, meist kann man diese kostenlos benutzen. Eine der günstigsten und sinnvollsten Wartungsarbeiten. Bei Low-Budget-Gebrauchtwagen empfehlen sich gebrauchte oder runderneuerte Reifen; sicher schimpfen da manche, aber man muss die Reifen ja nicht vom stadtbekannten Heizer und Drifter abkaufen. Da kann man eine Menge sparen, wenn man nicht das Beste vom Besten haben muss.

 

Beleuchtung – auf jeden Fall sollte man den kostenlosen Lichttest im Oktober in Anspruch nehmen! Ansonsten immer wieder überprüfen, besonders in der dunklen Jahreszeit. Einfach und schnell kann man hier die Sicherheit verbessern. Lämpchen kann man selbst tauschen.

 

Inspektion – jedes Jahr nach Herstellervorschrift, speziell bei älteren Autos. Hier kann man drohende Defekte frühzeitig erkennen und beheben, bevor es wirklich heikel und teuer wird. Es ist ja kein Vertragshändlerbesuch erforderlich, wenn man etwa einen 1996er Laguna fährt; das kriegt auch der Hinterhofmechaniker oder die Werkstattkette preiswert hin. Aber eine Inspektion wird empfohlen. Nicht wegen dem Scheckheftstempel, der bei einem Low-Budget-Gebrauchtwagen sowieso keinen mehr interessiert, sondern wegen der Sicherheit. Ich möchte eine Lanze brechen für A.T.U., Bosch-Dienste, Vergölst und wie sie noch alle heißen – wer einen alten Wagen mit geringem Zeitwert hast, ist da durchaus gut aufgehoben; da gibt es eigentlich ständig Komplettpreisangebote. Günstiger ist da nur die Selbst-ist-der-Mann-Lösung. Wer sich das zutraut, kann auch selbst Hand anlegen. Immer gut ist auch ein Freund oder Verwandter, der sich mit Autos auskennt; er muss kein gelernter Automechaniker sein. Ältere Baujahre kann man meist relativ leicht in den Griff bekommen; manchmal sind kleine Inspektionen mit dem heimischen gut sortierten Werkzeugkasten möglich. Da kann man dann den Samstag in die Wartung des Autos investieren. Ist doch besser und spannender, als vor dem Fernseher herumzusitzen, oder?

 

 

 

Wartung kostet also gar nicht so viel, geht man sie richtig an und vereinbart nicht gleich beim ersten Vertragshändlerbetrieb um die Ecke den Termin. Man sollte niemals an der Sicherheit sparen, speziell bei älteren Low-Budget-Gebrauchtwagen, die in der Regel 15 oder mehr Jahre Alltag hinter sich haben. Es empfiehlt sich im Prinzip auch eine Inspektion mit Wechsel aller Flüssigkeiten nach Kauf eines solchen Wagens, falls die letzte nicht vor kurzer Zeit erledigt und dokumentiert wurde. Wer denkt, dass Wartung bei einem über zehn Jahre alten Auto nicht mehr nötig ist, riskiert teure Folgeschäden, die man vermeiden kann. Jährliche Wartung muss nicht teuer sein und kommt auf jeden Fall billiger als ein Zahnriemenriss oder sonst welche Schäden, die wegen versäumter Wartung eintreten. Wer hier spart, der spart am falschen Ende, und wer denkt, dass korrekt ausgeführte Wartungsdienste zu teuer seien, der steige am besten auf öffentliche Verkehrsmittel um.


30.11.2012 12:58    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (36)    |   Stichworte:

Schaut man sich heute um, so werben scheinbar alle Autohäuser und Werkstätten mit totaler Qualität zu niedrigen Preisen, freundlichen und allwissenden Mitarbeitern, die man immer auf Werksfortbildungen oder zum Importeur schickt, qualitätsgeprüfter Werkstattarbeit, die man gern mit Testergebnissen, Zertifikaten und sonstigen Würdigungen untermalt sowie mit einem modernen Ausstellungsraum und einem breit sortierten Gebrauchtwagenhof. Gewürzt wird das Ganze gern auch noch mit dauerhaft wiedergekäuten Hinweisen auf Anerkennung der eigenen Leistung oder peinlicher Selbstbeweihräucherung wie „seit über 50 Jahren Ihr Ansprechpartner Nr. 1 in der Region“ oder „Kunden kaufen auch schon in der 3. Generation ihre Autos bei uns“.

 

Was kann man auf all das denn geben? Ich sage es euch kurz und knapp: Nichts! Solche Behauptungen sind in der Regel nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, und auch nicht die Mühen, mit denen man sie ersonnen hat. Image-Kampagnen sind sinnlos, weil unterm Strich nur das zählt, was vorherrscht und die Kunden meist rasch merken, stimmen solche kühnen Behauptungen nicht – und dann wird es richtig peinlich.

 

Mich hat einmal jemand nach Qualitätsmerkmalen des Autohauses gefragt, und ob ich das in irgendeiner Weise nach außen hin zeigen würde, mit Werbungen oder dem Hinweis auf Qualitätsnormen oder Managementsberichte wie TQM, DIN-Normen oder Zertifikate. Ich sagte: „Ich weiß, dass meine Leute gut sind, und das wissen auch die Kunden, das reicht mir schon aus.“ Das habe ich um 2005 herum gesagt, als Typen wie ich, die wenig Wert auf Anzugjacken, aber dafür viel Wert auf ein optimales Verständnis von Kundenbezug gelegt haben, schon aus der Mode waren und von Jungverkäufern gern belächelt wurden. Auch als Vertreter einer Nicht-Premium-Marke war das inzwischen mitunter ein dicker Hund, kam ich in Hemd ohne Krawatte zu Strickweste, komfortabler Herrenhose und braunen Leder-Komfortschuhen um die Ecke: Und das war schon immer so. Hemd, Pullunder oder Weste, saubere Bundfalten-Jeans und Komfortschuhe waren bei mir verbreiteter als Anzug mit Krawattenklammer und Namensschild. Ich bin kein Anzugträger, und hat sich ein Sakko mal am Körper eingefunden, wird es von einfarbigem Hemd ohne Krawatte, einer Anstecknadel, Jeans und Lederschuhen begleitet. Anders gibt es mich nicht: Ich bin kein Fan von solcher Kleidung, mit der manche Leute nur Status vorspielen wollen. Ich verstelle mich nicht.

 

Meine Selbstdarstellung bestand aus dem Schaffen einer einzigen Ebene: Ich habe den Kunden gezeigt, dass ich einer von ihnen bin. Keine künstliche Distanz wurde aufgebaut; vielen Kunden habe ich das Du angeboten, denn so bekam das Verkaufsgespräch eine private, vertraute Atmosphäre. Man sprach nicht nur über das Auto, sondern irgendwann auch über Fußball, die Region, Musik, Gasthäuser, Vereinsaktivitäten oder Hobbys. So kam der Kunde dann auch meist gern, denn wenn jemand freundlich behandelt wird und mit Ehrlichkeit, dient es dem Kunden selbst, der Werkstatt und dem Verhältnis vom Kunden zum Betrieb. Wo man geschätzt wird, kehrt man gern ein. Meine „volkstümliche Art“, wie einmal einer sagte, stieß zwar nicht immer auf positives Echo, auch eckte ich immer wieder an, aber man kann nicht von jedem gemocht werden.

 

Den ersten Wagen kauft man sich, weil einen Marke, Technik, Preis und Leistung oder pragmatische Gründe dazu bewegen, und den zweiten der selben Marke kauft man sich, weil man inzwischen weiß, dass die Werkstatt was taugt und das Auto wieder hinkriegt, wenn was am Wagen ist. Das kommt nicht über Werkstatt-Zertifikate zustande, nicht über irgendwelche Anerkennungen von Gebietsdirektoren oder Regionaldirektoren, nicht über Werkstättentests (das sind Momentaufnahmen; jeder Mechaniker und jeder Verkäufer hat mal einen guten Tag und mal einen schlechten Tag!) und erst recht nicht über Marketing-Geschwafel. Mich hat der Begriff „Kaizen“ (kontinuierliche Qualitätsoptimierung) immer gestört. Der kam in den frühen 90er-Jahren auf, stammte aus Japan und bezeichnete eine Steigerung der Produkt- und Servicequalität. Das hat jeder Trottel in den Mund genommen und kam sich ungeheuer wichtig vor. Qualitätszertifikate und solche leeren Phrasen über Qualität sagen sowieso nichts aus – denn das sind alles nur Ergebnisse von Momentaufnahmen. Auch werksinterne Werkstättentests sind nur bedingt repräsentativ, obwohl sich Autohäuser so gern damit schmücken, schnitt man da mal irgendwann gut ab: Wir sind alle nur Menschen; wenn er Pech hat, ist die Frau des Mechanikers am Tag vorher weggelaufen und dementsprechend niedergeschlagen und unkonzentriert sieht das Arbeitsergebnis aus, und wenn er Glück hat, hat er einen Tag zuvor Nachwuchs bekommen, und es geht beseelt und motiviert an die Arbeit, weil man so glücklich ist. Ich kam auch mal schlecht gelaunt ins Autohaus, habe zu unterschiedlicher Tagesform beraten, und sicher war nicht jeder Kunde mit mir zufrieden. Damit muss man leben können. Man kann nicht von allen geliebt werden!

 

Die größten Schaumschläger sind indes genau die Betriebe, die am meisten werben. Wirbt ein Autohaus mit Freundlichkeit, Fachkompetenz, Erfahrenheit, Top-Serviceleistungen und exzellenter Arbeitsqualität, die womöglich noch auf irgendein Testergebnis gestützt wird, dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass exakt diese Werte nicht anzutreffen sind, betritt man die Firma.

Ich habe nie mit solchen Attributen geworben und Marketing-Gags auch weitestgehend ignoriert. Es ist immer auch mit Aufwand verbunden, und dieser Aufwand wird nicht nur in den wenigsten Fällen gewürdigt, sondern ist auch vermeidbar. Viele gehen inkonsequent und völlig unglaubwürdig vor, wenn es um Imagepflege geht.

 

Eine Homepage habe ich mal eingerichtet, aber nur sporadisch betreut. Es gab Wichtigeres zu tun, und wer sich für uns interessiert hat, der hat sich schon irgendwie bemerkbar gemacht.

Werbeanzeigen habe ich immer wieder in den Zeitungen geschaltet, aber das waren meist Standardanzeigen des Importeurs, deren Inhalt im Prinzip vorgegeben und nur durch die eigene Firmenanschrift ergänzt wurde.

Von einen flotten Slogan werden die Kunden auch nicht beeindruckt, und glaubt ja nicht, dass deswegen ein Kunde mehr kommt, weil ihm der Spruch auf dem Nummernschildhalter oder auf dem Briefpapier so viel Vertrauen schenkt.

Den Tag der offenen Tür und hat es auch gegeben, aber immer zum selben Zeitpunkt, und immer mit dem selben Programm. Autoschau mit Neu- und Gebrauchtwagen, Essen und Getränke, offene Werkstatt, kostenloser Bremsenprüfstand und Batterietest, Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt – das war’s. Hat den Leuten immer gefallen.

Besondere Veranstaltungen? Nicht, wenn es nicht strikt vorgegeben wurde und ein neuer Renault eingeführt wurde. Einmal habe ich bei uns, es muss in den 90ern gewesen sein, ein sehr nettes, markenoffenes Cabrio-Treffen veranstaltet. Zum neuen Ausstellungsraum 1988 wurde eine Einweihungsparty veranstaltet, die eine ganze Nacht lang ging. Teilnahmen an regionalen Autoschau-Veranstaltungen im Rahmen von Märkten und Messen mit Präsenz dreier Betriebszugehöriger (ich war immer dabei) hat es auch aus Tradition gegeben. Aber so etwas wie Winterreifenwechsel-Aktionstage, Pannenhilfekurse, Musikkonzerte, pompöse Neuheitenpräsentationen oder Afterwork-Partys habe ich nie eingeführt. Meine Meinung ist konsequent: Ein Autohaus ist kein Konsumtempel. Ich kenne einen Peugeot-Händler, der inzwischen mehr oder weniger alles macht, aber kaum noch zu den Autos kommt: Tankstelle, Lotto-Annahmestelle, Bistro, Waren des täglichen Bedarfs, Paket-Annahmestelle der Post, Getränke verkauft er auch noch, und ganz nebenbei gibt es die Peugeot-Werkstatt. Solche Betriebe sind mir ein Grauen. Gut, er ist in einem kleinen Ort, wo es nicht viel mehr gibt als ihn, aber trotzdem: Das Wesentliche ist das Wichtige. Je mehr Betriebszweige man hat, umso unübersichtlicher wird das Ganze, und auch aus diesem Grund haben wir in den frühen 80er-Jahren den Handel mit Autozubehör aufgegeben.

 

Was noch zu sagen wäre: Eine Service-Assistentin, in der Branche gang und gebe, habe ich mir nie geleistet. Eine junge Frau, welche die Kunden frech anraunzt, weil man sie durch Anfragen bei der Kaffeepause stört, die im Großen und Ganzen die ganze Arbeitszeit lang dauert, Servicehefte im Auftrag abstempelt, Rechnungen schreibt und am Telefon mit halbherzig auswendig gelernten Grußformeln, seelenlos heruntergeleiert, Kunden vergrault, brauche ich nicht. Über diese Damen habe ich mich andernorts immer wieder aufgeregt, und ich wollte es besser machen. Es gibt zwar auch durchaus sehr freundliche Servicedamen, aber diese Ausnahmen bestätigen die Regel gefrusteter Damen.

 

Großartige Werbeversprechen habe ich nie gemacht – und im Nachhinein daher auch nie etwas versprochen, das ich nicht gehalten habe. Ich mag es gern schlicht und geradlinig, aber effizient, und wenn jemand sein Autohaus mit allerlei Werbungen und Investitionen in das vordergründig Sehbare aufmotzt, dann lache ich nur darüber. Mir ist beispielsweise ein VW-Betrieb bekannt: Tolle Ausstellungshalle, moderner Empfangsbereich, sogar die Telefonstimme der Service-Assistentin ist genau einstudiert worden, wie auch der Werbeeindruck. Aber in der Werkstatt und im Teilelager überkommt mich das Grauen; ein so unmodern geführter Betrieb ist mir selten begegnet. Inkonsequent wurde nur das Sehbare, das der typische Kunde wahrnimmt, modernisiert; die Werkstatt befindet sich im verwahrlosten Zustand. Wer dort arbeitet, der ist nicht zu beneiden. Achtet mal auf den Zustand der Werkstatt – wenn eine vergammelte Werkstatt im Kontrast zum blitzenden Verkaufsraum steht, dann ist das ein Zeichen dafür, dass dem Betreiber der Neuwagenverkauf lieb ist, der Service aber wenig geschätzt wird. Genau diese Bereiche habe ich über die Jahre immer wieder modernisiert, denn mit ihrem Umfeld zufriedene Arbeitskräfte sind effizienter in der Arbeitsleistung und somit besser für die Qualität, die der Kunde bekommt. So etwas ist besser als jeder Werbespruch, der wohl Qualität suggerieren soll, aber am Ende das Gegenteil bewirkt.

 

Auch die Mär vom „inhabergeführten Autohaus“, wie sie heutzutage so gern benutzt wird, ist beileibe kein Gütesiegel – Ausnahmen gibt es, aber die bestätigen die Regel. Man hat hier zwar den Inhaber vor sich, wenn man Glück hat, aber wenn man kein Stammkunde ist und auf das nette Inserat in der Zeitung reagiert, kann es schon sein, dass man unfreundlich beäugt wird, wenn man kommt, nach dem Motto „wir sind auf Sie eigentlich gar nicht angewiesen - guter Mann/gute Frau, gehen Sie doch zum Zentralgroßhändler in die Kreisstadt und lassen Sie uns in Ruhe“. Auch mit meinem Opel Omega ging ich 2012 bei einem solchen Autohaus ein. Dann frage ich mich immer: Wieso wirbt man öffentlich um Neukunden, wenn man genau die doch eigentlich nur abfertigt, als seien sie lästig?

 

Generell bin ich bei „Familienbetrieben“ auch immer skeptisch: Da steckt oft ein Opa (Gründer) dahinter, der nicht loslassen kann und noch immer das Meiste bestimmt, den Sohn, der das Autohaus übernommen hat, eigentlich nur als Alibi-Chef einsetzt, aber nichts frei entscheiden lässt, und dann kommt irgendwann ein Enkel hinzu, der, weil er sonst nirgendwo unterkam, eben im Autohaus die Lehre macht, die er nur besteht, weil bei der Innung bezahlt wird. Die Angestellten sind notwendige Übel und Nicht-Namensträger, die man gern herumkommandiert und erniedrigt, dafür aber schmeckt immerhin das Gewohnheits-Bier vom Opa mit dem Stammkunden Tag für Tag noch ein bisschen besser. Die Arbeitsleistung lässt zu wünschen übrig, was aber die Stammkunden nie mitbekommen, weil der Opa ja ihr Stammtischkumpel ist, mit dem man einst die Schulbank gedrückt hat und man den nie in Frage stellen würde, weil er ja auch das Bier am Stammtisch immer ausgibt und Ehrenpräsident der Fastnachtsgesellschaft ist, die er jedes Jahr tüchtig unterstützt. Auf so etwas habe ich keine Lust. Da will man gar nicht wissen, wie die Geschäftsbücher geführt werden. Auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Immer eine Alternative sind freie Werkstätten – aber auch hier sind Marketingkonzepte, die mehr lügen als wahrheitsgemäß erzählen, immer weiter verbreitet. Und genauso wertlos wie bei Vertragshändlern! In der Regel ist ein Betrieb ohne eigene Homepage, ohne Netzwerkzugehörigkeit (eine gelb-schwarze Werkstattkette ist besonders schlimm – meist kein gutes Zeichen; wer da dabei ist, denkt oft, er habe es geschafft und sei der König der Kfz-Werkstätten) und ohne pompöse Versprechungen die bessere Alternative und auch preiswerter. Der ölverschmierte Roland vom Hinterhof, der gar nicht wirklich weiß, was eine Homepage ist und schon mit seinem Faxgerät überfordert ist, ist durch die Bank mit ziemlicher Sicherheit ehrlicher und gewissenhafter als der fein eingekittelte, unnahbare Herr Maier-Müller-Schmidt-Schulze vom modernen Vorzeige-Meisterbetrieb, so meine Erfahrung. Zudem macht eine Zugehörigkeit zu einem Werkstattnetzwerk (die mit dem gelben Planken am Werkstattgebäude wird schon wieder erwähnt) auch meist preisselbstbewusst und arrogant: Man ist jetzt nicht nur irgendein freier Schrauber auf der grünen Wiese mehr, sondern jemand, der auf der Baukasten-Homepage mit „Exklusivangeboten“ wirbt. Für all das wird ein Extra-Zuschlag fällig; solche Betriebe haben, dass sie zur Kette gehören, Auflagen zu erfüllen, die denen von Vertragshändlerbetrieben ebenbürtig sind. Dafür können sie sich wohl auch aus einem großen Franchising-Servicepool bedienen, aber meist geht das in die falsche Richtung. Der Kunde will keine hohlen Werbeversprechen, die sowieso gebrochen werden, und keine groß angepriesene Mobilitätsgarantie haben, die am Ende dummerweise genau den Pannenfall, wegen dem man nachts im Regen auf der BAB 3 liegen bleibt, ausschließt, sondern gewissenhafte Arbeit von ehrlichen Leuten zu einem Preis, mit dem man leben kann.

 

Die größten Schaumschläger, die den Mund am vollsten nehmen, sind auch in der Regel die, die schwächste Leistungen erbringen. Was ich in all den Jahren gesehen, aktiv erlebt oder mitbekommen habe, könnte Bücher füllen. Totale Qualität kann man nicht durch Formeln, Werbesprüche und Kampagnen herbeizaubern, sondern nur anbieten. Entweder man kann das, oder man kann es nicht.

 

Jedes Autohaus ist weit von diesem Optimum entfernt, weil wir eben alle auch nur Menschen sind und keine Roboter. Wir alle machen Fehler, und das nicht zu knapp. Den perfekten Betrieb, wie er so oft in der Werbung von Firmen existiert, gibt es nicht, den hat es auch noch nie gegeben, den wird es auch nie geben. Manche sind nah dran an dem hohen Maßstab, aber keiner hat ihn erreicht.


27.11.2012 15:48    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (46)    |   Stichworte:

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In dieser Serie, die meinen Blog auszeichnen soll neben Berichten über verkannte oder seltene Autos, berichte ich über Erlebnisse aus meiner Zeit im Autohaus. In diesen vier Jahrzehnten kommt doch schon einiges zusammen an Besonderem, das ich erzählen könnte, und das möchte ich nun auch tun.

 

Ich hatte von einem Kfz-Auszubildenden erfahren, dass es einen speziellen Parkplatz gibt, an dem man garantiert nicht mehr TÜV-fähige Autos, die besser auf den Schrottplatz gehören würden, über Nacht abstellen müsse, mit 150 Mark im Handschuhfach, Kfz-Schein dazu. Ein Freund von ihm habe seinen eigentlich schrottreifen Opel Ascona schon auf diese Weise zu einer zwei Jahre längeren Autokarriere gebracht, sagte er weiter.

 

Mich hat das damals, es war im Frühjahr 1997, sehr interessiert. Nicht, weil ich etwa daran interessiert war, ein schrottreifes Auto mit TÜV weiterzuverkaufen oder eine Rostlaube mit unlauter erworbenem TÜV-Stempel für mich zu nutzen – sondern einfach um zu sehen, ob es funktioniert. Es traf sich gut, dass ich momentan einen Renault 11 Automatic, Baujahr 1983, beige, auf dem Hof stehen hatte. Das Auto war zum Verschrotten gedacht. Der Renault war noch nicht einmal so alt, aber es war alles im Argen. Rost, Dellen, ungepflegter Innenraum, abgefahrene Reifen, lauter Auspuff, mehrere schlecht reparierte Unfallschäden, irgendwie funktionierten die Rücklichter nicht mehr. Die Mängel waren so zahlreich, dass ich mich gar nicht tiefer damit beschäftigte; fest stand nur, dass dieses Auto garantiert nie wieder frischen TÜV erhalten würde – zumindest auf legale Weise. Der R11 war so schlecht, den konnte man eigentlich nur noch verschrotten. Immerhin war er fahrbereit. Die Technik schien das geringste Problem zu sein. Der R11 hatte sogar noch zwei Monate Rest-TÜV, also habe ich ihn rasch auf meinen Namen angemeldet.

 

Gleich einen Abend später fuhr ich mit dem R11 an diesen Parkplatz neben einer Autobahnauffahrt und habe ihn dort stehen lassen. Der frische Fahrzeugschein lag im Handschuhfach, 150 Mark hatte ich auch beigelegt. Ich aber wollte jetzt nicht wegfahren, sondern richtete mir auf dem gegenüberliegenden Parkplatz ein Zelt auf, das ich mitgebracht hatte. Ich sah mit Gummistiefeln, Kappe, bunter Windjacke und Plastiktüte (vorher hatte ich noch eingekauft, speziell für dieses Zelt-Experiment) wohl aus wie ein echter Camper und Tagträumer, doch offensichtlich funktionierte die Masche nicht, denn am Morgen stand mein vergammelter R11 immer noch da, und das mit den alten TÜV-Stempeln. 150 Mark und Schein lagen auch noch im Handschuhfach des Renault 11. Vielleicht hat mich jemand gesehen und Angst gehabt, man könne ihn bei der illegalen Handlung sehen und melden?

 

Da lief wohl irgendetwas schief, dachte ich mir, doch ich wollte es noch einmal probieren. Am darauffolgenden Abend stellte ich den R11 dann wieder dort ab; gefolgt von meinem guten Freund Siegfried „Siggi“, der meinen BMW fuhr. Dieses Mal kamen wir etwas später dort an, es war inzwischen fast neun Uhr am Abend. Wir ließen den R11 dort stehen, tauschten im BMW die Plätze und fuhren weiter. Am Morgen haben wir den Renault dann abgeholt – und er hatte tatsächlich neuen TÜV sowie den Stempel im Kfz-Schein. Die 150 Mark waren weg, dafür hatte mein R11 jetzt auf dem Paper zwei Jahre TÜV, wie auch immer das ging.

 

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt hätte man so einen sicher noch für 500 Mark verkaufen können, er hatte ja jetzt zwei Jahre TÜV und irgendein Unbedarfter käme sicher auf die Idee, einen Renault 11 Automatik zu kaufen, weil er billig war und TÜV hatte. Es gibt immer Leute, die alles glauben. Doch so einfach mache ich es mir nicht, und dieses Auto war einfach nur Schrott. Neuer TÜV änderte daran nichts, der R11 war einfach so schlecht, dass man niemanden mehr damit auf die Straße lassen konnte. Ich habe ihn noch etwa 25 Kilometer gefahren, direkt zum Schrottplatz, dann wurde er abgemeldet und entsorgt. Auf dem Schrottplatz habe ich ihn später sogar noch einmal gesehen, da holte sich jemand die Fahrertür.

 

Ich fragte mich später intensiv, wer so etwas macht und wieso da jemand sogar mit originalem TÜV-Stempel und TÜV-Plaketten um sich wirft. Wenn so jemand vier Autos in einer Nacht hatte, waren das schon 600 Mark – rechnen konnte der illegale TÜV, wer auch immer das war. Ich vermute noch immer, dass vielleicht sogar ein Prüfer das Ganze gemacht hat, dem sein ehrlich verdientes Geld nicht ausgereicht hat. Das würde auch erklären, wieso beim ersten, misslungenen Versuch, als ich in der Nähe gezeltet habe und den R11 immer im Blickfeld hatte, niemand gekommen war. Ich bin mir sicher, der war auch in der Nähe und sah nur, dass da jemand zeltete – also ging die Reise weiter.

 

Ob es so etwas heute noch gibt - ich will es gar nicht wissen; es ist Betrug und zudem gefährlich. Sicher wurden auf diese Weise auch schrottreife Autos "abgenommen" und hernach verkauft, an Leute, die nicht wussten, was sie da für einen Schrott gekauft haben.


Blogempfehlung

Mein Blog hat am 13.05.2011 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

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Der herzhafte Grantler


 

Freundliche Hinweise

Wenn ihr Interesse an preiswerten Autos

("Low-Budget-Gebrauchtwagen") habt, dann seid ihr hier genau richtig und

erfahrt allerlei Nützliches und auch Unterhaltsames über die bunte Welt

der Autos, die (oft zu Unrecht) im Schatten stehen.

 

Ich freue mich auf euch!

 

Mit einem herzlichen Servus!

euer Hans

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