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1990 präsentierte Mitsubishi den siebensitzigen L300 Luxus-Bus, der als deutliche Reaktion auf damals erfolgreiche Vans wie Renault Espace, VW Multivan oder Chrysler Voyager zu verstehen war, denn der Space Wagon konnte damals nicht so recht mit diesen Modellen konkurrieren, auch da er eine ganze Klasse kleiner war und ein anderes Konzept verfolgte.
Der L300 Luxus-Bus baute grundsätzlich auf dem seit 1987 gefertigten Kleintransporter L300 der zweiten Generation auf, verwendete dessen Technik und war der Nachfolger der bisherigen Topausstattung des Mitsubishi L300, einem recht gut gemachten und auch preislich akzeptablen Kleinbus, der vor allem bei preisbewussten Großfamilien oder Handwerkern Verbreitung fand. Rein äußerlich unterschied er sich durch einen neuen Kühlergrill, lackierte Anbauteile, Doppelscheinwerfer unter einem Deckglas, flott gestylte Radzierkappen, peppige Metallic-Lackierungen sowie auf Wunsch lieferbare Trim-Lines in vielen, oft freizeitmäßigen und farbenfrohen Designs von dem Kleintransporter. Zusätzlich konnte man etliche Sonderausstattungen nachrüsten lassen.
Der Innenraum des L300 Luxus-Bus wurde plüschig ausstaffiert, mit Velourspolsterung, Mittelarmlehnen, vielen Ablagefächern und dem exklusiven, fast schon legendären „Crystal Lite Roof“ ließ es sich leben. Weniger Glück hatte man beim Cockpit, das in seinem rustikalen Plastikcharme der späten 80er-Jahre komplett dem Kleintransporter entnommen wurde, auf dem der Luxus-Bus basierte. Dies war wenig luxuriös.
Ausgerüstet wurde der Wagen mit Benzinmotoren aus dem Mitsubishi-Programm, es gab ihn ausschließlich mit Schaltgetriebe, obwohl eine Automatik zweifelsohne die glücklichere Lösung gewesen wäre und besser zum Reisecharakter des Busses gepasst hätte.
Dem L300 Luxus-Bus blieb der ganz große Erfolg verwehrt, denn er war recht teuer in Anbetracht dessen, was er unterm Strich bot, außerdem war die Ähnlichkeit zum normalen L300 Kleintransporter für viele potenzielle Kunden zu offensichtlich – auch vom Fahrgefühl her; und die plüschigen Sitze sowie das jahrgangs- und modellabhängig serienmäßige Wurzelholz-Imitat konnten nicht über die Abstammung von einem Transporter und die damit verbundenen Nachteile hinwegtäuschen. Zudem ließen Fahrwerk und vor allem die rüden Trinksitten des Fahrzeuges sehr zu wünschen übrig, auch in der Sicherheitsausstattung hinkte der L300 Luxus-Bus stets den Fahrzeugen, die man sich als seine Konkurrenten ausgeguckt hatte, hinterher. Im Alter kommt speziell beim L300 ein massives Rostproblem hinzu; wenn man heute einen solchen Wagen sieht, befindet er sich meist in einem sehr schlechten Karosseriezustand. Die Technik ist zwar wie bei allen Mitsubishi sehr zuverlässig und verdaut hohe Laufleistungen, allerdings versaut der Rost vorher meist die Bilanz.
Als Konkurrent zu VW Multivan, Renault Espace oder Voyager sowie ab 1994 zu den Eurovans von PSA und Fiat/Lancia konnte sich der Mitsubishi niemals etablieren, obwohl er sehr variabel und geräumig war und üppige Garantieleistungen, die besser waren als bei seinen Mitbewerbern, bot. Zu gravierend waren die Nachteile, wobei diese im Grunde nur daher rührten, dass der L300 Luxus-Bus das Fahrgestell des entsprechenden Transporters hatte und dementsprechend starke Defizite in Bezug Komfort hatte - und Komfort ist eigentlich das Wichtigste bei einem solchen Wagen. Zwar kauften ihn einige Großfamilien und Menschen mit freizeitorientierter Haltung bzw. platzintensiven Hobbys, aber es kann gesagt werden, dass der L300 Luxus-Bus kaum Menschen in die Mitsubishi-Verkaufsräume brachte, die vorher einen der Hauptkonkurrenten fuhren – wie so oft bei Mitsubishi begeisterte der L300 Luxus-Bus fast nur Leute, die schon vorher ein anderes Modell der Marke mit den drei Diamanten im Logo fuhren.
Als eigentlicher Nachfolger erschien 1996 der größere, eigenständige und völlig neu entwickelte Space Gear, wobei dieser kaum mehr Verbreitung fand und auch mittlerweile eingestellt wurde. Heute bietet Mitsubishi im Van-Segment den sehr sportlichen Grandis an; ein gutes Auto zwar, aber auch der Grandis begeistert hauptsächlich die Stammkunden und kommt nur auf eine Außenseiterrolle auf dem deutschen Markt gegenüber den Hauptkonkurrenten.