27.06.2012 12:28
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italeri1947
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Autohaus
Eine neue Serie hier hat nun das Motto "Renault und ich im Laufe der Jahre". Wie ihr wisst, ist die Marke mir besonders wichtig, und es gibt in meinem Leben zu fast jedem Moment einen Renault, den ich damit in Verbindung bringe. Auf die Idee eines Freundes habe ich mich nun dazu entschlossen, diese Serie anzufangen und alle Jahrzehnte nach und nach mit einem Renault, der für mich sehr wichtig war und heute noch aufgrund der Erinnerung ist, in Verbindung zu bringen. Den Anfang machen die 60er-Jahre, in denen ich auch meine Auto-Karriere begonnen habe.
Meine Liebe zu Renault habe ich von meinem Vater vererbt bekommen, vermute ich, denn er fuhr, seit wir in Deutschland waren, ausschließlich Renaults - bis er 1994 verstarb, war jedes neue Auto, das er sich kaufte, ein Renault. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir sein Frégate - er war Baujahr 1960 und somit eines der letzten Exemplare dieser Limousine der oberen Mittelklasse, die von 1951 bis 1960 gebaut wurde. Es gab zwar auch einen Kombi namens "Domaine", der auch gern als Kommunalfahrzeug oder Taxi eingesetzt wurde, aber mein Vater hatte sich die Limousine gekauft und diese gleich, weil man sich sonst nichts gönnte, mit dem 1956 nachgereichten Spitzenmotor, einem 2.2-Liter-Benziner mit 77 PS, ausgerüstet.
Das Fahrzeug hatte zwar ein Schiebedach, aber kein Autoradio. Meinem Vater hat das nie etwas ausgemacht, denn er sang einfach selbst: Als gebürtiger Österreicher beherrschte er, ohne nachsehen zu müssen auf Textblättern, ein breites Repertoire von Volksliedern, aktuellen Schlagern und Operettenmelodien, und er fand zu jeder Situation das passende Lied, das er dann anstimmte. Gern habe ich mitgesungen, nur meine Mutter fand, als sie noch lebte, dass man sich beim Fahren konzentrieren sollte: Das inzwischen etwas gesteigerte Verkehrsaufkommen der Nachkriegszeit bereitete ihr hin und wieder Sorgen, und jedes Mal war sie froh, wenn nichts passiert war.
Mein Vater war da ganz anders - in seinem Frégate fuhr er gern sportlich und flott, entwickelte echten Fahrspaß mit der französischen Limousine und zeigte sich auch gern damit. Über 10.000 Kilometer pro Jahr spulte er damals mit dem Renault ab, das war nicht eben wenig für die 60er-Jahre.
Leider war der Frégate nicht ausschließlich für die schönen Momente des Lebens verantwortlich, denn er fuhr uns auch zur Beerdigung meiner Mutter, die im Jahr 1964 verstorben ist. Ich saß hinten, und neben mir saß mein Vater. Gefahren ist mein Onkel.
Wirklich viel aushalten musste der Renault zudem, als ich in der Zeit, in der ich meine Fahrschule hatte und noch keinen Führerschein besaß, öfters einmal ohne das Wissen meines Vaters den weißen Frégate aus dem Schuppen holte und damit einige Runden drehte. In der Fahrschule setzte ich mich dann in einen Opel Rekord C , der 1966 als eines der modernsten und fortschrittlichsten Fahrzeugmodelle auf dem deutschen Markt galt. Dieser Opel, grün lackiert und mit beigefarbenem Interieur, hatte trotz des Fortschritts in Technik und Design noch ein Dreigang-Getriebe mit Lenkradschaltung! Mein Fahrlehrer hieß Eduard und war ein geduldiger Mensch; lammfromm und ruhig, aber kompromisslos dann, wenn man Fehler wiederholte, auf die er einen bereits aufmerksam gemacht hatte. Dann verstand Eduard keinen Spaß mehr und wurde auch schon einmal sehr laut, doch er war ein guter Fahrlehrer und hat mich zuverlässig zum Führerschein gebracht. Wir hatten zwar auch laute Wortgefechte (bei denen er führte; ich als junger Mann aus konservativem Haus in den 60er-Jahren hatte es in meiner Erziehung mit auf den Weg bekommen, lieber zu schweigen und mich nicht gegen Stärkere aufzulehnen), aber am Ende waren wir doch immer wieder gut miteinander. Einmal hatte er mich auf ein Eis eingeladen.
Eis gegessen habe ich auch mit Rosemarie. Rosemarie war die Tochter eines Nachbarn, der von Beruf Goldschmied war, und mein Vater freute sich sehr darüber. Doch mit ihr, so nett sie auch war, ging ich nur ein paar Mal aus, dann war das auch wieder vorbei. Geheiratet habe ich bis heute nicht. Ich habe es auch nicht mehr vor, doch man sollte niemals "niemals" sagen. Die Liebe spielte noch viel mehr mit in dieser Zeit, als ich kein Kind mehr, aber auch noch kein Mann war: Eine Lehrerin aus der Volksschule, damals jung und hübsch, hatte es mir angetan. Gern erinnere ich mich an diese Zeit zurück, wie ich besonders fröhlich zur Schule ging und das nur wegen ihr. Als die Schulzeit beendet war, habe ich immer noch dann und wann von ihr geträumt. Sie kam später auch zu mir ins Autohaus - von dem ich in den 60er-Jahren noch nicht einmal zu träumen wagte: Nach bestandener Lehre zum Kfz-Mechaniker arbeitete ich brav und fleißig in einer Werkstatt und hatte manchmal mehr, manchmal weniger Freude an meiner Arbeit, doch ich war immer zufrieden. Geld legte ich immer zurück; ich gönnte mir kaum etwas, denn ich wollte schnellstmöglich ein eigenes Auto fahren, und das sollte ein Renault sein.
Dann kam mein erstes Auto auch schon: Ein hellgelber Renault 4CV. In der Zeit, in der man meist Käfer oder Kadett, vielleicht auch noch Taunus oder DKW fuhr, war ich damit schon ein gewisser Exot, aber ich habe dieses Auto geliebt! Dieser Renault wurde wie alle meine Autos von mir selbst bezahlt, hatte damals ausreichende 26 PS und war bereits die 1961er Spezialversion, das "Abschiedsmodell", mit Kurbelfenstern vorn. Mir hat dieses Fahrzeug treue Dienste geleistet, nicht allzu lang, aber ich war so zufrieden, dass ich mir später exakt das gleiche Auto in der selben Farbe (gelb) noch einmal gekauft habe.
Bald werde ich euch die 70er-Jahre schildern - auch am Beispiel eines oder mehrerer Renault-Modelle, die ich damals hatte. Gerade die 70er-Jahre sind für mich sehr bedeutsam, denn sie stellten die Weichen für mein Leben besonders nachdrücklich! |





Kommentare: 37
27.06.2012 12:59 |
HyundaiGetz
Schön geschrieben. Die Zeit des Führerscheins und des ersten Autos ist immer sehr aufregend - bei mir ist sie ja noch nicht sooo lange vorbei.
27.06.2012 13:28 |
VolkerIZ
Schöner Beitrag. Leider gibt es im Internetz zu wenig Leute in Deinem Alter. Bei solchen Texten kommt immer so schön viel Zeitgeist rüber. Gerade für die "jüngeren" (in meinem Fall ist das auch schon relativ
) sind solche Texte immer sehr wertvoll, denn vieles, was man heute so wahrnimmt, ist natürlich irgendwie verfälscht. Von Renault Fregate war mir z.B. gar nicht bekannt, daß der überhaupt in Deutschland angeboten wurde (oder stammst Du aus dem Saarland, wo man traditionell nur Franzosenautos fährt?). Jedenfalls kenne ich dieses Modell nur von Bildern und da hängen immer französische Kennzeichen dran und auf Oldtimerveranstaltungen habe ich noch nie einen gesehen.
27.06.2012 13:49 |
TheWurst
Wirklich ein interessanter Beitrag. So ein Frégate steht bei uns in der Nähe, da fahre ich ab und zu dran vorbei. Ganz ok für einen Renault...
27.06.2012 14:10 |
bronx.1965
Hallo Hans,
wieder sehr schöner Beitrag von Dir. Den Wagen kannte ich nur aus der "Oldtimer-Praxis"-Lektüre.
Extrem selten. Eigentlich unverständlich, bot er doch seinerzeit Leistung und Ausstattung auf Augenhöhe mit den damaligen Wettbewerbern.
Kannst Du Dich vielleicht noch erinnern, was der damals kostete?
Ich freue mich auf eine Fortsetzung
Vielleicht kommt ja "mein" absoluter Favorit aus dem Hause Renault, der grandiose R 16, auch noch vor
MfG, Bronx
27.06.2012 14:17 |
Devers
Gut, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber netter Artikel. Wenn man bedenkt 2 Liter Hubraum und gerader mal 77 PS. Da haben sich die Zeiten doch sehr geändert.
27.06.2012 14:31 |
knolfi
Wer den Artikel aufmerksam liest, wird feststellen, dass sein Vater Österreicher war. Wo wird er dann wohl herkommen?
27.06.2012 15:53 |
Krizzlybaer
Sehr schön, dass wir mehr über dich erfahren können und noch werden
Deine Fahrzeugtests sind zwar auch wirklich super und ich lese sie alle, aber die "Autohaus-Geschichten" finde ich immer noch am besten, und freue mich jetzt auf diese neue Reihe.
Mit meinem Fahrlehrer hab ich zum Glück nie einen Streit gehabt, wir hatten die gleiche Lieblingsband, ähnliche Interessen und so war das dann eine super Zeit.
27.06.2012 15:53 |
Sparsamer
In einer Fregate starb übrigens Pierre Lefaucheux, der erste Präsident von Renault nach dem Krieg.
(1955)
mfg
27.06.2012 15:57 |
Dr Seltsam
Der Fregate und der 4CV, allein dafür hat sich der Artikel schon gelohnt. Ich hätte, wärst nicht du der Verfasse des Artikels gewesen, glatt gesagt, 4CV, da hat sich doch wer verschrieben. Der meint doch sicher den 2CV, also die Ente. Aufjedenfall weitermachen, ließt sich äußerst gut und ist sehr intressant zu erfahren was es damals alles gab.
Auch das dein Vater gerne mitgesungen hat, wer singt heute noch im Auto oder wer kennt überhaupt heute noch genug Lieder um frei aus dem Bauch herraus mitsingen zu können?
27.06.2012 16:02 |
Andi2011
Lieber Hans,
mir bleibt nichts als mich in die Reihe der Belobigungen mit einzubringen,ein hervorragender Artikel,der wunderbar mit deinem Autohausgeschichten harmoniert!
Auch das ich hier mal wieder von Irmgard lese freut mich sehr!
Tolle Erinnerungen hast du da mit uns geteilt und dazu noch wunderbare Fahrzeuge einfliessen lassen, ich freue mich auf mehr und kann nur immer wieder raten, schreibe eine Buch, es wird ein Bestseller unter den Autofreunden!
Beste Gruesse
Andi
27.06.2012 19:09 |
go_modem_go
Die hier beschriebenen Renault sind aber ganz klar 40er & 50er!
Da kommen Erinnerungen hoch! Ich bin zwar eine Generation hinten dran, aber Anfang-Mitte 70er in Frankreich aufgewachsen und war danach jedes Jahr den kompleten Sommer & über Weihnachten in Südfrankreich.
Das erste Auto meines Vaters war auch ein gebrauchter 4CV - angeblich eine ganz schlimme Gurke, extrem rostig, Temperaturempfindlich und lahm.
Er war nach einem 4CV Unfall Mitte der 60er (an einen gefrorenen Misthaufen in der Schweiz zerschellt, Totalschaden...
) mit VW Käfer & T1 Transporter, 1600TL, PassatI / Ib und diversen Golf II-III bis 1998 durchgehend VW treu, bis auch diese Marke schwer enttäuschte (Lopez-Effekt).... 
An die 4CV's erinnere ich mich ganz gut. Ich fand dieses Auto immer putzig, dieser charakteristische, röhrend-gequälte Sound des Mini-Vierzylinders liegt mir heute noch in den Ohren.
Der größere, ebenso heckgetriebene Dauphine sowie dessen kantigere Ablösung R8-R10 Major waren in dieser Zeit bis weit in die 80er noch überall präsent. Die Motorkonstruktion gab es ja noch so ähnlich über Dauphine, R4, R5-6-8-10 noch bis zum Twingo I, quasi der Dauerläufer bei der Regie (1942-Ende 90er???)! Blöde nasse Zylinderlaufbuchsen - auch ich habe mich mit den unteren Laufbuchsen-Dichtungen abgeplagt (R4...)
Allerdings überlebten die Renault Juvaquatre Lieferwagen aus den 30er-50ern fast alle die 4CVs - der letzte in unserem Dorf stand schon Mitte der 80er bei unserem Nachbarn halb verwehst in einer Scheune, wärend die Juva's aus den 40ern immer noch wöchentlich zum Markt rumpelten, und an jeder Kreuzung quietschten (Seilzugbremsen...
).
Vom Juvaquatre sieht man sogar heute noch einige z.T. im Alltagsgeschäft herumfahren (analog Peugeot 203-403-404 Pickup)
Renault Frégates waren bereits in den 70ern schon fast alle ausgestorben, und meist durch Peugeot 403 / 404 Limos oder "moderne" R12-R16 und DS mit etwas kleineren 1.3-1.9l Motoren ersetzt, aufgrund der exorbitant hohen Luxus-KfZ Steuern in Frankreich ab den späten 50ern.
Quasi alles über ~2.1l Hubraum / 11CV Steuer-PS wurde in Frankreich nach dem Algerienkrieg oft in Top Zustand verschrottet, da KfZ-Steuer unbezahlbar - ähnlich erging es neben dem Frégate auch vielen Ford France Vedette mit 2.2l V8 & später Simca Vedette ...
Von den frühen Citroen DS/ID19 und auch den älteren 11CV "Gangsterlimos" aus den 30er-50ern haben viele bis weit in die 80er Jahre überlebt, da zufälligerweise genau unter dem Luxussteuerlimit (11CV...
)
27.06.2012 20:06 |
silverdreammachine
Hallo Hans, finde deine neue Serie auch richtig genial und freue mich auf mehr...
27.06.2012 20:46 |
mr. mountain
Toller Artikel, der den Zeitgeist der 1960er sehr schön transportiert.
Ich bin auf dem Rücksitz von Käfer 1200 und 1300 Ende der 60er von meinem Vater chauffiert worden. An Renault erinnere ich mich an Fahrten mit den Eltern eines Freundes. Es waren ein weißer R4 und später dann ein quietschgelber R6. Ferner kann ich mich auch an einen blauen R8 erinnern, in dem ich einmal mitfahren durfte.
Wenn ich heute mal das Rasseln eines Käfers höre, dann denke ich auch gerne an die Kindheitstage zurück.
27.06.2012 22:25 |
cx7752
Hallo Hans, sehr schön hast du geschrieben, es ist alles nachvollziehbar und man(n) erlebt es beim Lesen mit. ich freue mich auf mehr, herzlichen Gruss an dich
Carlo (CX7752), der mit dem Loadrunner
28.06.2012 03:27 |
Harhir
Tolle Geschichte. Dazu kannte ich das Auto gar nicht. Und das obwohl mein erstes Auto ein Renault war. Ein 75er R12.
Aber schon witzig:
In den 50er und 60ern hatten Renault Modelle noch Namen. Danach kamen Nummern und nun sind sie wieder bei den Namen.
28.06.2012 12:13 |
italeri1947
Danke für das Lob und eure netten Kommentare; vor allem die, die auch etwas mit alten Renaults, die mir sehr am Herzen liegen, sich befassen, erfreuten mich sehr.
Darauf habe ich gewartet! Und es stimmt auch - der Frégate wurde von 1951 bis 1960 gebaut, und der 4CV hatte seine Wurzeln schon in den 40er-Jahren, wurde jedoch über 15 Jahre lang bis 1961/1962 gebaut.
Das weiß ich leider nicht mehr, aber mein Vater hat sich dieses Auto einst neu gekauft.
28.06.2012 20:13 |
sscdiscovery
super geschrieben, dazu kommt das auch ich dieses Auto nicht kannte. gut als er eingestellt wurde war ich ein Zwerg und hatte mehr Interesse an Bulldozern und Zugmaschinen ( meint mein Vater immer )
Meine alten Erinnerungen reichen nur bis zum Dauphine.
https://www.google.at:80/search?...
Da liefen früher ein paar bei uns.
Gruss
Steffen
29.06.2012 11:17 |
andis hp
Hallo Hans,
wieder ein schöner Bericht von dir!
Die 4CV "Cremeschnittchen" und die "Dauphinchen" standen in unserem Dorf vor jedem 2. Haus in den 70er.
Danach wurden die meistens auf der örtlichen "Kipp" (Müllkippe) einfach mit dem Müll entsorgt. Damals hat man es mit dem Umweltschutz nicht so genau genommen, bzw. wußte man mit diesem Begriff noch nichts anzufangen. Heute liegt alles unter Bauschutt und Wald begraben (Seit Anfang der 80er zu und sich selbst bzw. der Natur überlassen).
Ich weiß aber noch, das viele Besitzer ihrem Schätzchen französische Mädchennamen gaben. Wir dagegen waren diesbezüglich Sonderlinge. Wir waren die ersten und einzigen, die bis Mitte der 80er diverse Fiat-Automobile fuhren. Und Fiat hatten schon immer Männernamen!
Hans, auf jeden Fall freue ich mich schon auf den nächsten Artikel von dir!
Mfg
Andi
29.06.2012 11:59 |
VolkerIZ
An die letzten Dauphinen im Alltagseinsatz kann ich mich auch noch dunkel erinnern. Die wurden ja immerhin bis 1971 gebaut, davon hat man bei uns aber nicht viel gemerkt. Die letzten Baujahre dürften in Deutschland nicht sehr erfolgreich gewesen sein. Eine Dauphine war jedenfalls Mitte der 70er schon ein Hinkucker, während A-Kadett und Ford P4 noch alltäglich waren. Die Form fand ich immer schon witzig. Auf einem wilden Schrottplatz haben wir mal eine kermitgrüne gefunden. Die Farbe paßte wunderbar zur Frontgestaltung.
Den 4CV habe ich erst als Oldtimer kennengelernt. Es sind aber inzwischen recht viele geworden. Ich glaube, fast jeder Renault-Händler hat irgendwo noch einen rumstehen. Vermutlich alles Südfrankreich-Spätimporte. In Deutschland waren die ja schon mal fast ausgestorben.
Ätt Hans: Was ich Dich immer schon fragen wollte: Wann holst Du Dir wieder einen 4CV? Normalerweise kommt ja spätestens als Rentner das Bedürfnis nach dem ersten Auto zurück, wenn Gesundheit und Finanzlage noch mitspielen und man endlich Zeit dafür hat und wenn ich mir Deine Sammlungserweiterungen in der letzten Zeit so ankucke, dürfte es bei Dir doch an keinem dieser Punkte scheitern?
29.06.2012 12:34 |
italeri1947
Vermutlich gar nicht mehr - ich hätte schon wieder gern einen, bin aber mit meinen "Helden des Alltags" doch ganz zufrieden. Opel Omega A, Renault Safrane Phase II und Laguna I - bald auch Ford Scorpio - und mein E32, das sind Fahrzeuge, die ich aufheben möchte, weil sie sonst niemand aufhebt.
Es gibt viele 4CV, die in besten Händen sind, aber leider nur wenige Safrane, Omega oder Scorpio die erhaltenswert gepflegt werden.
29.06.2012 12:47 |
Goify
Aber ein R4 muss sein. Erst heute habe ich wieder unseren Pater in seiner geliebten "Fanny" gesehen - ein modifizierter R4.
29.06.2012 14:20 |
italeri1947
Du kennst diesen Mann? Davon habe ich schon viel gehört und auch gelesen; er war in den 90er-Jahren sogar einmal in der Autobild; diese Ausgabe habe ich noch!
29.06.2012 14:27 |
Goify
Natürlich kenne ich Pater Clemens, zumindest vom Sehen. Er war auch mal in einem Fernsehbeitrag der Auto-Motor-und-Sport und ist bei uns in der lokalen Presse häufiger zu sehen, weil er sich um die Belange der Gefangenen kümmert und sehr interessante Geschichten für eine Obdachlosenzeitschrift schreibt, die ich hin und wieder kaufe.
Vor nicht all zu langer Zeit hatte er einen Unfall, wodurch er jetzt einen anderen R4 hat, aber auch voll mit Instrumenten.
29.06.2012 17:03 |
VolkerIZ
Da kann ich Dich nur bewundern. Genau die richtige Einstellung. Man muß da tätig werden, wo man gebraucht wird. Weitermachen!
Finde ich schon heftig, daß sowas möglich ist. Rein technisch traue ich den allermeisten Autos der 50er bis frühen 90er zu, daß sie bei ordentlicher Pflege über 300.000 km schaffen können, den Rest besorgt die Streuung: So wie es Motoren gibt, die noch während der Einfahrzeit platzen, gibt es eben auch welche, die 3-4x so lange halten. Zufall ist nur, wenn so einer dann in die Hände von jemandem kommt, der das auch ausprobiert und das Auto nicht irgendwann wegen Kleinigkeiten aufgibt.
Was mich viel mehr erstaunt: Daß so eine Leichtbaukonstruktion wie der R4 bei dem km-Stand noch nicht so weichgeklopft ist, daß die Karosse zusammenfällt. Hat mich auch schon bei dem eine-Million-km-Golf 1 gewundert, der vor ein paar Jahren mal durch die Zeitungen gegeistert ist.
Ich hatte mal die Gelegenheit, leihweise einen 123er Mercedes mit 1,4 Millionen km zu fahren. Das war noch nicht mal ein besonderes Abenteuer, ein Mercedes fühlt sich immer solide an, auch wenn er im nächsten Moment durchbricht. Die Mängel, die selbst so eine Schwermetallkonstruktion bei dem km-Stand entwickelt, waren allerdings ganz interessant, z.B. eine abgestürzte Seitenscheibe infolge eines abvibrierten Halteblechs, usw. Was eine Million km von einem R4 oder Golf 1 übrig läßt, würde ich gerne mal aus der Nähe sehen.
29.06.2012 18:10 |
Dr Seltsam
Würde mich auchmal intressieren. Ich hab mal von einer die einen Reiskocherkleinwagen ( glaub es war ein Daihatsu Charade ) von Anfang der 90er auf 700.000 Kilometer gebracht hat, dass man da am Ende angeblich schon gewisse Blechteile von Hand eindrücken konnte.
Wenn ich aber nach Schrottplatzerfahrung gehe, dann werden die meisten Autos eh bei ca. 250.000 Kilometern im Schnitt entsorgt. Da is nicht viel mit auch nur ner halben Million Kilometer.
29.06.2012 18:21 |
italeri1947
Es kommt immer darauf an, wie Fahrzeuge beansprucht werden. Eine halbe Million Kilometer von einem Alleinfahrer aus erster Hand - selber Fahrstil, guter Pflegezustand, ständige Sorge um die Technik - ist unter Umständen deutlich besser als die Hälfte mit vier Vorbesitzern, schlampiger Wartung und Pflege des KFZ und einer Haltung des Fahrzeugs, die darauf abzielt, dass alles einfach nur "billig" zu sein hat. Etwa ein Mercedes W124, der aus erster Hand 500.000 km erreicht hat und immer gepflegt wurde: Der hat noch durchaus viel vor sich, wird er weiterhin gepflegt; dass ein solches Auto schlapp macht, ist unwahrscheinlich. Aber ein Opel Astra F 1.6i '94 aus vierter Hand mit 250.000 Kilometern, der schon optisch ziemlich schlecht aussieht und keinerlei Wartungs- und Pflegenachweise mitbringt, alle Jubeljahre Öl "nachgekippt" bekam und nur zur Werkstatt kam, wenn gar nichts mehr ging (was z.B. beim Astra F unwahrscheinlich ist, dass er gar nicht mehr fährt, denn er ist hart im Nehmen)? Dass der dann och weitere 20.000 Kilometer ohne größere Probleme durchhält, ist mehr als fraglich.
Ich sehe das doch an meinem BMW: Die große Reise würde ich dem Wagen nicht mehr zumuten wollen, weil es dafür ökonomischere und praktischere Autos gibt (z.B. meinen Safrane), aber dass der E32 sie packen würde trotz seiner mehr als 500.000 Kilometer, käme es darauf an, davon bin ich überzeugt. Er fährt sich besser als mancher 90er-Jahre-Mittelklassewagen mit einem Bruchteil dieser Laufleistung!
Wobei ich auch denke, Dr.Seltsam, dass dein Fiesta noch viel vor sich hat: Wenn man liest, wie sehr du dich um deinen Ford sorgst, so ist mir bewusst, dass dieser noch einige Jahre halten wird. Man kann daher auch nicht sagen, dass alls Klein- und Kompaktwagen schlechter und weniger haltbar sind: Sicher überwiegen unter den angebotenen Fahrzeugen mit 400.000 und mehr Kilometern betagte Audi, BMW, Mercedes, größere Opel und ältere Passat-Baureihen, aber auch Kompakte und Kleine sind im Grunde zu solchen Laufleistungen imstande, es kommt nur auf die fachkundige Hand des Halters an; bei dir trifft das zu; deine Pflege des Fiesta ist vorbildlich. Da wird ein toller Youngtimer heranreifen - ein 1999er Fiesta "Style Family". Sehr schön! Du zeigst, dass es möglich ist, auch Kleinwagen lang zu fahren, werden sie gepflegt.
Grundsätzlich können ebenso auch "verrufene" Fahrzeuge technische Höchstleistungen erbringen, werden sie nach den üblichen Spielregeln umsorgt - und wir reden hier nicht von Scheckheft, Vertragswerkstatt und Waschstraße alle Woche! - und nicht nur blind gefahren. Ich kenne mehrere Renaults und auch Peugeots, die an die 300.000 Kilometer oder mehr gelaufen haben und durchaus noch fit sind. Gern erinnere ich mich auch noch an ein Taxi vom Typ Fiat Croma, das mit etwas über 600.000 Kilometern mit Getriebeschaden entsorgt wurde. Der hatte sein Werk getan, dabei gilt der Croma als unzuverlässig und problematisch.
Gilt aber ein Auto als "problematisch" und "unzuverlässig", stecken meist Besitzer dahinter, die nur sparen wollen, nichts machen lassen und dann jammern, wenn das Fahrzeug dann auch Ärger macht. Leider greifen solche Kunden meist auf günstige Importmodelle wie ältere Franzosen und Italiener zurück, weswegen auch das schlechte Image solcher Fahrzeuge in etwa auf diese Besitzerkreise zurückzuführen ist - so sehe ich das zumindest!
Das stimmt. Kaum jemand gibt es sich, ein Auto bis zum Ende zu fahren oder 300.000 Kilometer/noch mehr zu erreichen, denn in der heutigen Zeit, wo man alles leasen/finanzieren kann und sich somit auch Dinge einrichten wie Autos, die einem eigentlich zu teuer sein würden, herrscht auch ein unglaublicher "Druck der Konkurrenz": Wer will schon einen verblasst tornadoroten 1989er Audi 100 2.0E C3 Automatik mit 320.000 Kilometern, Schiebedach mit abgebrochener Kurbel und alpha-Radio ohne Kassette fahren, wenn alle Nachbarn einen Neuwagen haben? Ich würde es tun, aber stehe da in der Minderheit, ziemlich sicher. Die Wegwerfgesellschaft richtet mehr Schaden an, als sie gut macht - und viele Schrottplatzfahrzeuge sind eigentlich mit kleinen Reparaturen, die, wenn sie jemand günstig verrichtet, nicht schwerwiegend sind, locker wieder auf die Straße zu bringen, sehe ich aus eigener Erfahrung. Was wir schon entsorgt haben, das ist nicht normal!
29.06.2012 18:29 |
VolkerIZ
Die meisten Autos gehen an einer Häufung von Kleinigkeiten kaputt: Wartungsstau, etwas Rost, dann entweder Tüv abgelaufen oder ein harmloser technischer Defekt, so daß man nicht mehr fahren kann. Das wars normalerweise. In der Regel wirklich noch unter 300.000km.
Das sind aber meistens wirtschaftliche Totalschäden. Wirklich kaputt ist ein Auto eigentlich erst, wenn der Schrauber nichts mehr findet, wo er noch was anschweißen kann oder wenn das eigene Auto schlechter ist als alle Teilespender, die man angeboten bekommt. Und mit einigermaßen vernünftiger Wartung und Fahrweise und wenn man nicht gerade ein Montagsauto erwischt hat, sollte man diesen Zustand erst nach einer halben bis ganzen Million erreichen. Dafür gibt es ja genug Beispiele. Hängt natürlich auch ganz gewaltig davon ab, ob man überwiegend Lang- oder Kurzstrecken fährt.
29.06.2012 18:35 |
Dr Seltsam
Da dank ich für die freundlichen Worte lieber Italeri
Es ist auch mein erklärtes Ziel zu beweisen, dass ein Kleinwagen doch etwas aushalten kann. Zu dem Zwecke mache ich ja auch meine "16 Bundesländer" Tour, in dem ich versuche in jedes Bundesland mindestens einmal mit dem Fiesta zu fahren. Bis auf Bayern/Alpenregion habe ich auch mittlerweile jedes Bundesland besucht, man sieht also, der Fiesta hält was aus.
Den Rest der Beweisführung übernimmt mein Blog. Der einzige Wagen der mich noch etwas mehr reizt, den hab ich heute auf der Autobahn gesehen. Ein 5 türiger "Style Sport" MK-4 Fiesta. Nebelscheinwerfer, lackierte Außenspiegel und dieser putzige Miniheckspoiler. Dazu ein weißer Instrumententräger und die 75 PS Maschine. Schön wärs
29.06.2012 21:38 |
Daemonarch
Das trifft es genau auf den Punkt!
30.06.2012 08:52 |
amidufou
Nochmal zurück zu den "alten Französinnen":
Könnt Ihr Euch auch daran erinnern, daß diese hier besprochenen französischen Modelle einen typischen Innenraumgeruch haben?
Obwohl ich nicht im Saarland aufgewachsen bin, sondern in Augsburg und in mehreren Audi 100-Modellen nacheinander, waren in unserem Umfeld immer viele französischen Autos vorhanden: Unsere Nachbarn hatten Anfang der Siebziger einen Peugeot 204 Break, der beste Freund meines Vaters alle Arten von 404 über 504 bis 505, bevor er zu Mercedes griff (und was fährt er heute? B-Klasse, naja), Väter von Freunden Peugeot 305, R4, R10 und Simca 1308 S, der Ehemann einer Freundin meiner Mutter war ID- und DS-Fanatiker und hatte zum Teil mehrere, als sie noch günstige Gebrauchte waren - alle rochen sie innen irgendwie gleich, und zwar nicht verrottet oder nach Altauto, das waren sie ja damals auch noch nicht, sondern nach - französischem Auto!
Italieri, kann es sein, daß die unterschiedlichen frz. Hersteller trotz ihrer Konkurrenzsituation gleiche Zulieferer für Gummi-, Stoff- und Plastikteile hatten - evtl. sogar Komponenten gemeinsam verwendeten?
Ein ganz eigenes "Parfum" ist es auf jeden Fall, eines, das auch schöne Erinnerungen an meine Schüleraustauschzeit Ende der Siebziger in Frankreich heraufbeschwört; die Zeit von "la boum" mit Sophie Marceau war "meine" Zeit ... nur hieß sie Caroline, war mit Neunzehn zwei Jahre älter als ich und kam daher nicht mit einem geborgten Mofa ("Bécane") wie ich, sondern ganz elegant als kleine Parisienne mit dem hellgrünmetallicfarbenen Peugeot 104 ZS (ohne Kopfstützen. was noch wichtig werden sollte... ) von Maman zum romantischen rendez-vous früh um 6 Uhr zum Park vom Sceaux, wo wir gemeinsam joggen wollten, man nannte das damals auf franglais "faire un footing", und weil es ein Gewitter gab, wurde das Interieur des R12 für ein, zwei Stündchen für uns besonders wichtig, auch als sich das Gewitter längst verzogen hatte ... immer denke ich daran, wenn ich mal die Gelegenheit habe, in einem französischen Auto aus der Zeit Platz zu nehmen und den typischen Geruch zu inhalieren.
Bref!
Ich bilde mir jedenfalls ein, einen Renault, Peugeot, Simca oder Citroen aus den 60er- bis 80er-Jahren mit verbundenen Augen am Aroma zu erkennen, zumindest wenn es sich um ein Nichtraucherauto handelt.
Was meint Ihr?
30.06.2012 17:05 |
Daemonarch
Ein französisches Nichtraucherauto? DER war gut!
30.06.2012 18:13 |
Dr Seltsam
Ich könnts mir vorstellen amidufou. Die Ford aus den 90ern z.B. hatten auch alle diesen einen, bestimmten Geruch der sich besonders nach langer Standzeit in Hitze entwickelt. Mein 99er Fiesta riecht dann genauso wie der 93er Mondeo den mein Vater mal hatte.
01.07.2012 14:27 |
italeri1947
Das trifft zu, ebenso wurden außer dem Innenraumbereich noch Schlüssel, elektrische Bauteile, Motorteile, Gläser für Scheinwerfer und Rückleuchten und auch Reifen von selben Herstellern bei den Marken verbaut. Damit dies nicht jeder findige Zeitgenosse gleich merkt, wurde mitunter sogar ein System diverser "Handelsmarken", wie man es z.B. bei Aldi kennt, eingeführt.
Ja, auf jeden Fall! Das ist ein spezieller (angenehmer) Geruch, und von V.A.G. Youngtimern der 80er-Jahre möchte ich Ähnliches behaupten. Egal ob Polo II oder Audi 100, am Ende rochen sie alle gleich im Innenraum, aber immer sympathisch.
01.07.2012 14:41 |
Goify
Stimmt, ein VW riecht immer gleich, sogar die neuen Wagen nach ein paar Wochen lüften haben den gleichen Geruch. Als ich vor wenigen Wochen das erste Mal in unseren Büro-Polo stieg (Bj 2011) umwehte mich sofort der fast schon vergessene Duft von VW, wie ich ihn bei meinen Golfs kannte.
Auch Mercedes haben einen eigenen Geruch, der immer gleich ist, egal ob /8 oder W204.
01.07.2012 16:23 |
FranzR
alte Lada und alte Alfa riechen auch verdammt ähnlich...
01.07.2012 17:30 |
Goify
Liegt wohl an der Verwandtschaft zwischen beiden Modellen. Folglich müsste ein alter Fiat genauso riechen.
02.07.2012 06:57 |
FranzR
Da bräuchte ich erst eine Geruchsprobe.