06.07.2011 12:39
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italeri1947
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Kommentare (20)
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Autos
In meinem Blog las ich, dass sich einige hier freuen, dass ich so viele Modelle der 90er-Jahre vorstellen, die irgendwo zwischen Gebrauchtwagen für den kleinsten Geldbeutel und Youngtimer mit Zukunft stehen, die es noch gibt, die aber in gutem Zustand kaum noch anzutreffen sind.
Und als ich eben vom Imbiss zurück kam, parkte an der Straße ein luziferroter Peugeot 306, Baujahr ca. 1997, fünftürig, in typisch durchschnittlichem Zustand. Da habe ich mir dann gedacht, doch mal dieses Fahrzeug zu besprechen und einen typischen Mainstream-90er-Jahre-Popsong dazu zu stellen, um den Artikel zu einem Fahrzeug, das die 90er-Jahre wie nur wenige andere Kompaktwagen mobil gemacht hat und alle Generationen von 18 bis 80 Jahren ansprach, musikalisch passend zu untermalen.
Der Peugeot 306 war also ein Kind der 90er-Jahre. Er kam im Mai 1993 auf den Markt; drei und fünf Türen hatte das Fließheck, das vom Design her einen Mittelweg aus Peugeot 205 und 106 darstellte. Der 306 stellte im Wesentlichen den Nachfolger zum hier auch schon besprochenen Peugeot 309 dar und war mit Diesel- und Benzinmotoren zwischen 60 und anfänglich 101 PS lieferbar. Stärkere Versionen mit bis zu 163 PS wurden im Laufe der Bauzeit des 306ers nachgereicht. So wurde eine Motorenpalette geschaffen, die kaum einen Wunsch offen ließ. Auch das Thema "Getriebe" bot Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung; es gab ein Fünfgang-Schaltgetriebe und die seit 1988 von Peugeot in den Modellen 205, 309 und 405 offerierte hervorragende Viergang-Automatik von ZF. Diese seinerzeit sehr moderne Automatik hatte es in sich und galt 1993 als eines der modernsten und effizientesten Automatikgetriebe auf dem Fahrzeugmarkt. Wem die 2200 Mark Mehrpreis das Vergnügen wert war, der erhielt ein sehr komfortables Fahrzeug mit dem 306 Automatik! Bestimmte Modelle (S16) hatten sogar ein Sechsgang-Schaltgetriebe.
Peugeot, traditionell ein Verfechter der Modellvielfalt, beließ es natürlich nicht bei dem Fließheck, sondern reichte 1994 zunächst das als kommender Klassiker gehandelte 306 Cabriolet Pininfarina und dann das eher im Schatten stehende 306 Stufenheck (ST) nach. Gleichsam debütierte 1994 ein 150-PS-Sportmotor, aber nur für die Schrägheck-Modelle. ABS und Airbag, 1993 nicht serienmäßig, wurden ebenfalls der Grundausstattung hinzugefügt.
Der von Peugeot selbstbewusst als "der Rivale" beworbene Kompakte erreichte nach und nach eine sehr hohe Qualität, die diese eines damaligen Golf III (Lopéz-Effekt) zumindest erreichte und in einiger Hinsicht die deutsche Konkurrenz regelrecht erniedrigte und demütigte, denn die bei Peugeot angebotene Grundausstattung wurde immer weiter verbessert - was woanders teuer zu bezahlen oder nicht im Programm war, lieferte Peugeot je nach Version gratis mit. Sondermodelle wie "Husky", "Summertime", "Profile", das mondäne Cabriolet "Roland Garros" oder das Stufenheck mit "Style"-Paket gingen über dieses Maß nochmals hinaus und schöpften alles aus, was seinerzeit drin war. Elektrische Fensterheber, von Peugeot in Zusammenarbeit mit Clarion entwickeltes Kasetten-Audiosystem, Wegfahrsperre mit Zahlentastatur (bis 1997), elektrisches Glas-Schiebedach und dicke, plüschige Sitze gehörten bei diesen Modellen zum guten Ton!
Im Jahr 1996 wurde der 306 S16 und damit das schnelle Topmodell der kompakten Erfolgs-Baureihe aus Frankreich vorgestellt. 163 PS waren ein Wort und sind noch heute zeitgemäß, wobei das sicher auch die anderen 306er-Modelle sind. Der S16 war eine kleine Rakete und auch in besonders sportlichen Lackierungen wie Gelbgold-Metallic lieferbar. Auch das war purer 90er-Jahre-Mainstream.
Trendbewusste Kunden konnten den Wagen ab 1997, da kamen kompakte Kombis ja richtig in Mode, auch als 306 Break ordern; aber natürlich griffen in erster Linie Familien, Handwerker und Leute mit Platzbedarf zu, denen die anderen Versionen und sogar das Stufenheck mit seinem 500-Liter-Kofferraum nicht geräumig genug waren. Ebenfalls im Mai 1997 kam ein Facelift auf die Modellreihe zu. Dieses geriet sehr dezent; es wurde im Wesentlichen bei Kosmetik belassen. Die Rücklichtgrafik wurde etwas geändert und dem 605-Muster angepasst, dazu entfiel die schrullige Zahlentastatur für die Wegfahrsperre, und runde Nebelscheinwerfer statt eckiger waren ebenfalls zu haben. Der Zweiliter-Motor mit 121 PS wurde zudem durch eine 132-PS-Maschine ersetzt.
Das nächste Facelift stand im Jahre 1999 an, wobei gemäß dem Geschmack der Zeit Klarglas-Scheinwerfer, neue Radkappen in eleganter Optik und der famose HDI-Diesel mit 90 PS Einzug hielten.
Bis Ende 2001 wurde der 306 schließlich gebaut, eher er dem 307er Platz machen musste, der nur ein Schatten der soliden Qualität des 306ers darstellt. Massenweise Probleme im Kummerkasten der Autobild und die legendäre "Brandserie" des 307-Baureihe sprechen hier Bände; das sind Probleme, die der 306er noch heute nicht kennt. Deswegen müsste er eigentlich recht beliebt sein. Die Wahrheit aber ist, dass er kaum geschätzt und gepflegt wird, außer vielleicht die Cabrio-Modelle. Der 306er ist so günstig zu bekommen, dass ihn kaum einer aus Liebe zum Auto kauft, sondern um den Rest-TÜV auszunutzen und den kompakten 90er-Jahre-Peugeot dann entsorgt. Die Zukunft des 306 ist sehr ungewiss! |





Kommentare: 20
06.07.2011 13:02 |
tino27
Ich finde, der sieht immer noch frisch aus. Ein Auto aus einer der bessere Peugeotdesigntage.
Und da heutzutage oft von gleich aussehenden Auto gesprochen wird - das gabs schon damals. Ich finde jedenfalls dass nicht viel zum 323 BG fehlt.
06.07.2011 13:31 |
Dynomyte
"...nach eine sehr hohe Qualität, die diese eines damaligen Golf III (Lopéz-Effekt) zumindest erreichte..."
War nicht sonderlich schwer, qualitativ mit nem 3er Golf mitzuhalten
06.07.2011 13:34 |
Ireton
Das war und ist nach wie vor ein sehr schönes und gelungenes Auto - vor allem nach dem dezenten und sehr gekonnten Facelift.
06.07.2011 16:18 |
Magixx
Zitat Beitrag
"...nach eine sehr hohe Qualität, die diese eines damaligen Golf III (Lopéz-Effekt) zumindest erreichte..."
Zitat Kommentar
"War nicht sonderlich schwer, qualitativ mit nem 3er Golf mitzuhalten
"
...und darum klebten auf den frühen 306er Pöschos auch immer hochpeinliche Aufkleber in der Heckscheibe "der Rivale"
Schade dass er nie ein "Rivale"
war. Denn bei aller Lopez-Diskussion: Nicht mal ansatzweise war der billig-Hartplastik- / Coladosen-Wellblech-Peh drei-NULL-sechs qualitativ mit (irgend)einem Golf vergleichbar. Von Dingen wie Wiederverkauf und Langlebigkeit reden wir dann noch garnicht.
06.07.2011 17:06 |
Dynomyte
und beim golf warens meistens "pioneer" aufkleber :P
06.07.2011 17:08 |
italeri1947
Die "Der Rivale"-Aufkleber am Peugeot 306 waren ja nur ein Werbespruch, der durchaus zutraf; für Kompaktwagen wie den Renault 19, den Citroen ZX, den Ford Escort, den Opel Astra F oder den Fiat Tipo war er durchaus ein Rivale oder sogar teilweise deutlich besser. Allerdings gab es diese Aufkleber am 306 nur an der ersten Baureihe bis etwa 1995.
06.07.2011 17:40 |
Ireton
Magixx, die Innenraumanmutung des Golf III war, wenn Du ehrlich bist, nicht wirklich besser als beim 306. Und das Wellblech des 306 war deutlich rostresitenter als das des Golf III.
06.07.2011 18:56 |
Magixx
Einspruch euer Ehren, Einspruch ! Ich hatte 4 Stück Golf III: Benziner 90/150Ps, TDI mit 90PS und ein Cabrio mit 115PS
Alle waren schön 17 zöllig mit Minimalquerschnitt und fahrwerksseitig entsprechend knüppelig und tief. Mein damaliger bester Kollege hatte gleiche Kombination auf P 3 0 6. Rat mal welches Auto du nach 18 Monaten wegwerfen konntest, weil alles rappelte und kaputtgeschüttelt war . und zwar Plastikseitig(also Armaturen- & Innenraum) und Karosserieseitig.
Kleiner Tipp: Es war ein Auto aus Frankreich.
Und by the way "Ireton": Die Aussage "die Innenraumanmutung des Golf III war, wenn Du ehrlich bist, nicht wirklich besser als beim 306" ist ein Scherz von dir, oder ???
06.07.2011 19:06 |
Bert Benz
Der 306 war verglichen mit seinem Vorgänger dem unscheinbaren längst vergessenen 309 ein gewaltiger Fortschritt im Design. Damit liess er alles damalige in der Kompaktklasse locker hinter sich.
Die eleganten Cabrios by Pininfarina werden (noch) erstaunlich günstig angeboten.
06.07.2011 19:19 |
Ireton
Nö, das ist mein völliger Ernst, magixx. Ich kenne beide Wagen ganz gut von meiner früheren Arbeit und längeren Touren, und ich kann nicht sagen, dass der Golf III so viel besser ist - im Hinblick auf die Rostvorsorge nun mal gar nicht (was ja auch hinlänglich bekannt und dokumentiert ist).
Was die Optik angeht, war der 306, wie Bert Benz zu recht sagt, damals eines der gelungensten und fortschrittlichsten Wagen (insbesondere nach dem Facelift, finde ich).
06.07.2011 19:23 |
spanische_regenrinne
Ich liebe das design der 90iger. Kantig und doch rund.
Bin gespannt, wann es wieder heutzutage was vernünftiges zu kaufen gibt, in diese Richtung!
06.07.2011 19:31 |
ChrisCZT
Hehe.... immer wieder lustig mit anzusehen, wenn sich ein Golf-Fanboy auf den Schlips getreten fühlt und auf alles feuert, was auch nur ansatzweise den "letzten schönen Golf" in ein schlechtes Licht rückt. Man gut, daß die letzten Exemplaren inzwischen von der letzten Tiefer-Breiter-Lauter-Fraktion runtergerockt werden. R.I.P. ..... mein geliebter Bon Jovi.... deine Brüder werden dir bald folgen.
In seinem Heimatland war der 306 übrigens durchaus "der Rivale". Nur im deutschsprachigen Raum kam der Slogan wohl nicht so ganz zur Geltung.
07.07.2011 18:52 |
ricco68
Beim Fahrwerk war der Rivale dem Platzhirsch deutlich überlegen, Rostvorsorge sowieso.
Und im Desgn hatte Pininfarina seine Finger drin, ihm gelang ein Wagen der Kompaktklasse mit sportlichem Akzent. Wer mal die Konkurrenz ansieht, die war meist weitaus braver. Sogar der Alfa 145 war für mich nicht so sportlich wie der 306.
Nur im Innenraum, da herrschte der Biedermann jacques Calvet, und der mochte nun mal langweilig gezeichnete Armaturenbretter. Im 406 wars noch schlimmer.
Gruß
Markus
11.07.2011 17:43 |
Gentsai
Da ich selbst einen 1994er 306 S16 besitze (der nicht wie oben beschrieben erst 1996 mit dem 163PS-Benziner, sondern auch schon früher mit dem genannten150PS-"Sportmotor" angeboten wurde) und ihn so gut es geht pflege, könnt ihr euch sicher denken, was ich zu diesem Auto zu sagen habe
Zeitloseres Design gab es bei der Klasse in den 90ern nicht, ein Golf, Astra, Renault 19 und Citroen ZX aus der gleichen Zeit sehen daneben absolut altbacken aus, von den ganzen Karosserieproblemen ganz zu schweigen, vor allem bei Astra und Golf.
Natürlich hat der 306 seine Schwächen, vor allem was die Dichtigkeit der kleineren Motoren, der allgemeinen Verarbeitungsqualität und der Hinterachskonstruktion angeht, aber die Anzahl der noch verbliebenen Fahrzeuge sollte durchaus zeigen, dass er Langlebigkeitsqualitäten hat.
Sicher sieht man noch viel mehr Golf/Astra usw. auf den deutschen Straßen, allerdings ist das auf dem Schrottplatz genauso, und viele noch aktive Fahrzeuge unterscheiden sich im Zustand gar nicht mal besonders von denen die schon entsorgt wurden
03.09.2011 19:10 |
EmeraldBay
Viele meiner Freunde fuhren den 306, z.Zt. lenkt mein Vater noch einen 95er XT Automatik. Ich kann meinen Vorrednern in Sachen Innenraumqualität nur bedingt zustimmen. Gegenüber 305/309 oder Opel Kadett E war der 306 schon deutlich besser, aber von der gediegenen Anmutung eines 406 ist er weit entfernt geblieben. Selbst den 405 nach Facelift (ab Herbst 1992) fand ich im Vergleich solider und besser verarbeitet.
Das gleichzeitig komfortable und dynamische Fahrtwerk erlaubte es jedoch, um einen Golf III oder Kadett Kreise zu fahren. Ebenso war der 1,9TD vielleicht einen Tick durstiger, aber ungleich kultivierter als Golf, Kadett, R19 oder Fiat Tipo mit Selbstzünder... Schade nur, dass sowohl die bislang unkaputtbaren Dieselmotoren in den letzten Modelljahren Probleme hatten. Auch der 1,8 Benziner kollabierte manchmal frühzeitig. Die Rostvorsorge ist aber auf jeden Fall gut, wie bei allen Löwen aus den letzten 20 Jahren.
24.09.2011 09:06 |
605 TD 2,5
Der 306 musste schon umgebaut werden um ihn zum klappern zu bewegen, der Golf 3 hatte es serienmässig.
Ich bin damals in einen Golf 3 VR6 mitgefahren. Das Ding war gerademal ein halbes Jahr alt und hatte nicht mal 20Tkm auf der Uhr aber geklappert und geknarzt hatte es an allen Ecken und Kanten. Erstaunt war ich auch darüber wieviel Öl ein Auto verlieren konnte. Gab natürlich reichlich Ärger mit dem Vermieter meines damaligen Bekannten.
22.02.2012 15:42 |
Trackback
Kommentiert auf: italeri1947 - Hans’ Hitparade von Autos, die keiner wollte:
Fiat Bravo und Brava (1995-2001).
[...] es bessere und modernere Kompakte für das selbe Geld auf dem Markt gab. Selbst der 1993 debütierte Peugeot 306 kam, obwohl im Vergleich zum Bravo/Brava eine steinalte Konstruktion, auch im siebten Modelljahr noch [...]
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26.04.2012 22:17 |
histomatic
Zitat von "magixx"
<Schade dass er nie ein "Rivale"
war. Denn bei aller Lopez-Diskussion: Nicht mal ansatzweise war der billig-Hartplastik- / Coladosen-Wellblech-Peh drei-NULL-sechs qualitativ mit (irgend)einem Golf vergleichbar. Von Dingen wie Wiederverkauf und Langlebigkeit reden wir dann noch garnicht.>
Heute ist man klüger, was die Langlebigkeit angeht:
Die Golf 3 faulen jetzt alle dermaßen weg, (Kotflügel vorn am Schweller, Schweller / A-Säule / Heckklappe)
dass es eine Schande ist und sogar Astra und Escort besser da stehen!
Der Peugeot 306 und der fast baugleiche Citroen ZX fallen selbst bei nachlässiger Pflege durch Zuverlässigkeit und nahezuhe Rostfreiheit auf.
Soviel mal zum Thema "Wiederverkauf und Langlebigkeit"...
histo