22.01.2012 15:42    |    italeri1947 italeri1947    |    Kommentare (19)    |   Stichworte:

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Ich gebe es zu - eigentlich passt der Ford Transcontinental gar nicht in meinen Blog. Mit Ausnahme von leichten Nutzfahrzeugen sowie einmalig dem IFA 1318 wurden hier ausschließlich Personenwagen besprochen. Viele davon kamen beim Publikum nicht an - ebenso wie der Ford Transcontinental, dessen erfolglose Karriere dann auch der Grund war, wieso die Kölner sich 1984 aus dem Geschäftsbereich der schweren LKW zurückgezogen haben.

 

Seine Wurzeln stammen aus den frühen 70er-Jahren, wo Ford ein komplettes Programm im Nutzfahrzeugsegment angeboten hat. Ab 1973 drehten erste Prototypen des Transcontinental ihre Runden in Europa und sollten bei Markteinführung im Jahre 1975 neue Maßstäbe setzen, was Qualität, Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit betraf. Auf lange Lebensdauer ausgelegt war so natürlich auch die Technik; Sechszylinder-Cummins-Reihen-Turbodiesel-Motoren mit satten 14 Litern Hubraum bürgten für Zuverlässigkeit auch im hohen Alter. Die Kabine des Führerhauses stammte nicht von Ford selbst, sondern vom französischen Hersteller Berliet und repräsentierte schlichtes, modernes Design für die 70er-Jahre.

 

Hergestellt wurden die 42-Tonner dann in den Werken Amsterdam und Sandbach (England), und den Vertrieb übernahmen neben großen Ford-Händlern auch ausgewählte Spezialbetriebe für Schwerlastwagen.

 

Im Interesse der gewerblichen Kundschaft hatte man es durch fortschrittliche Technik ermöglicht, die Wartungsintervalle auf 20.000 Kilometer auszudehnen - heute ein Witz, damals durchaus gut. Anfänglich wurde der Ford Transcontinental auch gut angenommen und am Markt als gutes Modell akzeptiert, denn nach einem Jahr lief schon das 1.000 Exemplar des neuen Fernverkehrslastwagens vom Band - dann aber ließ das Interesse deutlich nach, auch da die anderen Hersteller nicht schliefen und ähnliche Modelle auf den Markt brachten. Da der Ford zudem unnatürlich schwer geraten war, hatte er daher auch konstruktionsbedingt einen Nachteil in einigen Ländern Europas. Ebenfalls war der Verbrauch ziemlich hoch.

 

1979 kam es zu einem Facelift. Hier wurde der Transcontinental etwas überarbeitet, um die Kunden bei der Stange zu halten und Neukunden zu gewinnen - optisch durch einen schwarz lackierten Kühlergrill etwas "verfeinert", hatte sich viel mehr technisch einiges getan - neue Cummins-Motoren mit 244 bis 352 PS Leistung waren bis zu 10% sparsamer als die Vorgänger, und durch leichte Veränderungen konnten über 200 Kilogramm Gewicht eingespart werden. Ebenfalls mussten die schweren Ford-Lkw nunmehr nur noch alle 30.000 Kilometer zum Kundendienst.

 

Im Zuge der ständigen Modellverbesserung wurde 1980 noch ein Kataphorese-Tauchbad für das Fahrerhaus eingeführt, sodass der Rostschutz erheblich verbessert wurde.

 

Der Verkauf des Transcontinental aber blieb schlecht - für Ford ein unbefriedigendes Ergebnis. Als die Fertigung 1984 auslief, waren 8.735 Fahrzeuge gefertigt worden.


Kommentare: 19

22.01.2012 15:45    |    fripo fripo

Interessanter LKW. Hab ich von Herpa in diversen Versionen.


22.01.2012 15:45    |    Rockport1911 Rockport1911

Früher als Ich nebenher noch Biertrucks gesammelt habe hing oft ein Ford 9000 als Zugmaschine dran:

http://www.sa-transport.co.za/trucks/frd/ford_9000_01_mb.JPG

 

Heute hat Ford selbst im LKW-Bereich nur noch wenig zu sagen. In den USA nur über die Marke Internatinal, die auch diverse Dieselmotoren für die F-Serie herstellt.


22.01.2012 16:03    |    Dr Seltsam Dr Seltsam

Wie zierlich der kleine Fiesta neben dem großen Truck wirkt. Süß :) Allein für das Bild hat sichs gelohnt.


22.01.2012 16:06    |    VolkerIZ VolkerIZ

Noch schöner ist das Vorschaubild für diesen Artikel, wenn man andere Blogs anklickt, da ist nämlich nur die untere Hälfte drauf und daneben der Text, daß der Transconti nicht in den Blog paßt. :D

 

Wenn Herpa nicht gewesen wäre, wüßte heute wohl wirklich keiner mehr, daß Ford auch mal ganz große LKWs gebaut hat. Ich glaube, ich habe davon auch noch irgendwo welche rumliegen.


22.01.2012 16:52    |    emil2267 emil2267

ich kenn hierzulande nur noch den cargo,den es aber auch in verschiedenen grössen gab

 

aber der hier scheint ja dann doch nochmal nen anderes kaliber zu sein ?!


22.01.2012 17:39    |    V70_D5 V70_D5

Danke lieber Hans für den tollen Artikel.

Wenn ich noch ergänzen darf:

Der Transconti wurde zwar von Ford Europe produziert, aber im Prinzip war er ein wildes Konglomerat. Fahrerhaus wie schon erwähnt von Berliet (war aber höher gesetzt, als beim Renault/Berleit, daher wirkte er so mächtig und als Benefit war die Motorkiste niedriger.), Hinterachse von Dana, Rahmen von Ford US, ich glaube die Vorderachse kam von Ford, und das Getriebe war von Fuller, um genau zu sein, ein 9 oder 13 Gang (mit Vorschaltgruppe) Klauengetriebe mit 2 Vorgelegewellen. Das war nur für echte LKW Fahrer zu fahren, weil unsynchronisiert. Dafür konnte man es ohne zu kuppeln schalten.

Der Innenraum war typisch amerikanisch mit falschen Holzdekor am Amaturenbrett und sehr geräumig.

Die Cumminsdiesel hatten die big cam auf der Nockenwelle, welche die Pumpendüsenelemente betätigte, und die VW'schen PD-Motoren vorweg nahm.

Der Transconti war kein wirklich guter, aber bemerkenswerter LKW.


22.01.2012 17:42    |    sscdiscovery sscdiscovery

ja er war schon ein ziemlicher Brocken. Lief sogar früher in der DDR bei Deutrans.

 

Gruss

Steffen


22.01.2012 17:45    |    Hartgummifelge Hartgummifelge

Das waren noch Zeiten, als man aus Kleinwagen nicht oben auf die Reifen des neben her fahrenden LKWs gucken konnte :)

Ich hoffe für die noch verbliebenen Transcontinental- Eigentümer und Besitzer, das es um die Ersatzteilversorgung besser gestellt ist, als für den Ford Cargo.


22.01.2012 18:18    |    sscdiscovery sscdiscovery

ich glaub schon, das es noch Ersatzteile gibt, die Oldtimerszene ist da sehr rührig und hilfsbereit untereinander.

Ich habe mal soeben Tante Google bemüht, weil ich auch schon ewig keinen Transcontinental mehr gesehen habe.

 

http://www.fordtranscontinental.nl/

http://www.hansebubeforum.de/showtopic.php?threadid=10213

 

in Goslar hat wohl ein Spediteur noch 6 ( in Worten "sechs" ) Stück stehen. Als Oldtimersammlung.

 

Gruss

Steffen


22.01.2012 20:02    |    Andi2011 Andi2011

Super recherchiert und geschrieben Hans, dieser Artikel hat mir als Ford-Fan natürlich besondere Freude bereitet!

Sehr interessant zu lesen,die LKW Geschichte von Ford ist eigentlich merkwürdig verlaufen,zumal Ford den Pick Up Markt in den USA immer beherrscht hat - eigentlich hätten sie da mehr draus machen können.

 

Danke dir für den schönen Artikel!:D

 

Grüße

Andi


23.01.2012 15:41    |    italeri1947 italeri1947

Zitat:

Sehr interessant zu lesen,die LKW Geschichte von Ford ist eigentlich merkwürdig verlaufen,zumal Ford den Pick Up Markt in den USA immer beherrscht hat - eigentlich hätten sie da mehr draus machen können.

Da sehe ich auch so, Andi - ich sehe es als Bedürfnis an, auch weitere schwerere Nutzfahrzeuge der Marke Ford zu beleuchten und wollte daher demnächst auf die N-Serie , die in Vergessenheit geraten ist, eingehen. Da könnt ihr euch schon alle freuen!


23.01.2012 17:58    |    Andi2011 Andi2011

Sehr schön, zumal ich einen Ford Cargo mal als Feuerwehrfahrzeug bewegen durfte:D

Die meisten Fahrzeuge dieser Reihe waren ja englische Entwicklungen, oft auch mit Motoren von Deuz...freu mich schon auf den nächsten Beittrag dazu!

 

Grüße

Andi


23.01.2012 21:40    |    V70_D5 V70_D5

Toll, freue mich schon drauf! Die N-Serie war immer irgendwie britisch schrullig. Der Nachfolger, der Cargo war ein augesprochen hübscher, aber technisch noch schrägerer LKW. Stichwort Motoren.


23.01.2012 23:01    |    Harhir Harhir

Stimmt. Die Transcontinental waren selten und in UK hat man sie deutlich oefters gesehen als im Rest Europas. Die Berliet LKW sah man bei uns auf Grund der Naehe zu Frankreich viel oefters.

Der Cargo dagegen wurde ja von zig Firmen weiter gebaut. Und das weltweit. Bis vor ein paar Jahren noch von der Daimler Tochter Freightliner und deren Tochter Sterling.

http://farm5.staticflickr.com/4032/4571836613_ee7b75d745_b.jpg

 

Ich hoffe nur der Transconti war besser als der Fiesta. So einen Fiesta der ersten Generation hatten wir in der Familie. Der hatte bei uns den Spitznamen Ford Fiasko.


25.01.2012 15:10    |    Trackback Trackback

Kommentiert auf: italeri1947 - Hans’ Hitparade von Autos, die keiner wollte:

 

Ford N-Serie (1973-1981).

 

[...] Im Artikel über den Ford Transcontinental habe ich euch schon angekündigt, dass ich mir in meinem Blog auch den zweiten Ford-Lkw der 70er-Jahre, [...]

 

Artikel lesen ...


25.01.2012 18:24    |    huti66 huti66

Ein sehr interessanter Beitrag. Übrigens ist Ford in der Türkei nach wie vor im "Schwer-LKW" Bau aktiv :

http://www.ford.com.tr/agir-ticari-araclar/ford-cargo


29.01.2012 16:15    |    motorina motorina

Der Transcontinental war für die damalige Zeit eine sehr imposante Erscheinung ... der spätere Renault Magnum erinnert(e) mich immer wieder an diesen seltenen Ford, den man schon lange nicht mehr sieht; selbst auf Oldtimer-Veranstaltungen ist er kaum anzutreffen, leider.

 

Grüsse,   motorina.


31.01.2012 23:31    |    Andi2011 Andi2011

Hab noch eine nette Ergänzung zum Transcontinental die dich als Renault Fan bestimmt freut, ich war mir aber nicht sicher ob du das weisst?!

Nach Einstellung des Ford T wurde das Fahrerhaus noch leicht abgeändert bis 1994 in der R - Reihe von Renault eingesetzt, bevor es auch dort durch eine neueres ersetzt wurde.

 

Grüße

Andi



01.02.2012 16:43    |    italeri1947 italeri1947

Zitat:

Hab noch eine nette Ergänzung zum Transcontinental die dich als Renault Fan bestimmt freut, ich war mir aber nicht sicher ob du das weisst?!

Vielen Dank, lieber Andi!

Jetzt, wo ich das Foto sehe, fällt es mir tatsächlich wieder ein - da sieht man mal, was man über die Jahre so alles vergisst! Ich danke dir; eine schöne Ergänzung.

Für die Renault-Nutzfahrzeuge (außer Rapid, Trafic und Master; die durfte jeder Händler verkaufen und reparieren), gab es spezielle Vertragspartner, die teils aus großen Renault-Autohäusern, teils aber auch aus Betrieben, die nur Renault-Lkw's führten, bestanden haben.


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