22.02.2012 15:42
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italeri1947
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Autos
Als Nachfolger des recht erfolgreichen und qualitativ ansprechenden, zwischen 1988 und 1995 angebotenen Fiat Tipo entschieden sich die Turiner gegen Mitte der 90er-Jahre, nicht nur ein Modell in der Kompaktwagenklasse, sondern zwei Fahrzeuge mit unterschiedlichen Namen anzubieten. Der dreitürige, sportlich ausgelegte Bravo als Nachfolger des dreitürigen Tipo rollte parallel zum fünftürigen, eher komfortabel-konservativ ausgelegten Fiat Brava in die Ausstellungsräume der Fiat-Vertragshändler. Speziell beim Thema "Rost" hatte Fiat etliches bewiesen; die neuen Fahrzeuge waren teilverzinkt und dadurch besonders rostresistent.
Die neue Kompaktwagen-Serie erreichte auf Anhieb ein positives Echo; der Brava wurde zusammen mit dem Bravo zum Auto des Jahres 1996 gewählt. Der dreitürige Bravo mit abgedunkelten Rücklichtern und sein fünftüriger Bruder mit den mutigen, dreigeteilten Heckleuchten verkauften sich auch zu Anfang durchaus gut und schnitt in Vergleichstests recht ordentlich ab. Anfangs wurden Motoren zwischen 75 und 147 PS offeriert; es gab Diesel und Benziner. Der stärkste Benziner in der Version 2.0 HGT 20V mit 147 und später 154 PS blieb dem dreitürigen Bravo vorbehalten; der stärkste Brava kam auf 113 PS mit seinem 1.8-Liter-16V-Triebwerk. Man konnte je nach Versionen wie beim Vorgänger Tipo entweder ein manuelles oder automatisches Getriebe auswählen. Gut war auch die Grundausstattung, und sehr interessant war damals das vollständig integrierte Audiosystem mit Kassettenspielern; es war komplett in das Armaturenbrett integriert und zudem leicht bedienbar. Weniger solide geriet die Verarbeitungsqualität; partiell galt der alte Tipo sogar als besser verarbeitet als die ersten Modelljahre der Bravo und Brava.
1998 kam es zu einem Facelift, bei dem die Motorenpalette beider Versionen überarbeitet wurde. Ab dieser Modellüberarbeitung fand schließlich auch in neu entwickelter Common-Rail-Dieselmotor in den beiden italienischen Kompaktwagen Verwendung. 105 PS im 1.9 JTD-105 sorgten für angemessene Fahrleistungen. Verbessert wurde auch die Verarbeitungsqualität, doch der Klassendurchschnitt wurde auch ab 1998 nicht erreicht; dafür gab es ab August 1998 Seitenairbags in Serie dazu.
Über ihre letzten Modelljahre erhielten die beiden Kompakten keine besonderen Maßnahmen zur Modellpflege mehr. Es erschien Fiat auch sinnlos, da sowohl Bravo als auch Brava nicht die Erwartungen des Herstellers erfüllten und sich nun mehr schleppend verkauften. Die Listenpreise ließen sich schon um 1999 herum kaum mehr erzielen - ein Schicksal, das übrigens auch den größeren und auf dem Bravo/Brava aufbauenden Marea betraf. Die Modelle hatten einfach nichts, was sie wirklich attraktiv für die Kunden machte: Sie waren funktionell, geräumig und preiswert, aber ansonsten purer Durchschnitt; Besonderheiten konnte Fiat nicht anbieten. Einige Sondermodelle wie "Trofeo" oder "Stilo" (so hieß bekanntlich der noch glücklosere Nachfolger, aber das ist eine andere Geschichte) konnten das Geschäft noch einigermaßen am Laufen erhalten, doch war 1999 die Luft schon raus und man wusste, dass es bessere und modernere Kompakte für das selbe Geld auf dem Markt gab. Selbst der 1993 debütierte Peugeot 306 kam, obwohl im Vergleich zum Bravo/Brava eine steinalte Konstruktion, auch im siebten Modelljahr noch auf bessere Verkaufszahlen als die Fiat-Modelle, was aber sicher auch an stetiger Modellpflege lag - welche die Italiener ihren Bravo und Brava nur beschränkt angedeihen ließ. Und im direkten Vergleich zum Vorgänger Tipo bekam der Neue klar nur die rote Laterne eines Verlierers. Fiat war um 2000 herum ziemlich "out", und das spürten auch die Händler - mittlerweile auch bei gebrauchten Fahrzeugen vom Typ Bravo/Brava, die man kaum mehr losbekam und wenn, dann auch nur zu Niedrigstpreisen.
Im Jahre 2001 wurden beide Modelle dann eingestellt; als Nachfolger diente der noch ein wenig erfolglosere Fiat Stilo, ehe 2007 der Name "Bravo" wieder reaktiviert wurde. Dieser Kompakte wurde komplett im Computer entwickelt, doch er spielt bisher auch eher eine Nebenrolle in seiner Klasse.
Was bleibt, ist ein Fahrzeug, sind Fahrzeuge, die eigentlich nur noch auf Hinterhöfen besonders preiswerter Gebrauchtwagenhändler "ohne Garantie" mit Sätzen wie "had boile, moder leufd, tüf is keine proplem" angeboten werden - und auch dort meist ignoriert werden, da den Fiat Bravo oder Brava fast niemand mehr kennt. Auch gepflegte Rentnerfahrzeuge, die es zur Zeit noch gibt und die alle in der 1500-Euro-Klasse unterwegs sind (eher 1000 Euro; 1500 sind schon hoch gegriffen), gehen diesen Weg immer häufiger. Dennoch, schlecht ist so ein Bravo oder Brava nicht. Die gepflegteren Fahrzeuge gibt es zwar vom Brava (der sportliche Bravo sprach in zweiter oder dritter Hand eher finanzschwache junge Leute an, die die Fiats dementsprechend verheizten und an allem, außer am A.T.U.-Billig-Tuning sparten), aber das kann dem in dieser Preisklasse meist pragmatisch orientierten, nicht markenfixierten Gebrauchtwagen-Interessenten nur zugute kommen; beim Brava gibt es viel (relativ solides und meist gepflegtes) Auto für wenig Geld. |





Kommentare: 20
22.02.2012 16:02 |
acur1
Ich hatte einen der ersten Bravas und war im Grunde begeistert von dem Auto.
Natürlich war die Verarbeitung im Innenraum eher schlecht und das integrierte Radio mit obenliegenden Kassettendeck war im Sommer nicht zu gebrauchen, aber Spass hat das Auto gemacht.
Wir haben heute noch einen der letzten Baureihen Bravos im Familiengebrauch, der auch durch die irrwitzigen Fehler eines Fiats besticht aber man kann ihn nur mögen.
22.02.2012 16:48 |
inflexible0815
2001 war ich auf der Suche nach einem neuen Gebrauchten und fand einen Bravo HGT mit 154PS bei einem VW-Händler, den ich auch einige Stunden zur Probe fahren konnte. Der Zweilitermotor (ist ein Fünfzylinder, wenn ich mich recht erinnere) hatte Spaß gemacht und hatte ordentlich Bums sowie einen coolen Sound. Der ging auf der Bahn richtig gut ab. Leider war die Laufleistung mit knapp 100000km schon relativ hoch und die Bremsen waren total runter. Da der Händler nicht mit dem Preis runtergehen wollte, ist es deshalb damals ein anderer Wagen geworden. Aber der Nachmittag mit dem Bravo war echt spaßig und ist mir positiv in Erinnerung geblieben...
22.02.2012 17:05 |
Goify
Mir gegenüber sitzt ne Besitzerin von einem Bravo in exakt dieser Farbe, also hellblau und sie meint, nicht nur beim Tipo erinnert der Schalthebel an einen billigen Dildo aus dem Erotikladen.
22.02.2012 17:11 |
VolkerIZ
Das fällt natürlich nur demjenigen auf, der sich mit sowas auskennt.
22.02.2012 17:49 |
Goify
Hans ist es beim Tipo aufgefallen und da hatte ich einfach meine Kollegin gefragt, ob der Schalthebel bei ihrem Bravo ähnlich zu beschreiben wäre.
22.02.2012 17:57 |
sommer57
Hallo Zusammen,
meine Frau fährt seit 1998 einen sehr gut ausgestatteten 1.8 ELX aus erster Hand, und bis auf eine Batterie einen Scheibenwischermotor und ein Auspuff null Probleme.
Rost? Keine Spur!
Der Wagen ist viel besser als ein Ruf! Extrem praktisch und vom Design immer noch absehbar.
Meine Frau wollte eigentlich schon lange sich einen neuen Wagen kaufen. Nachdem wir dann auf die Suche gehen, ist sie danach immer noch der Meinung, dass der Alte doch nicht so alt sei. Insbesondere vom Design und Fahrverhalten.
Vor allem: Wir müssten faktisch den Brava "entsorgen", da man in keinster weise einen reellen Gegenwert bekommt (trotz 90 tkm, 1 Besitzer, Klima, Checkheft, Unfallfrei, Metallic, Alu, etc.)
Somit werden wir noch min. zwei Jahre fahren, bis der TÜV reingrätscht.
Viele Grüße
sommer57
PS: ähnliche Erfahrung habe ich Anfang der 90'iger mit einem Lancia Thema gemacht. Auch der Lancia war viel besser als sein Ruf.
22.02.2012 18:20 |
VolvoAndy
Mein Bruder fuhr mal einen Bravo HGT. Der 2l 5 Zylinder machte richtig Spass und der Sound war genial. Nach 4 Jahren fings dann aber schon überall an ein wenig zu klappern... aber sonst war mein Bruder sehr zufrieden damit. Technische Probleme gab keine.
22.02.2012 19:13 |
emil2267
kenn ich auch nen paar vom brava & einige vom ähnlichen alfa 145/146
das beste war in meiner lehrzeit nen geselle,der sich mit seinem 3 jahre alten selbst gekauften alfa 146 nicht mal zum ersten tüv traute,dass in engen kurven die innenbeleuchtung an ging,war gefühlt noch das harmloseste
der bravo hat mir vom emotionalen her aber ziemlich gut gefallen,sah geil aus & ging auch ordentlich,nen golf III GTI dagegen hatte den flair eines backsteins auf rädern
ps.: habe aber auch nen arbeitskollegen,der nen brava diesel mit ordentlicher laufleistung hat & der spricht ganz jut von dem wagen
22.02.2012 19:30 |
DER POLO_NEGER
gibts auch Bilder vom Innenraum?
Ich kenne diesen Wagen nur vom sehen her
22.02.2012 21:05 |
mikio
Ich bin bei beiden mitgefahren, an den Tipo kommt der Bravo(a) nicht ran, auch weil der Tipo digitale Armaturen hatte
Mfg Michael
22.02.2012 23:17 |
smithe
Meine Mutter hat seit 10 Jahren einen der letzten 2001er HGT. Soweit ein wirklich problemloser Wagen. Habe selbst nach bestandenem Führerschein (auch schon 10 Jahre her...) einige zigtausend km darin abgespult und sehr viel Spass damit gehabt. Der Fünfender läuft ganz ok und klingt wirklich gut.
Die Zahnriemenwechsel haben es aber in sich: sind schweineteuer, da der Motor dafür raus muss. Zudem noch der Plastik im Innenraum, der wirklich von sehr billiger Sorte ist und sehr einfach verkratzt. Hätte Fiat dort nur 10$ pro Auto mehr investiert, wäre der Qualitätseindruck um Welten besser gewesen. Dafür hält die Mechanik und von Rost ist auch keine Spur.
23.02.2012 00:00 |
VolvoAndy
Ja stimmt - aber auch logisch: der 5-Zylinder Block ist so gross, dass der Motorraum wirklich bis in die letzte Ritze gefüllt ist...
Der Bravo ist übrigens mit ein Grund, weshalb ich auch heute noch 5-Zylinder fahre
... Ich mag den Sound einfach...
23.02.2012 09:44 |
LA Ryder
Der Bravo war Ende der 90er wirklich nicht schlecht designt, für Frauen die wenig Geld ausgeben wollten war dies fast mit die erste Wahl. Das einzige Manko war der Markenname Fiat an sich, wenn man an die Rostlauben-Vorgänger Uno und Tipo denkt packt einem heute noch das nackte Grauen
23.02.2012 13:00 |
Fordlover1975
Zum Thema Schalthebel: Schon der Regata hatte diesen fies-klebrigen Gummiknüppel......
23.02.2012 14:30 |
knolfi
Ein Nachbar...na eher ein entfernterer, der bei uns in der Neubausiedlung wohnt, hatte eine zeitlang neben einem Brava auch den Marea Kombi. Diesen hat er vor einem halben Jahr gegen einen Zafira getauscht...
Beide autos sahen so aus, wie @italeri sie beschreib "ha boilä, modor läufd, TÜV gudd". Während der Marea in der Garage schlafen durfte, musste der Brava sraussen schlafen...und die Ölflecken auf dem in Eigenregie mühsam gepflasterten Carport waren nach eine Woche schon sichtbar...
23.02.2012 22:37 |
HerrLehmann
Nabend,
Das ist schlicht falsch.
Schon der Tipo war teilverzinkt und die Heckklappe aus GFK!
Rost gibt es nur bei schlecht zusammen gezimmerten Unfallwagen.
Wie bei allen Fiat ist eher die Elektrik ein Thema.
Grüsse Herr Lehmann
26.02.2012 08:34 |
Gruendling
Fiat Bravo, ja das war ein Auto!
Ich muss Ihm dankbar sein, denn er hat mir meinen Führerschein gebracht. Ich hatte zwar drei Stunden auf ein Golf mit Anhänger. Und eine Stunde auf ein Nissan mit über 200 PS bei Eisregen. Aber alle anderen Stunden hatte ich bei Ihm.
Ich habe erst mit 24 Jahren mein Führerschein gemacht. Mama Taxi funktionierte zu gut. Und ich konnte in unsere Stadt alle mit den Fahrrad erledigen. Was sind schon 50 km am Tag ?
Dann hat mit meine Mutter die Pistole auf die Brust gesetzt: „Du machst jetzt ein Führerschein!“ ich hatte mich vorher immer gedrückt mit der Begründung das mein Studium vor ginge. Leider hat sich mich in den Semesterferien verhaftet. Und sie hatte mich auch schon angemeldet.
Ich habe Ihn auch beim ersten mal geschafft.
Theorie mit maximale Punktzahl. (einen Punkt mehr und ich hätte es nochmal gemacht)
Praxis mit Abdrängen eines BMW (Prüfer sagte so ungefähr: „diese Idioten sollten alle den Führerschein verlieren.....“)
Ich habe also eine schöne Erinnerung an diesen Wagen.
Aber schön fand ich ihn nie
Gruß Frank
26.02.2012 18:53 |
Karls Quell
Mein Bruder hatte paar Jahre einen Bravo mit 75 PS. Gefahren ist der eigentlich ganz gut, aber anscheinend hatte er ein Montagsmodell, irgendwann hat der immer mal wieder gebockt, Geruckel, kein Durchzug, hakeliges Getriebe und Elektronik hat auch manchmal gesponnen.
Mehrmals verarzten lassen, aber kam alles irgendwann wieder.
Der KO-Schlag kam dann von Seiten des Tüv, Ölwanne komplett durchgerostet und auch sonst ordentlich am faulen (kein Witz, kann mir gar nicht erklären, dass hier alle so von der Rostlosigkeit schwärmen).
Hätte der Tüv nicht niet gesagt, wäre er vermutlich bald irgendwo mit festgebackenem Motor stehen geblieben, die Ölflecken sieht man immer noch auf seinem Stellplatz.
27.02.2012 16:19 |
italeri1947
Da hat Herr Lehmann wirklich Recht, das sehe ich ebenso. Ich habe schon etliche Tipo, Tempra, Bravo und Brava gesehen in meinem Leben, und Rost war hier nicht das Problem - der bestraf nur schlecht gerichtete Unfallfahrzeuge, bei denen irgendein Pfuscher Hand anlegte. Die Elektrik war viel anfälliger - aber auch besser als ihr Ruf!
27.02.2012 20:50 |
rustidkw
Nun der Marea Kombi den wir als 1,6er mit 103 Ps hatten war klasse, find ich heute noch. Klima, E Fensterheber, großer Kofferaum und die Klappe im unteren Bereich der Heckklappe zum lange Gegenstände transportieren. Einzig der Thermostat, die Schwingenlagerung und Auspuffkrümmer sowie der Auspuff war in 12 Jahren außerplanmäßig fällig. Der Brava 1,9 JTD mit Dieselkat aus 2001 war noch besser. In 8 Jahren einzig ein Auspuff außerplanmäßig, ging wie das Messer und verbrauchte wenig. War ne geile Karre die mit 12Tkm gekauft und 250tkm verkauft wurde. Im Prinzip jederzeit wieder.
MfG