Hallo Leser,
so langsam bewegt sich der Sommer auf seinen Höhepunkt zu – auch wenn es aktuell nicht so aussieht – und mein Scirocco knackt demnächst die 20.000km Marke. Höchste Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht. 
Zustand
Nachdem der Serienzustand lange unangetastet blieb, folgten vor geraumer Zeit die ersten dezenten Veränderungen. So mussten die 17-Zoll Sommerräder weichen und wurden durch 18-Zöller ersetzt. Hierbei handelt es sich um die VW-Felge „Interlagos“, auf der 235/40 R18 Pirelli PZero Rosso Reifen aufgezogen sind. Die alten „Long Beach“ Alus werden nun für die Winterreifen verwendet – so findet auch die Ära Stahlwinterräder ihr Ende. 
Die zweite optische Finesse findet sich an der Abgasanlage, deren Endrohre mit zwei HJS-Clip-On Auspuffblenden bestückt wurden. Frisch geputzt, wie auch dreckig
, wirkt das risingblaue Heck nun deutlich sportlicher, ohne dabei an prollige ATU-Blenden zu erinnern, wie man sie in überdimensionaler Form an vielen Golf II Derivaten findet.
An der Rolle des treuen Begleiters hat sich beim Scirocco nach wie vor nichts geändert. Der Wagen machte auf den letzten Zehntausend Kilometern keine Probleme und brachte mich völlig Quietsch-, Knister- und Knarzfrei ans Ziel. Ebenso pannenfrei war die Elektronik, die weder bei -20°C, noch bei +35°C rumzickte. Durch die etwas sportlicheren Reifen sind die Abrollgeräusche etwas gestiegen, was allerdings nur marginal ins Gewicht fällt.
Motor/Getriebe
Die Komposition aus Motor und Getriebe befindet sich nun im intensiven Teil ihrer Beziehung, was nichts anderes als ein tadelloses Zusammenspiel bedeutet. Die Gänge lassen sich spielend einlegen und der Schaltknüppel flutscht nur so durch die Gassen. Hin und wieder machte das Einlegen des 1. Gangs Probleme – so musste ich erst in den Zweiten schalten, damit der kleinste Vorwärtsgang eingerastet ist – in den letzten 2000km blieb das Problem aber aus.
Das 1390cm³ große Triebwerk wirkt nun bei niedrigen Drehzahlen deutlich ruhiger und zieht „von unten“ spürbar besser. Lässiges Mitfließen im Stadtverkehr mit 1200 U/min funktioniert super – ohne Dröhnen und Knurren verrichtet der Twincharger seinen Dienst und nimmt Beschleunigungsbefehle gerne an – kein Ruckeln vernehmbar.
Natürlich darf der Motor auch in höhere Drehzahlregionen vorstoßen, wenn gleich die Drehfreude ab 5000U/min eher abnimmt. Man merkt, dass es sich nicht um einen (mittel-)großen Sauger handelt, der nach Drehzahl giert, sondern um einen kleinen Turbomotor, dem sprichwörtlich die „Puste ausgeht“.
Verbrauchstechnisch bewege ich mich in letzter Zeit über 7l/100km, bei etwas flotteren Autobahnetappen (ab 150km/h) gerne auch mal im Bereich 8-9,5l. Wer häufiger mal das Gaspedal durchdrückt und eine Dauerkarte für die linke Spur hat
, sollte eher den 2.0 TSI nehmen, hier gerät das Downsizing-Konzept nämlich an seine Grenzen. Zwar liegen aufgrund der großen Spreizung des 6. Gangs bei 180km/h „nur“ 4000 U/min an – um die dafür erforderliche Leistung, bei 1,4l Brennraumvolumen jedoch bereitzustellen, muss der Turbolader schwer arbeiten.
Fahrdynamik
Hier hat sich das meiste getan, was ganz klar an den 18-Zöllern und den PZeros liegt. Der Michelin war zwar etwas leiser und komfortabler, bot bei Weitem aber nicht die Präzision, Rückmeldung und den Grip des Pirellis. Deutlich spürbar ist dies im Grenzbereich, der sich weitestgehend durch Untersteuern ankündigt.
Hier war das französische Pendant viel undurchsichtiger, sprich schmaler im Grenzbereich – man konnte zwar den Zeitpunkt des Untersteuerns ausmachen, im nächsten Moment schob der Wagen aber vehement über die Vorderräder, so dass eine schnelle Reaktion erforderlich war. Durch das Öffnen der Lenkung bzw. einem Gaslupfer und den etwas „unglücklichen“ Regeleingriffen des ESPs wurde der Wagen schnell unruhig – ein Eindrehen des Hecks war die Folge, welches vom Fahrer und ESP pariert werden wollte – jedoch mit gegensätzlichen Methoden, was zum Aufschaukeln der Sciroccos folgte.
Der Pirelli verhält sich in solchen Situationen handlicher und vermittelt dem Fahrer viel mehr Information über seine Aktionen. Bewegt man sich ins Untersteuern, merkt man richtig, wie der Reifen mit stärkerer Tendenz zum Schieben, anfängt zu „Schmieren“. Es ist dadurch merklich einfacher den Wagen wieder auf Kurs zu bringen. Statt abrupt zu reagieren, verändert sich die Situation kontinuierlich. So kann das Untersteuern viel besser pariert werden, bevor das ESP den Anker wirkt und wild dazwischenpfuscht. 
Natürlich sind auch die Ausmaße (+1-Zoll, +10mm) der Rad/Reifenkombination für die gestiegene Fahrperformance verantwortlich. Es wird allerdings sehr deutlich, wie wichtig der Reifentyp für den gewünschten Anforderungsbereich ist. Selbstverständlich nahmen ebenfalls die Kurvengeschwindigkeiten zu, wie ich auf meiner Hausstrecke und in diversen Autobahnausfahrten feststellen konnte – Prozentuell gesehen um etwa 8-10%.
Alles in allem bin ich mit den neuen Rädern sehr zufrieden und freue mich über den Zuwachs an Fahrdynamik. Speziell die Sache mit dem „Holzhacker-ESP“ hat sich deutlich verbessert – jetzt pfuscht das ESP nicht mehr rein und macht die Situation noch prekärer, sondern regelt nur im Notfall. In meinem Fall waren die Reifen der limitierende Faktor und das Fahrwerk hatte noch Reserven, wohingegen die Sache z.B. bei Focus RS andersrum ist.
So, jetzt wird’s aber höchste Zeit für mich, die PZeros brauchen ihr Training. 
Mfg
Honkie2