Goify's Blog

Mobilität heute und andere Absurditäten

26.02.2013 23:04    |    Goify    |    Kommentare (48)    |   Stichworte: GR, Impreza, Neukauf, Subaru

Ob ihr es glaubt oder nicht, Goify, der sein ganzes Autofahrerleben lang nur deutsche Fahrzeuge fuhr und immer meinte, ein Ausländer kommt nicht in die Tüte, fährt nun einen Reiskocher!

 

Wie kam es dazu? Nun, wie die meisten hier schon mitbekommen haben, suchte ich mehr oder weniger ernsthaft nach einem alltagstauglichen Fahrzeug. Das bedeutet, bessere Traktion im Winter, Klimaanlage für den Sommer, umlegbare Rücksitze um mal ein Fahrrad transportieren zu können. Alles andere war offen.

So schaute ich mir diverse S202 C-Klasse T-Modelle an und fand außer Rost und abgelaufenen HUs eigentlich nichts, liebäugelte mit einem MG ZT 190, begutachtete C-Klasse Jahreswagen und lies mich von uralten Subarus in erbärmlichem Zustand schockieren. Sogar bei Dacia und Toyota war ich.

 

Als ich schon glaubte, nie ein neues Auto zu finden, klickte ich spontan auf die Seite von meiner Stammwerkstatt und Subaru-Händler. Wer hätte es gedacht, da stand doch ein ganz netter Wagen, aber ohje, keine Automatik, kein Schiebedach und dann noch so große Felgen. Ob das meinen Komfortansprüchen genügt? Außerdem der vermutet hohe Spritverbrauch.

 

 

Die Vorbehalte dem Benzindurst gegenüber entkräftete eine vom Importeur nachgerüstete und mit allen Garantien von Subaru freigegebene Autogasanlage, die flache Frontscheibe lässt ein Schiebedach verschmerzen und den Komfort musste man erfahren. Also noch am gleichen Tag dort angerufen und für den fern liegenden Freitag (5 Tage banges Warten) einen Termin vereinbart. Der Händler reservierte mir den Wagen bis dahin und jeden Abend hatte ich einen anderen Entschluss gefasst, der nach dem Aufwachen wieder anders war. Ein echtes Dilemma.

 

Die Probefahrt wischte alle Zweifel hinweg, denn ich fand genau das, was ich suchte: ein jungfräulich wirkendes Auto in nahezu makellosem Zustand zu einem, zugegeben, nicht gerade geringem Preis. Bei der Fahrt stellte sich der Boxer-Motor aus ausreichend kräftig heraus und das Fahrwerk als perfekten Kompromiss aus guter Rückmeldung und hohem Komfort gepaart mit reichlich Reserven - und das mit Sommerreifen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und feuchten Straßen.

Am nächsten Tag fuhr ich wieder hin und machte alles klar, lies mir noch einige Dinge erklären und setzte meine Unterschrift unter den Kaufvertrag. So viel Geld hatte ich noch nie ausgegen.

Der Händler organisierte noch schöne Alufelgen mit passenden Winterreifen, die ich vorher aussuchte. Anschließend wurde die große Inspektion inkl. Filterwechsel der Gasanlage gemacht und die Hohlräume, Achsen und Türen wie Hauben, mit Wachs geflutet.

 

Die Woche drauf, also vorletzten Freitag, durfte ich meine Neuerwerbung abholen und nutze den Anlass dazu, meine von mir stark strapazierte Familie in eine sehr gutes Restaurant einzuladen. Das hatten sie sich einfach verdient.

 

So, was gefällt mir nun an dem Wagen und was weniger. Dazu muss man wohl vorweg sagen, dass ich schon seit etwa 15 Jahren im Kontakt mit Subarus bin. Mein Onkel kaufte sich Ende der 90er seinen ersten Forester und tauschte ihn Jahre später in einen formidablen Legacy mit nettem H6 ein, also einem Boxer-Sechs-Zylinder, den er noch immer fährt.

Jahre später konnte ich in einem 2004er Forester mitfahren und war fasziniert von der Laufruhe und enormen Zugkraft (Pferdeanhänger).

Als dann 2008 meine Eltern ein wintertaugliches Fahrzeug für den Bayerischen Wald suchten, war mein Vorschlag auch aufgrund hervorragender Langzeittestberichte eindeutig, es soll ein Subaru werden, am besten ein Forester, da er genügend Bodenfreiheit bietet. Dies bereuten meine Eltern nie und vor drei Jahren kaufte sich mein Bruder einen 04er Impreza, den er mit viel Freude fährt.

Das heißt, ich konnte selbst einige Male mit Subarus fahren und die Faszination symmetrischer Allrad in Verbindung mit dem Boxermotor genießen. Auch muss man wissen, dass es nie oberflächliche Premiumfahrzeuge sind, da ist kaum was aufgeschäumt oder des Designs willen verchromt oder beflockt. Es ist alles ehrlich und sauber verarbeitet, dafür hält es besonders lange und lässt sich einfach reparieren.

 

Dieser Epilog macht klar, dass ich in etwa wusste, worauf ich mich einlasse und so bin ich mit dem Kauf vollends zufrieden, denn er bietet mir genau das, was ich brauche. Das heißt, man kann sehr bequem in Schalen-Sportsitzen Halt finden, kann den besonderen Klängen des Boxers lauschen und hat immer die Gewissheit, sicher an sein Ziel zu kommen. Gerade dieses tiefe Vertrauen in die Marke und ihre Produkte fasziniert mich am meisten. Das kenne ich in der Form nur von alten Mercedes oder dem Audi 80 B4.

Warum ich mir keinen Mercedes mit Allrad gekauft habe ist ganz einfach, obwohl er nach wie vor mein Traum ist, haben ältere Modelle immer großvolumige Motoren und die jüngeren zwar auch kleinere Diesel, dafür sind sie mir aber zu teuer. Jahreswagen beginnen bei etwa 40.000 € für einen GLK, was es mir absolut nicht wert wäre.

 

Anschließend ein paar Daten zum Wagen:

4,5 Jahre alter Subaru Impreza Sport mit 47.000 km und 2,0 L Boxermotor mit 150 PS, 5-Gang-Schaltgetriebe mit Reduktion, Kraftverteilung zu je 50 % auf die Vorder- und Hinterräder, Mc Pherson Vorderachse und Doppelquerlenker-Hinterachse, abschaltbares Stabilitätsprogramm, Autogasanlage mit 50 Liter Inhalt, selbsttragende Karosserie mit 5 Türen und 5 Sitzplätzen und 5 Dreipunkt-Gurten, intelligente Klimaautomatik, beheizte Sportsitze, Xenonscheinwerfer und wirklich helles Halogen-Fernlicht, LED-Rückleuchten, anklappbare Spiegel, Tempomat per Lenkrad zu bedienen, CD-Radio mit Lenkradfernbedienung und MP3-fähigem CD-Wechsler - sowie Aux-Eingang

 

Na was sagt ihr zu dem Subaru, der ja in Deutschland eher ein Exot ist und man daher nicht alle Tage sieht. Viele sind überrascht, dass Subaru nicht unbedingt gleichbedeutend mit Förster-Auto oder Stromberg-Style ist.

Ach, da fällt mir noch ein, meine C-Klasse wurde letzte Woche mit einem Saisonkennzeichen für die warmen Monate geadelt und muss fortan nicht mehr im salzigen Winterwetter herhalten. Über einen Verkauf habe ich nicht mal nachgedacht.


08.09.2012 14:24    |    Goify    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: Classic-Car-Meet, Regensburg, US-Car

Werte Gäste,

gestern fand wieder das Classic Car Meet in Regensburg statt, eine Oldtimerveranstaltung, bei der man sich jeden ersten Freitag im Monat auf dem McDonald's Parkplatz trifft, vorwiegend amerikanische Fahrzeuge beäugt und dazu stilechte Live-Musik hört.

Ganz besonders ist die dortige Atmosphäre: lässige Leute mit noch lässigeren Fahrzeugen, eine fast schon US-Amerikanische Umgebung, und kitschiger Sonnenuntergang. Ja, man hat die ganze Zeit ein breites Grinsen im Gesicht.

Ich lies mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und machte dort ein paar Bilder, bei denen ich glaube, dass sie es wert sind, näher betrachtet zu werden.

 

Die Faszination US-Auto lässt mich kaum mehr los. Erst am Donnerstag war ich in Ansbach-Urlas bei Nürnberg, wo das US-Militär auf einer großen Base stationiert ist. Denn in diesem Militärgebiet bauen wir gerade einen amerikanischen Supermarkt, der nahezu ausschließlich mit US-Lebensmitteln ausgestattet ist. Da der Flugplatz direkt davor ist, kann alles frisch eingeflogen werden.

Und dort kann man natürlich eine Menge US-Amerikanischer Fahrzeuge bewundern, oder zumindest welche nach US-Spezifikation.

 

Ich lasse die Bilder für sich sprechen und wünsche viel Spaß dabei,

 

Goify

 

 

 

 

 


28.02.2012 21:20    |    Goify    |    Kommentare (69)    |   Stichworte: 100, Allrad, Audi, Auto 2000, C3, Oldtimer, Piech, quattro, Youngtimer

Heute ist der nächste Wagen in meiner Reihe der Fahrzeuge dran, die dieses Jahr erstmals ein H-Kennzeichen erhalten können. Nämlich der Audi Typ 44 oder auch 100 C3 genannt. Da ich euch nicht mit Wikipedia-Wissen langweilen möchte, habe ich ein wenig in diversen Büchern und Internetseiten geforscht und ein paar interessante Dinge zusammengetragen:

 

Audi auto 2000Audi auto 2000Bei diesem Auto gab es im Gegensatz zum 190er Mercedes schon zwei Vorgängermodelle, die nur teilweise als Basis benutzt wurden. Sondern vielmehr vergab das Bundesministerium für Forschung und Technik (BMFT) im Jahre 1978 einen mit 110 Mio. DM geförderten Forschungsauftrag, ein zukunftsfähiges Auto zu entwickeln, sozusagen einen Ausblick auf das Jahr 2000. Verschiedene Hersteller beteiligten sich daran, unter anderem VW mit dem im Blog von Italeri behandelten VW Auto 2000 oder auch Mercedes. Dieser Audi Auto 2000 wurde 1981 auf der IAA vorgestellt und nahm damit dem Audi 100 das Design vorweg und hatte sogar schon den sensationell geringen cw-Wert von nur 0,30 (der einzige Serienwagen, der einen solchen Wert eher erreichte, war die Göttin von Citroen, die DS). Technisch war er wohl einer der ersten mit dem heute häufig gebrauchten Begriff "Downsizing" zu bezeichnenden kleinen 1,6 Liter Turbo-Motor, welcher nach dem Vergaser die Luft verdichtete, sodass der Wagen damit 90 PS hatte und 180 km/h erreichte. Erstaunlich auch, dass er eben keine Einspritzung hatte, wo doch Audi schon damals Erfahrung mit diversen Ausführungen der Jettronic hatte.

Manche fragen sich wohl, warum man keinen TDI einbaute, wo dieser doch damals in der Entwicklung war. Ja, das stimmt, jedoch wurde die Entwicklung seitens VW gestoppt und so war der später entwickelte Fünfzylinder-Diesel damals noch nicht fertig und konnte somit bei diesem Forschungsfahrzeug nicht zum Einsatz kommen. Das war auch nicht weiter schlimm, da der Turbo-Benziner einen sehr geringen Spritverbrauch aufwies: 5,9 l /100 km bei 120 km/h.

 

AerodynamikAerodynamikSomit war die Basis geschaffen, um daraus einen Audi 100 zu generieren, welcher im Sommer 1982 käuflich erworben werden konnte. Was erhielt nun der Käufer, der für mindestens 21.600 DM einen Wagen der oberen Mittelklasse kaufte?

Er bekam dafür einen geräumigen Wagen, welcher sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken brauchte, denn mit 4792 mm Länge und 1814 mm Breite erhielt man eine sehr große Karosse mit sehr dünnen Säulen, sodass die Übersicht sehr gut war. Die flachen Scheiben sorgten zwar für ein größeres Aufheizen, als bei damaligen Mitbewerbern, aber auch nicht mehr, als heutzutage. Das Kofferraumvolumen betrug enorme 570 l.

Eine Besonderheit stellten die komplett flächenbündig mit Gummiprofilen eingepasst Scheiben dar, sodass einerseits der Luftwiderstand verringert wurde, aber andererseits die Windgeräusche deutlich leiser wurden. Auch sehr modern war die versenkte Anordnung der Scheibenwischer, was nicht nur der Sicherheit zu Gute kam.

Außerdem muss man erwähnen, dass die Bleche nicht nur bei Porsche, sondern auch bei Audi teilweise verzinkt wurden und ab der Modellpflege 1986 wurden durchgängig verzinkte Bleche verwendet. Dass komplette Karosserien in Zinkbäder getaucht wurden, ist ein Märchen, welches sich noch immer hartnäckig hält. Da die Rostvorsorge sehr gut war, kann man noch heute Exemplare mit wenig Korrosionsschäden finden, jedoch blüht der C3 eher im Verborgenen. Vielleicht ist auch die sprichwörtlich gute Rostvorsorge Schuld, dass doch nicht gerade wenige dem Rost zum Opfer vielen, denn der Ruf, ein Audi könne nicht rosten, sorgte dafür, dass sich wohl viele in falscher Sicherheit wiegten und glaubten, eine Rostprävention sei nicht mehr notwendig.

 

procon-tenprocon-tenAuch damals neu war das Sicherheitssystem procon-ten. Es umfasst Gurtstraffer für die vorne Sitze und ein beim Unfall nach vorne wegfahrendes Lenkrad. Die Funktionsweise ist ganz einfach: Es besteht aus einem Seil welches hinter dem Motorblock verläuft und mit einer Umlenkrolle an der Lenksäule und den Gurten befestigt ist. Dringt der Motor aufgrund eines Frontalunfalles Richtung Fahrgastzelle ein, spannt sich das Seil und die Gurte werden gespannt, sowie das Lenkrad nach vorne gezogen.

Leider hat das System zwei gravierende Nachteile, einerseits kann das mit Aufprallgeschwindigkeit wegschnellende Lenkrad die Kniegelenke zertrümmern und andererseits wird die Karosserie schon bei leichteren Unfällen irreparabel beschädigt, da die Seile durch die oberen Umlenkpunkte bei den Gurten die B-Säulen verbiegen können. Daher wurde aufgrund des massiven Drucks der Versicherungsgessellschaften dieses System später nicht mehr angeboten und durch pyrotechnische Gurtstraffer, sowie eine Sicherheitslenksäule ersetzt.

 

Quattro-AntriebQuattro-AntriebEin echtes Novum war der Allrad-Antrieb in einem so großen Auto. Nachdem der Vierradantrieb erfolgreich beim kleineren Bruder Audi 80 zum Einsatz kam, entschied man sich wohl aus mehreren Gründen dafür, auch die obere Mittelklasse damit auszustatten. Einerseits war der "quattro"-Schriftzug ein prima Marketing-Zugpferd und andererseits wurde dadurch das Fahrverhalten bei ungünstigen Witterungsverhältnissen deutlich verbessert. Aber nicht, weil nur zwei angetriebene Räder so schlecht wären, sondern weil damals alle Audi mit Motor längs vor der Vorderachse ein Problem mit dem Handling hatten - die Wagen untersteuerten sehr stark und hatten ein nicht ganz unproblematisches, leichtes Heck.

Der Einsatz eines 5-Zylinder-Motors anstelle eines R6 verbesserte die Situation nur wenig, der Allrad hingegen war jedoch wie geschaffen für das Auto, denn man hatte keine Probleme bei einem Längsmotor vor der Vorderachse einfach ein Verteilergetriebe an das Schaltgetriebe zu hängen, um die hinteren Räder zur Mitarbeit zu bewegen und konnte so die Achslastverteilung sichtlich verbessern. Was jedoch vielen Fahrern zum Verhängnis wurde, war die nochmals gesteigerte Traktion, die dazu führte, dass schlechte Haftungsverhältnisse auf der Straße oft viel zu spät erkannt wurden, sodass die Abflüge meist spektakulärer waren, als bei einachsgetriebenen Fahrzeugen. Manche munkeln, der Allrad wurde bei Audi nur deshalb eingeführt, weil eine sehr frühe und weitreichende Entscheidung bei der Entwicklung zugunsten eines Motors längs vor der Vorderachse gegen den Standard-Antrieb, zur mieslichen Situation mit der Fahrdynamik führte und man irgendwie versuchen musste, die Konkurrenz einzuholen.

Jahre später kam dann noch das Traktionsproblem bei frontangetriebenen Fahrzeugen mit mehr als 150 kW Motorleistung hinzu, weshalb heute fast alle Audis ab dieser Leistungsschwelle ausschließlich mit Quattro-Antrieb erhältlich sind.

 

Im Jahr 1983 wurde, wie schon beim Vorgänger, der Audi 200 nachgeschoben, sozusagen eine aufgewertete Variante mit gleicher Karosserie und mindestens 136 PS. Auffälligster Unterschied waren die größeren Stoßstangen, welche an das US-Modell erinnern sollen.

Im gleichen Jahr wurde auch die Kombi-Variante, Avant genannt, vorgestellt, welche durch ihre sehr flach stehende Heckscheibe recht gewöhnungsbedürftig ist. Er erinnert ein wenig an den Fließheck Passat damaliger Tage.

 

Audi 100 DuoAudi 100 DuoEine recht interessante Variante wurde im März 1990 auf dem Automobilsalon Genf vorgestellt: der Audi 100 Avant duo. Er war wohl einer der ersten Vollhybriden, auch wenn der Umschaltvorgang etwas umständlich war, denn um vom Benzinmodus auf Elektro umzuschalten, welcher einen E-Motor an der Hinterachse aktivierte, musste angehalten werden.

Diesen Wagen hat Hans schon in seinem hervorragenden Blog näher erläutert.

 

Noch eine persönliche Anekdote:

Im Jahre 1992 durfte ich als kleiner Knilch beim Bruder unseres damaligen Vermieters mitfahren, welcher mir auf spektakuläre Art und Weise demonstrieren konnte, wozu Audi fähig ist, nämlich über 200 Kilometer in der Stunde zurückzulegen. Niemals zuvor und auch nicht viele Jahre danach, bewegte ich mich so schnell durch Raum und Zeit. Es war einfach einmalig.

 

Hier noch der Werbeclip vom die Sprungschanze erklimmenden Audi 100 quattro, inkl. der Entstehung des Videos.

 

Audi 100Audi 100Audi 100 AvantAudi 100 AvantAudi 100Audi 100

 

Cockpit frühe SerieCockpit frühe SerieFaceliftFaceliftInnenraumInnenraum

 

 

Quellen:

Audi 100 Elektro - Vau-Max

Allgemeine Fanseite - langzeitauto.de

Audistory

Bilder: Klick,

Klick


01.01.2012 22:22    |    Goify    |    Kommentare (48)    |   Stichworte: 190er, Auto, Mercedes, Ushido, W201

Hallo liebe Motor-Talker,

von mir soll es mal wieder was zu hören geben und zwar aus gegebenen Anlass: Die ersten Modelle des Mercedes W201, besser bekannt als 190er oder Baby-Benz werden dieses Jahr ein H-Kennzeichen erhalten können. Also wenn ihr die Premiere damals live miterlebt habt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihr nicht mehr zu den Jüngsten gehört.

 

Entwicklung

Also mal der Reihe nach. Die ersten Überlegungen, einen kleinen Mercedes auf die Räder zu stellen, entstehen in den 30er Jahren und werden aber immer wieder verworfen. Zusammenfassend bis in die frühen 70er kann man sagen, dass die Wagen wie verkleinerte große Mercedes wirkten und so eher lächerlich waren. Bruno Sacco, welchem mittlerweile die Leitung der Hauptabteilung Stilistik übertragen wurde, ist es anzurechnen, dass er um 1975 die Reißleine zog und seinen Mitarbeitern eine längere Denkpause in Sachen Gestaltung erteilte.

Diese ungewöhnliche Maßnahme hatte Erfolg, denn 1978 stellt Peter Pfeiffer einen Entwurf vor, welcher komplett eigenständige Züge zeigt und seine Designelemente für die nächsten Jahrzehnte Mercedes maßgeblich prägen werden, auch wenn nicht alle im W201 sofort umgesetzt werden. Neu waren der unscheinbare Knick, welcher im Dach beginnt, über die Heckscheibe bis zum Heckdeckel verläuft, die gemeinhin Sacco-Bretter genannten seitlichen Kunststoffbeplankungen oder der Plakettenkühlergrill, wie wir ihn erstmals bei der 1991 debütierenden S-Klasse finden werden. So steht zumindest die äußere Gestalt, aber es soll auch unter dem Blech Neuerungen geben.

Denn die erste Ölkrise 1973 und die Anforderungen von der US-Regierung mit ihrer Flottenverbrauchsgesetzgebung führen dazu, dass man nicht nur einen kleineren Mercedes entwickeln muss, sondern auch einen, welcher im Vergleich zur damaligen Mittelklassebaureihe W123 um rund 280 kg leichter werden soll, um die neuen Verbrauchsziele einzuhalten.

Aber nicht nur durch Gewichtseinsparungen erhoffte man sich eine Treibstoffersparnis, sondern auch durch den für damalige Verhältnisse sehr guten cw-Wert von 0,33. Der Audi 100 C3 hatte zwar damals schon einen Wert von 0,30, war jedoch länger, was es etwas einfacher machte.

Ein Frontantriebskonzept wurde verworfen, da es nicht lösbar erschien, einen Wagen befriedigend abzustimmen, bei welchem Antrieb und Lenkung an einer Achse stattfinden sollten. Also wurde am bestehenden Standardantrieb mit Motor vorne und Antrieb hinten festgehalten, mit der Konsequenz daraus, die Hinterachse neu erfinden zu müssen, um die Erfordernisse an Agilität, Komfort und Sicherheit zu erfüllen. So wurden im Laufe der Entwicklung sage und schreibe 8 völlig neue Konzepte in bis zu 77 Varianten erprobt, bei der sich die Variante mit 5 Lenkern je Rad als ideal herauskristallisierte. Die Raumlenkerachse war geboren, ohne die noch heute kein Mercedes-PKW mit Hinterradantrieb die Werkshallen verlässt.

Auch ein Novum war der Einarmwischer, welcher schon kurze Zeit später um eine Hubmechanik erweitert wurde und so 86 % des Sichtfeldes wischen konnte. Er entfiel erst wieder mit der Premiere des W203 im Jahre 2000, wahrscheinlich aufgrund schlechter Kritiken aus der Presse, die ich nur teilweise nachvollziehen kann und weil Windschutzscheiben heute nicht mehr ein Längenverhältnis von 2:1 haben.

 

Dass man mit ihm auch jüngere Käuferschichten ansprechen wollte, liegt auf der Hand, da sich zur damaligen Zeit abzeichnete, dass ein dauerhafter Erfolg der Marke Mercedes-Benz nur gelingen könne, wenn auch ein Einsteiger-Modell im Sortiment sei, was nicht nur neue Kunden anlocken, sondern als erhebliches Standbein dienen sollte.

Außerdem war BMW mit dem damaligen E21 sehr erfolgreich und der E30 stand schon in den Startlöchern

 

So fuhren dann Ende der 70er und Anfang der 80er diverse mehr oder weniger stark getarnte Modelle durchs Land auf Erprobungsfahrt, um die letzten Mängel aufzudecken. Als Tarnung wurde statt der üblichen Typbezeichnung, der Modellname Ushido auf den Heckdeckel geklebt, in der Hoffnung, allzu neugierige Journalisten würden an einen asiatischen Erlkönig glauben.

 

Verkauf

Am 8. Dezember 1982 rollte er dann endlich zu den Händlern und obwohl das Interesse recht groß war, lief der Verkauf anfangs etwas träge an, denn zu groß ist er Schock, einen Mercedes zu sehen, der außer am Kühlergrill keinerlei Chrom zeigt. Weg vom Barock, hin zur Moderne.

Ein weiteres Handicap war wohl auch der Preis, kostete er doch anfänglich als Mercedes 190 mit 90 Vergaser-PS stattliche 25.538 D-Mark. Zum Vergleich, der einen Monat eher erschienene 3er BMW E30 kostete viertürig als 316 mit ebenfalls 90 PS 20.100 DM. Also hätte man für das Geld, was der 190er kostete, schon einen 320er BMW mit sahnigem Sechszylinder bekommen. Dazu kam noch, dass wirklich alles extra kostete, ein rechter Außenspiegel 153 Mark, ein Schloss für das Handschuhfach 23 Mark oder eine Servolenkung für 819 D-Mark. Aber es gab auch Dinge, die man in dieser Form bei keinem Konkurrenten kaufen konnte, nämlich ein Antiblockiersystem für wahnwitzige 2.712 DM oder einen Fahrerairbag für 1.763 DM. Aber man sah, es gab in jedem Mercedes die in etwa gleichen Sicherheitsdetails und -standards. So verwundert es auch nicht, dass der kleine W201 nahezu die gleiche passive Sicherheit bot, wie die damalige S-Klasse W126. Jedoch war das wohl nicht jedem potentiellen Kunden so wichtig.

 

Aber die Stärken wie Mercedes-Sicherheit, Mercedes-Komfort oder Mercedes-Qualität sprachen sich schnell herum, sodass er sich bis Erscheinen des Nachfolgers W202 1993 gut 1,8 Mio. mal verkaufte. Aber bis dahin war ein langer Weg, in welchem es auch zu einigen Veränderungen kam, beispielsweise wurden 1988 bessere Sitze verbaut, die Seiten mit den oben angesprochenen Sacco-Brettern verkleidet oder vorne in der Höhe einstellbare Gurte eingebaut.

So wurde er während seiner gesamten Bauzeit stets modern gehalten und regelmäßig überarbeitet um nicht den Anschluss zu verlieren, jedoch war es wohl eher anders herum, denn das hohe Heck, was anfänglich noch argwöhnig beäugt wurde, diente fortan auch für viele Mitbewerber als Vorbild, beispielsweise dem 1990 erschienenen BMW E36.

 

Heute

Ja und heute? Heute steigt das Interesse stetig an für den kleinen Mercedes. 2006 wurde er als neuer Typ in den vdh (Verein deutscher Heckflossenfreunde, wohl größte Mercedes-Freunde-Vereinigung) aufgenommen, wodurch er sozusagen mit Ersatzteilkatalogen und vielen nicht mehr erhältlichen Teilen versorgt wird. Zudem kann man seit einiger Zeit deutlich ansteigende Preise für gute Exemplare feststellen, was wohl ein untrügliches Zeichen für seine Beliebtheit darstellt.

 

Eigene Erfahrung

Mich persönlich verbindet viel mit diesem Wagen, war es doch das erste im Westen gekaufte Auto von meinem Großvater oder der erste und bislang letzte Mercedes meiner Eltern. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie die ganze Familie zur Mercedes-Niederlassung kam um eine Probefahrt mit dem Wagen zu unternehmen. Diese verlief dann zur vollsten Zufriedenheit, sodass sich meine Eltern den damals 7 Jahre alten 190 E kauften und wir fortan sehr bequem unterwegs waren.

Kurz nachdem ich meinen Führerschein hatte, durfte ich endlich auch mal selbst fahren. Ein unbeschreibliches Gefühl hinter dem sehr großen Lenkrad mit fast ausgestreckten Beinen zu sitzen und dem Stern zu folgen.

 

Was haltet ihr vom 190er und möchtet ihr weitere, etwas aufwändiger recherchierte Artikel, über Fahrzeuge lesen, die dieses Jahr ein H erhalten können? Mein Anliegen ist es, beginnende Klassiker ein wenig näher zu beleuchten. Denn seid ehrlich, jeder von euch kennt den 190er, gestern sah man ihn doch noch an jeder Ecke, aber irgendwie scheint er heute langsam selten zu werden.

 

Videolink zur Entwicklung

 

Quellen:

baureihe201.de

mercedes-seite.de

mercedesgarage.at


04.10.2011 19:05    |    Goify    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Buntes, Datensammeln, Forsa, Umfrage

Was haltet ihr von Meinungsumfragen am Telefon?

UmfrageUmfrage

 

Hallo liebe Motor-Talker,

kennt ihr das, die oben genannte Nummer leuchtet auf dem Display auf und der nette Herr hat ein paar aktuelle Fragen und will wissen, wer zuletzt in eurem Haushalt Geburtstag hatte?

Heute schon zum zweiten Mal. Bei mir läuft es immer darauf hinaus, dass ich nicht weiß, wer nun, denn ich kenne den Geburtstag meiner Mitbewohnerin nicht, weiß nur, wie alt sie ist. Und von dem anderen weiß ich es auch nicht. So kann ich die Frage nicht zufriedenstellend beantworten.

Da sagt der Anrufer doch einfach: "Tja, dann eben nicht, tschüss."

Heute ruft er wieder an und hat die gleiche Frage...

 

Was haltet ihr von solchen Umfragen? Geht ihr überhaupt ran, wenn eine fremde Nummer aufleuchtet und ermittelt ihr immer wahrheitsgemäß den letztgeburtstätigen?

Oder seid ihr nur genervt und legt sofort auf?

 

Was ich mich ja frage, was soll die Statistik aussagen, wenn nur Leute befragt werden, die im Sommer und frühen Herbst Geburtstag hatten? Sind nicht Kinder, die im Winter geboren worden ganz anders?

Quelle des Bildes


18.09.2011 18:05    |    Goify    |    Kommentare (26)    |   Stichworte: Auto, C-Klasse, Mercedes, Unfall, W202

Wie manche gelesen haben, fuhr mir ja ein Lastwagen ins Heck, der einen wirtschaftlichen Totalschaden an meinem geliebten Benz verursachte. Eine Sondierung des Gebrauchtwagenmarktes ergab, dass es fast unmöglich sei, einen gleichwertigen Wagen, wie vor dem Unfall, zu finden.

Da jedoch die veranschlagten Reparaturkosten von Mercedes weit über dem lagen, was ich von der gegnerischen Versicherung bekam (3.550 €), kam eigentlich nur eine Instandsetzung in einer mir nahe gelegenen Autolackiererei in Frage. Der Meister dort meinte, für das Geld behebt er den Unfallschaden ohne Schweißorgien, die ja immer Rost verursachen können, baut mir einen neuen Heckdeckel ein, lackiert den ganzen Wagen und wachst die Hohlräume. Da sagt man nicht Nein und gibt den Wagen kurzerhand ab, nichtsahnend, sechs Wochen warten zu müssen. Zwischendurch habe ich natürlich vorbeigeschaut, um den Lauf der Arbeiten beobachten zu können, vor allem, bevor der behobene Unfallschaden unter einer Schicht Lack verschwindet.

 

Da alles einmal zu Ende geht, ging auch die lange Wartezeit zu Ende und ich konnte den Wagen vor 14 Tagen in Empfang nehmen.

Ergebins: Der Wagen schaut gut aus, nicht perfekt, aber viel besser als vorher, der Unfallschaden ist absolut unsichtbar und alle Spaltmaße gleichmäßig. Ein paar kleine Schönheitskorrekturen habe ich selbst vorgenommen, wie manchen Dichtgummi ganz dorthin zu drücken, wo er hingehört und Schleifstaub aus manchen Ritzen zu holen.

Damit das Ergebnis lange nachwirken kann, wurde er gestern noch von mir sanft mit der Zwei-Eimer-Methode mit Grid-Guard und Fix 40 Waschhandschuh gewaschen, danach mit Dodo Juice Lime-Prime Cleanser gereinigt und anschließend mit Petzoldt's Premium Wachs konserviert. AM Unterboden wurden noch ein paar Stellen mit Leinölfirnis eingestrichen, damit von Unten kein Unheil droht.

So sollte ich dem nächsten Winter gewachsen sein.

 

Da zu einer schönen Hülle auch funktionierende Technik gehört, tauschte ich kurzerhand die Bremsscheiben samt Belägen rundum. Von Textar gibt es das alles zusammen für 175 €. Hatte keine Lust, für einen Label-Kleber wie ATE 50 % mehr auszugeben. Außerdem unterschieden sich ATE-Scheiben schon rein durch deren Ausführung enorm von den Originalen mit Stern, von wem auch immer die kommen.

 

Jetzt ist der Wagen für die nächsten Jahre in einem optisch und technisch sehr gutem Zustand und wird mich weitere Jahre erfreuen. Was mir nur durch den Kopf geht, ist die Frage, ob man ihn im Winter auch fahren soll. Einerseits leidet die Karosse bei dem Salz und Splitt auf den Straßen und andererseits ist die Traktion schon arg eingeschränkt, sodass ich oft nur mit Schneeketten oder einem allrad-getriebenen Zugfahrzeug (Subaru) bis zu meinen Eltern komme.

Andererseits kostet ein Winterauto auch immer Geld und muss gewartet werden. Außerdem, warum kauft man sich einen schönen Mercedes, wenn man dann ein Drittel der Wege in einer "Winterhure" zurücklegt?

 

Wie gefällt euch das Gesamtergebnis und wie würdet ihr dem kommenden Winter in meiner Situation angehen?


31.08.2011 22:22    |    Goify    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: 125 Jahre, Auto, Berlin, Gewinn, Innovation, Mercedes, mercedes125Tempelhof

Heute berichte ich mal von einem ganz besonderen Erlebnis, was ich Motor-Talk und deren guten Verbindungen zu Mercedes-Benz zu verdanken habe: mcaudio, JackTheRipper und ich gewannen je zwei VIP Tickets nach Tempelhof zur 125-Jahr-Feier von Mercedes-Benz.

Inklusive war ein Leihwagen, Verpflegung, Übernachtungen und Führungen.

 

Am letzten Freitag holten wir die Autos ab und fuhren damit zum Hotel in die Tiefgarage (brennende Autos vermeiden) und wurden dort von Christian Sauer abgeholt und zu einer inoffiziellen Party derjenigen eingeladen, die auf dem Gelände ihre Wagen abgestellt hatten, also Mitglieder der anerkannten Mercedes-Clubs.

Die Atmosphäre war atemberaubend: das Licht wurde sanfter, da die Sonne langsam verschwand, riesige Scheinwerfer erhellten das Vorfeld, ein sanfter, warmer Wind zog über das Gelände und überall die besten Autos, die man sich so vorstellen kann - Mercedes!

Da war alles dabei, vom Rallye-Ponton zur weißen Pagode, vom neuen SLS zum schlafenden Vorkriegskompressorwagen.

 

Samstag folgte ein Höhepunkt auf den anderen. Angefangen mit der Möglichkeit mit einem neuen Actros selbst um die Pylonen zu fahren, was erstaunlich gut klappte, über die Mitfahrt in einem Lastwagen mit am Sattelzug angebrachten seitlichen Stützrädern um ein Umkippen zu verhindern und so die Funktion von ESP zu demonstrieren. Man kann kaum glauben, dass ein Lastwagen schon bei etwas über 30 km/h umkippen und von modernen Assistenzsystemen eingebremst werden kann.

Ganz interessant auch die Demonstration von PreSafe, Distronic-Plus und Verkehrszeichenerkennung: Wir konnten in einem S400 Hybrid mitfahren und es wurden die Systeme der Reihe nach erklärt und gezeigt, was diese tun. Das ist echter Fortschritt, fand ich, denn auch unser Leihwagen ein C 250 CGI verfügte über all diese Einrichtungen und man konnte so sehr sicher und komfortabel durch den dichten Verkehr reisen. Dazu vielleicht in einem weiteren Artikel mehr.

 

 

Aus dem Museum wurden noch ein Paar Alt-Neu-Vergleiche aufgebaut, also Rote Sau aus den 60ern neben SLS Tourenwagen oder Viano neben Harbuger Transporter. So konnte man wunderschön die Veränderung über die Jahre ablesen und diskutieren, ob alles richtig sei.

Ein Hangar weiter dann die Halle der Marken-Clubs, dort standen von den Clubs zum Thema 125 Jahre Innovation Meilensteine von Mercedes, welche die ganzen Erfindungen aufzeigten, die heute in allen Autos Standard sind, also Knautschzone, ABS, Airbags oder ESP. All diese Dinge gab es erstmals in Fahrzeugen von Mercedes-Benz und wurden dann nach und nach für andere Fahrzeuge angepasst und dort verwendet. Zusätzlich bestand die Möglichkeit mit den Clubs in Kontakt zu treten und Erfahrungen auszutauschen. Es waren eben die richtigen Experten vor Ort.

 

 

 

 

Aber es sollten noch Dinge passieren, die man nie wieder vergessen wird. Nämlich kamen die ganzen alten Wagen von der Rennabteilung zur Vorführung und wurden von ehemaligen Rennfahrern mit enormen Tempo über eine eigens eingerichtete Rennstrecke pilotiert. Ganz ohne Gurte, Helm und ABS. Wer glaubt, die fuhren da ganz vorsichtig mit den unbezahlbaren Einzelstücken langweilige Runden, hatte sich gewaltig getäuscht. Die ließen richtig die Fetzen fliegen und hatten sichtlich zu tun, die Wagen halbwegs auf Kurs zu halten, denn die schmalen Räder und brutal einsetzenden Motoren mussten erst mal gebändigt werden. Dass einem dabei fast die Ohren abfielen, oder, wie ein lustiger Zuschauer meinte, vor Freude ein Ei, nahm man gerne in Kauf. Besonders viel Spaß hatte wohl Jochen Mass, der den ganzen Tag ein breites Dauergrinsen im Gesicht hatte, auch oben in der VIP-Lounge, wo wir alle sehr delikat dinieren konnten.

 

 

Stichwort VIP-Lounge. Dort waren alle besonderen Gäste am Speisen, also Ralf Schumacher, Klaus Ludwig, oben genannter Jochen Mass, Willi Weitzel bekannt aus "Willi wills wissen", Jan Stecker von Kabel1, die Vorstände der Mercedes-Benz-Clubs und eben wir Gewinner. Dieses Lokal war im ehemaligen Flughafenrestaurant eingerichtet worden und bot freien Blick auf das Rollfeld mit all seinen Attraktionen.

Überhaupt ist das Gebäude eine Reise wert, denn es ist komplett erhalten und sieht zu großen Teilen wie in den 30ern aus. Ein Glück, dass es im 2. Weltkrieg als Lazarett genutzt wurde, sonst wäre wohl nicht mehr viel davon übrig.

 

Der Sonntag sollte auch nicht mit Unvergesslichem geizen, denn wir durften für kurze Zeit auf das Gelände um Fotos von unseren Wagen und uns vor einmaliger Kulisse machen. Es war gar nicht einfach, dort drauf zu kommen, aber Christian hat sich wunderbar bemüht und es ermöglicht, dort hin zu kommen.

Der nächste Höhepunkt war die Mitfahrt in einem Unimog, welcher über eine 100 %-Rampe rauf und wieder runter fährt. Es fühlt sich wie Achterbahn an, nur dass es keine Schienen gibt, die einem am Umkippen hindern könnten und es viel langsamer geht. Sprich vor jedem Hindernis werden alle Sperren, sowie Untersetzung eingelegt und es geht im Kriechgang den Berg hinauf und genauso langsam hinab, was dazu führt, dass man in Ruhe erst die zahlreichen Wolken betrachten kann um anschließend das Unkraut analysieren zu können.

 

Da ein Geländewagen langsam ist und das Gegenteil spannender, folgte eine Mitfahrt im CLS 63 AMG. Der Kenner weiß, da sind keine Sauger mehr verbaut, sondern 5,5 l Biturbos, die absolut brutalen Schub bereit stellen. So war es auch, ein Tritt ins Kreuz und 30 m schwarze Striche später flogen wir schon auf die erste Kurve zu, die in einem langgezogenen Drift genommen wurde, danach wieder brutales beschleunigen und Bremsen, bis einem das Gesicht fast abfällt.

Da lernt man, wenn man ein sportliches Auto braucht, ist eigentlich jede Mercedes-Benz-Niederlassung die erste Adresse dafür. Schnelle, komfortable und gleichzeitig sparsame Wagen stehen dort für den solventen Käufer bereit.

 

Zusammenfassend war das Wochenende unvergesslich, seien es die Fahrevents, die wunderschönen Wagen aus aller Welt oder die gute Organisation.

Dafür noch ein großes Danke an die Classic-Abteilung von Mercedes-Benz und deren PR-Abteilung, Christian Sauer, der uns das ganze Wochenende begleitete, und Nicola von Motor-Talk, sowie die netten Mitgewinner und ihren Begleitungen.

 

P.S.

Wer Filme dazu sehen möchte: Hier, hier und hier. Diese Filme sind nicht von mir!

Die Bilder stammen von mir, außer die mit "CS" markierten, diese wurden mir von Christian Sauer zur Verfügung gestellt.


20.07.2011 19:57    |    Goify    |    Kommentare (54)    |   Stichworte: Auto, Blog, C-Klasse, Mercedes, Unfall, W202

Hallo liebe Motor-Talker,

mir ist gestern was ganz Unerfreuliches passiert. Mir fuhr ein Baustellenlastwagen rückwärts in mein stehendes Auto rein. Ich saß im Auto und wusste, gleich passiert es und auf Hupen hat er nicht reagiert. Tja, das Resultat zeigen die Bilder eindrucksvoll.

Als ich den Schaden begutachtete, befürchtete ich schon, dass man da wohl nicht mehr viel machen kann, dieser Meinung war auch der Gutachter in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Regensburg. Er taxierte den Schaden auf 4.000 € und den jetzigen Wiederverkaufswert auf 300 €. 300? Also den Motor allein würde ich für 500 € und das Getriebe für mindestens 300 verkaufen können, denn sie haben erst 114.000 km runter, wie das ganze Auto auch. Die Überraschung kam noch, Wiederbeschaffungswert 3.800 €. Ich habe ihn vor zweieinhalb Jahren für 3.550 € gekauft und gleichwertige liegen derzeit bei 2.900 € bei mobile.de.

Das bedeutet, die Versicherung wird mir 3500 € überweisen, zumindest wenn alles mit rechten Dingen zugeht.

 

Die schwierige Frage kommt nun, was soll ich tun? Bei MB reparieren lassen und 500 € drauflegen? Nein, dann hätte ich ja am Ende noch einen nicht ersetzbaren Schaden.

Auto mit viel Glück für 1.000 € verkaufen? Dann hätte ich 4.500 € zur Verfügung. Dafür bekommt man nur wieder den gleichen Benz, also faktisch eine Katze im Sack, die sich erst bewähren müsste. Außerdem mag ich mein Auto.

Ein paar Scheine drauflegen und was Jüngeres kaufen? Möglich, aber oberste Prämisse hat bei mir Wohneigentum und bis das gekauft ist, wird an anderen Stellen gespart.

Bleibt nur noch preiswert reparieren. Ein Anruf beim Lackierer meines Vertrauens lässt die Sache rosiger erscheinen. So ist der Plan:

- ich bringe ihm das Auto teilzerlegt, sowie einen Heckdeckel mit Scharnier vom Schrott

- zerlege den Rest bei ihm in seiner Halle

- er flext, schweißt, verzinnt und lackiert

- ich baue ihn wieder zusammen, inkl. des neuen Rücklichts vom Verwerter

 

Was habe ich dann? Einen neuwertigen Wagen mit neuem Lack, denn er ist technisch in sehr gutem Zustand, geht innen als Jahreswagen durch und kann so mein Liebhaberobjekt sein, da er eigentlich schon immer in 15 Jahren ein "H" bekommen sollte. In nächster Zeit wird ihm noch ein jüngeres T-Modell zur Seite gestellt um ihm die schwersten Sachen und den harten Winter abzunehmen.

So wird er mich dann bei schönem Wetter zu den Mercedes-Treffen tragen und im Urlaub beglücken können.

So glaube ich, meinen Wagen mit dem Geld sanieren zu können ohne was oder nur wenig drauf legen zu müssen.

 

Aber was meint ihr? Denkt ihr, jetzt dreht Goify vollends am Rad? Könnt ihr meine noch nicht fixierten Pläne nachvollziehen oder habt ihr andere Vorschläge? Ich bin offen für alles, denn die oben erwähnte Lösung ist nur mein derzeitiger Favorit.

 

EDIT: Der Kostenaufwand beträgt mit Steuer 5.036 €. Also erheblich mehr, als die 4000 klangen, die ja nur netto waren. Wenn man liest, was die alles machen wollen, klingt das äußerst aufwändig. Jetzt komme ich doch wieder ins Übelegen.


05.07.2011 19:39    |    Goify    |    Kommentare (42)    |   Stichworte: Mobilität

Was würdet ihr tun, wenn die "Umweltprämie" noch einmal aufgelegt würde?

Hallo Motortalker,

ich frage mich gerade, was ich tun würde, wenn es die "Umweltprämie" noch ein mal gäbe. Mein Wagen ist knapp mehr Wert als die damalige Prämie von 2500 € und ich habe nicht wirklich vor, mich von ihm zu trennen, jedoch fragte ich mich bei dem Blog von dr seltsam, wie wohl die Besitzer solcher Untoten handeln würden, wenn es nochmal viel mehr Geld für den alten gäbe, als er Wert ist.

 

Einerseits sind manche ja aus Überzeugung Altwagenfahrer, manche können sich auch mit der Prämie keinen Neuen leisten oder wollen es nicht. Wieder andere würden wieder, wie schon damals, ihren Wagen, den sie locker für 4.000 € an privat verkaufen könnten, verschrotten.

 

Klar, der Umwelt hat die Prämie wohl unterm Strich kaum genutzt, denn der Minderverbrauch und geringere Schadstoffausstoß eines Neuwagens kann den enormen Wasser- und Energieverbrauch bei der Herstellung eines Neuwagens wohl nur nach vielen, vielen Jahren ausgleichen, wohl erst nach 10 bis 15 Jahren.

Hier könnt ihr berechnen, ob sich ein Fahzeugwechsel energetisch lohnen würde.

 

Was würdet ihr tun?


28.05.2011 16:53    |    Goify    |    Kommentare (2)    |   Stichworte: Reisen

Die Reise mit meinem gemütlichen W202 ist nun ein paar Tage rum, Wunden geleckt (mehr dazu später), Fotos sortiert, dann kann man ja mal eine kleine Zusammenfassung schreiben, damit auch ihr sehen könnt, wie schön doch unser Land ist.

 

Frühmorgens um 10 sind wir an einem sehr sonnigen Samstag aufgebrochen, um Dinge zu sehen, die noch keiner von uns, mein Bruder und ich, jemals gesehen hat. Von Regensburg nach Rothenburg ob der Tauber sollte es gehen mit einem kleinen Abstecher nach Ansbach, denn dort hatten meine Kollegen und ich eine neue Maschinenbauschule geplant und anschließend gebaut. Was soll man sagen, ist schon ein irres Gefühl, wenn man nun das, was man mühevoll als Modell gebaut hat, nun leibhaftig vor einem 1:1 steht. Und es war gelungen, war meine Meinung. Ein Taxifahrer, der uns den Weg dorthin erklärt hatte meinte, das sei die größte Steuerverschwendung seit langem und ein extrem hässlicher Kasten geworden, außerdem hätte man Parkplätze vergessen. Stimmt teilweise, es gab nur einen gebührenpflichtigen Parkplatz direkt davor mit einer Parkhöchstdauer von 5 Stunden. Aber da können wir nichts dafür, wenn der Bauherr/die Stadt keine wünscht, werden keine gebaut. Geärgert hat es mich trotzdem.

 

 

 

 

Aber weiter nach Rothenburg, es zu finden war leicht, aber das passende Loch in der imposanten Stadtmauer um reinfahren zu können zu finden, war schon schwieriger, haben wir doch im Guckloch geschlafen, was so klein war, wie es klingt. Dort angekommen erstmal das Zimmer checken, Koffer rauf und los mit der Kamera Stadt erkunden. Dort schaut es doch tatsächlich wie im Mittelalter aus, also nicht so modern wie in der Regensburger Altstadt, wo schon jedes zehnte Haus durch ein nicht sonderlich ambitionierten Ersatzbau ausgetauscht wurde. Das Beste ist die Stadtmauer, welche komplett ein mal um den ganzen historischen Kern führt und auf der Innenseite einen Wehrgang aufweist, sodass man in knappen zwei Stunden einmal den Ort umkreisen kann. Die Blickbezüge waren wirklich traumhaft und man kam aus dem Staunen kaum mehr raus. Abends haben wir das Ganze nochmal wiederholt, und fühlten uns wie der Nachtwächter, der einen Kontrollgang unternimmt um nach dem Rechten zu schauen.

Man kann sich dort irgendwie nicht so richtig vorstellen zu wohnen, da es doch schon sehr an ein Museumsdorf erinnert, wo Veränderungen sicherlich kaum möglich sind. Aber es gibt ja genug Mittelalterfans, die genau das lieben.

Für mich erstaunlich waren die vielen asiatischen Reisegruppen, welche wild schnatternd alles kommentieren mussten und teilweise schrecklich gekleidet waren. Vielleicht ist's ja die Strahlung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter ging es nach Würzburg, wobei mich mein Bruder zum Hintereingang in die Stadt lotste, also verkommene Lagerhallen, zweifelhafte Schrottplätze und kaputte Straßen. So lernt man das wahre Gesicht einer Stadt kennen.

Nunja, sie hat mich nun nicht aus den Latschen gehauen, eben eine Stadt mit in der Mitte alten Häusern und außen rum jüngere, teilweise katastrophal schlechte Gebäude. Was jedoch beeindruckte, ist die Sanierung von Brückner und Brückner des Heizkraftwerkes. Durch seine Kleingliedrigkeit der Fassadengestaltung wurde ihm die Wuchtigkeit und Unmaßstäblichkeit genommen, sodass es sich vom richtigen Blickwinkel aus mit dem Weinhängen dahinter fast schon optisch verschmilzt. Zusätzlich haben die Jungs noch einen wohlproportionierten öffentlichen Platz geschaffen, welcher des warmen Sommerabends recht bevölkert sein soll. Daneben wurde noch von ihnen ein altes Lagerhaus in ein Museum umgewandelt, ist auch gut gelungen. Ich kenne die zwei Brüder ganz gut, haben bei uns in der FH ein paar Vorträge gehalten und mich schwer beeindruckt durch ihre Herangehensweise an Architektur.

Danach ging es hoch zum Schloss, klar, wenn man eh dort ist, wobei der Ausblick das Interessantere war.

 

 

Um keine Zeit zu verlieren, düsten wir über sehr verschlungene Landstraßen weiter nach Frankfurt, wo wir auch was ganz Nettes zum Schlafen fanden und am nächsten Morgen uns durch den morgendlichen Stau in die Innenstadt quälten. Dies wurde durch die Skyline der Bankenhochhäuser natürlich wieder aufgewogen, welche uns schon stark beeindruckten. Für uns Landeier ist ja das Höchste der Regensburger Dom oder eine ausgewachsene Fichte, da sind solch hohe Gebäude was ganz anderes. Aufgepeppt wurde die Situation durch einen Hubschraubereinsatz, welcher Lüftungsgeräte auf ein Dach transportierte. Da ich wohl zu viele Absturzvideos auf Youtube gesehen hatte, fragte ich mich die ganze Zeit, wann denn nun das unvermeidliche Unglück kommt, aber nix da, der Pilot war trotz des böigen Windes Herr der Lage. Ist wohl besser so.

Was uns auffiel, waren die vielen noblen Karossen, die man in der Provinz natürlich selten zu Gesicht bekommt und die vielen Menschen, die piekfein gekleidet durch die Straßen hetzten. Wir in Urlaubskleidung und Fotoapparat in der Hand waren da wohl wie zwei auffällige Kolibris in Massen von Pinguinen.

 

 

Da wir aber noch in die Eifel zum Nürburgring wollten, mussten wir weiter und haben noch auf dem Weg dorthin ein paar wunderschöne Bilder geschossen, erst vom Flughafen Frankfurt, dann dem Rhein und seinen Burgen. Loreley war uns hold und hat uns auf der Fähre nicht untergehen lassen. Wenn man von da über den Hunsrück in die Eifel fährt, hat man wunderschön kurvige Strecken durch die Wälder - einfach traumhaft.

 

 

So, das war erstmal Teil 1, die anderen werden folgen.


28.03.2011 22:30    |    Goify    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Architektur, Prag, Reise, Reisen, Tschechien

Hallo ihr Blogleser,

der Uhu hat mich mit seinem Blog inspiriert, war ich doch vor vier Jahren auf nen Kurztrip auch mal dort. Da ich als Regensburger recht nah dran wohne, war es kein Problem sehr früh los zu fahren und spät abends wieder daheim zu sein und alles gesehen zu haben, was einen Architekturstudenten interessiert.

 

Als erstes nimmt sich ein kluger Student natürlich diverse Architekturführer zur Hand und merkt alle interessanten Gebäude ein um sie anschließend in ner Karte einzutragen, um sich ne günstige Route daraus zu bauen. Waren am Ende ca. 25 Gebäude, die mir in den zwei Führern auffielen und ich unbedingt sehen wollte.

 

Also ab in den Golf, Tempomat 130 und auf nach Prag über Wernberg-Köblitz. Ich hatte eine sehr gute

Fahrt, da die Autobahn fast neu war und nur halbleer, oder voll?

 

Das erste Highlight auf der Anreise war das Tanzende Haus von Frank Gehry - bekannt von Bilbao. Hmm, muss man mögen, damit es einen anspricht. Für mich ist es einfach nur verbogen.

 

 

Um nicht zu viel Laufen zu müssen, habe ich sinnvollerweise in der Nähe vom halbrunden Restaurant für die Expo '58 geparkt. Bemerkenswert ist, dass dieses Restaurant ein Austellungspavillon auf der Expo '58 in Brüssel war und aufwändig nach Prag transportiert wurde. Tragischer Weise brannte es 1991 ab und wurde rekonstruiert. Das merkte man ihm an, die Fensterprofile waren zu modern für einen so alten Bau.

 

 

Obwohl es geschlossen war, hatte ich von dort eine hervorragende Sicht auf das leider etwas eingetrübte Prag. Was sofort auffällt ist der irgendwie befremdlich wirkende Fernsehturm mit irgendwelchen Objekten, die an seinen Pfeilern hängen, aber dazu später mehr. Ein wenig später fand ich ein Bild im Netz, mit einem Aston Martin im Vordergrund. Ratet mal, wo das Bild aufgenommen wurde. Genau, ein paar Kilometer westlich mit Blick auf die Stadt.

 

 

So langsam stieg ich den Berg herab und lief über die Brücke Štefánikov most, die ehemalige Franz-Josef-Brücke. Heute ein nicht sonderlich ambitionierter Stahlbetonbau aus den Jahren '49 bis '51, jedoch aufwändiger, als so mancher Brückenneubau aus den 70ern. Erstaunlich fand ich das riesige Schlagloch am Anfang. Man konnte schön sehen, welches Fahrwerk am besten mit dem Fauxpas des Straßenbaus umging.

 

 

Auf der Rechten Seite näherte man sich mehr und mehr dem Ministerium für Industrie und Handel der Tschechischen Republik und dahinter, viel spannender ein steinverkleideter Klotz aus den '30ern, dem Geschäftspalais Merkur. Dieses Gebäude ist in den unteren Etagen fast vollständig verglast (wir Architekten sagen da gerne aufgeglast, aber dieses Wort gibt es nur bei uns) und beinhaltet im EG einen Autohändler für exklusive "US-Cars" für die oberen 10.000 Tschechiens.

 

 

Also weiter in die Stadt hinein, beim Pulverturm vorbei weiter den Berg hoch Richtung 216 m hohen Fernsehturm aus den späten 80ern. Ein ganz außergewöhnliches Gebilde. Es besteht aus drei Pylonen, welche das Grundgerüst darstellen. Daran angehängt diverse Plattformen für den Rundfunk und ein großes Café. Um dort hin zu gelangen gibt es einen Hochgeschwindigkeitsfahrstuhl, jedoch war das Restaurant geschlossen und so konnte ich dieses Erlebnis nicht mitnehmen. Was aber sofort auffällt sind die an den Pylonen außen hoch kletternden, übernatürlich großen Babys. Diese sind eine Installation des tschechischen Künstlers David Cerný.

Die Prager Bevölkerung mochte diesen Turm nicht, da sie glaubte, dass im Inneren eine Art Abschirmzentrale für westliche Rundfunkstrahlen installiert sei.

 

 

Wieder hinab gewandert lief ich direkt am ehemaligen Gebäude des Föderalparlaments am Wenzelsplatz vorbei, was zur Zeit meiner Reise das Radio Free Europe enthielt, also einen Radiosender für Osteuropa und Zentralasien. Es ist ein moderner Bau, welcher von 66 bis 1972 aus Stahlbeton im unteren Bereich errichtet wurde. Darauf wurde ein Stahlskelett aufgesetzt, welcher fast schon schwebend wirkt. Einzig ein paar Stützen und drei Wände für die Queraussteifung verbinden es mit dem Unterbau. Die teilweise Verkleidung aus Naturstein und die durch Verwitterung dunkel gewordene Kupferverkleidung lassen es sehr düster und schwer wirken, was jedoch durch den vermehrten Einsatz von Glas wieder auflockern und eine Art Transparenz schaffen. Also ideal für einen Regierungsbau, solide und transparent. Genau so, wie das Regierungsviertel in Berlin, jedoch aus weißem Sichtbeton.

 

 

Von dort kann man direkt in den verwahrlosten Hauptbahnhof hinabschauen, wo der Charme des ehem. Ostblockes noch mal kurz seine hässliche Seite zeig, oder ist es vielmehr der Tatsache geschuldet, dass heute einfach kein Geld für die Bahn übrig ist? Wenn man die enormen Kilometerleistungen der ganzen Autobahnneubauten Tschechiens betrachtet, könnte was letzterer These sein. Jedenfalls habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir das genauer anzuschauen. Es regnete rein, ein paar Penner, uraltes Rollmaterial (Loks und Wagen) und überall Dreck. So wird das mit dem Aufschwung des Bahnwesen nichts, denn sonst fährt nur der damit, der sich absolut kein Auto leisten kann.

 

 

Stichwort Autos, ganz klar, der heimatverbundene Tscheche fährt Škoda, was sonst. Teilweise sieht man mal einen jüngeren BMW oder Audi, aber ansonsten alles Škoda von alt, also vom Typ 100 bis zum neuen Superb. Aber was interessieren die Autos, wenn man wegen der Architektur gekommen ist.

 

Auf dem Weg weiter kam ich an ein paar sehr schönen Künstlerhäusern aus Backstein vorbei, aber das eigentliche Ziel war die Villa Müller von Adolf Loos. Bekannter Architekt aus Wien und später Tschechien. Bemerkenswert ist seine Schrift "Ornament und Verbrechen" in denen er die überladene Dekoration damaliger Gebäude als überflüssig anprangert. In seinen Augen braucht gute Architektur solcherart Zierrat nicht. Architektur und Kunst sei voneinander zu trennen, denn: "Das haus hat allen zu gefallen. Zum unterschiede vom kunstwerk, das niemandem zu gefallen hat."

Aber Ziel war ja die Villa Müller, die er Ende der 20er Jahre errichtete. Dieses Gebäude ist ein gutes Beispiel, was er unter seinem Raumplan verstand. Also eine Gegenthese zu Le Corbusiers auffassung von Architektur und gebautem Raum. Denn Loos meint, jeder Raum muss ganz genau seinen Anforderungen entsprechen, sprich ein eine Eingangshalle ist ein hoher Raum, ein Schlafraum eher niedrig u. s. w. Das mündet dann in ein aufwändigen Raumgebilde mit vielen Ebenen und vielen Stufen.

Da es jedoch (gottseidank) bewohnt war, konnte ich nur ein paar Bilder von außen machen. Ich bin nicht so wie meine ehem. Professorin, die einfach klingelt und fragt, ob sie mal rein dürfe um dann ein ganzes Semester im Schlepptau mit hinein zu lotsen.

 

 

Aber ein Highligt wartet noch, also ganz schnell zum Auto gelaufen und zur nordwestlich gelegenen Werkbundsiedlung gefahren. Denn diese gibt es nicht nur in Stuttgart, also genauer die Weißenhof-Siedlung, sondern auch in Prag. Diese entstand, wie ihr deutsches Pendant, auch Ende der 20er und 30er Jahre.

Es ist ein Entwurf, wie man zukünftig leben soll. Also Häuser gänzlich ohne Zierrat, keine Satteldächer, große Fensteröffnungen, eben ein klarer und moderner Entwurf, wie er für die moderne Menschheit eben gedacht war.

So findet man in dieser Siedlung eine ganze Anhäufung von Gebäuden, die jedem Architektur-Studenten das Herz aufgehen lassen. So wie wenn ihr auf ein Oldtimer-Treffen kommt, so ging es mir dort. Egal wohin man schaute, gab es Details zu entdecken. Und das beste daran, der vorherrschende Geldmangel der Besitzer führte dazu, dass die Häuser nahezu im Originalzustand waren. Teilweise sogar noch die damalige Farbe, natürlich ausgeblichen und in Ehren ergraut. Da wusste ich, ich möchte mal in genau so einer Siedlung leben, wo man ganz genau weiß, warum man dort wohnt und nicht in einem x-beliebigen Wohngebiet, wo sich die Häuser gleichen und man eigentlich gar nicht sagen kann, warum man hier und nicht drei Straßen weiter wohnt. Dort war jedes Gebäude genau auf den Standort und die damaligen Bewohner "maßgeschneidert" und nicht aus der Schublade gezogen worden.

Aber dazu soll es in diesem Blog noch mehr geben.

 

 

Ein langer Tag neigte sich dem Ende, die Sonne ging langsam unter und ich düste mit ganz neuen Eindrücken wieder heim.

 

Was blieb hängen? Nun, Tschechen sind anders, sie entwerfen anders, haben eine etwas andere Auffassung von Schönheit und sind gerne mal kitschig und konterkarieren sich auch mal selbst - sprich, sie nehmen sich nicht zu ernst. Sie scheinen, was die Architektur angeht weniger verkrampft zu sein, eben lockerer.

Alles in allem ist Prag eine sehr schöne Stadt, welche sich gerade im Umbruch befindet, wie so viele Städte in Tschechien. Beispielsweise ist Brünn und auch Pilsen zur Zeit eine riesige Baustelle. Sie haben es geschafft, junge und engagierte Architekten an die Macht zu lassen um so die Stadt weiterzudenken für die nächsten 50 Jahre. Man kann nur hoffen, dass altes Gutes bestehen bleibt und sich das neue harmonisch einfügt. Wunden gibt es genug, die geheilt werden müssen.

 

Ich bin schon ganz gespannt, wie ihr den doch etwas längeren Blogeintrag auffassen werdet. :)


17.03.2011 21:09    |    Goify    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: Reisen

Hallo werte Leser,

aufgrund der überwältigenden Resonanz des letzten Blogs (trotzdem Danke an Gudolf) habe ich mich selbst auf die Suche nach interessanten Orten gemacht. Heraus kam dabei, dass es wieder mal so viel gibt, was man sehen will, dass 14 Tage viel zu kurz sind. Aber ein paar Dinge sind schon mal fix.

Die da wären:

- Mercedes-Benz Museum in Stuttgart

- Ruhrpott mit Wuppertal und Essen u. s. w.

- Hamburg inkl. Hafencity und Speicherstadt

- Wolfsburg (Phaeno, Autostadt)

- Dessau, das Bauhaus (nicht der Baumarkt ;))

 

Die Routen dazwischen können frei verschoben werden, falls sich interessante Orte finden lassen. Für mich erstaunlicherweise habe ich so schon über 2000 km zusammen bekommen. Also wohl knappe drei Tankfüllungen werde ich durchlassen müssen wobei ich auf Landstraßen durchgängig unter 7,0 l/100 km bleiben sollte. Daraus folgt, ich werde zusätzlich eine Spritsparrally daraus machen. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch aus ökologischen und um einen weiteren Reiz einzubauen.

Ein nettes Prospekt verschiedener Bio-Hotels habe ich auch gerade da liegen. Macht Lust auf mehr.

 

Nun wird meine Frage so langsam konkreter, die da lautet:

Was gibt es auf meiner Strecke oder am Wegesrand (max. 50 km Abweichung) für Sehenswürdigkeiten, die es Wert sind, angeschaut zu werden?


11.03.2011 17:55    |    Goify    |    Kommentare (4)    |   Stichworte: Reisen

Hallo ihr Blogleser,

wie manche vielleicht schon wissen, plane ich eine kleine Rundreise durch unser schönes Deutschland. Denn bevor ich ins Ausland fahre, möchte ich erstmal meine nähere und fernere Heimat besser kennen lernen.

Angedacht ist eine gemütliche Tour über Landstraßen ohne Hektik mit meinem alten Benz. Also Schiebedach auf, Musik aus seiner Zeit aufgelegt und cruisen.

Damit das besonders gut funktioniert, habe ich mir den Monat Mai rausgesucht, da es der einzige ist, der komplett frei von Ferien ist, ausgenommen irgendwelche Länder um uns herum. Als Co-Piloten nehme ich meinen Bruder, der sich da als sehr gut erwiesen hat, was das Kartenlesen und unterhalten anbelangt.

Übernachtet wird ganz klassisch in kleinen Gasthöfen, wo die Mutter noch selbst die Chefin ist und die Spezialität des Hauses urdeutsches Essen ist. Dazu schöne Zimmer mit Kreuz über'm Bett und winzigen Bildern an der Wand.

 

Konkret soll es so aussehen, dass wir bei Passau starten - mein Bruder soll ja mit - und dann so langsam den Kreis beginnen. Angefangen mit Stuttgart, Ruhrpott, Hamburg, Ostsee, Thüringer Wald und weiter heim als grobe Eckpunkte. Wir werden nicht auf kürzestem Weg die Orte anfahren, sondern wollen alles, was auf dem Weg liegt mitnehmen, zumindest im übertragenen Sinne. Kann also gerne Rothenburg ob der Tauber sein, ein schöne Burg an der Mosel oder der Nürburgring. Wir wollen ja nicht die ganze Zeit fahren, sondern zwischendurch Wandern, Photographieren, Wein verkosten, einfach die Seele baumeln lassen.

 

Insgesamt soll die ganze Sache 14 Tage dauern und entweder jeden oder jeden zweiten Tag, wollen wir einen weiteren Abschnitt "schaffen".

 

Jetzt seid ihr gefragt, wo sind die schönsten Ecken in Deutschland, was muss man unbedingt gesehen haben, gerne auch Geheimtips, Lost Places, tolle Clubs/Konzerte oder ganz herausragende Architekturbeispiele? Nennt einfach alles, was euch in den Sinn kommt. Gerne auch Absurdes, Lustiges, Erhabenes oder einfach nur Sehenswertes.


Schreiber

Goify Goify

Mercedes

Interessiert an allem was technisch ist, also Gebäude, Flugzeuge und Autos.

Leidenschaftlicher Musikkonsument, Autoschrauber und Nostalgiker.

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